Ein wirklich magischer Ort für Bogenjäger: Acornland in Spanien
Von Hans Forstmann am 28. September 2017

Anzeige

iel Training voller großer Fraustration und großer Freude lagen hinter mir, als ich mich nach Spanien aufmachte, um dort das erste Mal mit dem Bogen zu Jagen. Von der Location möchte ich euch berichten, denn es war einfach nur traumhaft schön und ideal für meine Belange als Neuling.
Ich wurde in den vielen Monaten des Trainings oft gefragt, warum ich ausgerechnet mit dem Bogen losziehen will. Ein Frage, die ich zunächst beantworten will. Mein Ziel war und ist es, so intensiv wie möglich zu Jagen. Nah ans Wild zu kommen. Herausforderung zu spüren und auch mal wieder zu scheitern. Das hatte ich alles auf meiner Reise und davon will ich berichten.

Acornland liegt etwa 2 Stunden südwestlich von Madrid. Man kann günstig einfliegen und kann ebenso günstig einen Mietwagen direkt am Flighafen in Empfang nehmen. Der Weg führt einen vorbei am nicht besonders schön wirkenden Madrid und in die naheliegenden Berge. Das Gredosgebirge beginnt aus dem Nichts und Acornland liegt auf halber Höhe der wunderschönen Berge. Wir waren spät dran und kamen im Dunkeln von der kleinen Bergstraße auf einen noch kleineren Sandweg. Das Navi hat uns irrgeleitet. Als der kleine Opel Corsa nicht mehr weiter konnte stiegen wir aus, um zu pinkeln. Mit offener Hose nahm uns Acornland dann in seinen Bann: In unittelbarer Nähe schriehen sich die Hirsche an und es wurden immer mehr. Wir wußten auf der Stelle, das wir hier richtig sind. Zurück auf der kleinen Bergstraße hielt ein Geländewagen und zwei Gestalten in Camo mit typischer Gesichtsbemalung stiegen aus, um uns zu begrüßen. Es war Ivan, der erste von zwei Brüdern, die Acornland jagdlich bewirtschaften. Er begrüßte uns herzlich und leitete uns zur Casa.
Und was für eine Casa, sage ich euch. Das Haus in dem wir wohnten, ist Teil des überwältigenden Erlebnisses.

Die "Casa" war unglaublich! Das allein ist schon die 200 Euro am Tage wert...

Die Familie de Gregorio kaufte das burgähnliche Anwesen in den 80er Jahren als verfallenes Kloster. Dazu fast 2.000 Hektar Land. Das Anwesen wurde mit viel Mühe und Geschmack restauriert und ist voll antiker kirchlicher Kunst und jagdlichen Details. Die Zimmer waren toll hergerichtet und in den Gängen und auf den verschiedenen Etagen habe ich mich bis zum letzten Tag mit Freude verlaufen. Das Essen war von erster Güte und die Weine ein Genuss! Schaut euch die Bilder an, sie sagen mehr als meine 1.000 Worte.

Auch von innen ein Traum. Voll mit katholischer Kunst. Klingt komisch, ist aber toll und geschmackvoll gemacht.

Zur Jagd:

Die beiden Brüder Ivan und Gonzalo de Gregorio haben vor vielen Jahren die Jagd mit der Büchse eingestellt. Sie waren der spanischen Montaria überdrüssig. Ihnen missfiel die Schlachterei und die sinkende Quantität und Qualität des Wildes, so das sie gänzlich auf Bogenjagd umgestellt haben. Mit Erfolg, denn was wie in den Tagen dort sahen, war eine unglaubliche Menge Wild und Hirsche in wirklich guter Qualität. Kein Vergleich zu den jungen, dünnstangigen Montariaopfern, die man aus Spanien oft zu sehen bekommt. Die Brüder lassen ihre Hirsche alt werden und mit dem Bogen wird nicht im Ansatz abgeschöpft, was nachkommt. Aber eher denken die beiden passionierten Brüder über Fänge nach, als wieder zur Büchse zu greifen. Hut ab, vor so viel Überzeugung und ich fand in Europa keinen zweiten Ort NUR für Bogenjäger.

Das Gelände ist hügelig und bietet viel Deckung zur Pirsch.

Acornland hat fast 2.000 Hektar und ist, wie in Spanien üblich, lose gezäunt. Das erlebt man aber nicht, da sogar öffentliche Straßen durch das Revier laufen. Im Revier herrschen Rot- und Muffelwild vor. Ich sah aber auch viele Füchse und Sauen! Was will man mehr!? Rehwild kommt wohl auch langsam zurück, wird aber geschont.
Vorrherschende Jagdart ist die Pirsch, was mit dem Bogen eine wirkliche Herausforderung ist und uns unglaublich gepackt hat. Wir hatten bei jedem Outing mindestens eine spannende Begegnung und nahe Pirsch mit Wild. Die Wilddichte ist natürlich hilfreich! Alternativ zur Pirsch, kann man auch in einzelnen Blinds warten, aber das haben wir kaum getan. Wir wollten ran ans Wild!
Die Pirsch war jedoch durch die trockene Vegetation und die Schalen der Acorns (Eine Art Eicheln) nicht einfach. Man prischte wie in einer Schüssel Kartoffelchips. Oft auf allen Vieren oder im Kriechgang.
Die Hirsche riefen bis morgens um 10:00 und fingen zwei Stunden vor Ende des Lichts schon wieder an. So war es die aufregende Routine die röhrenden Hirsche anzugehen. An Spannung kaum zu übertreffen. 6-7 Mal war ich auf unter 50m an alten Hirschen und dem Kahlwild dran und fehlten die letzten Meter für einen sauberen Schuss. Es waren stets die "Weiber" die uns mitkriegten und auf ging es von vorn.
Ebenso spannend waren die Muffel. Ich hatte noch nicht viel Erfahrung auf diese tolle Wildart und hatte daher auch bei der Jagd auf sie viel Freude und am Ende auch Glück. Wir konnten beide einen erlegen und das nach spannender Pirsch.

Ein Altschaft auf der Strecke. Der Hund ist übrigens auch brauchbar! Es wurde gewissenhaft nachgesucht. Auch nicht Standard in Spanien.

Wenn man will, kann man sich durch die Brüder oder ein weiteres Familienmitglied führen lassen. Das haben wir anfangs in Anspruch genommen und waren sehr zufrieden. Passion und spanische Entspannung sind eine tolle Kombination. Dazu noch die Herzlichkeit und Gastfreudlichkeit machten es einmalig...

Das Equipment:


Man braucht bei 35 Grad im September gute Kleidung aus natürlichen Materialien. Sonst schwitzt man sich zu Grunde. Ein leichtes Fernglas und Rangefinder. Ich empfehle zudem allen, die es uns nachtun wollen, unbedingt Multipin-Visiere zu nutzen. Wir hatten Singlepins und waren dadurch zu langsam. Ein wichtiges Learning. 60 Pfund reichen nach aussagen der erfahrenen Spanier...

Wer errät die Spitze? Ein bemerkenswerter Anblick...

Fazit:

Die Preise von 200 Euro am Tag und maximal 1.200 Euro pro erlegtem Hirsch sind zudem unverschämt gut. Wann hat man das schonmal, das etwas so tolles auch noch günstig ist? Das liegt daran, das die Brüder das nicht tun, um reich zu werden. Sie tun es, weil sie an die Bogenjagd glauben und Freude an Menschen haben. An guten Essen und geteilter Freude nach der Jagd. Für mich eines der tollsten jagdlichen Abendteuer in meinem jagdlichen Leben.

Ich empfehle daher jedem, der mit dem Bogen jagt, Acornland zu besuchen. Ihr werdet nicht enttäuscht sein! Ich hoffe jedoch, das nur gute Leute fahren, denn das haben die Gregorios verdient... Ich will nicht bereuen, diese Location hier mit euch geteilt zu haben ;-)

Alle weitere Info und Kontakt findet ihr hier als LINK

Leider nicht mein Hirsch! Dafür komme ich im nächsten Jahr wieder. Aber so sehen die Hirsche dort aus. Ich habe es mit eigenen Augen gesehen...

Anzeige

Kommentare

Hans Forstmann

Ich glaube an die Community @Vortigaunt und TEILE daher meine Erfahren bereitwillig. Profilieren wäre es, dies nicht zu tun. Ein Jeder, der sich mit dieser Aussage schwer tut, sollte als "Smart Move" schleunigst ins W&H Forum wechseln... Ich freue mich jedenfalls sehr auf deinen ersten Bericht!

Ober Jäger

Ich danke Dir Foersti, das Du gemeinnützig denkst, denn das macht Geartester tatsächlich aus... Dee Kommentar Bonbon Vortigault ist ja sachlich womöglich richtig aber es ist schön das Du anders denkst. Habt euch alle lieb und schreibt Berichte ;-)

de Chasse

Wir waren auch gerade dort zur Bogenjagd und können Hans in allem bestätigen. Die de Gregorios sind herzliche Gastgeber und professionelle Guides und das ganze Team des Anwesens ist mit Freude am Werk. Apropos Anwesen: die restaurierte Klosteranlage ist wunderschön, der umgebende Wald auch und meine mitgereiste Lady konnte richtig gut urlauben, obwohl oder gerade weil keine Bogenjägerin ;-) Acornland ist eine tolle Adresse, für jeden!

Cookies helfen uns bei der Bereitstellung unserer Dienste. Durch die Nutzung unserer Dienste erklärst du dich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Mehr erfahren