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Mobile Aufbrech-Station aus dem Rucksack
Von Jagawams am 14. November 2022

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Du brichst vor Ort auf? Wildbrethygiene ist dir wichtig? Du hast Rücken? Nun, ich hätte da was.


Die Situation

ich bin allein unterwegs. Ein 100kg Keiler liegt tief in der Dickung. Ich will ihn vor Ort entsprechend der Wildbrethygiene aufbrechen.

Ein geeigneter Baum zum Aufbrechen ist immer in der Nähe.

Ein 100kg Keiler ist es selten, aber irgendwo vor Ort mitten im Revier aufbrechen, das ist bei mir gelebte Jagdpraxis.

Traditionelles Aufbrechen bei liegendem Wild. Kann man machen, muss man aber nicht.

Ich hielt nie viel von der Art Wild liegend aufzubrechen, auch wenn ich es so gelernt hatte. Die Rote Arbeit in gebückter oder kauernder Haltung, bei der man das aufzubrechende Stück auch ständig irgendwie mit den Knien fixieren musste ist für mich ein Provisorium. Am Ende wurde der Aufbruch und die ganze Suppe auch immer schön über die offenen Keulen gezogen. Was bei nicht idealen Schüssen auch eine ganz schöne Sauerei war. 

Irgendwann kaufte ich mir für schmales Geld einen einfachen Wildgalgen mit einem Flaschenzug, welchen ich mit einem ebenfalls einfachen Ratschengurt oder Seil an Bäumen befestigte.

Der Allen Zerwirkgalgen mit Flaschenzug. Oben, nach rechts raus, ist die Seilbremse.

Das gefiel mir. Die Rote Arbeit fand im Stehen statt, Gescheide und Geräusch folgten gerne der Schwerkraft, Schweiß lief von selbst nach unten ab. So stellte ich mir das vor.

Bis eines Tages besagter 100kg Keiler auf der Strecke lag.

Der einfache Flaschenzug kam an seine Grenzen und lief etwas widerwillig. Mein Haken, an dem das Wildgalgen-Setup am Baum hing, gab nach und der nicht rauschige Keiler rauschte der Schwerkraft folgend wieder zu Boden. Da musste ich halt erstmal weiter liegend aufbrechen…

Da war es für mich an Zeit für eine Überarbeitung meines Aufbrech-Setups. Was sollte meine neue mobile Aufbrechstation besser machen?

Sie sollte 

  • weiterhin einfach,
  • aber kompakter,
  • sicherer,
  • und leichtgängiger sein,
  • mit Reserven bei der Belastbarkeit sein.


Die Hauptkomponenten mobiler Aufbrechstationen

Auf Basis meiner Erfahrungen bis dato ging ich die einzelnen Komponenten des alten Setups durch und machte mir Gedanken zu sinnvollen Optimierungen.

Das Halteseil - wichtig! War stark, aber fummelig

Ohne Halteseil nützt der beste Flaschenzug mit Wildgalgen nichts. Jeder kennt die Ratschengurte die einem im Baumarkt hinterher geschmissen werden. Sie machen ihren Job mitunter etwas hakelig und der Gurt muss immer fummelig eingefädelt werden. Kann man machen, muss man aber nicht. 

Der Flaschenzug - hatte wenig Komfort und Sicherheit

Der einfache Allen-Flaschenzug bestand aus Nylonrollen in einer Blechhalterung und hatte (wichtig!!) eine integrierte Seilbremse. Ein einfaches und solides Design mit einfachen Komponenten. Bei Rehwild wunderbar, stärkeren Sauen weiter zuverlässig, aber die starken Stücke spürte der Flaschenzug merklich.
Die Seilbremse ist einfach und funktional, das Seil wird aber nur leicht geklemmt. Dafür kann man es sehr schnell lösen.

Der neue Flaschenzug sollte auch unter Last leichter laufen und eine sicherere Seilbremse mitbringen.

Der Wildgalgen -  bis dato sperrig bei Transport und Lagerung

Der einfache Wildgalgen ist wie ein Kleiderbügel ausgeführt. Stabil, aber starr und daher immer der sperrigste Teil bei dem ganzen.

Der neue sollte rucksacktauglich sein, also möglichst klappbar oder zerlegbar.


Mein Aufbrech-Setup

Auf geht's - ich will irgendwas mit Karabinern...

Die neue Halterung für den Stamm sollte einfach mit Karabinern einhakbar und trotzdem einfach zu spannen sein.

Für die Halterung fand ich einen Karabiner von NiteIze mit einer integrierten Seilklemme. So kann ich das 8mm Halteseil aus Reepschnur, welches an einem Ende ein Auge hat, in gewünschter Höhe um den Stamm legen, den Karabiner einhaken und einfach stramm festziehen.

Der CamJam XT Spannkarabiner von NiteIze vereinfacht die Befestigung enorm

In dem Auge ist der Karabiner mit Schraubensicherung, an dem der Flaschenzug befestigt ist.

Der Berg ruft: Mein Flaschenzug besteht aus Komponenten aus der Höhenrettung von Petzl in Kombination mit einem 15m langen 10mm Seil aus dem Bergsport. Die Rollen sind kugelgelagert und laufen butterweich - selbstverständlich auch bei Nässe, Eis und Dreck. 

Die integrierte Seilbremse ist einfach zu bedienen, stört nicht beim Zug und sichert das Seil bombenfest gegen Rücklauf.

Flaschenzug und Halteseil sind immer miteinander verbunden. Der zusätzliche Haken am Halteseil ist zum Bergen von Wild und zum Aufhängen von Rucksack und aufgeschossenem Seilwerk da
Die Seilbremse des Petzl Jag ist einfach zu bedienen und sichert das Seil bombenfest gegen Rücklauf

Unten an dem Flaschenzug ist der Wildgalgen mittels eines Schäkels befestigt. Mein Wildgalgen ist eine super stabile Ausführung von Wildgalgen.de. Er ist variabel verstellbar und zerlegbar, ist aus Edelstahl und besteht aus vier Teilen: zwei Schenkel, eine Schraube und der Schäkel (aus dem Baumarkt). Somit passt er fast in eine Hosentasche!
Warum ein Schäkel und kein Karabiner? Die Schäkelachse stecke ich nur durch, den Karabiner muss ich einfädeln. So spare ich mir wieder etwas Fummelei.

Der Schäkel verbindet den Flaschenzug mit dem Wildgalgen einfacher als ein geeigneter Karabiner. 

Das ganze passt dann Dank des klappbaren Wildgalgens in eine kleine Tasche oder in meinem Fall in einen kleinen 9l Rucksack. 

Neun Liter reichen.

Der Rucksack enthält bei mir zusätzlich noch mindestens ein Aufbrechmesser, eine Aufbrechzange, Nitril-Handschuhe und einen kleinen Wetzstahl.

Das komplette Aufbrechset ohne Wasserkanister. Der Waidlochauslöser war ne tolle Deko, aber (für mich) sonst nicht zu gebrauchen

Zusätzlich habe ich noch einen 5l Wasserkanister in einem Faßschlag mit Karabiner dabei.


Wie sieht es in der Praxis aus?

Am Stück angekommen suche ich mir in der näheren Umgebung einen geeigneten Baum, der frei zugänglich steht mit möglichst wenig Ästen im Arbeitsbereich.

Das Halteseil mit Flaschenzug wird in passender Höhe um den Stamm gelegt, der Spann-Karabiner wird in das Auge vom Halteseil eingehakt und wird mittels der Seil Klemme durch Zug gespannt.

Dann löse die Seilsperre des Flaschenzugs und ziehe den Flaschenzug großzügig aus. Ich befestige den Wildgalgen am Schäkel und lege alles ab. Jetzt aktiviere ich wieder die Seilbremse des Flaschenzuges.

Ich hole das Stück ran und hake es entsprechend in den Wildgalgen ein.

Man muss das Wild nicht ganz bis zum Stamm schleppen. So kann man bequem alles vorbereiten und den Rest mit Hilfe des Flaschenzuges erledigen

Jetzt kann es losgehen. Das Stück wird jetzt hochgezogen. Je nach Größe des Stückes kann man jetzt auf halber Höhe halt machen und schon mal Ringeln. Danach geht es auf die volle Arbeitshöhe.

Wenn das Stück dann auf Arbeitshöhe angekommen ist, nutze ich die die Haken des Wildgalgens um den Wasserkanister, Messer und Aufbrechzange griffbereit zu haben.

Ready for field dressing - das Stück hängt, Werkzeug und Wasser sind griffbereit in Arbeitshöhe - es kann los gehen

Einen Vorteil haben die Haken des Wildgalgens noch:
ich kann das Stück bei Bedarf um 90° drehen. Die Haken sind geschärft, der baumgewandte Haken hält so, durch die Spannung in der Rinde fixiert, das Stück in Position. Ich mache das immer zum Ringeln, weil ich so besser ans Waidloch komme.

Zum Ringeln drehe ich das Stück um 90°. Der scharfe Haken des Wildgalgens wird durch Spannung und Gewicht an der Rinde fixiert. Das Stück bleibt so sicher in dieser Position.

Neben der jahrelangen Arbeitserleichterung bei der Wildversorgung hat mir das Setup meiner mobilen Aufbrech-Station auch den 3ten Platz bei der #GearHack 2022 Challenge beschert :-)


Anschaffungskosten

Reden wir über Geld...

Die mobile Aufbrechstation a'la Jagawams

Was hat mich meine mobile Aufbrechstation gekostet?

Die Komponenten von oben nach unten mit aktuellen Preisen:

  • 2m 8mm Reepschnur ca. 4€
  • NiteIze CamJam XT Seilspanner ca. 17€
  • Alu Karabiner mit Schraubsicherung ca. 20€
  • Petzl Jag Traxion Doppel-Umlenkrolle mit Rücklaufsperre ca. 95€
  • 15m Edelrid 10mm Seil für den Flaschenzug ca. 30€
  • Petzl Jag Doppel-Umlenkrolle ca. 55€
  • Schäkel ca. 2€
  • Wildgalgen (mit Bergegurt) ca. 90€

Das macht etwas über 300€ für diese ausgewählten Komponenten. Das ist schon eine Investition, aber die wird für mein gesamtes Jägerleben reichen. 

Rucksack, Aufbrechmesser, Aufbrechzange, Schärfset und Wasserkanister kommen bei mir noch dazu.


Was hat der Markt an fertigen Lösungen zu bieten?

Fertige Wildgalgen mit Flaschenzug

Egal wie die Ausführung oder Qualität von Wildgalgen und Flaschenzug ist - ohne eine wirksame Seilbremse macht das ganze keinen Sinn und somit keinen Spaß. Ich habe hier mal zwei aktuelle kommerzielle Angebote rausgesucht.

Der Allen Zerwirkgalgen mit Flaschenzug
Das Allen-Set war auch mein erstes Set. Mit einem Preis von aktuell um die 30€ vom Preis-Leistungsverhältnis unschlagbar.

Bis auf das Halteseil für den Baumstamm ist alles dabei, was man braucht und das Set tut aus eigener Erfahrung zuverlässig, was es soll. Einfach, pragmatisch und effizient

https://www.sutter-gmbh.de/zerwirkgalgen-flaschenzug-bremse-132015/

Der original Wildgalgen.de Wildgalgen mit Flaschenzug
Die Pro-Ausführung des Flaschenzuges hat eine Seilbremse und das Set spielt mit aktuell knapp 185€ in einer anderen Liga. Der Wildgalgen an sich ist meiner Meinung nach konkurrenzlos. Er ist verstellbar, zerlegbar und dabei unverwüstlich. Der Flaschenzug stammt aus dem Segelsport und sollte daher auch klaglos und zuverlässig heimisches Schalenwild aller Gewichtsklassen bei jeder Witterung wegstecken bzw. hochziehen. Auch hier ist kein Halteseil für den Stamm enthalten. Dieses Set ist zusammengepackt schön kompakt. Der Preis nach meiner Einschätzung gerechtfertigt, beide Komponenten sind qualitativ hochwertig und langlebig.

https://www.jagdwelt24.de/Wildgalgen-und-Flaschenzug-im-Set

Brauchbare Halteseile sind bei den Angeboten nicht dabei.

Fazit zu mobilen Aufbrechtstationen

Jede hier vorgestellte Lösung wird die Rote Arbeit enorm erleichtern und ist im Sinne der Wildbrethygiene. Jede hier vorgestellte Lösung wird lange zuverlässig ihren Dienst tun. 

Das Allen Zerwirkgalgen-Set ist vom Preis-Leistungs-Verhältnis unschlagbar und man wird es schwer haben dieses Set an seine Grenzen zu bringen. Wer jetzt Blut geleckt hat: KAUFEN!

Trotzdem erfreue ich mich bei meiner Lösung jedes Mal an dem butterweichen Lauf meiner Petzl-Rollen, am samtigen Griff des Edelrid-Seils, am NiteIze Spannkarabiner, an dem unverwüstlichen Edelstahl-Wildgalgen und natürlich am Zusammenspiel aller meiner Komponenten.

Und was bekommt man sonst schon an guter jagdlicher Ausrüstung für 300€? Eine Büchse? Ein Zielfernrohr? Einen Schalldämpfer?

Allzeit bereit! Der Rucksack ist von Tasmanian Tiger, der 5l Kanister von Hühnersdorff. Die Bunten Dinger am Rucksack sind Tüten-Clips, um ggf. Harnröhre und/oder Enddarm abzuklemmen.

Ich hoffe ich konnte den einen oder die andere inspirieren - oder jemand inspiriert mich mit einem Kommentar.


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Jagawams
Greenhorn

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Kommentare

Jagawams
Jagawams

Per Instagram hat mich Sascha angeschrieben mit einem guten Hinweis zu einer günstigeren, aber wohl gleichwertigen Wildgalgen-Alternative. Ich kenne diese Wildgalgen-Ausführung nicht, Sascha ist aber von dieser Ausführung überzeugt:
https://wieszakimysliwskie.pl/jagd-haken-einstellen-p-9.html

Danny Schlesiger
Danny Schlesiger

Klasse Beitrag 👍🏻 Das mit dem Halteseil werde ich bei mir noch integrieren. Ansonsten kann ich dir nur beipflichten. Aufbrechen über Kopf und in Verbindung mit nem Flaschenzug ist ne ganz feine und saubere Sache.

DocSnyder
DocSnyder

Super Sache, mache ich auch schon längere Zeit ähnlich. Der selbe Werdegang, erst ein günstiges Flaschenzugsystem, anschliessend bin ich beim Petzl Jag gelandet. Es gibt kein besseres System. Ich würde aber das fertig gekapselte 2m System den Einzelrollen vorziehen. Der Hub reicht auch für Rotwild und man spart sich durch die Kapselung der Seile viel Arbeit

Jagawams
Jagawams

Wenn ich damals gewusst hätte, wie gut die Jags ihre Arbeit machen, dann hätte ich vermutlich auch das fertig gekapselte System gekauft. Aber: 2m wäre mir vermutlich zu wenig gewesen. Aktuell ziehe ich den Flaschenzug bis zu vier Meter aus, um das Stück bis zum Baum zu ziehen. Allerdings ist das natürlich "Luxus", den ich weder gekannt, noch vermisst hätte, wenn ich 'nur' 2m gehabt hätte.
Vorteil der Kapselung ist aber bestimmt allgemein mehr Ordnung im Seil beim ver- und entpacken. Wobei ich noch ne Seilsalat hatte, dank des hochwertigen Seils.

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