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Bergara B14² CIMA CF im Praxistest

Bergara – Präzision aus dem Baskenland
Benannt nach der spanischen Stadt Vergara (baskisch Bergara) steht die Marke Bergara heute für Präzision, Verlässlichkeit und modernes Gewehrdesign. Was viele nicht wissen: Die Wurzeln des Unternehmens liegen im historischen baskischen Waffenbau, einer Region Spaniens, die seit Jahrhunderten für feinste Büchsenmachertraditionen bekannt ist. Dort, im Norden Spaniens, hat sich Bergara als Markenname etabliert, indem man technische Innovation mit handwerklicher Erfahrung verbindet. Ursprünglich spezialisiert auf hochwertige Läufe, entwickelte sich das Unternehmen rasch zu einem ernstzunehmenden Hersteller kompletter Jagd- und Präzisionsgewehre.
Preislich bewegt sich Bergara bewusst in einem Segment, das für ambitionierte Jäger und Präzisionsschützen attraktiv ist, ohne in den Premium‑Preisbereich klassischer Luxuswaffen vorzudringen. Die Gewehre sollen erschwinglich bleiben, gleichzeitig aber Präzisions‑ und Leistungsstandards erfüllen, die sonst oft deutlich teureren Systemen vorbehalten sind. Gerade die B‑14‑Serie steht beispielhaft für diesen Anspruch: Sie bietet eine hochwertige Kombination aus Präzisionslauf, zuverlässigem System und modularer Aufbauweise zu einem Preis‑/Leistungsniveau, das viele Konkurrenten in dieser Klasse herausfordert. Gut unter dem Firmenmotto ‚Our barrels make the difference‘ zusammengefasst.
Heute produziert Bergara eine breite Palette von Jagd‑ und Sportgewehren, vom klassischen Repetierer über moderne Carbon‑Varianten bis hin zu spezialisierten Präzisionssystemen. Die Marke hat sich in der internationalen Jagd‑ und Schützencommunity etabliert und ist für viele eine vertrauenswürdige Adresse, wenn es um verlässliche, präzise und dennoch bezahlbare Waffen geht.
Genau in dieses Bild passt die Bergara B14² CIMA CF, um die es in diesem Testbericht geht. Sie vereint die jahrzehntelange Expertise des Hauses mit einem modernen, carbonbasierten Leichtbaukonzept – ein Ansatz, der das Erbe und gleichzeitig die Weiterentwicklung von Bergara widerspiegelt.
Im Zentrum der Konstruktion der Bergara B14² CIMA CF steht der Bergara CURE Carbonlauf, der durch eine Kombination aus Stahlkern und Kohlefaserummantelung eine deutliche Gewichtsreduktion erreicht, ohne dabei die Schussleistung einzuschränken. Ergänzt wird der Lauf durch einen sehr leichten RTM-Carbon-Sporter-Schaft, der nur rund 510 Gramm wiegt, sowie ein integriertes SMC-Carbon-Mini-Chassis, das für hohe Verwindungssteifigkeit sorgt und der Waffe trotz des geringen Gewichts Stabilität verleiht. In Summe bringen diese Komponenten die B14² CIMA CF auf ein Gesamtgewicht von 2,6 Kilogramm. Damit gehört sie zu den leichtesten Modellen ihrer Klasse und ermöglicht Jägerinnen und Jägern eine erhebliche Gewichtseinsparung im Gebirge, auf der Pirsch oder generell in anspruchsvollem Gelände.
Getestet habe ich die Waffe im Kaliber .308 WIN in Kombination mit dem Leader-SDK-Schalldämpfer sowie der Leader MJG-SX Munition. Dazu später mehr – zunächst zur Waffe selbst.
Verarbeitung, Schlossgang und Handling

Die Metalloberflächen der Bergara B14² CIMA CF sind mit Cerakote beschichtet, was sie widerstandsfähig gegenüber Witterung, Korrosion und harten Einsätzen macht. Besonders positiv fällt am Carbon-Griff auf, das dieser dank des eingesetzten Musters eine sehr griffige Anlage bietet und sich grundsätzlich sehr angenehm anfühlt.
Der Schlossgang ist ausgesprochen sanft. Er erreicht zwar nicht ganz das Niveau einer Sauer, ist jedoch sehr weich, sauber geführt und durch den gefluteten Verschluss nochmals optimiert. Einige kritisieren online den 90-Grad-Öffnungswinkel des Verschlusses; mir persönlich ist er jedoch nicht negativ aufgefallen.
Solange man keine extrem flachen Montagen verwendet, dürfte dies für die allermeisten Nutzer kein praktisches Problem darstellen.
Werkseitig verfügt die Waffe über ein 5/8-24-UNEF-Mündungsgewinde, inklusive mitgelieferter Mündungsbremse. Durch den Carbonmantel ist der Lauf außen nicht anfällig für Korrosion. Das System basiert auf dem Remington-700-Standard, wodurch viele Komponenten – von Abzügen bis hin zum Schaft – problemlos austauschbar sind.

Präzision, Abzug und Magazinoptionen
Der Lauf der B14² CIMA CF kommt mit Sub-MOA-Garantie. Der Abzug ist zwischen 2 und 4 Pfund verstellbar, also etwa zwischen 900 Gramm und 1,8 Kilogramm. Wer möchte, kann den Abzug problemlos gegen Alternativen tauschen – dank des Remington-700 Systems ist das Angebot groß.
Als Magazinlösung kommen AICS-Magazine zum Einsatz; bei PRC-Kalibern ist alternativ ein Klappdeckelmagazin möglich oder bei allen Modellen entsprechend umrüstbar. Die .308 WIN kommt mit einem 3 Schuss AICS-Magazin.
Sehr praktisch gelöst ist die doppelte Riemenbügelaufnahme an der Vorderseite. So kann beispielsweise ein Zweibein an einer Öse und ein Trageriemen an der anderen montiert werden. Wer mehr Befestigungsmöglichkeiten benötigt, kann alternativ eine Picatinny-Schiene montieren.
Der Schaft besteht zu 100 Prozent aus Carbon, ist sauber gearbeitet, extrem leicht und liegt hervorragend in der Hand. Die Kombination aus einem eher klassischen Schaftdesign und einem modernen Carbonlook ist natürlich Geschmackssache – mir persönlich gefällt sie extrem gut. Drei Spacer gehören zum Lieferumfang, sodass sich die Schaftlänge individuell anpassen lässt.
Carbonlauf, Hitze und Munitionswahl

Ein Aspekt, den man im Hinterkopf behalten sollte: Carbon hat eine schlechte Wärmeleitfähigkeit. Während Stahl etwa 53 W/(m*K) leitet, kommt Carbonfaser nur auf rund 17 W/(m*K). Das bedeutet, dass der Lauf innen sehr heiß werden kann, während man ihn außen trotzdem noch problemlos anfasst. Einerseits ist das angenehm, andererseits besteht die Gefahr, dass der Lauf überhitzt, ohne dass man es sofort merkt.
Bei anderen Herstellern von Carbonläufen kursieren Berichte, dass die Präzision nach mehreren schnellen Schussfolgen nachlässt. Bei der Bergara konnte ich ein solches Verhalten bisher nicht feststellen. Mehrere Fünfergruppen hintereinander, mit kurzen Abkühlphasen, waren kein Problem. Für jagdliche Anwendungen und den gelegentlichen Besuch im Schießkino reicht das völlig aus. Wer Dauerfeuer erwartet, sollte sich dann aber doch eher nach einer anderen Büchse umsehen.
Die Sicherung ist als Zwei-Stellungs-Sicherung ausgeführt. Im entspannten Zustand lässt sich die Waffe nicht sichern und die Kammer kann in beiden Stellungen geöffnet werden. Das erfordert etwas Gewöhnung. Für Nachsuche-Führer, die auf dem Bauch durch Brombeeren robben, kann diese Eigenschaft kritisch sein.

Vor dem Einschießen benötigt der Lauf eine gründliche chemische Reinigung, und die Montage der Picatinnyschiene (oder anderer Schienen etc.) sollte absolut fachgerecht erfolgen. Viele Reklamationen bezüglich zu großer Streukreise liegen letztlich an diesen beiden Punkten. Hierzu auch gerne mal in die Bergara Testanforderungen reinschauen (hier zu finden).
Die Waffe ist recht munitionsfühlig und verlangt etwas Experimentierfreude. Der 1:10-Drall bevorzugt jedoch grundsätzlich eher schwerere Geschosse. Für Trainingszwecke kann ich die recht günstigen 180grs SP von Sellier & Bellot empfehlen. Zudem sollte bedacht werden, dass der Lauf durch seine Carbonkonstruktion dicker baut (21,5mm Durchmesser) – bei Over-Barrel-Schalldämpfern sollte man sich vorher erkundigen ob genügend Freiraum vorhanden ist.
Leader-SDK-Schalldämpfer

Der Leader-SDK-Schalldämpfer ist ein hochwertiger Aluminium Schalldämpfer, der von Roedale für Leader Trading gefertigt wird. Die Dämpfung liegt bei etwa 30 bis 34 Dezibel, der First-Round-Pop ist sehr gering. Entfernt man die Kunststoffführung, passt der Dämpfer auch problemlos über den Carbonlauf der Bergara.

Da das Waffenmündungsgewinde 5/8-24-UNEF und der Schalldämpfer M18x1 nutzt, wird ein Adapter benötigt. Der Dämpfer kann aber mittels verschiedener Adapter flexibel auch an anderen Waffen genutzt werden kann.
Zur Reinigung lässt sich der Leader SDK mit Zerlegewerkzeug öffnen. Mit gerade einmal 340 Gramm Gewicht passt er perfekt zur Charakteristik der B14² CIMA CF – leicht, kompakt, effektiv.
Interessant ist zudem ein Detail, das auf der Website so nicht explizit kommuniziert wird: Im Inneren des Leader-SDK kommt bereits ein Edelstahl-Gewebe zum Einsatz. Dadurch wird eine zusätzliche Dämmleistung erzielt, weil die heißen Pulvergase stärker verwirbelt und abgebremst werden, und der First-Round-Pop merklich reduziert. Weniger kaltes Luftvolumen im Dämpfer sorgt für einen homogeneren Druckaufbau – ein praxisrelevanter Vorteil, gerade weil in jagdlichen Situationen ja meistens der erste Schuss entscheidend ist. Für einen Dämpfer dieser Gewichts- und Preisklasse ist das ein technisch sauberes Feature, das zeigt, dass hier nicht am Material gespart wurde, sondern mitgedacht wurde.

Vielleicht ein etwas merkwürdiger Kritikpunkt oder eher eine Anmerkung: Die Beschriftung des Schalldämpfers ist so angebracht, dass diese (zumindest bei mir) auf der linken Seite ist und dann leider auf dem Kopf steht. Das ändert natürlich funktionell rein gar nichts, aber meinen inneren Monk würde es sehr zufrieden stellen, wenn die Schrift lesbar wäre. Bei den Meisten verschwindet der Dämpfer am Ende aber sowieso unter einer Hülle.
Leader MJG-SX – bleifreie Jagdmunition

Die von mir verwendete bleifreie Munition ist die Leader MJG-SX, produziert von SAX in Deutschland. Das Geschoss wiegt 120,4 Grain und zeigt eine sehr gestreckte Flugbahn. Mit einer GEE von 191 Metern bleibt die Laborierung auch auf weitere Distanzen jagdlich gut einsetzbar und liefert selbst auf 200 Metern noch beeindruckende 2.180 Joule.

Das Hohlspitz-Messinggeschoss ist mit einer Polymerspitze versehen. Beim Auftreffen zerlegt sich die vordere Partie in vier Fahnen, die rund 2,4 Gramm Splitter bilden, während das hintere Geschossteil als Solidgeschoss sicher für einen Ausschuss sorgt – und damit zuverlässig Schweiß am Anschuss ermöglicht. Einziger Wermutstropfen: Diese Laborierung ist bislang nur in diesem einen Geschossgewicht verfügbar, hier wäre langfristig mehr Auswahl wünschenswert.


Disclaimer: Die getestete Kombination aus Bergara B14² CIMA CF, Leader‑SDK-Schalldämpfer und Leader MJG‑SX-Munition wurde mir freundlicherweise vom deutschen Importeur Leader Trading für den Test zur Verfügung gestellt. Leader Trading hatte keinerlei Einfluss auf die Inhalte, Meinungen oder Bewertungen in diesem Bericht.
Fazit
Die Bergara B14² CIMA CF ist eine konsequent ultraleicht ausgelegte Repetierbüchse für anspruchsvolle Jägerinnen und Jäger – und sie erfüllt diesen Anspruch eindrucksvoll. Mit nur 2,6 Kilogramm Systemgewicht, hoher Steifigkeit, Sub-MOA-Garantie und einem sehr hochwertigen Carbonaufbau bietet sie genau den Vorteil, den man im Gebirge oder auf langen Pirschwegen braucht. Der sanfte Schlossgang, die hervorragende Verarbeitung, die hochwertige Cerakote Beschichtung und die Remington-700-Kompatibilität ergeben ein Paket, das technisch sowie praktisch überzeugt.
Natürlich gibt es Eigenschaften, die man kennen muss: Carbon leitet Hitze schlecht ab, die Sicherung ist speziell, der Lauf verlangt eine sorgfältige chemische Reinigung vor dem Einschießen und die Waffe reagiert vergleichweise sensibel auf unterschiedliche Munition. Wer jedoch die passende Laborierung findet, die Abkühlzeiten respektiert und die Waffe korrekt montiert, bekommt ein sehr präzises, führiges und in der Praxis absolut jagdtaugliches System.
Mit dem Leader-SDK Schalldämpfer ergänzt man die Bergara ideal um einen extrem leichten, wirkungsstarken Dämpfer, der den Charakter der CIMA CF nicht verfälscht. Die Leader MJG-SX-Munition liefert gestreckte Flugbahnen, sichere Ausschüsse und eine starke Restenergie bis jenseits der 150–200 Meter – ideal für moderne Jagd-Distanzen.
Für einen UVP von 1.785 Euro erhält man eine extrem leichte, robuste und präzisionsstarke Büchse, die sich vor deutlich teureren (Carbon)-Systemen nicht verstecken muss. Wer Gewicht reduzieren will, ohne Präzision zu verlieren – und Freude an moderner Carbontechnik hat – findet in der Bergara B14² CIMA CF ein nahezu unschlagbares Gesamtpaket.