Jagdgefährte / MyHunt WildCam Wildkamera im Test

Waidwerker
10 Min. Lesezeit
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WildCam im Praxistest – Solider Einstand mit Luft nach oben

Hallo Geartester! Mit der WildCam wagt der deutsche Anbieter Hunter & Companion seinen ersten Schritt in den Wildkamera-Markt, und ich habe mir die Kamera über mehrere Wochen im Revier angeschaut. Vorweg: Der Einstand fällt durchaus gelungen aus. Für 119 € (bzw. 499,50 € im 5er-Bundle) bekommt man eine 4G-LTE-Kamera mit direkter Anbindung an die MyHunt-App und einigen wirklich durchdachten Detaillösungen. Komplett rund läuft aber noch nicht alles und genau das schauen wir uns jetzt im Detail an.

Transparenzhinweis: Die WildCam wurde mir vom Hersteller für diesen Test zur Verfügung gestellt. Auf meine Bewertung hatte das keinerlei Einfluss: Alle Einschätzungen in diesem Bericht spiegeln ausschließlich meine eigenen Erfahrungen aus der Praxis wider.

Verarbeitung & Handhabung

Das Gehäuse macht einen robusten Eindruck und hält dank IP66-Zertifizierung Wind, Regen und Frost problemlos stand. Die Tarnung ist überzeugend gelungen: Wer nicht weiß, wo die Kamera hängt, übersieht sie leicht, im Revier ein echter Pluspunkt. Besonders gut gefällt mir der einhändige Öffnungsmechanismus. Der funktioniert nämlich auch mit Handschuhen oder klammen Fingern, und das ist genau die Art von Detail, die beim Aufhängen oder Kartenwechsel an kalten Wintertagen tatsächlich einen Unterschied macht.

Auch sonst zeigt sich, dass hier jemand mitgedacht hat: Die SD-Karte ragt leicht heraus und lässt sich ohne Gefummel entnehmen. Das wechselbare Akkumagazin ermöglicht einen schnellen Batterietausch, ohne lange an der Kamera herumzuhantieren. Und die Laufzeit ist beeindruckend: Im Praxistest hielten die Batterien mehrere Monate durch, die WildCam geht also wirklich sparsam mit dem Strom um.

Leicht zu wechselnde SD-Karte

Bildqualität & Nachtsicht

Fotos und Videos in 2,7K liefern eine gute Qualität. Die beworbenen 48 MP sind allerdings interpoliert, das sollte man wissen und nicht mit echter Sensorauflösung verwechseln. Die IR-Aufnahmen zeigen scharfe Details und sind für eine Kamera in dieser Preisklasse gut.

Einen Schwachpunkt gibt es aber: Die Tonaufzeichnung verhält sich inkonsistent. Mal wird der Ton bei Videos mitgeschnitten, mal nicht, ein klares Muster konnte ich dabei nicht erkennen. Die Triggerzeit habe ich nicht explizit gemessen, im Alltag ist sie mir aber nicht negativ aufgefallen und war auch für den ein oder anderen Hasen oder rennenden Elch schnell genug.

Videos der Wildcamera findet ihr immer mal wieder auf meinem Instagram Account @der_waidwerker.

Übertragung & Konnektivität

Die Bildübertragung per 4G läuft zuverlässig. Die mitgelieferte Flexi-SIM wählt automatisch das beste verfügbare Netz und funktionierte im Test sogar in Norwegen einwandfrei, praktisch für alle, die ihre Kamera auch mal im Ausland einsetzen. Lediglich ein einzelnes Video wollte partout nicht hochladen, ohne dass ich eine klare Ursache finden konnte. Ein kleiner Wermutstropfen bleibt zudem: Die SIM ist gelockt, eine freie Anbieterwahl gibt es also nicht.

App & Software

Die Ersteinrichtung geht schnell und unkompliziert von der Hand: Kamera anschließen, App öffnen, fertig. Die Integration in die Jagdgefährte/ MyHunt-App ist ohnehin eines der zentralen Argumente für diese Kamera. Die Übersicht ist aufgeräumt, Bilder lassen sich bequem nach Tierauftritten filtern, und die Einstellungen können komplett remote geändert werden, der erneute Gang zum Kamerastandort entfällt also.

Ganz fertig wirkt die Software allerdings noch nicht. Der WildCam-Bereich in der App fühlt sich stellenweise etwas unrund an, und einmal ist mir die App kurz abgestürzt. Ein echter Bug ist die GPS-Ortung: Längen- und Breitengrad werden vertauscht dargestellt, warum auch immer. Meine Kamera hängt aber tatsächlich nicht im Indischen Ozean westlich von Indien (14°N / 67°E). Dieser Bug ist ärgerlich, sollte sich per Update aber beheben lassen.

Abonnement & Kosten

Der Kamerapreis selbst ist fair, für die Online-Funktionen wird allerdings ein Abo fällig. Das günstigste Paket (Base) kostet 2,49 € im Monat bzw. 23,90 € im Jahr und umfasst 100 Bilder, für den Gelegenheitsnutzer völlig ausreichend. Wer Videos und die kommenden KI-Features nutzen möchte, greift zum Plus-Tarif (8,99 €/Monat bzw. 86,30 €/Jahr, 1.200 Bilder und 25 Videos) oder zum Ultimate-Tarif (13,49 €/Monat bzw. 129,50 €/Jahr mit unbegrenzten Fotos und Videos). Im Jahresabo wird es also spürbar günstiger.

Ein Kritikpunkt bleibt jedoch: Die Preise gelten jeweils pro Kamera. Wer mehrere WildCams im Revier hängen hat, zahlt entsprechend mehrfach. Kameraübergreifende Kombi-Abos würden hier deutlich mehr Sinn ergeben.

KI-Features & Zukunft

Groß beworben, aber noch nicht verfügbar: Die angekündigten KI-Funktionen sollen laut Hersteller in Q2 2026 kommen und lassen sich daher aktuell schlicht nicht bewerten. Unklar bleibt zudem, welche konkreten Features überhaupt geplant sind. Das ist etwas unbefriedigend, wenn man die Kamera gerade auch wegen dieser Aussicht ins Auge fasst.

Fazit

Die Jagdgefährte/ MyHunt WildCam ist ein vielversprechender Einstieg: gute Bildqualität auch bei Nacht, durchdachte Handhabung, beeindruckende Akkulaufzeit und eine sauber integrierte App machen sie zu einem attraktiven Angebot im unteren Preissegment. Wer ohnehin schon mit der Jagdgefährte/ MyHunt-App arbeitet, bekommt ein stimmiges Gesamtpaket.

Abstriche gibt es bei den kleineren Software-Bugs, dem vertauschten GPS, der inkonsistenten Tonaufzeichnung, den noch ausstehenden KI-Features und der fehlenden Flexibilität beim Abo-Modell. Als noch junge Marke muss die WildCam ihre Langzeit-Tauglichkeit zudem erst beweisen. Wer aber bereit ist, ein Produkt in einem frühen Stadium zu begleiten und von den angekündigten Updates zu profitieren, ist hier gut aufgehoben.

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Veröffentlicht am 22. Juni 2026
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