Sellier & Bellot SP/SPCE
Von DAWE_72 am 12. Mai 2020

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Bericht des Monats Mai 2020
Dieser Bericht wurde vom Geartester-Team für besonders wertvoll befunden und deshalb ausgezeichnet.

Kleiner Munitionstest…. - Sellier & Bellot Teilmantel und SPCE

Ich möchte gleich voraus schicken, dass es sich hier nicht um einen wissenschaftlich fundierten Test sondern eher um eine spontane, subjektive Erfahrung mit positiven Erkenntnissen handelt!

Ich hatte in den letzten 10 Jahren die Möglichkeit, einige tausende Schuss Büchsenpatronen vielerlei Kaliber „thermisch-zu-delaborieren“ - sei es zu Testzwecken, sportlich oder auch bei der Jagd…

Weiters möchte ich anmerken, dass ich fast ebenso lange meine Munition selbst herstelle und aus Interesse an der Sache selbst - also dem Thema Ballistik - einfach gerne neue Laborierungen oder Kaliber ausprobiere. Und zwar ohne Vorbehalte sowohl bleihaltige wie auch bleifreie Geschosse verlade…

„Bleifrei“ ist ja in der Jagd oft emotional thematisiert, man vergleicht gerne faule Äpfel mit saftigen Birnen… - es gibt wohl genauso top bleifrei Geschosse als auch schlechte Bleibatzen….

Obwohl ich seit meinen Anfangszeiten als Jäger bereits auf bleifreie Geschosse aus Österreich, später auch aus Südtirol gesetzt hatte - und gerade auch bei „long-range“ - Bewerben monolithische Kupfer-Solid Geschosse in der Präzision ungeschlagen waren, gilt ein Bleigeschoss eben noch immer als zuverlässig tödlich bei der Jagd! - Die Kontamination des Wildbrets durch den Bleistaub hat man mittels Röntgenaufnahmen insofern „widerlegt“, als man die betroffenen Regionen ohnehin wegschärft bzw. nicht isst - somit die Auswirkung auf den Menschen bei der geringen Menge an verzehrtem Wildbret vernachlässigbar für Leib und Leben ist.

Letzten Endes zählt das Ergebnis auf der Scheibe - beziehungsweise am erlegten Stück!

Ich möchte hier eine Lanze für das Einfache brechen. Für den Jäger, der nicht in der Lage ist, sich seine maßgeschneiderte Laborierung zu jeder Waffe zu basteln, der angewiesen ist auf Stangenware die zu seinem Lauf, seiner Jagdsituation, seinen Bedürfnissen passt - und das zu einem Preis, der ihn nicht davon abhält, auch am Schießstand mit seinem Werkzeug ausgiebig zu trainieren… (ein Argument dass Anbetracht der sonstigen Kosten der Jagd eigentlich geradezu lächerlich erscheint…).

Hierzulande scheint es - ich unterstelle - grob zwei Gruppen von Jägern zu geben: die „Premium“ User, die dem Büchsenmacher ihres geringsten Misstrauens die Auswahl der Patrone überlassen - Hauptsache sie stammt aus dem traditionsreichen, nordeuropäischen Dynamit-Nobel Konzern und ist mit einem der bekannten „Tick, Trick und Track“ Geschoßen (sic!) gefüllt - die Schachtel zu 20 Patronen darf ruhig 100 Euro kosten, man kommt damit ohnehin 2 Jagdjahre aus… - oder die zweite Gruppe, die am liebsten nicht mehr wie 1 Euro für einen „Päng“ ausgeben will, Hauptsache billig - weil man viel schießt - also Munition aus „Osteuropa“, weil die auch europäische/metrische Kaliber produzieren (und selber laden ist nicht wirklich „billig“ - wenn man alles rechnet…) ;

Nun, z.B. eine RWS Patrone hat ihren Preis, enthält aber auch Premium- Komponenten und ist seit vielen Jahren konstant in der Schussleistung - nicht selten gibt es Jäger, die seit einer Generation die selbe Ladung für ihre Büchse kaufen - nur die Verpackung hat sich geändert… Die Hersteller verraten ihre Rezepte natürlich nicht - aber man weiß mit den Jahren, was es so an Komponenten am Markt verfügbar gibt und kann die eine oder andere Ladung oft recht simpel nachbauen…

In „Osteuropa“ aber schlafen die Ingenieure auch nicht - hier hat sich in den letzten Jahren auch einiges getan in Sachen Qualitätssicherung… - man verwendet teilweise die Maschinen aus Hirtenberg… - das Know-how hat man mittlerweile ebenfalls… - die Messingmischung der Hülsen mag noch die alte mit geringerem Zinkgehalt sein, dem Militär-Standard sei damit genüge getan… - aber wenn man die Hülsen auswiegt, ist man positiv überrascht über die konstante Maßhaltigkeit!

Wie so oft durch Zufall, kam ich dazu, jeweils eine „Schütt-Packung“ - also eine 50er Schachtel einfacher Teilmantel Patronen im Kaliber .308 Win bzw. .30-06 Spr. Von der tschechischen Firma Sellier & Bellot zum Einschießen eines Gewehres zu erhalten. Die FFW Munition in 9x19 /9mm Luger dieses Herstellers kannte ich ja bereits zu genüge aus meiner Zeit im IPSC Sport als günstige, zuverlässige Trainingsmunition. Die Büchsenpatronen galten aber stets als „billige, weniger konstante Munition“ welche „eben ihre Ausreißer hat…“.

Ich war überrascht, als ich wiederholbar Schussgruppen auf 100m mit einem etwas mehr als Kaliber-großen Loch produzierte! - Die Selbe Erfahrung konnten auch Kollegen mit Ihren Waffen bestätigen.

Mittlerweile habe ich auch einiges an Fabrikspatronen dieses Herstellers ausprobiert - hier gibt es ähnlich zu namhaften, amerikanischen Herstellern eine Premium Linie mit zugekauften Geschoßen von z.B. Nosler, Sierra oder Hornady…- oder die eigenfertigen - entsprechend günstigeren Teilmantel/SP (Softpoint) Geschosse bzw. Das SPCE (Soft Point Cutting Edge- also Scharfrand Teilmantel).

Die gängigsten Kaliber gibt es dann noch in der preisgünstigen „Schüttpackung“ - also selbe Patrone aber weniger Verpackung zum entsprechenden Vorteilspreis - d.h. keine Ausrede mehr um nicht ein paar Serien mehr am laufenden Keiler oder der Rehbock-Scheibe zu üben!

Mittlerweile gibt es von S&B auch eine gute Auswahl an modernen Kalibern  wie z.b 6.5 Creedmoore oder 6,8mm Rem. SPC, 6.5 Grendel, .300 AAC...

In der vergangenen Jagdsaison konnte ich sowohl mit meiner Steyr Pro Hunter mit Stainless Lauf im Kaliber .30-06 als auch mit der Scout im Kal. 308 Win. einige Stücke Reh-, Schwarz- und sogar ein Stück Rotwild erfolgreich am Platz bannen. Das „Kaliber“ bei der Jagd auf europäisches Schalenwild wird meiner Meinung nach oft überbewertet - viel hilft nicht immer viel: Magnum ist nicht immer besser/tödlicher, wenn der Schütze die Waffe nicht beherrscht sondern diese ihn zum Mucken verleitet… - viel mehr zählt das richtige Geschoß und der Treffersitz! Überzeichnet gesagt: eine .222 Rem. hinters Teller des groben Keilers platziert, wirkt u.U. besser wie die .300 RUM weich ins Gescheide der Sau geschossen… - es gibt wohl hierzulande keine Wildart die mit einer 180gr Teilmantel mit knapp 800m/s V0 nicht weidgerecht zur Strecke gebracht werden kann.

Fazit: Gut muss nicht immer teuer sein- und vice versa…

Weiterer Vorteil: Die abgeschossenen Hülsen liefern brauchbares Material für den Wiederlader.

Es gibt übrigens auch die SPCE Geschosse und die Hülsen zu kaufen - falls man lieber auf selbstgestopfte Munition setzt.

Beim tschechischen Munitionshersteller Sellier&Bellot bekommt man eine zuverlässige Jagdpatrone für jedes Budget - auch bleifreie Geschosse (XRG/TXRG) sind erhältlich. 

Mittlerweile weiß ich auch von mehr als einem Waffenhersteller, dass er die Munition als Referenz-Patrone für seine Gewehre verwendet.

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DAWE_72
Spezialist

Kommentare

Franz Baumann

Glaube ich Dir alles :-) . War letztes Jahr in einem Revier, wo pro Jahr 1.520 Stück Hochwild erlegt werden. Der Revierleiter und der mir bekannte Berufsjäger schießen ... 8x57IS mit dem SPCE.

Kleiner Münsterländer

Ich kann den positiven Bericht nur bestätigen, ich schieße seit 13 Jahren S&B SP & SPCE in diversen Kalibern sowohl auf dem Schießstand als auch auf der Jagd.
Preis/Leistung von S&B ist absolut Top und auch die "Wirkung" im Jagdlichen Bereich ist sehr Gut!

DAWE_72

Danke für Eure Bestätigung bzw. Euren Input!
WMH

Matt Dee

Alleine die Art und Weise wie Du den Artikel geschrieben hast, rechtfertigt meiner Meinung nach den Bericht des Monats!
Werden sich sicher einige auf die Füße getreten fühlen, aber die Erfahrung mach ich auch immer wieder.... :-D
Weiter so!

DAWE_72

@Matt Dee: Danke für die Blumen.
Hatte allerdings nicht vor, jemanden auf die Füße zu steigen ;-)
WMH

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Matt Dee

@DAWE_72: Glaub ich, aber es gibt ja immer noch viele Verfechter gewisser Marken und Preise und alles andere taugt angeblich nix... ;-)

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