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Camping-Zubehör als Jagd-Zubehör?
Camping-Zubehör erfreut sich unter Jägern großer Beliebtheit, nicht zuletzt wegen seiner Robustheit und des oftmals guten Preis-Leistungs-Verhältnisses. Doch nicht jedes Produkt ist automatisch auch für jagdliche Anforderungen praxistauglich. Ein gutes Beispiel hierfür sind magnetische LED-Zusatzscheinwerfer, die ursprünglich für den Camping- und Fahrzeugbereich konzipiert wurden. Auf den ersten Blick wirken sie wie ideale Helfer: helles Licht, flexible Positionierung, eine kompakte Bauform sowie Magnetfüße zur Befestigung am Fahrzeug oder an metallischen Oberflächen. Ist das möglicherweise brauchbar für die Jagd?
Hintergrund
Die Stirnlampe funktioniert in den meisten Fällen zwar zuverlässig, leuchtet jedoch naturgemäß sehr fokussiert. Ist der Akku der Stirnlampe leer oder liegt sie noch zu Hause auf dem Sideboard, greife ich notgedrungen zur Taschenlampe, die dann zwischen den Zähnen eingeklemmt wird. Kritik daran gibt es kaum, abgesehen von meiner Zahnärztin, die mir aufgrund der Abnutzung meiner Schneidezähne unterstellt, ich würde nachts mit den Zähnen knirschen (wenn sie wüsste …). Als Notlösung hat sich diese Methode dennoch bewährt. Und wenn auch die Taschenlampe einmal nicht greifbar ist, hat im äußersten Fall sogar schon das Smartphone im Mund aushelfen müssen, auch wenn dies meist auf Kosten der Panzerglasfolie ging. Insofern erscheint die Idee, den Aufbrechplatz mit einer mobilen Leuchte auszuleuchten, durchaus sinnvoll. Ende 2025 schien der allgegenwärtige Meta-Algorithmus dieses Bedürfnis erkannt zu haben und schlug mir magnetische Zusatzscheinwerfer aus dem Campingbereich vor. Mein erster Gedanke: Könnte sich daraus möglicherweise auch nützliches Jagd-Zubehör ergeben?
Campnetic LED-Zusatzscheinwerfer
Die Campnetic LED-Zusatzscheinwerfer werden im Set, bestehend aus zwei Leuchten, angeboten. Sie können direkt über die Website des Herstellers bezogen werden, sind jedoch ebenso über den größten Onlineversandhändler der Welt erhältlich. Dort werden sie als Offroad-Zubehör beworben, das sich dank Magnethalterungen flexibel am Fahrzeug befestigen lässt. Laut Hersteller verfügen die Leuchten über eine Lichtleistung von 1.400 Lumen, sind wasserdicht, besitzen einen internen Akku mit einer Laufzeit von bis zu vier Stunden und lassen sich per USB aufladen. Durch die Magnethalterung, in Verbindung mit der Möglichkeit, den Abstrahlwinkel flexibel einzustellen, können sie sowohl am Fahrzeug als auch an anderen metallischen Flächen angebracht werden. Dass die Zusatzscheinwerfer nicht für den öffentlichen Straßenverkehr zugelassen sind, versteht sich von selbst. Der Hersteller weist sowohl auf seiner Website als auch in der Artikelbeschreibung ausdrücklich darauf hin. Geliefert werden die Leuchten in einer kleinen Tragetasche. Aufgrund der kompakten Abmessungen ist auch eine Verstauung im Handschuhfach problemlos möglich.


Das klang zunächst nach dem perfekten Jagd-Zubehör und endlich hatte ich wieder einen guten Grund, meinem Shopping-Bedürfnis nachzugeben. Ein Nachteil blieb allerdings: Der Preis. Mit über 230 Euro für das Set wurde der spontane Kaufreflex erst einmal deutlich gebremst und für eine Weile wieder in den Hintergrund gedrängt. Mitbewerber in der Kategorie der Arbeitsleuchten gibt es hingegen zahlreich. Diese sind meist mit einem 12-Volt-Kabel für den Zigarettenanzünder ausgestattet, bewegen sich preislich dafür jedoch in einem deutlich niedrigeren Bereich, etwa auf dem Niveau von zwei Kästen Bier.
Erfahrungswerte
Weihnachten rückte näher und meine Frau fragte mich zum x-ten Mal, was ich mir denn wünsche würde. Da unsere Beziehung inzwischen fast ebenso lange andauert wie meine Zeit als Jagdscheininhaber und ich mir, nicht zuletzt aufgrund meines Alters, die meisten Wünsche eigentlich direkt selbst erfülle, werden bei solchen Gelegenheiten meist Dinge genannt, für die man im Alltag eher ungern Geld ausgibt, die als Geschenk jedoch durchaus ihren Reiz haben. Gesagt, getan: Die Wunschliste wurde aktualisiert und unter dem Tannenbaum lagen schließlich die Campnetic LED-Zusatzscheinwerfer.
Die LED-Zusatzscheinwerfer fielen kleiner aus als erwartet. Nach dem ersten Aufladen habe ich sie testweise direkt am Fahrzeug (Pickup) montiert. Die gummierten Magnete halten sehr zuverlässig, und auch die Einstellung des Abstrahlwinkels lässt sich über eine Feststellschraube problemlos vornehmen.


Verarbeitungsqualität? Bei einem Preis in dieser Größenordnung waren meine Erwartungen entsprechend hoch. Viele Erfahrungs- und Testberichte zeichnen jedoch ein Bild, in dem Produkte nahezu durchweg positiv bewertet und oft ohne Einschränkungen empfohlen werden. An dieser Stelle möchte ich bewusst einen anderen Weg einschlagen. Schließlich versteht sich Geartester.de als Plattform von Jägern für Jäger. Gerade deshalb sollte es auch möglich sein, offen zu benennen, wenn ein Produkt nicht vollständig überzeugt und nicht nur dann Erwähnung finden, wenn es uneingeschränkt empfehlenswert ist.
Mein persönlicher Eindruck: Die mit „ENGINEERED IN GERMANY“ beworbenen LED-Zusatzscheinwerfer wirken in ihrer Verarbeitung überraschend wenig hochwertig. Durch die durchaus rege Bestellfreude meiner Frau bei TEMU habe ich in der Vergangenheit schon die eine oder andere Taschenlampe „mitgenommen“, damit meine Frau auf ihren kostenlosen Versand kommen konnte. Subjektiv wirkten dabei einige dieser deutlich günstigeren Produkte in Sachen Materialanmutung sogar wertiger. Das bedeutet ausdrücklich nicht, dass die Campnetic-Leuchten schlecht wären. Die Lichtleistung ist überzeugend und die Ausleuchtung ist für den vorgesehenen Einsatzzweck absolut ausreichend. Kritisch sehe ich jedoch das Gehäuse, das meiner Ansicht nach nicht dem Qualitätsniveau entspricht, das man in dieser Preisklasse, insbesondere im Vergleich zu etablierten Taschenlampenherstellern, erwarten darf. Auch die Winkelverstellung funktioniert grundsätzlich zuverlässig. Die dafür vorgesehene Feststellschraube wirkt jedoch derart einfach ausgeführt, dass ich beim Anziehen stets Sorge hatte, das Kunststoffgehäuse zu beschädigen. Ein Detail, das den Gesamteindruck spürbar trübt. Entsprechend fiel meine erste Einschätzung eher ernüchternd aus. Andererseits gilt auch hier: Einem geschenkten Gaul (danke liebe Ehefrau) schaut man bekanntlich nicht ins Maul.
Immerhin: Die Ausleuchtung ist tatsächlich sehr gut. Wer beide Strahler beim Aufbrechen im Revier einsetzt, beispielsweise, wie auf den nachfolgenden Bildern zu sehen, eine Leuchte am Fahrzeug und die zweite an einem Metallcontainer, wird mit einer beeindruckenden Lichtausbeute belohnt. Das Arbeiten am Wild gestaltet sich so deutlich angenehmer als mit einer Stirnlampe auf dem Kopf oder gar mit einer Taschenlampe im Mund.


Fazit
Ja, grundsätzlich funktioniert das. Eine Kaufempfehlung für die Campnetic LED Zusatzscheinwerfer? Nein, zumindest nicht für den jagdlichen Einsatz und speziell nicht als Hilfe beim Aufbrechen von Wild. Die Scheinwerfer erfüllen zwar ihren Zweck und liefern eine sehr gute Ausleuchtung. In der Praxis haben sich jedoch bei mir einfache Arbeitsleuchten mit 12-Volt-Anschluss oder auch akkubetriebene Modelle mit Magnetfuß, wie sie gelegentlich bei Discountern angeboten werden, als deutlich zweckdienlicher erwiesen. Meine Hoffnung, dass der vergleichsweise hohe Preis durch eine entsprechend hochwertige Verarbeitung gerechtfertigt wird und sich die Campnetic LED-Zusatzscheinwerfer damit klar von günstigeren Produkten abheben, hat sich für mich leider nicht erfüllt.
Abschließend sei jedoch betont, dass diese Einschätzung ausdrücklich vor dem Hintergrund meines persönlichen Einsatzzwecks, nämlich der Jagd und dem Aufbrechen von Wild, erfolgte. Möglicherweise wissen Camper oder Offroad-Enthusiasten die Campnetic LED-Zusatzscheinwerfer für andere Anwendungen deutlich mehr zu schätzen und bewerten ihre Eigenschaften im jeweiligen Nutzungskontext anders.