Strasser RS700 AVA-Tahr in 6,5 PRC - die „arbeitslose“ Bergwaffe

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Strasser RS700 AVA-Tahr in 6,5 PRC - die „arbeitslose“ Bergwaffe

Vor gut einem Jahr kam ich über die sozialen Medien mit einem Schweizer Jäger in Kontakt und aus diesem Kontakt entstand eine Freundschaft. Irgendwann kam dann auch eine Jagdeinladung in die Schweizer Alpen und mir fiel auf, dass ich keine geeignete Waffe für die Bergjagd habe. Zwar ist meine TTS Xceed R auch auf weite Entfernungen sehr präzise, jedoch mit gut 7 kg (jagdfertig) zu schwer für die Bergjagd. Also musste eine neue Waffe her.

Nach einigem Überlegen und Informationen auf den einschlägigen Internetseiten kam ich immer wieder auf eine Firma zurück: die Firma Strasser aus Eugendorf, Österreich - schliesslich sollte eine Firma in „den Bergen“ ja auch „die perfekte Bergwaffe“ bauen können! Also nahm ich Kontakt zu Mathias Strasser auf und nach mehreren Emails und Telefonaten fuhr ich schliesslich ins Nachbarland um mir vor Ort ein Bild von der Waffe zu machen. Nach einem interessanten Tag mit Mathias Strasser, inkl. Werksführung, Vorstellung aller Strasser Waffen und interessanten Gesprächen mit den Mitarbeitern stand für mich fest: meine neue Waffe wird eine Strasser RS700 AVA-Tahr im Kaliber 6,5 PRC.

Somit bestellte ich meine Waffe und wartete ein paar Wochen bis die Email der Firma Strasser kam, dass meine Waffe fertiggestellt ist. Ich fuhr dann nach Eugendorf und die Waffe wurde mir „übergeben“. Leider durfte ich die Waffe jedoch nicht selbst nach Deutschland importieren und so wurde der Import über die Firma Guntacs abgewickelt und zwei Tage später nahm ich die Waffe in Deutschland entgegen und führe sie seitdem mit vollster Zufriedenheit.

Grunddaten der Strasser RS700:

  • Länge Standard-Kaliber: ca. 106 cm
  • Gewicht: ca. 3,7 kg
  • Mögliche Laufkonturen: Standard, Semi-Weight, Longrange
  • Lauflängen: 22“-26“
  • Schaft aus hochwertigem Polymer, weiter gibt es die RS700 noch mit unterschiedlichen Schäften (Holz, Lochschaft, Sportschaft).
  • Kunststoffschaft in den Farben: Graphit-Schwarz, Wald-Grün
  • Schnell verstellbarer Schaftrücken (teilw. nicht bei jeder Schaftform)
  • 3-Schuss bündig sitzendes Polymer-Magazin, 5 (4) und 10 (7) Schuss Metall Magazine von MDT
  • Integrierte M-LokTM-Schiene im Vorderschaft
  • 7 verschiedene Schaftkappen
  • QD-Riemenbügel
  • Für Rechts- und Linksschützen geeignet
  • Timney Elite Hunter Abzug
  • Zweistellungssicherung
  • PlasOX-Oberflächenbehandlung
  • Schlagbolzen-Indikator (sichtbar und fühlbar)
  • Mündungsgewinde (versch. Durchmesser, je nach Laufkontur)

Die Waffe ist, dank ihrer Bauweise mit allen Zubehörschäften für die Remington 700 kompatibel. Auch können Läufe und Abzüge der Remington 700 in die Strasser RS700 eingebaut werden.

Das System ist AICS kompatibel.

Die Waffe verfügt über eine Zweistellungssicherung welche auf den Abzug wirkt.

Als Zielfernrohrmontage kann von der Schwenkmontage bis zur Picatinnyschiene aus einem breiten Angebot gewählt werden.

Das Kaliber der Waffe:

Zeitgleich mit den Informationen zu geeigneten Waffen versuchte ich mich auch für ein geeignetes Kaliber zu entscheiden. Hierbei fiel meine Wahl schnell auf die neuen PRC Kaliber. Da für „meine Bergwaffe“ ja nur eine möglichst leichte Waffe in Frage kam, tendierte ich schon früh zur 6,5 PRC da diese auch in ein short-action System passt.

Die Patrone 6,5 PRC wurde im Jahr 2018 von Hornady auf den Markt gebracht. Ursprünglich als „Sportpatrone“ für die Precision Rifle Series entwickelt, erwies sich die Patrone auch als hervorragende Jagdpatrone auf weitere Distanzen.

Die Patrone kann mit Geschossen von ca. 120 bis 147 grain geladen werden und erreicht eine V0 von ca. 910 m/s was einer E0 von ca. 3.800 Joule entspricht.

Als mir Mathias Strasser dann vor Ort seine RS700 zeigte und ich feststellte, dass er diese auch im Kaliber 6,5 PRC nutzt, war ich mir sicher, dass meine vorherigen Gedankenspiele nicht ganz falsch waren. Mathias nannte die 6,5 PRC als überaus geeignet für meine Anwendungszwecke und so stand dann auch fest, was das Kaliber für „meine Bergwaffe“ werden wird.

Für die RS 700 AVA-Tahr habe ich mich aus folgenden Gründen entschieden:

Ich wollte eine leichte Waffe in einem für die Bergjagd geeigneten Kaliber. Um eine leichte Jagdwaffe zu bekommen, kommt man um das Thema Carbonschaft nicht herum und da es für die Remington 700 eine Vielzahl an Aftermarket-Carbonschäften gibt, war die RS700 AVA-Tahr eine gute Ausgangsbasis um eine noch leichtere Waffe zu bauen. Der Kunststoffschaft der RS700 wiegt ca. 1,1 kg, ein sehr leichter Carbonschaft kommt auf ca. 600 Gramm und somit wären nochmals gut 0,5 kg Gewicht einzusparen. Aktuell nutze ich die RS700 noch mit dem originalen Kunststoffschaft, aber in den nächsten Tagen wird dort ein Carbonschaft angebaut.

Trotz der Tatsache, dass ich eher kurze Semi-Weight-Läufe bevorzuge, wurde hier aus Gründen der Gewichtsersparnis sowie der Kaliberwahl ein 24“ Standard Lauf gewählt.

Weiter war ich von der Leichtgängigkeit des Verschlusses begeistert und der Abzug gefiel mir auch vom ersten Abschlagen an sehr gut. Über die hervorragende Präzision von Strasser Waffen muss ich hier ja nicht schreiben, dies sollte allgemein hin bekannt sein.

Mit Mathias Strasser stand mir ausserdem ein erfahrener und erfolgreicher Bergjäger zur Seite der mir mit seinen Tipps und Tricks eine gute Kaufhilfe bzw. Konfigurationshilfe der Waffe war.

Durch die unterschiedlichen Schaftkappen lässt sich die Waffe, mit nur zwei Schrauben, von einem kurzen Schaft bei dicker Winterkleidung zu einem langen Schaft bei dünner Sommerkleidung oder auch einfach auf unterschiedliche Körpergrössen des Schützen anpassen.

Ausserdem war meine erste Sportwaffe eine Remington 700 und ich war leicht nostalgisch angehaucht als ich mich für die RS700 entschied ;-)

Meine jagdfertige RS700 AVA-Tahr:

Auf der Waffe wurde eine Strasser Picatinnyschiene montiert auf welcher ein DDoptics Nighteagle V8 2,5-20x56 NFX Supershort (demnächst folgt hierzu auch noch ein Geartester Bericht) mittels Strasser Montage aufgesetzt ist. An der Waffe habe ich einen Niggeloh Action Gewehrriemen (den habe ich hier auf Geartester auch schon mal vorgestellt) und eine Spartanadapter für ein Carbonzweibein montiert. Auf dem DDoptics Zielfernrohr habe ich auch noch einen Rusan MAR FX Adapter für mein Nocpix Mate H38R angebracht.

In Rücksprache mit Mathias Strasser habe ich mich für die Waffe für ein MDT Metallmagazin mit 4-Schuss Kapazität entschieden.

Die Waffe wurde mit der Hornady Precision Hunter ELD-X 143 gr. eingeschossen und wird damit aktuell auch noch befeuert. Wenn die Fabrikmunition aufgebraucht ist, wird die Munition von mir selbst geladen, welche Geschosse ich dann künftig verwende, weiss ich jedoch noch nicht.

Die Waffe am Schießstand und im Revier:

Als ich die Waffe dann von der Firma Guntacs in Deutschland übernahm, fuhren wir noch an den Schießstand um sie einzuschiessen. Von der Firma Strasser (vielen Dank an Martin) wurde das ZF bereits grob vorjustiert und so war die Waffe mit nur drei Schüssen perfekt eingeschossen. Aufgrund der zu erwartenden Schussdistanzen in den Bergen wurde die Waffe mit 4 cm Hochschuss eingeschossen. Durch die GEE von fast 200 m und der sehr gestreckten Flugbahn war dies für mich die richtige Wahl für die kommenden Bergjagden. Ich war anschliessend mit der Waffe auch noch öfter auf 100 und 300 m schiessen um mir die verschiedenen Haltepunkte (falls es mal schnell gehen muss und die Absehenschnellverstellung nicht benutzt werden kann) der Waffen-Munition-Kombination auszuschiessen. Auch wurde zwischendurch noch mein Nocpix Mate H38R auf der Waffe eingeschossen.

Im heimischen Revier führte ich die Waffe bisher auf einigen Jagden im Feld. Aufgrund der dort nicht vorhandenen Deckung muss dort oft auf über 200 m geschossen werden - also auch ein Fall für die 6,5 PRC! Hier konnte ich ein Schmalreh mit der Strasser RS700 AVA-Tahr erlegen. Weiterhin kommt die Waffe aktuell auch zu meinen Nachtansitzen auf Sau und Fuchs mit ins heimische Revier sowie die eine oder anderer Biberpirsch habe ich mit der Waffe (leider bisher erfolglos) auch schon durchgeführt.

Anfangs musste ich mich, von der gut 20 cm kürzeren TTS Xceed R, erst an die „Länge“ der RS700 gewöhnen aber inzwischen kann ich blind von der Kurzen auf die Lange und umgekehrt wechseln ohne mich noch umgewöhnen zu müssen.

Ausblick auf die Zukunft der Waffe:

Wie oben schon beschrieben, wird in den nächsten Tagen ein Carbonschaft an die Waffe gebaut. Durch diesen Schaft wird die Waffe dann nochmals ca. ein halbes Kilo leichter. Auch ist an der Waffe bisher kein Schalldämpfer montiert. Hier bin ich mir noch nicht sicher, welcher Schalldämpfer für meine Zwecke der geeignetste ist und befinde mich noch in der Auswahlphase.

Fazit:

Auch hier geht mein Dank nochmals an Mathias Strasser, das gesamte Team von Strasser und das Team von Guntacs für die tolle Waffe die ich nun mein Eigen nennen kann.

Die Strasser RS700 Serie ist eng an die Remington 700 angelehnt und so lassen sich problemlos Schäfte, Läufe und Abzüge dieser verwenden. Somit hat man einen grossen Pool an Zubehör für die Waffe.

Meine Waffe lässt sich butterweich repetieren und schiesst mega präzise - auch auf 300 m.

Ich bin von der Waffe so überzeugt, dass ich sie mir jederzeit wieder kaufen würde und habe auch schon den einen oder anderen Jäger von den Qualitäten der Strasser RS700 überzeugen können.

Alles in Allem habe ich durch meine Entscheidung für die RS700 nicht nur eine hervorragend verarbeitete und präzise schiessende Jagdwaffen bekommen, sondern auch noch neue Freunde bei der Firma Strasser und der Firma Guntacs gefunden - was will man mehr?

Mehr Infos zur Waffe gibt es unter: https://www.hms-strasser.com/de/strasser-rs-700.htm

In Deutschland können die Waffen der Firma Strasse über: https://guntacs.de/ erworben werden.

Viele von euch fragen sich vielleicht, warum die Überschrift „arbeitslose“ Bergwaffe von mir gewählt wurde: naja, ich musste feststellen, dass ein Baby viel Zeit in Anspruch nimmt und wenn dann das Gegenüber auch noch fast zeitgleich Nachwuchs bekommen hat, wird es nochmals schwieriger gemeinsame Zeit zum Jagen zu finden! Die ausgemachten Rotwildjagden wurden kurzfristig abgesagt und so sah die als Bergwaffe angeschaffte RS700 AVA-Tahr, ausser während ihrer Herstellung in Eugendorf, leider bisher nie die Berge!

Aber die Waffe ist trotzdem nicht wirklich „arbeitslos“, sondern wird nun eben von mir im Unterallgäuer Feldrevier geführt.

Weitere Bilder und Infos zu meiner weiteren Jagdausrüstung gibt es entweder hier bei Geartester oder auf meinem Instagram Account

Zum Schluss noch eine kleine Anmerkung: Ich werde weder von Strasser noch von sonst einer Firma, Person oder dergleichen finanziert. Ich schreibe hier meine Beiträge nur über Gegenstände, welche ich selbst bezahlt und auch ausgiebig getestet habe. Ich habe keinen finanziellen oder sonstigen Vorteil durch die Vorstellung einzelner Gegenstände auf dieser Seite.

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