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Moin Geartester,
Nach meiner jagdlichen Karriere, in der ich bereits einige Waffen geschossen und besessen habe, möchte ich über meine jüngste Errungenschaft berichten – eine Browning X-Bolt Hunter II Monte Carlo in 30.06 Springfield. Ich führe diese Waffe nun ein komplettes Jagdjahr und habe mit ihr unter anderem eine Bergjagd in Slowenien auf Gamswild sowie zahlreiche Drückjagden durchgeführt.
Warum die Browning X-Bolt Hunter II Monte Carlo in 30.06?
Ich besitze bereits seit längerem eine Browning X-Bolt in .308 Win, mit der ich bis dato vollste Zufriedenheit hatte. Ich wollte eine zweite Waffe, mit der ich moderne bleifreie Geschosse wie das Barnes TTSX in 168 Grain verschießen kann. Dies ist mit dem 1/10 Drall in der 30.06 kein Problem. Die .308 Win hat leider nur einen 1/12 Drall, der die längeren bleifreien Geschosse teilweise nicht ausreichend stabilisiert. Die Browning X-Bolt Hunter II war dann bei Waffen Schrum für 990 Euro im Angebot, da konnte ich einfach nicht widerstehen.

Die Waffe
Bei der Waffe handelt es sich um einen klassischen, schlanken Repetierer. Die Verarbeitungsqualität ist sehr gut, ohne störende Ecken und Kanten. Ich habe auf der Waffe eine Stahl-Picatinny-Schiene von Henneberger verbaut. Mit einer Recknagel PSG Montage ist ein GPO Spectra 6, 1,5-9x44i montiert. Als Schalldämpfer nutze ich einen Freyr und Devik Featherweight 196. Die Waffe ist leicht und führig und trägt sich angenehm. Mit diesem Setup bin ich für meine Ansprüche universell für alle Jagdarten, von der Bergjagd bis zu Drückjagden, ausgerüstet.

System und Verschluss
Die Browning X-Bolt wird von der Firma Miroku in Japan gefertigt. Das Herzstück der Waffe ist das aus Stahl gefertigte System. Je nach Kalibergruppe gibt es unterschiedliche Systemgrößen von Super Short Action, Short Action über Long Standard Action. Meine .308 Win ist ca. 1,5 cm kürzer als die 30.06 bei gleicher Lauflänge. Der Verschluss hat drei Verriegelungswarzen und öffnet in einem 60° Winkel. Der Repetiervorgang ist sehr flüssig, bei gutem Schlossgang. Schnelle Schussfolgen auf der Drückjagd sind problemlos möglich. Ich hatte bisher keine einzige Störung, wie etwa Hülsenklemmer, was bei anderen Waffen durchaus schon vorgekommen ist. Der Hülsenauswurf findet zur Seite statt und stellt auch bei der durchgehend montierten Picatinny-Schiene kein Problem dar.

Lauf und Präzision
Bei dem Lauf handelt es sich um einen 21 Zoll Lauf (das entspricht ca. 53,5 cm) mit einem M14x1 Mündungsgewinde und einem Drall von 1/10. Das Mündungsgewinde ist hervorragend geschnitten und wird mit einem Gewindeschutz versehen geliefert.
Miroku nutzt knopfgezogene Läufe im Gegensatz zu den meisten europäischen Herstellern, die oft kaltgehämmerte Läufe verwenden. Manche Hersteller empfehlen insbesondere bei knopfgezogenen Läufen ein sogenanntes „Barrel Break In“, bei dem nach einem bestimmten Schema geschossen und danach direkt wieder gereinigt wird. Dies dient dazu, kleinere Unebenheiten, die bei der Fertigung entstehen, zu beseitigen. Ich habe einen solchen „Break In“-Prozess nicht durchgeführt, musste aber feststellen, dass sowohl Präzision als auch Geschwindigkeit sich mit zunehmender Schussbelastung verbessert haben. Als Wiederlader schieße ich relativ viel und messe mit einem Garmin Xero jeden Schuss, den ich auf dem Schießstand abgebe.
Nach dem Kauf der Waffe hatte ich den Lauf zuerst chemisch gereinigt. Danach wurde der Lauf von mir mit einem Endoskop (Laufkamera) untersucht. Dabei zeigte sich ein sauberes Profil, ohne größere Unebenheiten. Als erstes hatte ich die Waffe auf das Barnes TTSX 168 Grain eingeschossen und erreichte mit der Fabrikmunition Streukreise von ca. 40 mm bei 5 Schuss auf 100 m. Das war von der Präzision nicht sonderlich berauschend, jedoch war die Wirkung auf Wild absolut umwerfend. Leider konnte ich auch mit handgeladener Munition keine für mich zufriedenstellende Präzision erreichen. Weitere Versuche machte ich mit dem Hornady ELDX in 178 Grain, aber auch hier erreichte ich nur Streukreise von 35 mm auf 100 m, was mir für eine anstehende Bergjagd auf Gamswild zu wenig war. Mit dem Geco Express fand ich dann das gewünschte Geschoss. Es waren Streukreise von 15 mm auf 100 m mit der Fabrikladung möglich. Das 165 Grain schwere Geschoss erreichte aus dem 53,5 cm langen Lauf immerhin im Schnitt 860 m/s. Letztendlich konnte ich mit dieser Ladung meine Gams auf 240 m strecken. Mit einem Schuss knapp hinters Blatt ging diese noch etwa 5 m. Ich bin von der Qualität der Geco-Munition absolut überzeugt, vor allem schießt die Waffe sowohl Geco Plus, Geco Express als auch Geco Zero ohne Veränderung des Haltepunktes zusammen.
Die Lauflänge von 53,5 cm ist sicherlich nicht optimal für eine 30.06 Springfield, allerdings konnte ich in den Messungen keine großen Abweichungen der Geschwindigkeiten zu den Herstellerangaben feststellen. Die Geco Zero war mit im Schnitt 930 m/s sogar 10 m/s schneller als angegeben. Allerdings dann mit deutlich merkbarem Mündungsfeuer und Geschossknall. Mittlerweile lade ich das Sako Powerhead Blade 162 Grain mit Vihtavuori N150 und erreiche damit konstant gute Streukreise, bei 100% Abbrand im Lauf und moderatem Rückstoß. Die Waffe hat jetzt ungefähr 400-500 Schuss Belastung und wurde zwischenzeitlich nur noch einmal chemisch gereinigt. Ich ziehe den Lauf der Waffe immer einmal mit der Boresnake durch, bevor sie in den Schrank kommt. Mehr Pflegeaufwand betreibe ich nicht. Ich kann problemlos zwischen Tombak und Kupfergeschossen wechseln, ohne Veränderung der Präzision. Ich hatte den Lauf nach etwa 200 Schuss nochmal endoskopiert und konnte keine wesentlichen Kupferablagerungen feststellen, was meines Erachtens für die Qualität des Laufs spricht.


Fünf Schuss auf 100 m mit dem handgeladenen Sako Powerhead Blade 162 Grain im Durchschnitt bei 842 m/s.
Schaft
Ich hatte mich bewusst für einen Holzschaft entschieden, unter anderem, da ich einen kurzen Hinterschaft bevorzuge und sich ein Holzschaft einfacher kürzen lässt. Die Abzugslänge beträgt original 36 cm. Ich habe den Schaft einfach mit der Kreissäge um 2 cm gekürzt und konnte die Originalschaftkappe wiederverwenden. Diese musste ich lediglich mit dem Bandschleifer etwas anpassen. Der Schaft aus Walnussholz kommt mit einer Monte Carlo Backe und ist mit einer schönen Fischhaut versehen, was ihn auch bei feuchten Bedingungen griffig macht. Die Ergonomie des Schaftes ist mit einem Zielfernrohr hervorragend, und man kann mit guter Wangenauflage gerade durchs Zielfernrohr schauen, auch ohne verstellbare Wangenauflage.
Das System ist an zwei Stellen im Schaft mit Epoxidharz gebettet, was die Präzision erhöht. Der Lauf ist freischwingend. Das Highlight stellt jedoch die Schaftkappe dar. Diese absorbiert den Rückstoß sehr gut, aber gleichzeitig ist die Oberfläche der Schaftkappe nicht so gummiartig, dass man wie bei manch anderen Schaftkappen beim Versuch, schnell in den Anschlag zu kommen, an der Kleidung hängen bleibt. Die Waffe gleitet regelrecht in die Schulter. Der Schaft besitzt eine bessere Steifigkeit als die meisten Kunststoffschäfte, die ich kenne. Der Schaft ist lackiert, was optisch im ersten Eindruck gut aussieht, jedoch ist die Lackierung empfindlich und der Schaft ist mittlerweile überzogen von Kratzern. Wahrscheinlich werde ich den Schaft irgendwann abschleifen und ölen. Leider gibt es nur ein geringes Angebot an Aftermarket-Schäften in Deutschland. Man kann jedoch einen Schaft der Firma Boyds in den USA ordern. Auf Anfrage liefert die Firma auch nach Deutschland.
Montage
Die Browning X-Bolt hat insgesamt 8 Gewindebohrungen zur Befestigung der Montage auf dem System. Bei den meisten Herstellern gibt es nur 4 Gewindebohrungen. Dadurch können Montagen auf der X-Bolt äußerst stabil angebracht werden. Im Lieferumfang sind zwei Weaver-Basen aus Stahl enthalten. Ich persönlich hatte mich für eine durchgehende Stahl-Picatinny-Schiene von Henneberger entschieden, welche auch sofort lieferbar war. Des Weiteren vertreibt Browning eine Festmontage von der Firma Talley sowie eine Dentlermontage, die bei Browning als Nomad-Montage bezeichnet wird.

Magazin
Das Magazin ist aus Kunststoff gefertigt. Es schließt bündig mit der Waffe ab. Man kann 4 Schuss in das Magazin laden und hat somit 4 + 1 Schuss in der Waffe zur Verfügung. Das Magazin ist sehr wertig verarbeitet und trotz Kunststoff äußerst stabil. Insbesondere das Standard Long Action Magazin ist sehr großzügig bemessen, sodass man als Wiederlader ohne Probleme die Setztiefe der Geschosse variieren kann, um das Geschoss möglichst nah an die Züge und Felder zu setzen. Dabei hatte ich nie Zuführungsprobleme beim Repetieren, was mir bei anderen Waffen schon passiert ist.

Sicherung und Abzug
In der Browning X-Bolt ist ein Direktabzug verbaut. Dieser steht trocken und hat null Vorweg. Er bricht glasklar. Jedoch ist der Abzugswiderstand etwas hoch. Der Abzug ist einstellbar, wofür man die Waffe jedoch ausschäften muss. Ich habe den Abzugswiderstand, soweit es sicher möglich war, an der Einstellschraube heruntergedreht und erreiche nun ein Abzugsgewicht von 1100 Gramm. Dies finde ich für eine Jagdwaffe völlig in Ordnung, gerade wenn man im Winter mit Handschuhen schießt.
Bei meiner ersten X-Bolt in .308 Win hatte ich eine Tuningfeder eingebaut, dies hatte jedoch fast keinen Effekt. Daher würde ich davon abraten. Wichtig ist, dass man nach dem Einstellen des Abzugs beim Einschäften die Systemschrauben richtig festzieht, am besten mit einem Drehmomentschlüssel.
Die Sicherung befindet sich auf dem Kolbenhals und wirkt sowohl auf den Abzug als auch auf den Schlagbolzen. Sie lässt sich lautlos bedienen. Es ist eine Zwei-Stellungssicherung, was jegliche Anwenderfehler bei schnellem Entsichern vermeidet. Im gesicherten Zustand ist die Kammer verriegelt; man kann über einen zusätzlichen Knopf an der Basis des Kammerstengels die gesicherte Waffe entriegeln und die Waffe im gesicherten Zustand entladen. Insgesamt finde ich die Sicherung an der Waffe äußerst gelungen und für Flintenschützen geradezu intuitiv zu bedienen.

Fazit
Die Browning X-Bolt Hunter II Monte Carlo ist eine Gebrauchswaffe für Jäger, die gerne aktiv jagen. Die Waffe ist alltagstauglich, robust und vor allem sehr sicher. Das Handling ist intuitiv und flüssig, wobei sich die Waffe auf das Wesentliche beschränkt, ohne allzu viel Schnickschnack, den man eigentlich nicht braucht. Die einzigen negativen Punkte sind die etwas empfindliche Lackierung des Schafts und das kaum vorhandene Aftermarketzubehör (Abzüge, Schäfte, …).
Mittlerweile ist das Nachfolgemodell, die Browning X-Bolt 2, in Europa verfügbar. Bei diesem Modell wurde im Wesentlichen der Abzug verbessert und ein neues verstellbares, ergonomisches Schaftsystem eingeführt. Leider gibt es die X-Bolt 2 nur in einer etwas eingeschränkten Kaliberauswahl in Europa. Die modernen Magnumkaliber, wie 6,5 PRC, 6,8 Western, 7PRC oder 300 PRC, sind bisher nur auf dem amerikanischen Markt verfügbar. Metrische Kaliber sind meines Wissens ebenfalls nicht verfügbar. Wer jedoch kein Problem damit hat, die bewährten amerikanischen Kaliber wie .308 Win, 30.06 oder 300 WinMag zu schießen, erhält mit der Browning X-Bolt eine gelungene, qualitativ hochwertige Waffe.