Intro
Die Jagd & Hund ist gerade vorbei. Wie jedes Jahr wurden dort wieder zahlreiche Neuheiten vorgestellt – viele neue Büchsen, auch von Mauser, Blaser und Co. Vieles davon ist spannend und die meisten kennen diesen Moment, wenn das gearfieber einen mal wieder kalt erwischt hat: Ich wusste gar nicht dass es das gibt, aber jetzt will ich es haben.
Trotzdem lässt sich das Rad nicht neu erfinden. Genau deshalb möchte ich euch hier einmal meine erste Repetierbüchse vorstellen – eine Waffe, die auch heute noch absolut auf der Höhe der Zeit ist und einen bei der Entwicklung zu einem effizienten und präzise jagenden Jäger keineswegs ausbremst.
Ich bin fest davon überzeugt – und die Erfahrungen aus unseren Kursen bestätigen das immer wieder –, dass nicht die Waffe an sich, sondern vor allem der Schütze oder die Schützin sowie das entsprechende Training über Effizienz und Präzision auf der Jagd entscheiden. Nicht das neueste Gear, nicht das aktuellste „Gucci-Setup“, sondern saubere Grundlagen, Verständnis und Übung.
In diesem Sinne: Viel Spaß beim Lesen, noch mehr beim Trainieren – und natürlich draußen auf der Jagd.

Mauser M12 Extreme im Kaliber .308 – meine erste Jagdwaffe
Moin Leute,
hier ein kurzer Testbericht zu meiner ersten Jagdwaffe: der Mauser M12 Extreme im Kaliber .308.
Ich habe die Büchse 2019 direkt nach dem Jagdschein gekauft – frisch aus der Jagdschule, mit der klassischen Frage im Kopf: Welche Waffe soll es werden?
Mauser stand damals sehr weit oben auf meiner Liste. Und auch wenn sich jetzt vermutlich einige traditionsbewusste Jäger im Grabe umdrehen – oder zumindest schlecht schlafen werden: Für mich ist die Mauser M12 trotz Kunststoffschaft und Schalldämpfer eine klassische Repetierbüchse.

Entscheidung & erste Eindrücke
Ausschlaggebend waren für mich mehrere Punkte:
- die Optik
- das wechselbare 5-Schuss-Magazin
- der verlängerte Kammerstängel
- und ganz bewusst der kunststoffbasierte Schaft
Letzteres war kein Kompromiss, sondern eine bewusste Entscheidung. Der Schaft ist robust, pflegeleicht – und das passt zu mir. Ich bin nämlich ein bekennender Putzmuffel. Lauf und System pflege ich penibel, aber auf Schaftpflege habe ich ehrlich gesagt wenig Lust. Das sieht man der Waffe auch an: zahlreiche Macken im Schaft zeugen von harter Nutzung im Revieralltag. Bei mir gibt es keine Safe Queen – und auch die Mauser wurde über die Jahre nicht geschont.

Präzision & Abzug
Das wichtigste Kriterium bei einem Review ist für mich immer die Präzision.
Und hier hat die Mauser M12 von Anfang an überzeugt: Streukreise um 25 mm, teilweise auch darunter, waren mit passender Munition reproduzierbar möglich. Sie zeigte sich dabei etwas wählerischer als beispielsweise meine Tikka, schoss aber mit den meisten Laborierungen sehr gut.
Einen großen Anteil daran hat der Direktabzug, der bei etwa 750 g liegt. Er bricht trocken und sauber – ein wirklich sehr guter Jagdabzug, mit dem präzises Schießen problemlos möglich ist.

Rückstoß & Schießverhalten
Im Kaliber .308 ist der Rückstoß aufgrund des moderaten Waffengewichts durchaus präsent. In Kombination mit einem Nielsen-Schalldämpfer ist er jedoch sehr gut beherrschbar und induziert keinerlei Mucken oder Schießfehler.
Sehr angenehm ist auch die weiche Schaftkappe, die den Rückstoßimpuls sauber und linear in die Schulter leitet. Die Waffe bleibt jederzeit gut kontrollierbar.

Lauf & Schussbelastung
Verbaut ist ein kanalierter Semi-Weight-Lauf, der durch seinen etwas größeren Durchmesser auch fünf Schuss und mehr auf dem Schießkino oder Stand verkraftet, ohne direkt vertikales Stringing – also Treffpunktabweichungen in der Höhe durch Lauferhitzung – zu zeigen.

Ergonomie & Schaft
Die Ergonomie des Schafts ist insgesamt gut. Aus heutiger Sicht ließe sich sicher das eine oder andere verbessern, allerdings handelt es sich eben um eine klassische Repetierbüchse mit klassischer Schaftform, was mir optisch nach wie vor sehr gefällt.
Konkret bedeutet das:
- flacher Griffwinkel
- sehr schlanker Vorderschaft
Beides funktioniert hervorragend für flüchtige Schüsse. Was mir allerdings relativ schnell auffiel: Mit dem flachen Schaftrücken kam ich nicht gut zurecht. Die Lösung war eine Kalix-Technik-Schafterhöhung.
Damit wurde der Anschlag deutlich schneller, reproduzierbarer und in der Konsequenz auch präziser. Für mich ist eine einstellbare Schaftbacke ein klarer ergonomischer Vorteil, der sich direkt auf die Präzisionsleistung auswirkt.

Repetiersystem & Öffnungswinkel
Ein klarer Pluspunkt der Mauser M12 ist der 60-Grad-Öffnungswinkel. Er ermöglicht sehr schnelles, flüssiges Repetieren in allen Anschlaglagen. Im Vergleich zu Systemen mit 90-Grad-Öffnungswinkel – etwa Remington-700-Derivaten – bleibt deutlich mehr Platz zum Okular. Gerade bei schnellen Repetierfolgen vermeidet das ergonomische Probleme und ungewollte Berührungen.

Optik & Einsatzbereich
Montiert ist bei mir ein Vector Optics 3–12× in der zweiten Bildebene, klassisch jagdlich, auf einer 20-MOA-Schiene von Mauser. Das zeigt auch, dass die Waffe durchaus für den jagdlichen Weitschuss konzipiert ist – die geneigte Schiene erlaubt eine effizientere Nutzung des Verstellbereichs.
Praktisch war ich mit der Mauser allerdings überwiegend auf 300-Meter-Ständen unterwegs. Dort funktionierte sie absolut zuverlässig, sowohl vom Zweibein als auch aufgelegt. Für Distanzen darüber hinaus muss man in Deutschland bekanntlich ins Ausland ausweichen – das habe ich zu dieser Zeit noch nicht gemacht.

Sicherheit: der Handspanner
Ein großer Pluspunkt, gerade für Einsteiger, ist der Handspanner.
Die Mauser war meine erste Jagdwaffe, und insbesondere für jemanden, der nicht mehrmals pro Woche schießt, ist ein Handspanner ein enormes Sicherheitsplus. Heute schieße ich fast ausschließlich Systeme ohne Handspanner. Das funktioniert – aber beim Entladen gibt es immer diesen kurzen Moment der inneren Anspannung. Mit der Mauser fühlte sich das deutlich entspannter an.

Rückblick & Fazit
Heute jage ich überwiegend mit Chassisystemen und Tripods. Für mich ist das kein Bruch, sondern eine logische Weiterentwicklung – vom klassischen Schaft zum modularen System, vom Triggerstick zum Tripod. Seit 2019 war das eine konstante Reise, die noch nicht abgeschlossen ist.
Und trotzdem hat die Mauser M12 ihren Platz behalten. Nicht aus Nostalgie, sondern weil sie mich geprägt hat. Sie war der Ausgangspunkt für alles, was danach kam.
Vielleicht lande ich irgendwann wieder beim 98er-Weiser – idealerweise in der Afrika-Edition. Wenn man schon nicht schreiben kann wie Hemingway, kann man sich zumindest gelegentlich ein bisschen so fühlen.
Für mich ist klar: Es ist kein Entweder-oder.
Entwicklung heißt nicht, Altes zu verwerfen, sondern Neues zu verstehen – und beides nebeneinander bestehen zu lassen.
Genau das meistert die Mauser M12 mit Bravour.
