Mauser M03 Extreme revisited
Von Micha Richie am 2. Februar 2016

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Die Mauser M03 ist ja mittlerweile keine absolute Neuheit mehr am Markt. Im Internet (z.B. hier bei Geartester) und einschlägige Fachzeitschriften gibt es bereits eine Vielzahl an Testberichten. Das positive Resümee, das die meisten Tester zogen und die Positionierung der M03 als legitimer Nachfolger des Mauer 98, dem Urvater aller Repetierbüchsen, führten im Mai 2015 dazu, dass ich mir eine sandfarbene M03 Extreme in .308 Win angeschafft habe. Über die M03 eigene Double Square Montage (die seltsamer Weise nur bei der M03 und nicht bei der M12 verwendet wird) ist ein Zeiss HT 2,5-10 x 50 mit Innenschiene montiert, ich führe die Waffe mit einem Vanguard Neopren-Gewehrriemen mit Schnellverschlüssen.


Konstruktion

Konstruktiv ist die Waffe ein klassischer Drehkopfrepetierer, durch eine Eindrehbewegung verriegelt der Verschlusskopf über sechs Warzen direkt im Lauf. Im Vergleich zu Radialbundverschlüssen, die z.B. bei Blaser Verwendung finden, ist ein Geradezugrepetiervorgang bei Drehkopfverschlüssen nur über ein "Getriebe" möglich, das beispielsweise bei der Merkel Helix die vorwärts-/rückwärts Bewegung in eine Drehbewegung übersetzt. Bei der M03 hat man sich gegen eine solche Lösung entschieden. Beim Repetiervorgang muss somit der Kammerstengel um 60° nach oben bewegt werden, um die Verriegelung zu öffnen und kann erst dann nach hinten geführt werden. Im Gegensatz zum Blaser Radialbundverschluss oder dem in 2:1 übersetzten Helix Drehkopfverschluss ist somit der Weg, über den der Verschluss repetiert wird, zwar länger und macht die vorherige Vertikalbewegung notwendig; dafür hat man allerdings den Vorteil eines geschlossenen Verschlusssystems (vs. Helix) und ein (zumindest gefühltes) Plus an Sicherheit (vs. R93/R8). Mir ist jedenfalls nach umfangreicher Recherche kein im Internet dokumentierter Fall einer Waffensprengung bei der M03 untergekommen.

Wie die angeführten Büchsen ist auch die M03 als Handspanner ausgeführt. Während bei anderen Repetierbüchsen (z.B. Sauer 202) der Schlagbolzen unter Spannung steht und durch ein oder mehrere Sicherheitssysteme davon abgehalten wird, unbeabsichtigt auf den Hülsenboden zu schlagen, verfügt die Mauser M03 über keine Sicherung. Der Schlagbolzen ist nach dem Repetiervorgang ungespannt - solange, bis der Schütze einen kleinen Hebel, der Rückseitig auf dem Verschlussbolzen angebracht ist, von links nach rechts drückt. Somit kann der Schütze unmittelbar vor dem Schuss spannen und eine unbeabsichtigte Schussabgabe, z.B. durch Umfallen einer gespannten und gesicherten Büchse ist quasi ausgeschlossen. Wer also eine Repetierbüchse mit klassischem Drehkopfverschluss und Handspannung sucht, wird früher oder später auf die M03 stoßen. Konstruktiv ähnlich ist z.B. noch die Steyr Mannlicher SM12.

Die Mauser M03 erlaubt einen relativ einfachen Wechsel in andere Kaliber. Je nach Ausgangs- und Ziel-Kaliber müsse Verschlusskopf, Lauf und Magazin getauscht werden. Die Kaliber sind in vier Kalibergruppen eingeteilt: Mini, Standard und Magnum. Möchte man von .222 Rem zu .300 Win Mag wechseln, müssen Lauf, Verschlusskopf und Magazin gewechselt werden. Wird hingegen von 8 x 57 IS auf 30.06 gewechselt, reicht der Tausch des Laufes; beide Kaliber sind in der Standard-Kalibergruppe und verwenden darüber hinaus das gleiche Magazin. Der Laufwechsel erfolgt über das Lösen zweier Torx-Schrauben, ist somit nicht komplett werkzeuglos durchführbar. Der Torx-Schlüssel für den Laufwechsel lag im Lieferumfang bei. Leider ist bei der Double Square Montage eine andere Torx-Größe notwendig und der Schlüssel dafür befand sich nicht im Lieferumfang. Unverständlich, wenn man sich vor Augen führt, dass von IKEA bei jedem Billy Regal ein Imbus-Schlüssel beigelegt wird.


In der Praxis

Die Büchse erreicht eine hinreichende Präzision, die derer einschlägiger Wettbewerber aus dem gleichen Preissegment in nichts nachsteht. Ohne auf den Millimeter nachgemessen zu haben, lassen sich sowohl Lauf als auch Zielfernrohr ohne merkliche Treffpunktverlagerung abnehmen und wieder montieren. Der Verschlussgang ist sauber und präzise, der Verschluss hat kein merkliches Spiel und sitzt satt im Systemkasten. Die Büchse ist führig, schwingt bei mir hervorragend mit und ist meines Erachtens nach sehr gut ausbalanciert.

Die Handspannung ist verbesserungsfähig. Ergonomisch ist der Hebel deutlich schlechter zu bedienen als die Schiebespanner, die sich mittlerweile durchgesetzt haben und u.a. bei Merkel Helix, Blaser R8 und Steyr-Mannlicher SM12 verwendet werden. Bei der M03 muss ich deutlich mehr Kraft aufwenden, um die Waffe zu spannen und die Bewegung des Daumens von links nach rechts ist unangenehmer als ein Schieben von hinten nach vorne. Im Anschlag, also mit der Abzugshand so um den Griff gegriffen, dass ich einen Schuss abgeben könnte, schaffe ich es kaum, die Waffe zu spannen. Meist nehme ich die Hand vom Pistolengriff weg, spanne dann und greife anschließend wieder richtig hin - nicht unbedingt im Sinne des Erfinders.

Auch das Entspannen der M03 ist schlecht umgesetzt. Man drückt einen kleinen Schieber unterhalb des Spannhebels rein, daraufhin löst sich der Spannhebel und haut einem mit aller Kraft gegen den Daumen. Auch hier haben die Handspannungssysteme der Wettbewerber für mich deutlich bessere Lösungen. Dort ist das Handspannen in meiner Wahrnehmung oft nicht mit einem größeren Kraftaufwand verbunden, als die Sicherung bei anderen Waffen zu lösen. Die M03 ist hier wenig intuitiv und benötigt einen deutlichen Kraftaufwand. Verbunden mit der ungünstigen Ergonomie des Hebels ist das System für mich so in Anbetracht der anderen Lösungen am Markt eigentlich nicht zeitgemäß. Negativ ist darüber hinaus aufgefallen, dass bei mir des Öfteren die Handspannung nach Schussabgabe selbsttätig entspannt. Nach Rücksprache mit Mauser kann dies offenbar bei großen Magnumkalibern rückstoßinduziert manchmal vorkommen, sollte aber bei einer .308 eigentlich nicht der Fall sein. Ich werde die Büchse während der Jagdruhe deswegen mal nach Isny bringen und überprüfen lassen. Abgesehen von der umständlichen Bedienbarkeit lässt sich die Büchse einigermaßen lautlos spannen, was im Jagdalltag sicher von Bedeutung ist. Das Entspannen gelingt mir nicht lautlos, da hier wie beschrieben der Hebel zurückschnappt. Insgesamt kann ich die Handspannung zwar bedienen, würde mir hier aber eine ergonomischere und komfortablere Bedienbarkeit wünschen. Mich wundert hier insbesondere der Test auf Geartester, bei dem Sissi berichtet, dass sie die Waffe "geräuschlos und ohne großen Kraftaufwand" spannen und "kontrolliert und ohne jeden Mucks" entspannen kann. Das gelingt mir mit XXL-Händen so jedenfalls definitiv nicht; ich werde den Bericht allerdings ggf. nach Überprüfung durch Mauser entsprechend ergänzen.

Ein weiterer Kritikpunkt an der M03 ist die Magazinkonstruktion. Eigentlich aus Stahlblech konstruiert, werden hier (vermutlich aus Kostengründen) auch Kunststoffteile benutzt. Problematisch ist dieser Werkstoff bei der Magazinzuführrampe. Auf meinen Fotos zeige ich, wie meine Zuführrampe nach sieben Monaten Benutzung aussieht. Es sind deutliche Einkerbungen im Kunststoff zu sehen, die durch die Geschossspitzen herbeigeführt wurden. Ich habe zu diesem Problem länger mit Mauser gesprochen, offenbar schabt insbesondere das Holspitzgeschoss der RWS Cineshot beim Zuführen an der Kunststoff-Zuführrampe und hobelt dort bei jedem Repetieren ein kleines Stück ab. Der Mangel ist leider schwerwiegender, als es sich auf den ersten Blick anhört: Bei anschließender Verwendung von flachköpfig ausgelegter Jagdmunition (in meinem Fall Geco Teilmantel) passiert es, dass sich die Geschossspitze in diese Kerbe legt und nicht mehr korrekt in das Patronenlager zugeführt wird. Im Jagdeifer führt das dann dazu, dass die angepeilte Doublette abspringt, während man verzweifelt am Kammerstengel reißt und drückt.

Das Problem mit der Kunststoff-Zuführrampe ist nicht neu (die M03 gibt es ja auch bereits seit 13 Jahren), in den Foren von Wild und Hund und Jagderlegeben gibt es mehrere Diskussionen verschiedener Kunden zu der Thematik. Mauser reagierte und entwickelte eine Zuführrampe aus Stahl, die den betroffenen Kunden damals kostenfrei geliefert wurde.

Leider hat sich diese Geschäftspraxis gewandelt. Auf Nachfrage bei der Mauser Jagdwaffen GmbH wurde mir angeboten, das abgenutzte Kunststoffteil kostenfrei gegen ein neues, gleich konstruiertes Kunststoffteil zu tauschen. Das hält dann natürlich wieder nur für sieben Monate, bis es ähnliche Abnutzungsspuren trägt. Auf die Stahlzuführrampe und den kostenfreien Austausch angesprochen wurde mir mitgeteilt, dass diese Austauschpolitik nicht mehr angewandt wird. Stattdessen wird bei Mauser aus diesem konstruktiven Mangel nun ein Geschäft gemacht: der Stahleinsatz, der 2012 noch auf Garantie/Kulanz an betroffene Kunden gegeben wurde, wird inzwischen für 75 EUR angeboten. Mauser begründete dies mit hohen Fertigungskosten für die Stahlrampe.

Fazit
Leider kann die M03 nicht ganz halten, was sie verspricht. Angepriesen als "hochwertiges Stahlsystem", "für die harte Praxis gebaut" soll die M03 "extremes Klima und raue Behandlung" wegstecken können. Im Gebrauch hat sich die Konstruktion für mich leider nicht als vollständig zufriedenstellend bewiesen. Die Handspannung ist stark verbesserungsfähig. Ich würde mir wünschen, dass Mauser einen überarbeiteten Verschlussträger entwickelt, der wie bei Wettbewerbssystemen auf einen vor-/zurück Schieber setzt. Das würde für viele M03 Besitzer sicher einen großen Mehrwert schaffen und wäre mir sicher auch den ein oder anderen Euro wert. Die mangelhafte Qualität der Patronen-Zuführrampe und wie damit bei Mauser umgegangen wird, ärgern mich. Laut den Garantiebestimmungen umfasst die Zehnjahres-Garantie von Mauser "alle Mängel und Schäden der Waffe (Metall und Kunststoffteile), die nachweislich auf Material oder Fertigungsfehlern beruhen". Wie beschriebener Mangel an der Zuführrampe nicht dazuzählen sollen, erschließt sich mir nicht. Man bot mir als Wiedergutmachung eine Mauser Kappe an. Vielleicht sollte man den Marketingmanagern bei Mauser mal nahebringen, dass Merchandise Artikel eher was für zufriedene Kunden sind... .

Insgesamt ist es sehr schade, so ein Fazit ziehen zu müssen. Von der Kernleistung her ist die M03 eine tolle Waffe, sehr führig, präzise und flexibel. Ich würde auch trotzdem eine Kaufempfehlung aussprechen - aber bitte unbedingt vorher die Handspannung ausgiebig testen und entweder die Stahlzuführrampe mit dem Büchsenmacher als Zusatz vereinbaren oder die 75EUR entsprechend mit einplanen.

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Micha Richie
Spezialist

Kommentare

Kai Schäffler

Die Handspannung hatte mich damals auch gestört, als ich mir die M03 anschaute.
Bei mir wurde es dann eine R8, aber die Sauer 404, welche neu raus gekommen ist, sieht auch toll aus mit Ihrer Handspannung und dem klassischen Drehkopfverschluss.

Minos Dobat

Ich finde das Design der Waffe, das Design und der Funktionalität extrem wertig. Im Vergleich wirkt das gesamte System solider und sicher. Ich mag den Ansatz von Mauser und kann meine nur empfehlen.
@MichaRichie Klasse Beitrag! Du arbeitest sehr klar heraus, wo Verbesserungen möglich sind, aber bleibst dennoch positiv! Zudem sehr praxisnah...

Ober Jäger

Sehe ich auch so @foxhunter, zwar übst Du Kritik aber bist immer noch konstruktiv. Noch immer weit genug weg vom Wild und Hund Forum!
PS: Auch ich bin Fan der M03 und der verarbeiteten Materialien! Ich hab halt gerne was in der Hand...

Dominic Stadler

Toller Bericht.
Ich hab mir vor kurzem die M03 pure gekauft und muss sagen, dass mir die Handspannung besser gefällt als bei zb der SM12 Steyr. Aber das ist Geschmacksache :)
Präzision ist sehr überzeugend.
Wenn eine Streuung vor kommt, dann liegt dies sicher am Schützen :D

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