German-Gun-Stock Modell Ranger
Von Bärenbrudi am 24. September 2020

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Hallo liebe Geartester,

In diesem Testbericht geht es speziell um den Ranger Schaft von German Gun Stocks. Einige von Euch sind evtl. schonmal über diese Schäfte gestolpert und hier gab es auch bereits einen Artikel über eine modifizierte Tikka CTR von German Gun Stocks.


Das Unternehmen

German Gun Stocks ist ein deutsches Unternehmen mit Firmensitz im Müglitztal bei Dresden. Neben aktuell drei verschiedenen Schaftvarianten für alle Tikka Modelle bietet GGS auch Kammerstängel, Mündungsbremsen oder auch Dienstleistungen wie Gewehr-Tuning an. Die Firmenphilosophie besagt, die gesamte Wertschöpfungskette im deutschen Mittelstand abzubilden. So werden neben der Herstellung der Schichtholzschäfte und Metallfräsarbeiten selbst die benötigten Schrauben (von Recknagel) oder sogar die Gummi Schaftkappe (von Wegu-GFT) aus heimischen und mittelständischen Partnerunternehmen bezogen. Die Schäfte wurden u.a. zusammen mit beruflichen Anwendern der verschiedenen Branchen entwickelt mit dem Hauptfokus auf Verbesserung des Handlings und Präzisionsförderung.



Das Produkt

Laut Homepage ist ein „Mitspracherecht“ als Kunde jederzeit möglich, was in meinem Fall nicht nötig war, da der Web-Shop Konfigurator bereits alle meine Wünsche für die Tikka T3 Varmint im Kaliber .308Win erfüllen konnte.


Besonders das Feature der seitlich über Kreuz liegenden QD Locks links am Vorderschaft und rechts am Hinterschaft möchte ich nicht mehr missen, da so deutlich variantenreicher und vor allem angenehm die Waffe beim Schultern flach am Rücken (Wahlweise auch vor der Brust) anliegt, ohne zu schlackern, rutschen oder den Kammerstängel im Rücken zu haben. Neben QD-Locks lassen sich zusätzlich eine Picatinnyrail für z.B. ein Zweibein, eine zusätzliche Riemenbügelschraube vorne, die Farbe bzw. Muster (16 Varianten) und eine individuelle Personalisierung (Grafik/Text) unter dem Vorderschaft konfigurieren.

QD Lock

German Gun Stock hat bei dem Ranger Schaft wirklich großzügig die Fräse angesetzt und quasi alles am Schaft skelettiert was man hätte skelettieren können, ohne dass es sich auf die Stabilität und Verwindungssteifigkeit des gesamten Schafts auswirken würde.

selbst der Griff wurde ausgefräst


Zusätzlich bezwecken die von drei Seiten gefrästen Löcher im Vorderschaft eine gute Belüftung des Laufs. Der komplette Schaft aus kreuzlaminierten, in Epoxidharz getränkten Birkenmatten, der stufenlos verstellbaren Wangenauflage, seiner 7075er Aluminium Vollblock-Bettung und Edelstahl-Rückstoßstollen wiegt gerade einmal ca. 1100 Gramm. Im Gegensatz dazu bringt mein original Kunststoff Tikkaschaft ein Gewicht von ca. 1030 Gramm auf die Waage (Schaft mit verstellbarer Wangenauflage). Die Waffe ist ohne Schalldämpfer leicht hecklastig, was bei der Verwendung eines SD´s für eine gute Balance spricht (nutze auf der Tikka momentan kein SD)

Die Haptik des Schafts ist sehr angenehm, Vorderschaft und der Griff haben eine extra angeraute Oberfläche, die schön griffig ist. Man kann erkennen, dass jede Camo-Lackierung ein Unikat und wirkliche Handarbeit sein müsste, da z.T. leichte Blasenbildung im Lack erkennbar ist, was auf ein Tupfen des Musters per Schwamm hindeutet. Wer sich dran stört, könnte entweder einen eintönigen Schaft wählen, oder einen Hersteller suchen, bei dem die Holzklasse im Vordergrund steht.

Wahrer Free Float

Free Floating ist bei dem GGS Ranger Schaft gar kein Begriff, hier würde selbst noch ein Handtuch zwischen Lauf und Schaft bis runter zum Patronenlager passen und auch die präzise Verarbeitung und Passgenauigkeit vor allem beim Einsetzen des Systems in den Schaft hat mich sehr beeindruckt.


Schlosshalte-Drücker schließt perfekt ab

Nichts hat gewackelt oder hatte Spiel und das gesamte System hat sich auf Anhieb perfekt in den Schaft eingefügt. der Abzugsbügel ging sauber in die Aussparung, die beiden Systemschrauben haben genau gepasst und der Drücker für den Schlosshalter schließt Millimetergenau mit dem Schaft ab. Der Umbau war kinderleicht und es braucht wirklich niemand Sorgen haben hierbei etwas falsch zu machen. Die beiden Systemschrauben habe ich mit einem Drehmomentschlüssel von Wera mit 7 Nm gleichmäßig angezogen, die Definition von "handfest" legt schließlich jeder anders aus (Wer Waffen und Optiken im Wert von mehreren Tausend Euro besitzt sollte auch beim nötigen Werkzeug nicht knausern).

Leider kann ich an dieser Stelle keine genauen Vergleiche bzg. Bettung, Einbau oder Qualität  mit Schäften in diesem Preissegment von z.B. GRS oder KKC machen, da ich diese weder besitze noch geschossen habe. Einzig das Gewicht der leichtesten Schäfte der jeweiligen Hersteller kann ich hier objektiv Vergleichen:

GRS Hunter Light: 1040 g

KKC: ca. 1000 g

GGS Ranger: ca. 1100 g

Original-Schaft: 1030 g (Rückstoßstollen aus Metall, ansonsten Kunststoff)


Die Erfahrungen

5 Schuss, 100m, 4cm hoch (jagdl. eingeschossen). Geschoss: Nosler Bal. Tip 165 gr, Eigenlaborierung

Die hervorragende Verarbeitung macht sich auch in der Schussleistung bemerkbar. Tikka hat ohnehin schon eine erstaunliche out of the Box Präzision von der sich so mancher Premiumhersteller etwas abgucken kann, mit dem German Gun Stock kann man allerdings seine Schuss-Serien noch enger auf die Scheibe bringen und das Handling der Waffe wird generell besser bzw. angenehmer. Ohne Eingewöhnung an den neuen Schaft konnte ich gleich am ersten Tag beim Einschießen eine für mich beeindruckende 5er-Serie schießen

Über die Zeit hat sich gezeigt, dass so ein typisches Schussbild aussieht, solange die Munition auch zum Lauf passt und die persönliche Konzentration ausreicht.

Aus jagdlicher Sicht muss ich dem Artikel über die Tuning-CTR leider wiedersprechen. Den großen Nutzen den ein pistolengriffartiger Lochschaft im Gegensatz zum normalen Tikka Schaft hat sind u.a. bessere Kontrolle in dynamischen Situationen, einfaches einhändiges Aufnehmen der Waffe da man den Griff mit der Hand komplett umschließen kann und das generell entspanntere aufgelegte Schießen von Kanzel oder Leiter aus unterschiedlichen Körperhaltungen und Winkeln sind hier zu nennen. Auch die oben genannten QD-Locks machen den Jagdalltag mit Büchse angenehmer.

Fazit

Ich kann jedem diesen Schaft empfehlen, der eine Tikka mit Standard-Schaft besitzt und bestrebt ist, das Maximum aus ihr herauszuholen ohne Abstriche im jagdlichen Alltag machen zu müssen (im Gegenteil). Der GGS Ranger Schaft ist marginal schwerer als der Original Schaft, aber dafür ist der Zugewinn an Handling, Präzision und Qualität umso höher und der Grundpreis von 780 € ist gerechtferigt.

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Bärenbrudi
Enthusiast

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