Schultz & Larsen VICTORY in .308 Win. - Meine dänische Schießmaschine
Von Minos Dobat am 12. Dezember 2015

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Hallo zusammen hier bei Geartester,

ich wurde nach meinem Beitrag zu den S&L Schalldämpfern und meinem Z6i 5-30x50 Swarovski gefragt, auf welcher Waffe ich diese Produkte montiert habe. In diesem Erfahrungsbericht möchte ich darüber Aufschluss geben und von meiner heiß geliebten "Dänin" schreiben, der VICTORY von Schultz & Larsen.

Das Produkt:

Die Victory ist das aktuellste Modell aus der dänischen Traditionsschmiede. Sie ist der Nachfolger der DL Serie, wobei hier nur geringfügige Upgrades vorgenommen worden sind. Es ist eine traditionelle Repeitierbüchse mit einem Drei-Warzen-Verschluss. Sie hat ein 3-Schuss Reihenmagazin und eine seitliche Schiebesicherung.

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Ich habe verschiedene Läufe, da sich diese sehr leicht und wiederholgenau wechseln lassen. Der Hersteller bietet eine breite Palette an, an verschiedenen Längen, Durchmessern oder Profilen. Auch Gewinde sind im Standardsortiment. Es gibt drei Systemgrößen: Standard, Magnum und Safari. Kaliberwünsche blieben bei mir nicht offen, auch wenn ich kein Typ für die wildesten Exoten bin. Meine Standardläufe sind ein 60cm 6,5x55 Lauf sowie der hier abgebildete .308 Win Lauf mit Schalldämpfer. Die Läufe werden wie alle anderen Teile der Waffe zu 100% in Dänemark gefertigt. Welcher Hersteller weißt heutzutage noch eine 100%ige Fertigungstiefe auf? Mir fällt keiner ein! Dabei werden die Läufe nicht kalte geschmiedet oder ähnliches. Sie werden im Dienste höchster Präzision in der "Bore/Pull" Methode hergestellt: Erst wird durch den Rohling gebohrt und dann die Züge und Felder rein geschnitten. Bei den günstigeren Methoden muss der Lauf gerichtet werden, das entfällt bei Schultz & Larsen wodurch keine Spannungen im Materialgefüge auftreten können. Ich habe meine Waffe in der Firma abholen dürfen und konnte mich dabei selbst davon überzeugen. Ein wahnsinniger Aufwand!
Spannend ist zudem die Montage, welche ebenfalls von Schultz und Larsen direkt hergestellt wird. Diese ist zwar nur für Ringmontage ausgelegt aber ist gut gearbeitet und lässt sich an zwei Positionen montieren, ohne das neu eingeschossen werden muss. Den Trick wenden auch die Kollegen aus Isny an, um dem Schützen einen optimalen Anschlag zu bieten, ganz gleich ob in dicker Winterklamotte oder auf der Bockjagd im August.

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Als Abzug wird ein Matchabzug verbaut, welcher einen leichten Vorweg hat und dann trocken steht.
Die Schäfte sind einfach gehalten. Sie sind einfache Holzschäfte mit maschinell geschnittenere Fischhaut. Hier hinkt die Firma hinterher, da es keine Alternativen von Werk aus gibt. GRS Schäfte sind jedoch am Markt erhältlich und sehr empfehlenswert.

In der Praxis:

Die Waffe überzeugt vor allem durch eines: PRÄZISION!!!! Mein 6,5x55 Lauf ist dabei das besondere Prunkstück. Mit ausgesuchten Jagdlaborierungen und allen von mir getesteten Matchlaborierungen hält er den berühmten Daumennagel (Tut mir leid, ich weiß: Gäbe es ein GearTester-Phrasenschwein müsste ich jetzt zahlen aber es geht nicht ohne ;-)). Es ist einfach ein gutes Gefühl, wenn man auf einem 300m Schiessstand von Sportschützen umringt wird, da man einfach nicht aus der 10 kommt und das mit jagdlichem Schaft und Jagdgeschossen. Der .308 Win Lauf ist gut aber nicht derartig präzise. Mit Ihm halte ich an guten Tagen die 60mm auf 300m.
Optimierungsbedarf hat Schultz & Larsen definitiv in der Verarbeitungsqualität aller anderen Waffenbestandteile. Das Magazin klappert und die Sicherung ist schwergängig. Alles verschmerzbar, wenn man Preis und Schussleistung gegenüber stellt. Nicht so toll ist die Schaftqualität, hier muss man insbesondere bei Feuchtigkeit aufpassen. Ein Besuch in Schottland mit dem dortigen Wetter zog bei mir einmal eine komplette Überarbeitung nach sich. Aber wie ihr meinem Bericht zur DIY Schaftverlängerung und dem Kaisergriff entnehmen könnt, hat das gewirkt und ich halte nach meinen Modifikationen am Standardschaft fest. Werft einen Blick auf den Test (LINK) und ich könnt sehen, was man aus dem "Bretterholz" machen kann ;-)

Fazit:

Wie laß ich einmal vor Jahren in einem Test von Roland Zeitler in der DJZ: "Dänische Schießmaschine"! Der Titel war überzeugend und ich ging den steinigen Weg, mir eine dieser "Wunderwaffen" aus Dänemark zu besorgen. Und hier kommen wir zum wesentlichen Negativaspekt: Es gibt erstaunlicherweise keinen Vertrieb dieser Traditionsmarke in Deutschland!? Als ich damals bei der DJZ anrief, um eine Bezugsquelle zu erfahren, reagierte man angestrengt, was daraufhin deutete, das ich wohl nicht der erste Anrufer gewesen bin. Wie kann das sein? Sei es drum, die Einfuhr aus Dänemark ist nicht ganz so wild und so kam ich für umgerechnet 2.000 zu meiner Schultz & Larsen VICTORY inklusive eines Wechsellaufes und einer Montage! Selbst wenn es jetzt 500 Euro mehr sein sollten, ist das immer noch ein unglaublicher Kurs! Wenn man dann noch gebraucht zuschlägt, ist man noch günstiger unterwegs, denn große Läden wie zum Beispiel dem "Østjysk Våbenhandel" an der E45 (45min von Flensburg) steht voll mit Waffen diesen Typs.

Lange Rede kurzer Sinn: Die Waffe ist extrem Präzise und bietet ein hervorragendes Preis - Leistungsverhältnis. Über die aufgezeigten Schwachpunkte muss man hinwegsehen oder sie eigenhändig beseitigen, beides geht.

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Minos Dobat
Spezialist

Kommentare

Christian Schmidt

Schöner Bericht. Immer noch zufrieden mit der Waffe?

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