Vorbemerkungen
Die nachfolgenden Ausführungen spiegeln meine persönlichen Eindrücke und Erfahrungswerte wider. Darüber hinaus sind sämtliche Angaben zu Produkten weder gesponsert, noch Werbung. Geschäftliche Beziehungen bestehen in diesem Kontext nicht.
Hintergrund
Rifle Thumb Rests, also Daumenauflagen für Gewehre, gibt es auf dem Zubehörmarkt mittlerweile reichlich. Sie sollen vor allem für einen stabilen und wiederholgenauen Anschlag sorgen. Die Idee dahinter ist simpel: Die Hand des Schützen soll bei jedem Schuss möglichst an der gleichen Stelle und im gleichen Winkel am Gewehr liegen. Das sorgt für einen gleichmäßigen Anschlag und kann sich positiv auf die Präzision auswirken.
In der Jagdszene sind Daumenauflagen bislang eher eine Randerscheinung. Eigentlich verwunderlich, denn beim Biathlon gehören sie schon lange zum Standard. Viele der dort eingesetzten Gewehre verfügen über feste Mulden oder Kanten im Schaftholz, die dem Daumen eine definierte Auflage bieten. Auch beim dynamischen Sportschießen und im Long-Range-Bereich, insbesondere beim PRS, haben sich Daumenauflagen längst etabliert.
Da ich überwiegend auf Schwarzwild pirsche und dabei häufig vom Zielstock aus schieße, kam mir der Gedanke, dass sich dieses Prinzip auch für meine Jagdpraxis nutzen lassen müsste. Vielleicht ließe sich damit ja noch ein bisschen mehr aus meiner Büchse und vor allem aus meinen eigenen Schießfertigkeiten herausholen.
MDT Rifle Control Points
So lange es Rifle Thumb Rests schon gibt, so zahlreich sind mittlerweile auch die Hersteller solcher Daumenauflagen. Als ich auf der diesjährigen IWA (2026) am Stand von Brownells die neuen MDT Rifle Control Points entdeckte, war ich allerdings auf Anhieb begeistert. Die ergonomische Form sagte mir sofort zu und mein Daumen fand nahezu wie von selbst seinen Platz. Die Auflagen bestehen aus Aluminium und lassen sich über M-LOK-Schnittstellen am Schaft befestigen. Da meine Pirschbüchse über entsprechende Aufnahmen verfügt: Perfekt!
Allerdings gab es einen kleinen Dämpfer. Auf der IWA hieß es im Februar, dass die Rifle Control Points erst in gut sechs bis acht Monaten im Handel verfügbar sein würden. Also erst einmal abwarten. Hmpf! Als ich das Thema über den Sommer schon fast wieder vergessen hatte, entdeckte ich durch Zufall bei einem Onlinehändler für MDT-Zubehör, dass die Daumenauflagen endlich lieferbar waren. Manchmal hat das abendliche Doomscrolling auf der Couch eben doch sein Gutes. Während sich die bessere Hälfte im Fernsehen die nächste Trash-TV-Liebesgeschichte reinzieht, findet man selbst endlich das Zubehör, auf das man seit Monaten wartet. Der Preis sorgte allerdings für kurzes Schlucken: Knapp 140€ + Versand werden für das Set fällig. Zwar bekommt man dafür gleich zwei Daumenauflagen, eine für links und eine für rechts, aber für ein bisschen gefrästes Aluminium ist das schon eine Ansage. Aua! Am Ende waren die Neugier und der Haben-wollen-Reflex dann doch stärker als die Vernunft. Also bestellt.





Erfahrungswerte
Die in einer kleinen Pappschachtel gelieferten Daumenauflagen sind schnell ausgepackt und ebenso schnell montiert. MDT gibt für die Befestigung ein Anzugsdrehmoment von 3,95 Nm vor. Bei einem Aluminiumschaft mag das durchaus passen, am Carbon-Vorderschaft meines MDT HNT26 war mir das allerdings etwas zu viel des Guten. Ich habe es daher bei 2,2 Nm belassen. Diesen Wert hatte mir MDT auf Nachfrage selbst als maximales Anzugsdrehmoment für den Carbon-Vorderschaft genannt. Sicher ist sicher.


Bis die Daumenauflage schließlich an der richtigen Stelle saß, waren allerdings einige Versuche nötig. Mal ein Stück weiter vorne, mal etwas zurück. Hier hilft nur ausprobieren, schließlich soll der Daumen im Anschlag möglichst intuitiv seinen Platz finden, ohne dass man erst lange danach suchen muss. Das kostet zwar etwas Zeit, ist aber wichtig, wenn die Auflage später ihren Zweck erfüllen soll. Meine Frau hat mich bei den unzähligen Anschlagübungen im Wohnzimmer zwischenzeitlich jedenfalls für völlig verrückt erklärt. Aber über solche Kommentare muss man als passionierter Jäger wohl einfach drüberstehen. Zumindest so lange, bis man gebeten wird, die Büchse endlich wieder wegzuräumen.
Ich habe übrigens als Rechtshänder nur die linke Daumenauflage montiert. Ich weiß, dass jetzt vermutlich der eine oder andere Leser aus der PRS-Ecke aufschreien wird, weil man die Auflagen doch gefälligst auf beiden Seiten montiert. Aber hey, ich betreibe kein sportliches Schießen, bei dem regelmäßig zwischen Rechts- und Linksanschlag gewechselt wird. Meine jagdliche Praxis sieht nun einmal etwas anders aus. Und warum sollte ich etwas montieren, das ich schlichtweg nicht brauche? Je leichter mein Setup, je besser! Die übrig gebliebene rechte Daumenauflage landet daher wohl bei eGUN oder Gunfinder. Vielleicht freut sich ja ein Linksschütze darüber, der ebenfalls keine Lust hat, für eine einzige benötigte Daumenauflage gleich das komplette Set zu kaufen. So hätten am Ende beide etwas davon.
Mit der montierten Daumenauflage war ich mittlerweile viel im Revier unterwegs. Und was soll ich sagen? Sie hat sich durchaus bewährt. Gerade beim schnellen Anschlag fällt auf, wie gleichmäßig die Hand ihren Platz findet. Der Jagderfolg spricht ebenfalls für sich. Ob ich deshalb jetzt mehr Schwarzkittel erlegt habe? Ehrlich gesagt glaube ich das nicht. Aber der Anschlag fühlt sich für mich einfach noch einmal einen Tick besser an. Und genau darum ging es mir letztendlich.
Fazit
Mein Fazit zu den MDT Rifle Control Points fällt durchaus positiv aus. Die Daumenauflage macht genau das, was sie soll, und sorgt bei mir für einen gleichmäßigeren und angenehmeren Anschlag. Ob man dafür allerdings knapp 140 Euro auf den Tisch legen muss, steht auf einem anderen Blatt. Zumal ich persönlich nur eine der beiden mitgelieferten Auflagen benötige. Schön wäre es, wenn MDT diese auch einzeln anbieten würde. Voraussetzung ist zudem ein Schaft mit entsprechenden M-LOK-Aufnahmen, sonst wird es mit der Montage schwierig. Unterm Strich also ein ziemlich teures Stück Aluminium, das ich an meiner Pirschbüchse mittlerweile aber nicht mehr missen möchte.