1.000 m Longrangeseminar mit LH Tactical Training in Polen
Nachdem ich im Vorjahr bereits ein 500 m Seminar in Tschechien mit Sven und seinem Team von LH Tactical Training besucht habe, verschlug es mich im Sommer 2025 dann mit den Jungs nach Polen, um dort auf 1.000 m zu schießen.
Angesagt war wieder ein Seminar für Anfänger und Fortgeschrittene, dieses Mal jedoch mit Schussdistanzen von 1.000 Metern.
Nach einer langen und durch unzählige Staus geprägten Anfahrt kam ich am späten Samstagnachmittag in Polen an. Trotz der Tatsache, dass es Hochsommer war, war an diesem Tag bescheidenes Wetter mit teils starkem Regen und viel Wind.
Am Samstagabend gab es eine Einweisung in den Ablauf des nächsten Tages, in die Theorie zum Thema Longrangeschießen inkl. Waffenhandling, Ballistik etc. Anschließend gab es Leckeres vom Grill, bevor einige der Teilnehmer in ihren Zelten verschwanden, bzw. so wie ich in ihr Hotel fuhren.
Am nächsten Morgen sah die Wetter-Welt dann schon wieder deutlich besser aus. Es war zwar noch kalt, aber die Sonne schien. Des Weiteren war kein Regen mehr vorausgesagt und auch der leichte Seitenwind war kontrollierbar. Somit stand einem schönen Tag auf der Range nichts mehr im Wege.
Ablauf des Schießens:
Zuerst erfolgte das Anmelden inkl. Kontrolle der WBK durch den Standbetreiber. Danach wurden durch einige der anwesenden Schützen sowie dem Team von Sven die Zielscheiben auf den diversen Entfernungen 100, 200, 400, 600, 800 und 1.000 m aufgehängt.
Es waren jeweils zwei Schützen pro Stand/Zielscheibe. Ich und mein „Spotter“ hatten das Glück, über je eine eigene Zielscheibe an unserem Stand zu verfügen. Wir bauten unsere Waffen zusammen, die Spektive auf und fingen mit der Messung der Mündungsgeschwindigkeiten an. Nach 5 Schuss und deren Mittelwert berechnete ich meine Verstellungen am Zielfernrohr auf die verschiedensten Distanzen und war dann bereit für die ersten Schüsse auf die größeren Entfernungen.
Obwohl wir zwei Scheiben an unserem Stand hatten, schossen mein „Spotter“ und ich immer abwechselnd 10 Schuss. Nachdem meine 5 Schuss zur Messung der Mündungsgeschwindigkeit mittig in der 100 m Scheibe landeten, schoss ich meine erste 10er Serie auf die 200 m Scheibe, um meine Berechnungen der Zielfernrohrverstellung zu prüfen und ggf. zu korrigieren. Auch hier stellte sich heraus, dass die Zeiss ASV H+ sehr präzise arbeitet und meine Schüsse waren hier alle in der 10.
Meine nächste 10er Serie ging dann schon auf die Scheibe auf 400 m. Auch hier waren wieder alle Treffer mittig im Schwarzen und ich war mir sicher, dass meine vorherigen Berechnungen richtig waren und ich die ASV H+ weiter zur Kompensation des Geschossabfalls gut nutzen kann.
Nachdem auch mein „Spotter“ seinen zweiten Durchgang geschossen hatte, ging ich auf 600 m. Hier versuchte ich zuerst drei Schuss auf den Gong, konnte aber aufgrund der vielen anderen Schützen, die die gleiche Idee mit dem am Stand hängenden Gong hatten, nicht hören, ob ich getroffen hatte oder nicht. Danach schoss ich die restlichen 7 Schuss wieder auf meine Zielscheibe. Auch hier waren die Schüsse im Schwarzen, wenn auch etwas tief und links versetzt. Mein „Spotter“ schoss dann seine 10 Schuss und als ich wieder an der Reihe war, versuchte ich nochmals (nach erfolgter Korrektur der Trefferlage), den Gong zu beschießen. Jetzt konnte ich auch meine Treffer hören und nach 5 akustischen Rückmeldungen gab ich die restlichen 5 Schuss auf die Scheibe ab, um dort ein genaueres Trefferbild zu erhalten.
Nach diesem Durchgang gab es wieder eine Trefferaufnahme an den Scheiben - durch die große Distanz waren die Treffer auf den Scheiben auch mit den Spektiven nur noch sehr schwer zu erkennen. Es stellte sich heraus, dass meine Korrekturen am Zielfernrohr richtig waren und meine Treffer nun wieder mehr mittig im Schwarzen der Scheibe waren.
Der nächste Durchgang ging bei mir dann gleich auf die 800 m Scheibe. Hier zeigte sich schnell, dass auch hier eine minimale Korrektur der errechneten Werte in Sachen Klicks vonnöten war, um im Schwarzen der Scheibe zu gelangen. Aber mit 2 Klicks in der Höhe und einem Klick rechts war dann wieder alles klar für den zweiten 10er Durchgang auf 800 m. Ich schoss auch noch einen dritten Durchgang auf 800 m, wobei ich zu meiner Hornady Jagdmunition griff (ich wollte diese unbedingt auch auf diese Entfernung testen) und 5 Schuss auf die Scheibe und 5 Schuss auf den Gong abgab. Eine akustische Rückmeldung erhielt ich vom Gong nicht und mein „Spotter“ war auch der Meinung, dass nur drei Schuss den Gong getroffen hatten. Wo die beiden anderen Schüsse landeten, konnte mein „Spotter“ aber leider nicht sehen. Die 5 Schuss mit der Jagdmunition auf der Pappe waren aber im Schwarzen.
Nach einer weiteren Trefferaufnahme an den Scheiben - ich glaube, ich bin an dem Tag gut 10 km auf der Range hin und her gelaufen - sollte es für mich dann auf 1.000 m gehen. Ich schaute in meinen Notizen nach den zu tätigenden Klicks an der ASV H+ meines Zeiss V8 und begann, dieses zu verstellen. Plötzlich musste ich jedoch feststellen, dass die Verstellung meines Zielfernrohrs am Ende angelangt war! Kurz nochmals nachgerechnet kam ich jedoch nur auf eine Distanz von ca. 870 m und nicht auf die gewünschten 1.000 m. Nun war guter Rat teuer und ich kam auf die grandiose Idee, einfach mal etwas über die 1.000 m Scheibe zu halten und zu schauen, wo meine Projektile einschlagen. Mein „Spotter“ machte sich bereit, ich schoss - er schüttelte den Kopf! Ich schoss - er schüttelte den Kopf! Nach dem dritten Schuss das gleiche, er konnte keinen Einschlag sehen. Ich brach daraufhin meine 10er Serie ab und ließ ihn schießen. Seine Schüsse konnte ich ansagen und nach dem vierten Schuss war er auf der Scheibe. Nachdem seine Serie beendet war, versuchte ich es nochmals: die ersten drei Schuss sah er nichts, ich hielt bei jedem Schuss etwas über die Scheibe. Dann meinte er, er sähe Staub rechts von der Scheibe, Höhe passend. Also etwas zur Seite korrigiert und nächster Schuss, Blick zum „Spotter“: Kopfschütteln, nächster Schuss, gleiche Reaktion vom Spotter. Das ging so weiter, bis die 10er Serie durch war und wir wieder tauschten. Danach ging es zur Trefferaufnahme - wie schon gedacht, ich hatte keine Treffer auf der Scheibe! Auf dem Kilometer Rückweg machte ich mir so meine Gedanken, wie ich nun weitermache. Am Stand angekommen, fing mein „Spotter“ mit dem Schießen an und ich berechnete, wie viel ich nach maximaler Verstellung meines Zielfernrohrs über die Scheibe halten muss, um einen Treffer zu landen. Das Ergebnis war: Mit der Endstellung meiner ASV H+ musste ich ca. 5 Meter über der Scheibe anhalten! Ich war kurz frustriert, bis mir einfiel, dass das Absehen in meinem Zeiss ja insgesamt nach unten 5 verschiedene Markierungen hat. Kurz nachgedacht, nachgerechnet und korrekturgerechnet kam ich zu dem Ergebnis, dass die Oberkante des unteren dicken Strichs des Fadenkreuzes genau den 5 Metern Höhe entsprach, die ich brauchte. Somit schien meinem Vorhaben, einen Treffer auf 1.000 m zu erzielen, wieder möglich zu sein.
Ich richtete mich also ein, zielte auf die 1.000 Meter Scheibe, verschob mein Absehen immer weiter nach oben, bis die Oberkante des unteren Balkens in der Mitte des Schwarzen der Scheibe war, und gab meine letzten 5 Schuss auf diese ab. Mein „Spotter“ gab nach dem ersten Schuss an: „Staub direkt hinter der Scheibe, ich denke, es war ein Hit“. Beim zweiten Schuss dieselbe Info vom „Spotter“. Den dritten und vierten Schuss konnte er nicht sehen, beim fünften war er sich sicher, dass es deutlich vor der Scheibe staubte.
Nach dieser 5er Serie war die Schießzeit leider schon vorüber - auch in Polen gibt es nörgelnde Anwohner und das Schießen ist nur bis 16 Uhr erlaubt. Wir gingen erneut zur Trefferaufnahme, es waren die längsten 1.000 m, die ich in meinem Leben je gelaufen bin. Mit jedem Schritt zweifelte ich an meinen Schüssen und ging davon aus, wieder alle 5 Schuss gefehlt zu haben. An der Scheibe angekommen, dann aber die Erleichterung: Alle 5 Schuss waren auf der Scheibe, zwar über die gesamte Fläche verteilt, aber auf der Scheibe! Somit konnte ich, trotz technischer Fehler meines Zeiss V8 und der ASV H+, doch noch 5 von 5 Treffern auf 1.000 Metern für mich verbuchen.
Nach der Trefferaufnahme wurden alle Zielscheiben abgehängt und die zugehörigen Gestänge abgebaut. Danach ging es wieder den Kilometer zurück zu den Waffen, welche dann im Anschluss verstaut wurden. Nach einer kurzen Feedbackrunde ging es dann für alle Teilnehmer in Richtung Heimat.
Mein Equipment für 1.000 m:
- Tec Target Schneider Xceed R im Kaliber .308 Winchester, Lauflänge 50 cm
- Tec Target Schneider Zweibein
- Zeiss V8 3.8-20x56 mit ASV H+
- Peterssen Gunworks Typ13V3 Mündungsbremse
- Remington Premier Match Munition mit 168 gr Sierra Matchking Geschoss
- Hornady International mit 125 gr. ECX Geschoss
- Bresser Spektiv
- German Tactical Systems Carbondreibein
- Mauser Schießmatte
- Hinterschaftauflage Leder
- Garmin Xero C1 Pro
Fazit:
Mein Tagesziel war: Auf 800 m ein ordentliches Trefferbild zu erzielen und 1 Treffer auf 1.000 m. Mit 25 Treffern im Schwarzen der 800 Meter Scheibe und 5 Treffern auf 1.000 m hatte ich das Tagesziel erreicht und konnte meine Heimfahrt ins Allgäu mit einem Lächeln im Gesicht antreten!
Dies war sicherlich nicht mein letzter Besuch in Polen, schließlich gibt es hier ja auch noch Scheiben auf 1.200 m und somit gibt es noch eine neue Herausforderung für meine Jagdwaffe (mit anderem Zielfernrohr) und mich ;-)
Es sollte aber auch hier jedem klar sein, dass solche Schussdistanzen - auch von erfahrenen Schützen mit bestem Equipment - nur auf Pappe und nicht auf Wild geschossen werden!
Solltet auch Ihr Interesse an einem Schießseminar auf 1.000 m mit vorheriger Theorieschulung und ggf. Hilfe durch qualifiziertes Ausbildungspersonal haben, könnt ihr euch gerne auf https://lh-tactical-training.de/ informieren bzw. auch gleich einen entsprechenden Kurs buchen. Sven und sein Team können euch vorab auch super beraten und dafür sorgen, dass ihr zum Kurs auch mit der richtigen Ausrüstung antretet.
Weitere Bilder und Infos zu meiner Ausrüstung gibt es entweder hier bei Geartester oder auf meinem Instagram Account:
Zum Schluss noch eine kleine Anmerkung: Ich werde weder von LH Tactical Training, Tec Target Schneider, Peterssen Gunworks, Geco, Hornady noch von sonst einer Firma, Person oder dergleichen finanziert. Ich habe keinen finanziellen oder sonstigen Vorteil durch die Vorstellung des Longrangeseminars auf dieser Seite.