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Ruger Hawkeye African LH .375 Ruger

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Ich gebe es zu: das ist ein Testbericht für einen kleinen Interessentenkreis. Es geht um die Jäger, die

a) in Afrika auf stärkeres oder starkes Wild jagen,
b) einen bezahlbaren Linksrepetierer führen und
c) sich dabei auf ein zumindest modifiziertes Mauser-System mit kontrollierter Zuführung verlassen wollen.
Ich war in genau dieser Situation. Nach längeren Gesprächen mit mehreren PH aus Zimbabwe, Südafrika und Malawi und darauffolgenden Recherchen fiel meine Wahl auf diese Waffe.

Technische Daten: 

Kaliber: .375 Ruger
Schaft: Amerikanische Walnuss mit Ebenholz-Schaftabschluss
Offene Visierung: weißes Perlkorn, seitenverstellbare V-Kimme
Kapazität: 2 im Magazin, 1 im Lauf
Mündungsgewinde: 5/8″-18
Lauflänge: 23″/58,4cm
Drall: 1:12", 6 Züge
Gewicht: 3,6kg
Abzugsgewicht: ca. 1600g


Ausstattung: 

Lauf und System

sind sauber tiefschwarz glänzend brüniert, lediglich der Verschluss ist matt silbern. Das passt nicht wirklich zum Gesamteindruck, lässt sich aber von einem guten Büchsenmacher aufpolieren.  Der Kornsattel sowie der vordere Riemenbügel sind mit einem Ring über den kaltgehämmerten Lauf gezogen. Die Aufnehmungen für die hauseigene Aufkippmontage sind aus dem vollen Material des Verschlussgehäuses gefräst. Ruger liefert Montageringe mit, deren Klauen seitlich in Aufnehmungen eingreifen, zwei massive Rückstoßlager passen senkrecht in entsprechende Aufnehmungen ein.

Der Verschluss

mit langem Auszieher verriegelt über zwei Warzen im Verschlusskopf und ist im Grunde ein leicht modifizierter 98er-Verschluss. Entsprechend repetiert er sich auch: es gibt sicher Systeme, die glatter laufen. Dafür ist das Mausersystem unübertroffen robust.  Die seitliche 3-Stellungssicherung greift in der hintersten Position sicher in eine Aufnehmung der Schlagbolzenmutter ein.

Der Lauf

ist mit einem Mündungsgewinde versehen, mitgeliefert werden eine Überfangmutter sowie eine Mündungsbremse, die den Rückstoß merklich reduziert (allerdings um den bekannten Preis einer deutlich höheren Lärmbelastung der Umstehenden und einem fühlbaren Luftstoß). Sollte man die Mündungsbremse nicht verwenden wollen, hat die Waffe aber damit eingeschossen, wird zudem ein Stahlzylinder mit dem gleichen Gewicht wie die Bremse mitgeliefert, sodass Treffpunktverlagerungen nicht auftreten können. 

Das Magazin

fasst zwei Patronen, eine dritte geht ins Lager. Das Magazin wird von oben geladen lässt sich dank einer schwenkbaren Bodenplatte nach unten entladen. Die Verriegelung sitzt fluchtend im Abzugsbügel, eine ungewollte Öffnung des Magazins ist nahezu auszuschließen. 

Das Kaliber

.375 Ruger ist eine Entwicklung aus den frühern 2000er-Jahren. Ruger und Hornady wollten eine .375er Munition, die in ein Standardsystem passt und zudem die Leistung der .375 H&H Mag. übertrifft. Erreicht wurde das dadurch, dass der Bodendurchmesser der Hülse beibehalten und auf den Gürtel der H&H-Hülse verzichtet wurde. Die 30°-Schulter wurde weit nach vorn gelegt, resultierend in einer 65,6mm langen Hülse mit 8% mehr Volumen als das Vorbild. 


Handling

Der Fabrikschaft der Ruger ist mE deutlich unterdimensioniert für das Kaliber und zudem wenig erfreulich fürs Auge. Die Fischhaut ist gut geschnitten, die Waffe greift sich gut. Aber Ruger hat mit dieser recht preiswerten Waffe ein Gewehr geschaffen, das optisch alle Anklänge an eine wertvolle Afrika-Waffe bietet. Darum habe ich die Waffe für mich neu schäften lassen. Das Kantel hatte ich online für €250.- aus einer Lagerauflösung gekauft, die Schäftung hat Friedrich Gehri meisterhaft übernommen. 

Die Balance empfinde ich - auch wegen der leichten Kopflastigkeit - perfekt. Sie schießt sich sowohl mit als auch ohne Rückstoßbremse gut, in jagdlichen Situationen ist der Rückstoß kaum spürbar. Allerdings sollte sie keinesfalls ohne Gehörschutz abgefeuert werden! 

Der Abzug meiner Ruger steht sauber und bricht um die 1300g (Durchschnitt aus 10 Messungen). Allerdings gibt es immer wieder Berichte über minimales Kriechen. Einen nachrüstbaren Abzug habe ich nicht gefunden. In mehreren US-Foren wird  geraten, die Abzugsfeder gegen eine leichter gehende zu tauschen und so das Abzugsgewicht zu reduzieren. Ein guter Büchsenmacher sollte hier - wenn gewünscht - Rat wissen.

Schussleistung

Fabrikmunition für die .375 Ruger ist nicht ohne weiteres erhältlich. Hornady bietet vier Laborierungen an, das Labor für Ballistik mW eine. Ich setze schon seit Längerem auf handgeladene Munition, die mir ein guter Wiederlader herstellt - so auch in diesem Fall. Auf der zurückliegenden Safari habe ich das 215grs Aero von Styria Arms verwendet, das mit einer V100 von 807m/s 4537 Joule E100 ins Ziel bringt. Die Wirkung auch auf schusshartes Wild wie Wasserbock war perfekt, die Fluchtstrecken betrugen im längsten Fall 40m bei gutem shot placement. Auf der Scheibe sah es auf 100m über das Fünfbein ebenfalls ansprechend aus. 



Pro & Contra

+ Preis! In Deutschland ist die Waffe zwischen €2000-2200.- erhältlich.
+ Langer Auszieher
+ seitliche Dreistellungssicherung
+ Mündungsgewinde samt -bremse und Austauschgewicht
+ Einfache, aber zuverlässige Montage

- Kapazität. Drei Schuss auf zb. Büffeljagd können knapp werden.
- Fabrikschaft legt Nachschäftung dringlich nahe.


Fazit

Nach einiger Wartezeit bedingt durch den US-Import und die Schäftungsarbeiten halte ich eine gute, robuste Waffe in Händen. Sie schießt sich gut und steigt im Schuss (dank eines perfekt gemachten Schaftes) kaum, auch ohne Mündungsbremse. Als Glas habe ich ein einfaches Leupold VX-R 2-7x33 montiert, das für die Jagd im südlichen Afrika und meine Verhältnisse absolut ausreichend ist. Das Gewicht von 3,6kg, das mir Anfangs für das Kaliber gering schien, wurde durch Schäftung und Bettung näher an die 4kg-Grenze gebracht, was ich auf einer eben absolvierten Safari als sehr angenehm empfunden habe. Insgesamt habe ich für die Waffe an die €3500.- gezahlt. Ein vergleichbares Gewehr mit Mausersystem in Links hätte mich neu fast das Dreifache gekostet, gebraucht sind solche Waffen nur selten erhältlich. Den Verschluss werde ich ggf. nachpolierten lassen, damit er besser zum optischen Gesamteindruck passt. Die Magazinkapazität bleibt noch eine offene Frage, mit einem guten Büchsenmacher werde ich eruieren, ob hier ggf. ein Wechselmagazin mit größerer Kapazität eingebaut werden kann. 

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Kommentare

ich-jage-wie-frevert
ich-jage-wie-frevert

Ruger baut tolle Waffen - was ich an deiner nur sehr schade finde ist die Kapazität des internen Magazins. Kann man da keinen Rigby Deckel wie bei dem Custom M98 in .375 Ruger von FR-Jagd anbringen? Somit würde die Kapazität steigen. Da ich auch gerne einen "Afrikawaffe" hätte, mir aber keine Custom Büchse leisten kann, wäre die Ruger eine echte Alternative für mich

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