Zeit zu Handeln! Überlegungen zur zukünftigen Bejagung und Wildbestandsbewirtschaftung in und auf Kalamitätsflächen -Teil 3-

Michael Sommer
12 Min. Lesezeit

Inzwischen ist nicht nur die Bockjagd-Saison an uns vorbeigegangen, auch die Hirschbrunft ist vorüber und nun starten wir in die Drückjagd-Saison… Wir schreiben Ende Oktober.

Somit liegt ein gutes halbes Jahr hinter der ersten Einsaat der frisch angelegten, auf ihre PH-Werte und Nährstoffversorgung hin beprobten, sowie teils gedüngten und gekalkten Mulchstreifen.

Schon jetzt sind einige Ergebnisse erkennbar:

Der trocken-heiße Juni mit dem scharfen Südostwind hat der Vegetation insgesamt, den neu angelegten Forstkulturen und unseren frisch eingesäten Äsungsflächen sehr geschadet. In NRW sind erhebliche Prozentsätze der im Frühjahr in die wirklich gut wassergesättigten Böden gepflanzten Forstpflanzen zwar angewachsen, sind dann im Juni aber ausgetrocknet und somit in erheblichem Umfang komplett ausgefallen.

Ähnlich hat es sich leider mit den durchgängig mittels der Faunamaster-Drillmaschine (FM 105) eingesäten Wildackermischungen (Forrestry Recovery I und II) verhalten. Nach deutlich sichtbaren Keimerfolgen sind die Keimlinge stark zurückgetrocknet, wenn nicht gar komplett vertrocknet.

Insbesondere der Buchweizen hat auf allen vorbereiteten (gedüngten / gekalkten) oder auch nicht vorbereiteten Flächen mit hohen Keimerfolgen geglänzt. Das Wild stürzt sich geradezu auf diese Leckerei; auf Wildackerflächen in Rotwildrevieren besteht sogar die Gefahr, dass das Rotwild den Keimling mit der Wurzel auszupft und komplett herausäst. In solchen Fällen ist das Einzäunen von Teilbereichen mit Flatterband durchaus ein probates Mittel, um den Buchweizen in die äsungsarme Zeit zu bringen.

Die sichtbaren Keimerfolge auf unseren schwach nährstoffversorgten „Rohböden“ haben uns dazu bewogen, den Saatgutmischungen noch eine zusätzliche Menge Buchweizen-Samen beizumengen.

Insgesamt kristallisiert sich die Faunamaster-Mischung „Forrest Recovery II“ als die, auf unseren Standorten (Mittelgebirgslage im Sauerland auf schwach nährstoffversorgter Grauwacke und / oder Faulschiefer) bevorzugte Mischung heraus. Die Keimerfolge der enthaltenen 9 Arten sind hoch und lassen auf eine gute Begrünung sowie ein interessantes Äsungsangebot auch im folgenden Jahr hoffen.

In Anbetracht der schlechten, gemessenen PH-Werte (unter 4,5) wurden keine Klee-Sorten beigemischt. Diese verlangen PH-Werte von mindestens 5,5 aufwärts.

Die größten Schwierigkeiten, d. h. nicht zufriedenstellende Keimerfolge, haben wir leider auf den bereits im Jahr 2021 gemulchten und danach sich selbst überlassenen Flächen:

Die Scheibenegge schafft es nicht, diese Böden aufzureißen bzw. als Saatfläche vorzubereiten. Die vorhandenen Feinanteile sind in den regenreichen Wintermonaten durch die groben Holzanteile nach unten „ausgewaschen“ worden. An der Oberfläche liegen nun verstärkt gröbere Holzstücke, über die die Scheibenegge nur hinwegrollt.

In Anbetracht der in etwa 6-10 cm Tiefe „lauernden“ Baumstümpfe kommt der Einsatz von tiefergreifenden Zinkengeräten (wie in Teil 1 und 2 dargestellt) nicht in Betracht.

Wir mussten hier entweder noch einmal auf den schweren Forstmulcher zurückgreifen und diese Flächen erneut mulchen (das oberflächlich lagernde, grobe Material ein weiteres Mal zerkleinern) oder den Kleintraktor mit Bodenfräse oder Kreiselegge zum Einsatz bringen. Eine weitere Befahrung, die wir eigentlich verhindern wollten.

Aufgrund zeitlicher Engpässe und der verspäteten Zustimmung einiger Waldbesitzer / Jagdgenossen wurde ein zweiter Einsatz des Forstmulchers im Juli notwendig, um die jagdliche Erschließung in diesem Revier zu einem für mich sinnvollen Abschluss zu bringen.

Wir haben wieder eine mittelschwere Mulchraupe eingesetzt, keinen am Schlepper montierten Mulcher. Aus meiner Sicht ist die Vorbereitung der Mulchstreifen, die Zerkleinerung des Materials und Durchmischung mit dieser Maschine besser geeignet. Der Vortrieb und die Geschwindigkeit der Raupe scheinen hier, in Verbindung mit der Geschwindigkeit des Mulchkopfes, aus der o.g. Perspektive heraus „ideal“ zu sein.

Aus diesem sich zeitlich verengenden Zeitfenster heraus entstand die Notwendigkeit, diese Flächen sofort nach dem Mulchen, also ohne Kalkung / Düngung, einzudrillen. Dieses passierte bis Ende Juli.

Die Witterung, die immer wieder eintretenden Regentage, bescherten uns ein üppiges Aufkeimen der Mischungen und ließen diese Flächen in einem für Jahr 1 wirklich sehr zufriedenstellenden Eindruck vor den äsungsarmen Wintermonaten erscheinen. Teilweise stehen die Äsungspflanzen fast kniehoch.

Ab Mitte September erfolgte dann eine Kopfdüngung mit einem NPK-Dünger (11% N + 8% P2O5 + 16% K2O + 3% MgO + 10% S, bezogen über die örtliche Raiffeisen-Zentrale), ausgebracht mittels Kleintraktor und Düngerstreuer. Wir haben etwa 1.000 kg / Hektar ausgebracht.

Für das kommende Jahr stehen folgende Überlegungen und Arbeiten an:

  • Zurückdrängen von insbesondere Brombeere und teilweise Adlerfarn am Rande der Äsungsflächen.
  • Neuerliche Bodenbeprobung zur Erfolgskontrolle und Abstimmung des Kalk- und Düngerbedarfs.
  • Daraus resultierende weitere Kopfdüngung im Frühjahr mit NPK-Dünger sowie weitere Aufkalkung.
  • Oberflächliche Bodenvorbereitung mittels Kreiselegge oder Bodenfräse auf Flächen mit bis dato unzureichenden Keimerfolgen und zu hohen, groben Holzanteilen oder per Scheibenegge auf Fehlstellen / verdichteten Bereichen in ansonsten gut wachsenden Flächen.
  • Nachsaat / Neueinsaat auf diesen (s. o.) Flächen.
  • Ggf. Anreicherung der Saatgutmischung „Forrest Recovery II“ mit weiteren Arten, wie z. B. der Süßlupine als Stickstoffsammler oder auch höheren Anteilen von Buchweizen.

    Kleesorten, nach denen oft gefragt wurde, machen in Anbetracht der schlechten PH-Werte von unter 4 auf unseren Flächen keinen Sinn, da diese PH-Werte von deutlich über 5,5 verlangen.

  • Das Mulchen der aufgelaufenen Wildacker-Vegetation sehe ich aktuell noch nicht. Der Aufwuchs zum jetzigen Zeitpunkt ist so zufriedenstellend, dass ich glaube, dass das Wild diesen über den Winter entsprechend beäsen wird. Sollte das Mulchen im Frühjahr notwendig werden, steht das ATV nebst Mulcher (eigener Motor) zur Verfügung, um die entsprechenden Flächen schnell, effektiv und mit geringem Bodendruck herunterzumulchen.
  • In einem unserer Reviere sind wir in diesem Spätsommer gezielt über die Stellen auf den neu angelegten Äsungsflächen gefahren, auf denen sich unter einer mehr oder minder üppigen, aber unerwünschten Krautflora einige der Keimlinge der Saatgutmischungen entwickelt hatten, aber zusehends schwer taten. Hier kam der hoch eingestellte Mulcher zum Einsatz. Dieser Aufwand hat sich sehr gelohnt und den Keimlingen weiteres Wachstum ermöglicht.

  • Bereits in diesem ersten Jahr durften wir einige Vertreter der Jägerschaft, Hegeringe und Waldbesitzende bei uns in den Revieren begrüßen. Diese Art der Kommunikation, die Vorstellung unserer Erfolge und auch Misserfolge, unserer Erfahrungen und Ergebnisse wollen wir weiter ausbauen und anbieten: So können wir andere Reviere davor „bewahren“, an dieser Stelle unnötig Lehrgeld bezahlen zu müssen, und motivieren, von unseren Erfahrungen zu profitieren.

    Wir laden Sie und Euch herzlich ein, sich in diesen Austausch einzubringen. Unsere Einladung hierzu steht!

  • Als „Nebenprodukt“ unserer forstlichen und jagdlichen Arbeit, sowie der Beteiligung der ortsnahen Bevölkerung, ist eine spannende Zusammenarbeit entstanden. Wir werden mit den ortsnahen Schulen und KiTas weitere gemeinsame Pflanzaktionen durchführen und gesponsorte, heimische Wildobst-Arten entlang der Jagdschneisen und anderer „Randzonen“ anpflanzen. So leisten wir neben den krautigen Pflanzen auf den Äsungsflächen einen weiteren Beitrag zur Biodiversität auf den Kalamitätsflächen.
  • Hier der Link zu einem „Erklär-Video“ mit unseren hier vorgestellten Überlegungen, Ansätzen und Maßnahmen:

  • Vermutlich werden uns weitere Reviere mit der Anlage und Bewirtschaftung ihrer Jagdschneisen und Äsungsflächen beauftragen, da immer mehr die Einsicht reift:

    Es ist Zeit zu Handeln!

Zur Person:

Michael Sommer arbeitet mit der Forstkontor Sommer GmbH (www.forstkontor-sommer.de) in der Beförsterung und ganzheitlichen Bewirtschaftung verschiedener Waldbesitzungen in NRW. Er legt Wert auf die Bewirtschaftung des „Lebensraums Wald“, zu dem für ihn und sein Team neben der klassischen Forstwirtschaft, der Holzproduktion auch die Aspekte jagdliche Bewirtschaftung, Natur- und Tierschutz, Tourismus und Erholungssuchende gehören.

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Veröffentlicht am 21. Januar 2026
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