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Buchtipp: Hundeabrichtung - oder: "Ich weiß, dass ich nichts weiß"
Von Mittelgebirgsjäger am 7. Mai 2022

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“Hundedressur ist einfach, sogar spielend leicht. Schwer ist lediglich die Abkehr von der gedankenlos nach geplapperten und trotz aller Gegenbeweise immer wieder geglaubten “Klugheit des Hundes”, außerordentlich schwer sind Selbstbeherrschung, eiserne Nerven, nie versagende Geduld und kameradschaftliche Einstellung zum Hund zu erzeugen, durch die allein Erfolg errungen wird.

Dr. Granderath, J., Hundeabrichtung - Durch wahre Verständigung zwischen Mensch und Hund, 9. Auflage, Radebeul - Ost-Deutschland: Neumann - 1974, S. 13.

Vorbemerkung:

Ich habe erst zwei Hunde (geführt) und ohne fremde Hilfe wäre ich alleine auf weiter Flur. Ich bin weit davon entfernt, Tipps geben zu können, wie man seinen Hund führen kann -  ich weiß also, dass ich nichts weiß. Jedoch kann ich Tipps geben, wo es gute Hinweise  gibt und einer davon ist dieses Buch: denn es hat für viele Situationen die richtige Antwort. Ein Buch ersetzt aber keinen Dressurhelfer oder einen erfahrenen Abrichter - mein nächster Tipp daher, fragen Sie nach Hilfe - in der örtlichen Jägerschaft oder beim Profi. Für mich ist der ‘menschliche Spiegel’, "meine Trainerin", am meisten wert, da er nicht nur meinen Hund sondern auch mich korrigieren kann. Ich halte meine Augen und Ohren immer offen und schaue mich online um - so bin ich auch auf dieses Buch (Facebook-Post von Uwe Heiß) aufmerksam geworden und war schnell begeistert von dem, was ich gelesen habe. Für mich sehr lehrreich sind darüber hinaus auch Facebook-Seiten aus dem Hundesport (z.B.: Bart Bellon, K9 of Kashi) und Youtube-Videos.

Was ich an dem Buch gut finde:

Das oben dargestellte Zitat ist für mich die Quintessenz des Buches: “Liebe und verstehe deinen Hund - und bleibe dabei gelassen, aber nicht laissez-faire”. Einfach gesagt: Niemand würde mit seinem Kind darüber diskutieren, ob es sich im Auto anschnallen darf. Hier setzen sich Eltern mit letzter Konsequenz durch - und lieben ihre Kinder dennoch (Pro-Tipp: Hundeabrichtung ist nicht vollständig auf Kindererziehung übertragbar ;-) ). So sollte es mit der Hundeabrichtung auch sein. Jeder möchte, dass der Hund konsequent auf den Triller runtergeht - vergleichbar mit dem Anschnallen - aber nicht jeder ist konsequent genug es dem Hund so zu erklären. Der Autor empfiehlt, sich an Kompromisslosigkeit in relevanten Fragen zu orientieren und dabei zu bedenken, dass der Hund “Relevanz” nicht ordnen kann - aber Konsequenz des Hundeführers kann er sehr gut erkennen. Er kennt nur JA oder NEIN. Granderath zeigt in seinem Buch auf, dass man seine Hunde lieben kann und (zu ihrem Schutz und zur korrekten, tierschutzgerechten Jagdausübung) dennoch konsequent mit ihnen arbeiten kann. Wíchtig ist, dass das Buch Konsequenz lehrt - verbunden mit einer Philosophie, die der damaligen Zeit weit voraus war. Einer Philosophie in der es nicht darum geht, den Willen des Hundes überhart zu brechen, sondern diesen Willen zu nutzen. Granderath zeigt, insbesondere in den Dressurbeispielen auf, wie ein Hund “denkt” (und unterstreicht dabei immer wieder, dass der Hund nicht denkt, sondern seinen Instinkten und Trieben folgt) und wie man sich dies in der Abrichtung zu Nutze machen kann.

Für mich ist diese Buch tatsächlich eine Offenbarung, denn es beschreibt verständlich, praxisnah und für mich nachvollziehbar klassische Probleme der Hundeausbildung. Nach der Einleitung werden in 12 Kapiteln Dressurbeispiele (z.B.: “Der Kläffer”, “Der Hund, der an der Leine zerrt”) dargestellt um dem Leser das Wesen des Hundes anhand von bekannten Beispielen näher zu bringen. Nach den Kapiteln Vorbereitung des Jagdhundes für die Führung im Revier (17 Unterkapitel) und Die Praktische Führung des Jagdgebrauchshundes (6 Unterkapitel) folgen noch einige Rassebetrachtungen. Die Sprache des Buches ist verständlich und klar, nahezu kompromisslos. Einige Vokabeln sind im heutigen Sprachgebrauch untergegangen, das Wissen ist jedoch aktuell.

Was ich mir von einer Neuauflage wünschen würde:

Interessant wäre für mich eine Neuauflage: Was würde der Autor über die heutigen technischen Möglichkeiten sagen? Was würde er - im Angesicht der schwindenden Niederwildstrecken - über Vorstehhunde auf der DJ sagen und wie würde (würde er?) sein Konzept ändern? Wie würde er sich auf auf die gesetzliche Lage anpassen? - Die Beantwortung der Fragen durch den Autor ist natürlich nicht möglich in dieser Form, aber selbst eine unveränderte (aber kommentierte) Neuauflage des alten Buchs wäre schön, damit man nicht auf Exemplare aus dem Antiquariat angewiesen ist (hier immer mal wieder verfügbar: https://amzn.to/3rNun0c)

Schlussbetrachtung:

Viele werden die konsequente, strenge und gleichzeitig liebevolle Abrichtung des Hundes - wie in dem Buch vorgeschlagen - als nichts Neues abtun und andere verstört zur Kenntnis nehmen. Nach vielen gelesenen Büchern (u.a. Tabel, Fichtlmaier, Schröder, Eggerts, Markmann) ist dieses Buch für mich bislang die beste Hilfe.

ACHTUNG: Insbesondere ist die Rechtslage in der Hundeausbildung zu beachten. Hier gilt die aktuelle Tierschutzhundeverordnung: https://www.gesetze-im-internet.de/tierschhuv/BJNR083800001.html Demnach ist es verboten “bei der Erziehung oder beim Training von Hunden Stachelhalsbänder oder andere für Hunde schmerzhafte Mittel zu verwenden”. Dies muss man beim Lesen, Verstehen und Befolgen der Hinweise im Buch beachten und berücksichtigen - dennoch kann man viele nützliche Lehren aus dem Buch ziehen. Legale Ferntrainer in Deutschland sehen derzeit ungefähr so aus: https://amzn.to/3OEap1I ;-)

In der Hundeabrichtung führen viele Wege nach Rom und ich kenne davon sehr wenige und habe sie auch noch nicht bis zum Ende beschritten. Für die wenigen Meter, die ich bereits gegangen bin, war dieses Buch jedoch eine gute Unterstützung und unter anderem Erklärung für die Stolpersteine, gegen die ich schon gestoßen bin. Ich will daher nochmals unterstreichen, dass ich hier KEINE Tipps zur Abrichtung, Erziehung oder Haltung gebe, sondern nur aufzeigen möchte, wo ich einen Teil meiner Handlungen abgeschaut habe.

Exkurs:

Der Verlag Neumann war einst DER wichtigste Jagdverlag im deutschsprachigen Raum. Zwischenzeitlich aufgespalten (Radebeul) firmiert er heute unter J. Neumann-Neudamm AG in Melsungen und ist vielen literaturbegeisterten Jägern bekannt. Einen Blick (und Besuch) lohnt vor allem die Deutsche Jagdbibliothek, die am Standort Melsungen unterhalten wird und Teile der Bibliotheca Tiliana enthält.

Was man nach Granderath zum Beispiel benutzen kann (bitte Rechtslage beachten):

Wurfkette - ein akustisches Hilfsmittel

https://amzn.to/3v7qyVW

Leine - mit Stopp

https://amzn.to/3v9kw73

Pfeifen - (ich habe bestelle pro Jahr 3-4 und verliere sie an verrückten Orten, Vorteil: günstig, nachbestellbar und immer gleicher Ton)

https://amzn.to/3OwZZkA

Lange Leine

https://amzn.to/3KbfM52

Erdanker (Achtung: kann total nerven, wenn nicht tief genug drin)

https://amzn.to/3rOaLZV

Es gibt aber noch viele andere Hilfsmittel und Werkzeuge, die nach Rom führen.

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