Inhalt
Der kleine Bruder, der Großes lehrt

Mit der BMR-X Carbon bringt Bergara sein bewährtes X-Schaft-Konzept aus der großkalibrigen B14-Serie ins Kleinkaliber. Getestet habe ich die Büchse im Kaliber .22lr, primär auf dem Schießstand, wobei sich der jagdliche Nutzen für Raub- oder Federwild durchaus mitdenken lässt.
.22lr: Das ideale Trainingskaliber
Bevor es zur Waffe selbst geht, lohnt sich ein Blick auf das Kaliber. .22lr ist aus gutem Grund eines der beliebtesten Trainingskaliber überhaupt. Die Munition ist extrem günstig, die getestete Leader .22lr Rifle liegt bei rund 7,30 Euro für 50 Schuss, also grob 15 Cent pro Schuss. Zum Vergleich: Großkalibrige Jagdmunition bewegt sich schnell im ein- oder sogar zweistelligen Euro-Bereich pro Patrone, wobei nur wenige Sorten deutlich über die 10-Euro-Marke pro Schuss hinausgehen. Das macht ausgiebiges Training, bei dem es auf Wiederholung ankommt, überhaupt erst bezahlbar.
Dazu kommt der geringe Rückstoß. Wer neu im Schießsport oder in der Jagd ist, kann sich auf das Wesentliche konzentrieren: ruhiger Anschlag, sauberer Abzug, durchs Feuer schauen etc., ohne dass ein kräftiger Rückstoß zum Mucken oder Verreißen verleitet. Genau diese Fehler schleichen sich bei Großkaliber-Einsteigern schnell ein und sind später schwer wieder abzutrainieren.

Neben dem Trainingsaspekt lässt sich .22lr natürlich auch jagdlich einsetzen, klassischerweise bei Raubwild wie Fuchs oder Marder sowie bei Federwild, jeweils unter Beachtung der landesrechtlichen Vorgaben zu Kaliber und Mindestenergie.
Damit ist .22lr nicht nur die klassische Einstiegsmunition für Anfänger im Schießsport, sondern auch ein sinnvolles, kostengünstiges Trainingsmittel für erfahrene Schützen, die ihre Grundlagen auffrischen wollen, genau der Gedanke, den die BMR-X Carbon mit ihrer B14-typischen Ergonomie konsequent weiterdenkt.
Verarbeitung & Materialqualität
Verarbeitung und Materialqualität sind sehr gut, besonders wenn man den Preis berücksichtigt. Für eine UVP von 774 Euro (in allen drei Kalibervarianten .17 HMR, .22lr und .22 WMR identisch) bekommt man einen 51 cm langen Bergara Carbon-Lauf, ein Gesamtgewicht von 2,4 kg und eine Gesamtlänge von 94 cm. Preislich bewegt sich die BMR-X Carbon damit im Mittelfeld der Kleinkaliber-Repetierer, was angesichts des Carbon-Laufs und der durchdachten X-Schaft-Ergonomie ein faires Angebot darstellt.
Laufgewinde & Schalldämpfereignung
Die BMR-X Carbon verfügt über ein 1/2-28 UNEF Mündungsgewinde und ist damit grundsätzlich für Schalldämpfer oder Mündungsbremsen geeignet. Wichtig dabei: Da es sich um eine Randfeuerwaffe handelt, ist für die Montage eines Schalldämpfers in Deutschland eine gesonderte Erlaubnis nötig.
Wie schon bei der Bergara B14² CIMA CF gilt auch hier: Der Carbon-Lauf baut spürbar dicker als ein vergleichbarer Stahllauf. Nachgemessen komme ich auf rund 23,2 mm Außendurchmesser am Lauf, was sich mit den offiziellen Bergara-Angaben deckt. Wer einen Over-Barrel-Schalldämpfer plant, sollte also vorher genau prüfen, ob dessen Innendurchmesser ausreichend Luft lässt, viele günstigere Dämpfer sind für schlankere Stahlläufe ausgelegt und passen hier nicht ohne Weiteres.

Ergonomie & X-Schaft
Die Ergonomie überzeugt und erinnert stark an meinen Test der Bergara B14² CIMA CF: Der flache Vorderschaft ist sehr praktisch und verhindert das Verkanten, genau wie bei der großkalibrigen Cima CF. Generell fühlt sich das Handling identisch zur großen B14-Serie an, was die BMR-X Carbon zu einer hervorragenden Trainingswaffe macht. Die wichtigsten Abläufe lassen sich damit super einüben, mit dem Vorteil, dass kleine Fehler auf 100 m mit Kleinkaliber deutlich sichtbarer werden als mit Großkaliber und man so schneller lernt, sie abzustellen.

Abzug
Der Bergara Performance Abzug fühlt sich gut an und lässt sich einfach per Inbus verstellen, ganz ohne Spezialwerkzeug.
Schlossgang
Der Schlossgang ist dem der B14-Serie sehr ähnlich und funktioniert einwandfrei. Butterweich läuft er noch nicht, das dürfte sich aber mit der Zeit einschießen, immerhin handelt es sich um eine nagelneue Waffe.
Präzision
Bei .22lr hängt ein großer Teil der erzielbaren Präzision von der verwendeten Munition ab, nicht nur von der Waffe selbst.
Auf 50 m erzielte die BMR-X Carbon in einer 5-Schuss-Gruppe mit Leader-Munition einen Streukreis von 2,249 cm (1,546 MOA), gemessen mit der Ballistic-X App. Der Mean Radius liegt bei 0,847 cm (0,583 MOA).
Bergara definiert für die BMR-Reihe einen "Passing"-Standard von 1 Zoll (2,54 cm) auf 50 Yards, getestet mit Matchmunition wie Eley Tenex oder Lapua Center X (3 x 5-Schuss-Gruppen). Die gemessene Gruppe mit Leader-Munition lag mit 2,249 cm unter diesem Wert.
Auf 100 m erreichte ich mit RWS Subsonic 40 grs eine 5-Schuss-Gruppe von 6,080 cm (2,091 MOA), Mean Radius 2,233 cm (0,768 MOA). Mit Leader-Munition lag die Gruppe auf derselben Distanz bei 7,793 cm (2,680 MOA), Mean Radius 2,916 cm (1,003 MOA).
Zu berücksichtigen: Es handelt sich um eine neue Waffe, die Präzision kann sich mit zunehmender Schusszahl beim Einschießen von Lauf und Kammer noch verändern. Zudem bleibt bei Einzelgruppen der Schütze selbst ein Faktor.
Ich werde die BMR-X Carbon in den kommenden Wochen mit weiteren Munitionssorten testen und die Ergebnisse in einem Update ergänzen. Wenn ihr bestimmte Munition interessiert, die ich mit aufnehmen soll, schreibt sie gerne in die Kommentare!
Munitionswahl & Zuverlässigkeit
Getestet wurde mit drei verschiedenen .22lr Fabrikaten: der Leader .22lr Rifle (2,6 g / 40 grs LRN, E0 142 Joule), der Geco Rifle .22lr mit ebenfalls 40 grs, die im Kern die gleiche Laborierung unter anderem Markennamen darstellt, sowie der RWS Subsonic mit 40 grs. Alle drei Munitionen hat die BMR-X Carbon problemlos verdaut, ohne Zuführungs- oder Funktionsprobleme.
Magazin
Die Magazine gibt es in 5 und 10 Schuss, beide lassen sich einfach befüllen und bieten eine gute Kapazität. Sie sind robust, aber dennoch leicht gebaut.
Optik-Montage
Montiert wurde ein NikkoStirling Diamond FFP 34mm 5-30x56 auf der integrierten 30-MOA-Schiene. Mehr zum Zielfernrohr selbst findet ihr in einem eigenen Bericht hier.
Kritikpunkte
Drei Punkte sollte man kennen: Die BMR-X Carbon verfügt nur über eine Zweistellungssicherung, eine echte Kammersperre gibt es nicht. Das bedeutet, die Kammer lässt sich in jedem Sicherungszustand öffnen, was bei versehentlicher Betätigung zu Problemen führen kann.

Zudem weist die verbaute Picatinny-Schiene unterschiedlich große Rippen auf und entspricht damit nicht durchgängig dem MIL-STD-1913-Standard. In der Praxis bedeutet das, dass ein Wechsel der Optik nicht so unkompliziert möglich ist, wie es bei einer normgerechten Schiene der Fall wäre.

Ein dritter Punkt betrifft den Öffnungswinkel des Kammerstengels, der mit 90° recht groß ausfällt. Das kann bei Zielfernrohren mit weit außenliegenden Throwlevern zu Kollisionen führen, in meinem Test des NikkoStirling Diamond FFP 34mm 5-30x56 lässt sich der Thrower zwar in drei Positionen einsetzen, in der ganz rechten Stellung wird es dann aber eng mit dem Kammerstengel. Wer eine Optik mit seitlichem Thrower plant, sollte vorher prüfen, ob der Öffnungswinkel der BMR-X Carbon genug Platz lässt.
Transparenzhinweis: Für diesen Testbericht wurde mir die Bergara BMR-X Carbon vom deutschen Importeur Leader Trading als Testgerät zur Verfügung gestellt. Dies hat jedoch keinerlei Einfluss auf den Inhalt dieses Berichts. Ich habe weder eine finanzielle Vergütung für die Erstellung erhalten, noch wurde der Inhalt vor der Veröffentlichung abgesprochen und weder von Leader noch von Bergara in irgendeiner Weise beeinflusst. Die hier dargestellten Erfahrungen, Bewertungen und Schlussfolgerungen basieren vollständig auf meinen eigenen, unvoreingenommenen Tests und reflektieren meine persönliche, ehrliche Meinung.
Fazit
Die Bergara BMR-X Carbon überträgt das X-Schaft-Konzept der großen B14-Serie erfolgreich ins Kleinkaliber und liefert damit eine Trainingsbüchse, die sich in Handling und Ergonomie fast identisch zum Großkaliber-Pendant anfühlt. Für alle, die Grundlagen trainieren oder Einsteiger an den Schießsport heranführen wollen, ist genau das der entscheidende Vorteil: günstige Munition, geringer Rückstoß und dieselben Handgriffe wie am Großkaliber.
Verarbeitung und Materialqualität liegen auf einem Niveau, das den Preis von 774 Euro rechtfertigt, preislich bewegt sich die BMR-X Carbon im Mittelfeld der Kleinkaliber-Repetierer. Abzug und Magazin überzeugen im Alltag, der Schlossgang funktioniert einwandfrei, auch wenn er sich als neue Waffe noch nicht butterweich anfühlt.
Bei der Präzision zeigte sich die Munitionsabhängigkeit deutlich: Auf 50 m lag die Gruppe mit Leader-Munition mit 2,249 cm unter Bergaras eigenem Passing-Standard von 2,54 cm, der allerdings mit Matchmunition ermittelt wird. Auf 100 m unterschieden sich die Streukreise zwischen RWS Subsonic (6,080 cm) und Leader-Munition (7,793 cm) um rund 28 Prozent. Da es sich um eine neue Waffe handelte, dürfte sich die Präzision nach weiteren Schuss und vor allem mit Matchmunition noch verbessern, zudem können andere Schützen andere Ergebnisse erzielen.
Drei Punkte sollte man vor dem Kauf kennen: die fehlende Kammersperre (nur Zweistellungssicherung), die nicht normgerechte Picatinny-Schiene sowie der große Kammerstengel-Öffnungswinkel, der bei manchen Zielfernrohren mit seitlichem Thrower zu Problemen führen kann.
In Summe ist die BMR-X Carbon eine durchdachte, gut verarbeitete Trainingsbüchse für Einsteiger und erfahrene Schützen gleichermaßen, mit ein paar konkreten Einschränkungen, die man kennen sollte, aber ohne dass diese das Gesamtbild trüben.