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Sauer 404, eine perfekte Nachfolge der 202 ?!

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Kurz nachdem ich meinen Test über die 202 „Sauer 202, die Eine für Alles“ bei Geartester veröffentlicht hatte, kam es durch einige Zufälle dazu, dass ich die Gelegenheit bekommen sollte, eine neue 404 in Elegance Ausstattung, im Kaliber 308, mit 51cm Lauflänge, Semilauf und Mündungsgewinde für knapp ein Jahr führen zu dürfen. Als echter Sauer 80 und 202 Fan war ich schon etwas skeptisch gegenüber der 404 – dennoch freute ich mich wie ein kleiner Junge als das Paket endlich vor der Tür stand. Schnell war alles ausgepackt, ein herrliches Holz strahlte mir entgegen – kurz gesagt, optisch ein absoluter Traum! Aber kann Sie wirklich mit der 202 mithalten?

Kurzer Spoiler: Sie Kann – und wie!

Diese Waffe sollte mich nun die kommenden 8 Monate begleiten, mir einige tolle Erlebnisse sowie 44 Stücke Schalenwild bescheren.

Also wurde die 404 eingetragen und sofort ging es nach Ulm auf die 300 Meter Bahn!

Eindrücke vom Schießstand

Wunderbar liegt die Waffe trotz des nicht vorhandenen Lochschaftes in der Auflage. Der Pistolengriff ist relativ steil wie ich finde, was den Anschlag in jeder Position sehr Angenehm macht! Der verstellbare Schaftrücken lässt sich kinderleicht mit einem Inbusschlüssel verstellen und ist meines Erachtens eine ganz feine Sache um den Anschlag zu perfektionieren. Nachdem ich ein wenig mit dem Schaftrücken und der Abzugsverstellung getestet habe, stellte sich für mich die Abzugsstellung zwei als die beste Stellung heraus. Gemessene 740 Gramm bilden für mich einen super Kompromiss zwischen Ansitz, Pirsch, Drückjagd und Schießstand. So ist der Abzug auch noch mit dünnen Handschuhen ganz sanft zu spüren bevor er auslöst. Sicher kann man ihn auch blitzschnell verstellen, ich mag es aber gerne, wenn man sich an Waffe und ein bestimmtes Verhalten gewöhnt, daher habe ich dies vermieden. Die Verstellung arbeitet aber toll, ist leichtgängig, nach meinen Messungen absolut wiederholgenau und innerhalb weniger Sekunden zu bedienen und für mich eines der besten Features der 404. War der Abzug der 202 in der Serienausführung doch eher ein Graus als eine Wohltat für diese Preisklasse, so ist der der 404 einer der angenehmsten die ich persönlich je genutzt habe. Den Schaftrücken erhöhte ich leicht – ein toller Anschlag und ehrlicherweise finde ich nach kurzer Eingewöhnung, dass es auch optisch wirklich etwas hermacht!

Ich testete sechs Laborierungen nacheinander. RWS Cineshot, Federal Trophy Copper in 150 und 165 Grain, S&B TXRG, Hornady ELX und die Geco Star. Die 404 verdaute alle Geschosse sehr gut und vor allem trotz unterschiedlicher Geschossformen und Gewichte auf 100 Meter sehr eng beisammen. Alle fünf vierergruppen ließen sich, die Scheiben identisch übereinandergelegt, in einen 50mm Kreis einrahmen. Das ist schon eine Top Leistung! Den besten Streukreis von 12mm mit einer Vierergruppe brachte die Sauer mit dem 165er Trophy Geschoss sowie 14mm mit der Cineshot. Die anderen Kreise waren mit etwa 20mm auch durchaus sehr gut. Lediglich die TXRG bildete mit 38mm eine kleine Ausnahme. Sicherlich für 100 Meter Schüsse auch noch vertretbar. Wenn man aber mal etwas weiter schießen möchte, nicht die beste Wahl.

Ich entschied mich für die Trophy Copper in 165 Grain und schoss diese während des gesamten Nutzungszeitraums.

Die hier gezeigte 2 Schuss 100m / 2 Schuss 300m Scheibe ist auch durchaus aussagekräftig.


Der erste echte Ansitz

An einem trockenen Juliabend führte ich die 404 das erste Mal aus. Ich pirschte eine Wiese hinunter und setzte mich an einen alten Apfelbaum neben dem Wegesrand. In alle Richtungen konnte man knapp 220 Meter Wiese und Waldrand einsehen. Etwa eine Stunde später trat ein Jährling aus und die 404 lag schnell auf dem Rucksack. Auch liegend vom Boden macht sich der steile Pistolengriff wieder positiv bemerkbar. Auf 200 Meter korrigierte ich 5cm über den Haltepunkt und ließ mir viel Zeit bis ich langsam den Finger an den Abzug legte. Wenige Sekunden später rauschte die 308 durch das Tal und der Bock verschwand nach starkem Zeichnen auf dem selben Wechsel über den er gekommen war. Die 404 geschultert, sammelte ich den schwachen Bock mit einem tollen Kammertreffer ein. Die Bilder sprechen für sich und natürlich für die 404. Ich habe mir mal vorgenommen, aus Gründen der Pflege keinen Holzschaft mehr zu kaufen. Diesen Vorsatz würde ich für dieses Holz auf der Stelle widerrufen! 

Viele Pirschgänge und Ansitze begleitete mich fortan die 404 und immer wieder glänzte der Schaft und die gesamte Waffe in Morgen- und Abendsonne.

 






Die Feuertaufe

Es war ein herrlicher Augustmorgen. Am Vortag hatte es geregnet, der Waldboden war nass als ich mit der 404 über der Schulter in Richtung des Sitzes an einer heimlich gelegenen Waldwiese pirschte. Auf etwa halbem Wege bemerkte ich ein kleines Rudel Rotwild, welches schräg auf mich zu zog und immer wieder zum Äsen verhoffte. Schnell lag die 404 im Schießstock, der Hund war abgelegt und kurz darauf brach der erste Schuss aus der 404. Staubtrocken steht der Abzug und das Abzugsverhalten ist einzigartig dachte ich noch und schon war die nächste Patrone in der Kammer. Ein Kalb brach wenige Meter vom Anschuss zusammen und die restlichen 4 Stücke flüchteten in meine Richtung. Kurz vor dem Waldrand beschoss ich das zweite Kalb, gut abgekommen - und die nächste Patrone rutschte Sauertypisch in die Kammer, patsch, da war der nächste Schuss auf den Spießer raus. Wie kann man denn nur drei Patronen laden fragte ich mich selbst ohne es auszusprechen. Aber jetzt war die Bühne eh leer. Ich sammelte die Hülsen ein, lud dieses Mal vier Patronen und pirschte erstmal zu dem nahegelegenen Hochsitz. Immer wieder knackte es neben mir in der Dickung und auf einmal kamen die beiden verblieben Alttiere, sichernd auf die Wiese. Schnell war die 404 wieder gespannt, einfach herrlich die Haptik der Handspannung, ein Alttier verhoffte mitten auf der langen Waldwiese und sicherte nach hinten – schon war der Schuss raus und auch dieses Stück brach wenige Meter vom Anschuss entfernt zusammen. Vier Stück Rotwild an einem Morgen. Und das mit diesem herrlichen Gewehr in dieser tollen Morgenstimmung! Da geht einem wahrlich das Herz auf und die Bilder bringen nur zur Hälfte auf den Bildschirm, wie wundervoll das Holz heraussticht.

Weitere Ansitze

Etwa eine Woche später, an derselben Stelle. Dieses Mal schaffte ich es direkt bis in den Hochsitz. Es war schon etwas heller und ich betrachtete die vor mir stehende 404 als ein Schmalreh stark schreckend und sehr schnell über die Wiese sprang. Die 404 lag gespannt im Anschlag aber das Reh war weg. Wenige Sekunden später kam der „Treiber“ aus der Dickung. Ein zweijähriger Keiler mit 75 Kilo, der im Knall der 404 verendete. Auch hier entstanden wieder ein paar tolle Fotos mit der Waffe.


Kurz darauf ging es für mich zu dem schönsten Erlebnis mit der 404. Eine Woche Bergjagd in Slowenien. Kurzfristig bekam ich die Möglichkeit mit einem ganz besonderen Freund diese Reise anzutreten. Es gibt wohl kaum ein schöneres Morgenlicht als das der Berge, kaum ein spannenderes Jagen als dort zu pirschen und kaum bessere Begleitung als einen guten Freund und eine holzgeschäftete 404 mit sehr guter Präzision! In den Bergen fiel mir erstmals das Gewicht der 404 auf. Natürlich kommen der Semilauf, das Stahlsystem, der große Schalldämpfer und das relativ große Glas hier er– bzw. beschwerend hinzu. Blank wiegt die Waffe knapp 3800 Gramm. Mit Optik, Gurt, vier geladenen Patronen und Schalldämpfer sind es dann knapp 5500 Gramm. Meine 202 mit identischer Ausstattung bringt es auf 5560 Gramm. Mich hat es nicht gestört aber man sollte sich beim Kauf eben gut überlegen für welchen Einsatzzweck man eine Waffe überwiegend nutzen möchte und diese dann dementsprechend konfigurieren. Sicher gibt es auch Ausführungen der 404 mit denen man im jagdlichen Einsatz unter 4 Kilogramm bleibt. Das Gewicht hier negativ auszulegen wäre, wie sich bei einem eigens konfigurierten Hecktriebler über den nicht vorhandenen Allrad zu beschweren.

In diesem Jagdurlaub konnte ich mit der Waffe mehrere Stücke Rotwild auf Distanzen von 65 – 310 Meter erlegen. Der slowenische Pirschführer brachte es auf den Punkt!

„Ist eine tolle Gewehr und schießt wie Kleinkaliber“ 😊


Die 404 im Portrait

Was mir über den ganzen Testzeitraum positiv ins Auge fiel ist definitiv die Optik der Waffe. Ich finde, dass Sauer hier seinem Ruf absolut gerecht geworden ist und die Waffe wunderschön gestaltet hat! Die elegante Linie und die fein gearbeiteten Details wie der Pistolengriff, die dunklen Schaftabschlüsse, der Sonnenschliff und natürlich das goldene Saueremblem, machen die Waffe nicht nur funktional, sondern auch optisch zu einem Glanzstück. Die Handspannung lässt sich für meinen Geschmack sehr gut bedienen. Sie ist nahezu lautlos und sowohl das spannen, als auch das entspannen und das Vorspannen zum öffnen der Kammer funktionieren nach kurzer Eingewöhnung intuitiv und mit angenehmem Gegendruck. Die Farbe auf dem Handspanner sticht super ins Auge, was sehr zur Sicherheit beiträgt. Überhaupt ist natürlich die Handspannung im Gegensatz zur Abzugssicherung der 202 überlegen und für mich gemeinsam mit dem Abzug die herausragende Verbesserung zur 202.


Eine weitere Verbesserung ist die direkt in das System eingebrachte Montagebasis zur Montage des Zielfernrohrs. Brauchte man bei der 202 sowohl Unterteile als auch Oberteile der Montage, so bietet die 404 hier eine deutliche Weiterentwicklung. Zum einen macht dieser Punkt die Sache preislich attraktiv, zum anderen aber vor allem die Kombination präzise. Die SUM gibt es in nahezu allen Variationen und sie bietet eine tolle und gut verarbeitete Möglichkeit, ein Zielfernrohr flach und optisch ansprechend auf der Waffe zu montieren. Das war je nach gewählter Montage bei der 202 nicht immer der Fall.

Das Gewinde auf dem Lauf ist Präzise geschnitten und bietet eine gute Auflagefläche als Zentrierung für den Schalldämpfer. Die Demontage und Montage der einzelnen Waffenteile mithilfe des Inbusschlüssels ist einfach, erfolgt intuitiv und ist so auch für nicht Techniker schnell durchzuführen. Der in den Schaft eingesteckte Inbusschlüssel ist ein gutes Feature! Der Schaft lässt den Lauf frei schwingen und die Modulare Bauweise ist super geeignet, wenn man verschiedene Kaliber oder Schäfte nutzen möchte. Die Verriegelung der Riemenbügel ist top verarbeitet und schneller als jedes andere mir bekannte System zu ver- und entriegeln! Mit positiv scherzhaftem Unterton sage ich: Wie andere Hersteller Ihre Kammer verriegeln, so sichert Sauer lediglich den Riemenbügel.

Die Sicherung des Magazins durch verschieben des Magazinknopfes ist ausgesprochen praktisch. Man muss lediglich darüber Bescheid wissen oder die Bedienungsanleitung lesen😊.

Das Minox Glas war bereits montiert und hierzu werde ich noch einen gesonderten Bericht schreiben.

Zum Repetiervorgang steht meine Meinung fortan fest: Die 404 lässt sich, genau wie die 202, einzigartig repetieren! Ich nutze sowohl an der 202, an der 404, als auch an meinen anderen Waffen entweder eine Mischung aus Waffenfett und Ballistolöl oder Ballistol Teflonspray. Die Mischung ist relativ dickflüssig und hat eine gute dauerhafte Schmier- und Gleitwirkung. Das Ballistol Teflonspray kostet knapp 30€ pro Liter, holt aber dafür auch die letzte Feinheit raus. Hiermit gleitet der Verschluss wie ein Eisstock auf dem Eis. Das der 404 nachgesagte verkanten kann ich keinesfalls bestätigen und scheint mir ein unangenehmer Marketingtrick eines marktbegleitenden Unternehmens zu sein. Auch mit der 404 gilt: Mit etwas Übung ist man kaum langsamer als mit einem Geradezugrepetierer. Immer schneller als die Strategen, die im Schießkino nach jedem Schuss zum Repetieren absetzen aber UNBEDINGT einen Geradezugrepetierer brauchen und spätestens mit dem sechsten und damit letzten Schuss aus dem großen Magazin – wenn man auch die Kammer lädt - hat sie gegenüber dem großen „B“ einen kleinen zeitlichen Vorsprung. 



Ob sie eine perfekte Nachfolgerin ist?

Ein klares Ja! Es sind sehr viele Kleinigkeiten die für mich die Perfektion dieser Waffe ausmachen aber ihre Perfektion ist alles andere als eine Kleinigkeit!

Fazit

Eine tolle Waffe im oberen Preissegment! Optisch ansprechend, mit tollen Features und vor allem den wichtigsten Bauteilen, Handspannung und einzigartigem Abzug, ausgestattet.

Diese Waffe ist jeden Euro wert und ist eine tolle Begleitung, egal ob zum Schießstand, zur Pirsch, zum Ansitz oder zur Drückjagd!

Ausblick

Ich hoffe, dass ich und viele andere Menschen mit der 404 so viel Freude haben werden, wie ich mit meiner 202. Außerdem werde ich definitiv als nächstes die 505 unter die Lupe nehmen. Auch wenn sich die einzelnen Waffenserien von Sauer unterscheiden, bleiben sie für mich doch ihrer Linie treu!

Bis dahin, allzeit Waidmannsheil.

Peter

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