Marlin 338 MX - inkl. Tuning durch Peterssen Gunworks
Im Jahre 2014 kaufte ich mir einen Marlin 338 MX inklusive montiertem Leupold 1,5-4x24 Glas und stellte nach 20 Schuss am Stand fest, dass ich doch keine Verwendung für die Waffe habe. Daraufhin wurde sie verkauft. Exakt 10 Jahre - und einiges Fluchen darüber, dass ich die Waffe verkauft habe - erhielt ich auf der Fahrt zur Jagd und Hund 2025 nach Dortmund einen Anruf vom damaligen Käufer. Dieser gab an aus gesundheitlichen Gründen die Jagd nicht mehr ausüben zu dürfen und er fragte nun alle ehemaligen Käufer seiner Waffen, ob diese die Waffen wieder zurück kaufen möchten, bevor er diese bei eGun einstellt. Da ich den Verkauf schon oft bereut hatte, habe ich die Waffe wieder zurück gekauft. Die Waffe wurde, inklusive der von mir damals verkauften Munition zurück gekauft. Es waren lediglich 2 Patronen abgefeuert - was der Verkäufer auch so angab.
Nun wollte ich die Waffe künftig hauptsächlich als Drückjagdwaffe einsetzen, sie sollte aber auch zum Pirschen und ab und an mal als Ansitzwaffe dienen und hierzu sollten einige Veränderungen durchgeführt werden.
Zuerst einmal zur Ausgangswaffe: vom Marlin 338 MX wurden nur ganz wenige Waffen (deutlich unter 1000 Stück) gebaut und nach Deutschland wohl nur im unteren zweistelligen Bereich importiert. Die Waffen wurden seinerzeit in Österreich beschossen und meist als Komplettangebot inkl. dem Leupold ZF vertrieben. Fabrikmunition war damals auch nur von Hornady erhältlich.
Die Waffe:
Der Marlin 338 MX wurde noch zu Zeiten vor dem ersten Verkauf von Marlin entwickelt und produziert. Mein 338 MX wurde von Remington (nach deren Kauf und Firmenverlegung) aus alten Marlin-Teilen zusammengebaut. Von der Marlin 338 gab es eine brünierte Version mit 22“ Lauf und eine stainless Version mit 24“ Lauf. Die Waffen wurden von der Firma Hoffmann nach Deutschland importiert und über deren Fachhändler vertrieben. Leider baut/bauten Remington (nach dem Aufbrauchen der originalen Marlin Teile) und auch aktuell Ruger keine neuen Waffen in diesem Kaliber mehr.
Der Marlin 338 MX ist ein Unterhebelrepetieren der sowohl Eigenschaften des Marlin 1895 sowie des Marlin 336 aufweist. Die Waffe verfügt über ein Röhrenmagazin welches 5 Schuss aufnimmt. Die Waffe hat eine Sicherung, welche lediglich auf den Abzug wirkt. Weiter war die Waffe serienmäßig mit einer Buckhornvisierung sowie Weaver-Basen und einem Leupold Zielfernrohr ausgestattet.
Das Kaliber der Waffe:
Die Waffe ist im Kaliber 8,6x48 aka .338 Marlin Express - einer damaligen Neuentwicklung von Hornady und Marlin gefertigt. Die .338 MX sollte die Leistung einer .30-06 erbringen und dank dem Halbrand und der flexiblen Spitze der Hornady FTX Geschosse auch problemlos in Waffen mit Röhrenmagazin funktionieren. Die Patrone wies eine deutlich gestrecktere Flugbahn als z.B. die .45-70 Govt. oder die .450 Marlin Express bzw. deutlich mehr Leistung als die .30-30 auf. Zeitgleich wurde auch noch ein .308 Marlin Express entwickelt, welche die Leistung der .308 Win erbringen sollte. Zur Zeit der Schöpfung der .338 Marlin Express waren Werksmunition sowie Wiederladekomponenten in Deutschland bei jeden Büchsenmacher über den Importeur zu beziehen. Diese Situation hat sich zwischenzeitlich so verändert, dass jahrelang keine Fabrikmunition und auch keine Wiederladekomponenten in Deutschland zu beziehen waren. Aktuell ist die Lage eine andere: In D ist wieder Fabrikmunition erhältlich. Auch führen die meisten Händler wieder die FTX Geschosse. Nur neue Hülsen sind noch immer nicht erhältlich. Durch einen Zufall konnte ich jedoch bei eGun direkt beim Rückkauf der Waffe fast 300 neue Hülsen und 180 Schuss Fabrikmunition günstig erwerben. Zusätzlich habe ich mich noch bei einem Onlinehändler mit 300 Schuss Werksmunition und 500 FTX Geschossen eingedeckt - somit sollten die nächsten Jahren gesichert sein ;-)
Tuningmaßnahmen durch mich:
Als ich mich entschied die Waffe zurückzukaufen, war mir sofort klar, dass ich einen anderen Ladehebel benötigen werde. Ich hatte noch den schmalen, kleinen Hebel in Erinnerung und musste an meinen grossen Hebel am 1895 GBL denken. Daraufhin habe ich mir bei Brownells Deutschland den Mid-Lever von Ranger Point Precision bestellt und da ich schon dabei war, habe ich mir, vom gleichen Hersteller noch einen Tuningabzug, eine andere Ladeklappe (aus Alu und wie der Abzug goldfarben), eine Hahnverbreiterung sowie eine Magazinzubringen aus Alu in den Warenkorb gelegt.
Nachdem die Teile von Brownells geliefert waren, habe ich diese eingebaut. Der Mid-Lever war deutlich bequemer zu bedienen als der ursprüngliche, die Ladeklappe sah „nur“ besser aus als die originale, den Magazinfollower sah man zwar nicht, hörte aber auch kein Kratzen mehr wie bei dem aus Kunststoff und was soll ich zum Abzug sagen? Von ursprünglich „ich brech mir gleich den Finger“ ca. 4 kg Abzugsgewicht auf 900 gr. Abzugsgewicht (gemessen). Und auch optisch machten die Teile deutlich mehr her als die originalen Anbauteile.
Tuningmaßnahmen durch die Firma Peterssen Gunworks:
Bei meiner 338 MX handelt es sich um die brünierte 22“ Version. Da mir die Waffe mit dem 22“ Lauf etwas zu lang war, habe ich mir die Energiewerte einer Eigenlaborierung und der Werksmunition (gemessen, nicht auf Werksangaben vertraut) auf 20“ herunter gerechnet und kam dann zum Entschluss den Lauf auf 20“ kürzen zu lassen. Und da bei einer Laufkürzung sowieso ein Neubeschuss nötig ist, wollte ich auch gleich ein Laufgewinde für einen SD schneiden und die offenen Visierung entfernen lassen. Auch dachte ich an eine Überarbeitung des gesamten Systems, sodass der Repetiervorgang noch flüssiger vonstattengeht.
Kurz überlegt, wer diese Arbeiten durchführen kann; dem ich vertraue, dass er die Arbeit auch gut ausführt und der mir sympathisch ist: Alex Peterssen. Also eine kurze Nachricht an Peterssen Gunworks und umgehend kam das „Ok“ von Alex, dass er die Arbeiten an der Waffe übernimmt.
Ich schickte die Waffe dann zu Peterssen Gunworks und während die Waffe unterwegs war, klärte Alex Peterssen bereits die Beschussmodalitäten. Wir hatten schon befürchtet ein Beschussamt mit Patronen, Geschossen und Matrizen ausstatten zu müssen - jedoch hatte das Beschussamt München alle Komponenten vorrätig und so war klar, die Waffe geht von Bayern zur Überarbeitung nach Nordrhein-Westfalen, zurück zum Beschuss nach Bayern, dann wieder nach Nordrhein-Westfalen und dann wieder zu mir nach Bayern.
Alex Peterssen kürzte den Lauf, schnitt ein Gewinde für einen Schalldämpfer (inkl. Gewindeschutz) und überarbeitete das gesamte System. Nach kurzer Zeit war die Waffe, inkl. Neubeschuss, dann wieder bei mir zurück und ich war begeistert! Der Repetiervorgang ging wie Butter, der Ladehebel lässt sich mit dem kleinen Finger bewegen und auch der Abzug bricht nochmals deutlich klarer und mit noch weniger Widerstand. Einfach klasse, was Alex da bei der Überarbeitung geleistet hat. Auch wenn er selbst sagt, er ist kein Fachmann, was Unterhebelrepetierer angeht, ich wusste er weiss was er tut und dass er es gut macht - und ich wurde nicht enttäusch! An dieser Stelle auch nochmals Danke an Alex Peterssen für den super Tuning-Job an meinem UHR.
Nachdem die Waffen dann von Alex zurück war, entfernte ich das kleine Leupold Glas und ersetzte es mit einem DD Optics V10 1,5-15x40 NXT (hier folgt demnächst auch ein Geartest von dem Glas) mit Recknagel Aufkippmontage. Dazu bekam die Waffe noch einen roten Gewehrriemen und wurde seither auf einigen Drückjagden geführt. Ausserdem nehme ich die Waffe aktuell auf meinen Revierrunden mit und ich war damit auch schon auf der einen oder anderen Biberpirsch.
Fazit:
Nach dem Umbau und dem Tuning der Waffe habe ich nun genau das, was ich haben wollte: eine kurze, leichte, schnell zu repetierende Waffe in einem hochwild- und vor allem drückjagdtauglichen Kaliber (geringes Vorhaltemaß ggü. anderen UHR-Kalibern). Ich habe genug Munition und Wiederladekomponenten im Schrank um die nächsten Jahre damit jagen und trainieren gehen zu können. In Kombination mit dem variablen DD Optics Zielfernrohr kann ich die Waffe auch von Drückjagden über Pirschgänge bis zum Ansitz universell einsetzen.
Und was nicht zu vergessen ist: jedes Mal wenn ich den UHR aus dem Waffenschrank hole, fühle ich mich in meine Kindheit versetzt und erinnere mich mit Freuden an die Cowboy und Indianer Spiele mit meinen Freunden und meinen Plastik-UHR den ich als „kleiner Cowboy“ mein Eigen nannte.
Schade, dass es die Waffe in dem genialen Kaliber aktuell nicht mehr als Neuwaffe zu kaufen gibt. Ich kenne zwei weitere Jäger die sich, nach meinen Berichten, eine 338 MX gebraucht gekauft haben (einer hat sie dann auch gleich bei Peterssen Gunworks tunen lassen) und weiss von zwei weiteren Jägern, die sofort auch eine kaufen würden, sollten sie eine bekommen. Ich habe die Hoffnung aber auch noch nicht aufgegeben, dass Ruger irgendwann auch mal wieder Marlin 338 MX bauen wird.
Weitere Bilder und Infos zu meiner weiteren Jagdausrüstung gibt es entweder hier bei Geartester oder auf meinem Instagram Account
Zum Schluss noch eine kleine Anmerkung: Ich werde weder von Marlin, Peterssen Gunworks, Ranger Point Precision noch von sonst einer Firma, Person oder dergleichen finanziert. Ich schreibe hier meine Beiträge nur über Gegenstände, welche ich selbst bezahlt und auch ausgiebig getestet habe. Ich habe keinen finanziellen oder sonstigen Vorteil durch die Vorstellung einzelner Gegenstände auf dieser Seite.