Tikka T3X Varmint in .222 Remington

dermitdemWeimaranerjagt
15 Min. Lesezeit

Konzept / Ziel

Einen wirklich zwingenden Grund für die Anschaffung neuer Jagdwaffen braucht es eigentlich nicht. Dennoch macht man sich aufgrund bestimmter Erlebnisse und Erfahrungen immer wieder Gedanken.
Die von mir bejagten Reviere sind ausnahmslos Mischreviere mit etwa ⅓ Wald- und ⅔ Feldanteil. Den Großteil des Jahres bin ich damit beschäftigt, Sauen auf Schadflächen zu erlegen und gelegentlich Rehwild zu bejagen.

Zweckmäßig setze ich hierfür die Kaliber .308 Win, .30-06 und 8x57 IS ein. Diese eignen sich selbstverständlich auch für Raubwild und Raubzeug, jedoch bereiten mir flache Schüsse über freies Feld dabei nicht immer ein gutes Gefühl. Zu jeder Tages- und Nachtzeit muss mit Spaziergängern und Radfahrern gerechnet werden, und die Hinterlandgefährdung – selbst bei Schüssen von der Kanzel auf gewachsenen Boden – erschwert den verantwortungsbewussten Abschuss von Krähe, Fuchs und schadverursachenden Gänsen erheblich.

Auf der Suche nach einer präzisen Büchse in einem Kaliber, das für die Verwendung von Vollzerlegergeschossen ausgelegt ist, stieß ich schließlich auf die vergleichsweise preiswerte und für ihre Präzision bekannte Tikka T3X mit Varmintlauf im Kaliber .222 Remington.

Waffe

Zur Tikka T3X existieren bereits zahlreiche Berichte, daher hier eine Zusammenfassung der wichtigsten Punkte:

Ein preiswerter, dennoch hochwertiger Repetierer mit geschlossenem System, kaltgeschmiedetem Varmintlauf und einem ab Werk sehr guten Abzug. Bei meinem Exemplar war die Einstellschraube des Abzugs allerdings mit Schraubensicherung verklebt, sodass dieser nicht verstellbar ist.

Die Waffe verfügt weder über eine offene Visierung noch über unnötige Extras. Dafür existiert ein riesiger Zubehörmarkt: Von Schäften über Abzüge, Montagen bis hin zu Kammerstängeln ist nahezu alles verfügbar. Das Herzstück – System und Lauf – birgt somit ein enormes Präzisionspotenzial.

Eine bemerkenswerte Eigenheit (kein Mangel): Tikka verwendet – im Gegensatz zu vielen anderen Herstellern – nur eine Systemgröße. Der identische Magazinkörper wird lediglich über Kunststoffeinsätze an unterschiedliche Patronenlängen angepasst. Das bedeutet, dass das Magazin meiner T3X Lite in .300 Win. Mag. ebenso in der .222 Rem. passt – und umgekehrt.

Vereinzelt, je nach Geschossform, kann es bei den kleinen .222er Patronen daher zu Zuführstörungen kommen. Mit etwas Übung und Geschick aber absolut handelbar und bei allen verwendeten Geschossen mit Kunststoffspitze vernachlässigbar.

Schaft

Der originale Kunststoffschaft verfügt über eine solide Bettung und ist für den jagdlichen Einsatz absolut ausreichend. Er ist leicht, extrem robust und lässt sich durch verschiedene Kunststoffanbauteile an Griff und Vorderschaft individuell anpassen.

Da ich jedoch schon länger mit einem GRS-Schaft geliebäugelt hatte und mein Waffenhändler gerade einen passenden vorrätig hatte, wurde dieses Meisterwerk der Ergonomie kurzerhand Teil meiner neuen Begleiterin. Der Schaft passte ohne jegliche Nacharbeit perfekt zu System und Waffe.

Er ist kompromisslos für Rechtshänder ausgelegt und erlaubt eine entspannte Schießposition in allen Lagen. Wangenauflage und Schaftlänge lassen sich per Knopfdruck sekundenschnell einstellen. Die verklebten Gummieinlagen bieten auch mit kalten, nassen Händen hervorragenden Grip.

Der Daumen der rechten Hand ruht entspannt auf dem Kolbenhals, während der Hinterschaft so gestaltet ist, dass die linke Hand ihn optimal führen kann. In Kombination mit Vorderschaftauflage oder Zweibein lassen sich so äußerst präzise Schüsse sicher antragen.

Glas – Steiner Ranger 4, 4–16×56

Mein absoluter Preis-Leistungs-Sieger.
Ich verwende zudem das 2,5–10×50 auf meiner Pirschwaffe sowie das 3–12×56 auf dem „Repetierer für alle Fälle“ (Mauser 98 in 8x57 IS).

Alle genannten Gläser sind optisch einwandfrei: sehr gute Lichttransmission bis in die späte Dämmerung, ein feiner, gut dimmbarer Leuchtpunkt sowie sauber entspiegelte Okularlinsen. Die Klickverstellung könnte etwas klarer und definierter sein, ist für den jagdlichen Einsatz jedoch absolut brauchbar und wiederholgenau.

Von meinen Long-Range-Gläsern bin ich natürlich Besseres gewohnt, diese kosten jedoch zum Teil auch mehr als das Dreifache.
Leider verfügen die älteren Versionen nicht über eine automatische Abschaltung des Leuchtpunkts. Ersatzbatterien habe ich daher stets dabei. Bei den sehr feinen Absehen ist ein Schuss in der Dämmerung ohne Leuchtpunkt kaum möglich, da das Fadenkreuz irgendwann nicht mehr sauber zu erkennen ist.

Kaliber

Welche Faktoren sind für die Kaliberwahl entscheidend?
Neben den gesetzlichen Mindestanforderungen spielen Verfügbarkeit von Komponenten und Fabrikmunition, Einsatzzweck, zu erwartende Wildgewichte und Schussdistanzen sowie – zumindest für mich – Patronengeometrie und Lauflebensdauer eine wichtige Rolle.

In Rheinland-Pfalz darf mit der .222 Rem. auf Raubwild, Rehwild und seit 2018 auch auf Frischlinge gejagt werden. Somit ist es problemlos möglich, beim Ansitz am Feld auch einmal ein schwaches Reh oder zufällig ziehende Frischlinge zu erlegen.

Reh- und Schwarzwild sollen allerdings nur in Ausnahmefällen mit der .222 bejagt werden, da ich mich bewusst für Vollzerlegergeschosse entschieden habe. Für dieses Kaliber existieren von nahezu allen namhaften Herstellern mehrere Laborierungen, Hülsen und Geschosse sind praktisch unbegrenzt verfügbar.

Für Gans, Nutria, Fuchs, Dachs, Krähe, Taube sowie den gelegentlich benötigten Küchenhasen ist die Patrone nahezu perfekt geeignet. Bis 200 m lassen sich Krähen ohne Veränderung des Haltepunktes erlegen. Bis 300 m sind nur wenige Klicks nötig, darüber hinaus endet die vertretbare Schussdistanz recht schnell, da die verwendeten Geschosse keine hohen BC-Werte aufweisen.

Auch wenn ich ein versierter Kugelschütze bin, ist im Feld bei etwa 250 m auf Krähe für mich in der Regel Schluss.

Die Hülsengeometrie beeinflusst sowohl die ballistische Leistung als auch das Präzisionspotenzial. Da ich gerne wiederlade und Kaliber mit hohem Präzisionspotential schätze, war die .222 Rem. mit ihrem langen Hals mein Favorit. Mit wenig Pulver erreicht sie sehr gute Leistungen, und die Lauflebensdauer liegt bei 7.000 Schuss und mehr, solange sie nicht zu heiß geladen wird. Im zulässigen Druckbereich sind problemlos 1.050 m/s erreichbar – für mich vollkommen ausreichend.

Der Rückstoß ist aus der relativ schweren Waffe kaum spürbar.

Natürlich stellt sich die Frage: Warum nicht gleich die .223 Remington?
Diese verfügt über einen kürzeren Hals und etwas mehr Pulverraum, ist in Dralllängen von 1:7 bis 1:14 erhältlich und erlaubt – insbesondere bei kurzen Dralllängen – auch den Einsatz schwererer Geschosse. Dadurch ist sie deutlich universeller einsetzbar, auch auf Reh- und (wo erlaubt) Schwarzwild.

Da ich jedoch bereits einen Halbautomaten in .223 besitze, reizte mich bewusst das Präzisionspotenzial einer klassischen Benchrestpatrone alter Schule. Wer nicht selbst wiederladen möchte, dem sei die .223 Rem. aufgrund der enormen Auswahl an Fabrikmunition klar empfohlen.

Munition

Hier erlebte ich leider eine kleine Überraschung.
Nach dem Einfahren des Laufs mit etwa 50 Schuss S&B Teilmantel sowie mehreren Reinigungszyklen wurden pro Laborierung jeweils zehn Schuss abgegeben, bevor ich mit dem eigentlichen Test begann.

Ich testete drei verschiedene Fabriklaborierungen, jeweils Präzision auf 100 m und Geschwindigkeit mittels Garmin Xero. Aus drei Gruppen à fünf Schuss wurde der Mittelwert gebildet. Die Ergebnisse habe ich in einer Excel-Tabelle zusammengefasst – die Interpretation überlasse ich jedem selbst.

Geschossen wurde von der Benchrestauflage.
Nach diesen für mich unbefriedigenden Ergebnissen griff ich zum Telefon und kontaktierte meinen Händler für Wiederladezubehör.

Matthias Buss von WieLaLa Alzey half mir schnell und unkompliziert. Aus seinem umfangreichen Warenbestand erhielt ich innerhalb kürzester Zeit eine Setzmatrize, eine Hülsenhalskalibriermatrize sowie 400 Speer-Geschosse (52 grs TNT).

Die einmal abgeschossenen S&B-Hülsen wurden entzündert, gereinigt, halskalibriert und anschließend mit Federal Small Rifle Match Zündhütchen, RS40 und dem Speer-Geschoss geladen. Nach wenigen Versuchen fand sich eine Laborierung, die konstant 12 mm Streukreise, eine Standardabweichung von deutlich unter 4 m/s und eine solide V₀ von 968 m/s liefert.

Damit bin ich mehr als zufrieden – zumal die Kosten pro Schuss deutlich unter 0,50 € liegen (ohne Hülse). Das erlaubt intensives Training und Experimentieren, ohne gleich arm zu werden.

23grs RS 40 hinter 52grs Speer Varmint, eine stimmige Kombination

Wirkung

Das Kaliber wurde ursprünglich für die Jagd auf Kleintiere bzw. Schädlinge (Varmint) entwickelt. Entsprechend sind die meisten Geschosse zwischen 40 und 55 Grains als Vollzerleger ausgelegt.

Auf Experimente mit Rehwild habe ich bewusst verzichtet. Notfalls würde ich keine Sekunde zögern, allerdings befürchte ich massive Blutergüsse und möchte das Wildbret nicht mit Bleistaub belasten.
Fuchs und Nutria hatten bislang nie Ausschuss, was eine sehr gute Balgverwertung ermöglicht. Krähen und Tauben reagieren regelrecht explosionsartig.

Auch den gelegentlich auf Winterweizen zu Schaden gehenden Gänsen bekommt der Kontakt mit den schnellen, weichen Geschossen äußerst schlecht.

Alles beschossene Wild kannte nur eine Fluchtrichtung: nach unten.

Fazit

Wer Freude an Präzision und der gezielten Jagd auf Raubzeug und Kleinwild hat, dem kann ich die .222 Remington uneingeschränkt empfehlen. Die Kombination unterstützt mich bei dieser Jagdart optimal – egal ob vom Zweibein, Pirschstock oder von der Kanzel. Die Waffe liegt sprichwörtlich „wie ein Brett“ und kann ihr enormes Präzisionspotenzial voll ausspielen.

Selbstverständlich muss auch bei Vollzerlegergeschossen stets ein sicherer Kugelfang gewährleistet sein. Auch auf dem Schießstand macht die Waffe großen Spaß, und kostengünstige Trainingsmunition ist problemlos verfügbar. Die einmal abgeschossenen Hülsen eignen sich hervorragend als Basis für hochpräzise Wettkampf- und Jagdladungen.

Ich habe sowohl die Waffe als auch alle Komponenten selbst bezahlt und einen marktüblichen Preis bezahlt. Dennoch möchte ich an dieser Stelle ein Dankeschön aussprechen:
An Michael Grubert von Pfalzarms sowie an Matthias Buss von WieLaLa Alzey für die hervorragende Beratung und die unkomplizierte Abwicklung. Beide Händler kann ich in ihrem jeweiligen Fachgebiet uneingeschränkt empfehlen. Dank schlanker Strukturen bieten sie attraktive Preise, hohe Flexibilität und eine hervorragende Anbindung an den Großhandel.

Auch möchte ich hier ein Lob an Dominik Antenen von Reload Swiss aussprechen. Wann immer nötig steht er per Mail kurzfristig mit Ladedaten und Rat zur Munitionsentwicklung zur Seite. Solch einen Service kann man sich als Anwender und Kunde besser nicht wünschen.

Nach einigen jagdlichen Einsätzen habe ich noch den sehr effektiven und leichten Hausken Jakt JD184 XTRM MK2 ergänzt sowie ein Magpul Zweibein, beides hat sich wirklich bewährt und die Waffe nochmals unglaublich aufgewertet.

Ich hoffe, ihr hattet Freude beim Lesen.
Für das Jahr 2026 wünsche ich euch allen Waidmannsheil!

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