LEICA Geovid HD-B 10x42: Viel Geld für viel Leistung
Von Hans Forstmann am 7. Februar 2016

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WMH an alle Jäger und Jägerinnen hier in der Community!

Ich bin ein eher mitlesender Nutzer von GearTester.de aber ich traue mir jetzt einmal einen zweiten Beitrag zu, da ich voll un ganz hinter dem Fernglas stehe, was ich hier vorstellen möchte: Das LEICA GEOVID HD-B 10x42. Ich stand damals vor der Entscheidung, Leica, Swaro oder ZEISS. Ein Luxusproblem, vor dem jeder Jäger steht, wenn es um Optik geht. Damals gab es noch die Zeitschrift Jagdpraxis, in der objektiv Ausrüstung getestet wurde. Leider gibt es das eigentlich gute Magazin nicht mehr, aber dafür ja nun Geartester ;-). Das Magazin verglich damals das Geovid, mit dem Swaro Range und dem ZEISS Rangefinder mit dem 45er Objektivdurchmesser. Da das Swaro zu dem Zeitpunkt noch nicht verfügbar war, ging es um die Entscheidung Leica vs. ZEISS. Diese fiel mir jedoch mit Hilfe der Testergebnisse sehr leicht: Das ZEISS liefert keine ausreichende Transmission, ist schwer und auch in Punkto Messtechnik ist es nicht auf dem neuesten Stand. Als Beispiel hierfür ist keine Winkelmessfunktion integriert und das programmieren von individuellen Ballistikkurven wird auch nicht geleistet. Alles in allem ist das ZEISS sicher auch ein gutes Produkt aber schon damals nicht mehr auf dem neuesten Stand der Technik. So wurde es das LEICA und ich habe es seit fast zwei Jahren im Einsatz und meine mir ein Urteil erlauben zu dürfen. Los Gehts:


Das Handling ist ausgewogen und ermöglicht so, das man es auf Reisen lange in der Hand halten kann, ohne das es müde macht. Grund ist auch die charakteristische Bananform. Man kann sie vom Design her mögen oder auch nicht, aber sie ist angenehm in der Handhabung. Das Gewicht von 980 Gramm ist vertretbar und im Vergleich zum ZEISS sind es Welten (Was nicht zu letzt auch am ungewöhnlichen Objektivdurchmesser von 45 liegt!). Die buchstäbliche Handhabung ist durch die Brücke sehr angenehm. Es hält sich fest in der Hand und das Bedienen des Fokussierrades ist auch einhändig möglich. Mittlerweile haben ja alle der „großen drei“ diese offenen Konstruktionen im Programm. Ich kann es gut verstehen, da es das Handling sehr angenehm macht. Die Verstellbarkeit der Brücke ist weder zu schwer noch zu leicht gelungen.

Die Optik ist auf sehr hohem Niveau. Schön ist das Erlebnis beim Blick durch das Glas: Die Farben und der Kontrast sind einfach nur toll. Es wirkt, als hätte man der eh schon schönen Natur eine Fotoshop-Funktion zugedacht. Ich nutze das Glas auch bei Mond und habe mit den gut 90% Lichttransmission absolut brauchbare Bilder, selbst bei Bewölkung und dem 42er Objektivdurchmesser. Bei Nacht kommt auch wieder der schon erwähnte hohe Kontrast zu tragen. Das Bild ist zwar in der Gänze des Eindrucks nicht ganz so hell wie von meinem ZEISS FL 8x56 aber es liefert dafür sehr hohen Kontrast und das brauche ich beim sicheren Ansprechen. Ich sehe Details die es mir möglich machen, zwischen Bache und Keiler zu unterscheiden. Auch wenn das Sehfeld jetzt nicht ganz mit dem aktuellen EL Range mithalten kann ist es für mich mit 114m (10-fache Vergrößerung) definitiv ausreichend. Das Bild ist scharf und klar bis in die Randbereiche.

Die Entfernungsmessung ist ein für mich essentielles Tool. Dafür habe ich das Geld in die Hand genommen. Auf Reisen wie auch im heimischen Revier bringt es enorm viel Sicherheit und im Zusammenspiel mit einem Ballistikturm auch enorm viel Erfolg. Zu Hause sind die Distanzen zwar weitgehend bekannt, aber es hat mich auf weiten Flächen wie zum Beispiel auf der Fuchsjagd schon vor schlechten Schüssen bewahrt. Distanz Messen (Grad bei Nacht!), den Ballistiktumr einstellen und drauf halten. Ein wahnsinniger Vorteil. Im Ausland ist es die Unkenntnis: Man kennt keines der Reviere und die Proportionen des Wildes sind einem auch in der Regel nicht geläufig. Deshalb ist das Entfernungsmessen ein echtes plus.
Das Geovid liefert Daten bis 1.800 Meter. An klaren Tagen habe ich diese Ergebnisse schon selber erzielen können. Wenn es schneit oder neblig ist, wird es da natürlich schwerer aber wer jagt denn dann auf weite Distanzen!? Die Wiederholgenauigkeit war sehr hoch, was für mich als Prädikat gilt. Ich habe kein Labor und bin auch kein Physiker aber wenn ein Gerät auf über 1.000 Meter die Distanz wiederholt auf den Meter Genau anzeigt, scheint es was richtig zu machen. Bei bekannten Distanzen wie der nahen 300m Bahn, hat es auch gezeigt, das es stimmt. Die Distanz wird, abhängig vom Umgebungslicht, entsprechend hell oder schwach angezeigt. Das macht Sinn, wenn man in der Dämmerung nicht geblendet werden möchte. Auch bei hellster Sonne am Tag sind die Zahlen gut lesbar. Die Winkelfunktion zeigt einem bei Messungen bergauf oder bergrunter die ballistisch relevante Distanz an. Aber dazu mehr unter dem nächsten Punkt!

Die Ballistiklösungen des Geovid HD-B sind vielfälltig. Stark vereinfacht dargestellt, kann man sein Fernglas auf die Patrone programmieren, um individuelle Haltepunkte und oder Klicks zu bekommen. Das hat mich überzeugt. Leica bietet einen Ballisktikrechner, der jede erdenkliche Laborierung berücksichtigt. Die Ergebnisse werden dann auf einer Micro SD Karte gespeichert, welche man nur ins Glas stecken braucht und es läuft. Ab dem Zeitpunkt kriegt man gezeigt:
- wieviel man bei einer gemessenen Distanz höher anhalten muss,
- welchen Haltepunkt bei einem ballistischen Absehen (Tannenbaum) gewählt werden muss,
- oder wieviele Klicks gemacht werden müssen am Ballistikturm.
Ich wähle stets die letzte Lösung, da ich diese für die präziseste halte aber dazu gibt es sicher auch andere Auffassungen. Toll ist bei herausfordernden Winkelschüssen im Gebirge, zeigt es einem die bedeutsame Distanz an, welche man dann in seinen Ballistikturm einwählen kann. Es ist keine Korrektur durch den Steuermann nötig! Fehlerquelle ausgeschlossen ;-). Weiterhin berücksichtigt das Programm noch Luftdruck und Temperatur, was aber meine Bedürfnisse wohl etwas übersteigt.


Wie bei Geartester üblich, fasse ich zusammen: Das Geovid ist mit dem Swaro Range sicher auf Augenhöhe. Für welches man sich entscheidet, ist womöglich bei dem einen oder anderen eine Bauchentscheidung. Mich überzeugt bei LEICA Geovid die optische Leistung, die ballistischen Möglichkeiten und das Produktdesign. Das Handling ist durchdacht und ermöglicht langes Nutzen. Die Bilder sind hell, kontrastreich und angenehm in den Farben. Die programmierbare Ballistik ist im Zusammenspiel mit der präzisen Entfernungsmessung fantastisch. Das Glas kostet einen Haufen Geld aber man bekommt auch viel für sein Geld geboten. Ich jage mit dem Entfernungsmesser sicherer und erfolgreicher.
Verbesserungspotentiale sehe ich in der Bedienerfreundlichkeit des Rechners, bei den etwas zu leichten Rastungen der Augenmuscheln, der Oberfläche des Fokussierrades und bei der Garantiedauer.

Das Glas gibt es für 2.900 Euro bei Frankonia: http://www.frankonia.de/Fernglas+Geovid+10x42+HD-...

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Kommentare

Minos Dobat

Hey Foersti, ich habe das alte Geovid und bin schon sehr zufrieden. Einzig bei Nacht ist da alte nicht mehr ganz so up to date. Deshalb bin ich sehr neugierig geworden, als ich bei Dir las, dass das Neue viel Transmission und sehr viel Kontrast bieten soll. Denn Du hast Recht: Kontrast ist bei schlechtem Licht alles!!! Ich werde mir mal das neue 56er HD-B angucken...

Hans Forstmann

Ich kann es Dir nur empfehlen, es ist nicht nur von den Werten her heller als das ZEISS. Das 56er hielt ich derweil auch schon in den Händen und es ist sehr gut gelungen. Zwar entsprechend schwer aber noch erstaunlich ergonomisch.

Mitch V

Hallo,
mich würde interessieren, welches Zielfernrohr mit Klickverstellung Du zum LEICA Geovid HD-B 10x42 verwendest?

Danke!

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