Kaliberportrait .338 Marlin Express
Aufgrund meines Geartests der Marlin 338 MX https://www.geartester.de/berichte/marlin-338-mx-inkl-tuning-durch-peterssen-gunworks wurde ich mehrfach gebeten, ein Kaliberportrait der wenig verbreiteten .338 Marlin Express zu verfassen.
Entwicklung:
Die .338 Marlin Express wurde im Jahr 2009 von Marlin Firearms und Hornady entwickelt. Als Ausgangsbasis wurde die Hülse der .376 Steyr genutzt. Die Hülse ist etwas kürzer als die Ausgangsbasis und verfügt über einen Halbrand. Dieser Halbrand ist erforderlich, um die Patronen in den Röhrenmagazinen der Unterhebelrepetierer problemlos zu nutzen. Hierzu wurden auch passende Geschosse mit flexiblen Elastomerspitzen (FTX) entwickelt. Durch den Halbrand und die flexible Geschossspitze wird verhindert, dass durch den Rückstoßimpuls im Schuss eine Patrone im Röhrenmagazin die vor ihr liegende Patrone zündet. Der Halbrand sorgt dafür, dass die Geschossspitze zwingend nach unten unter das Zündhütchen der davor liegenden Patrone zeigt. Sollte die Geschossspitze doch einmal etwas höher liegen, verhindert die flexible Geschossspitze ein ungewolltes Abschlagen des Zündhütchens und somit ein Zünden der Patrone im Magazin.
Ziel der Entwicklung der Patrone war es, eine moderne Patrone für Unterhebelrepetierer zu kreieren, die in der Leistung über der .30-30 Winchester liegt. Die .338 Marlin Express liegt, als Fabrikladung, mit ihren Energiewerten im Bereich einer .30-06 Springfield und damit deutlich höher als die .30-30 Win.
Der mit der Patrone zu erzielende ballistische Koeffizient liegt deutlich über den alten und bewährten UHR-Patronen wie der .45-70 Government, .444 Marlin oder .450 Marlin.
Durch moderne Pulver, eine moderne Hülsengeometrie und ein Geschoss mit Spitze (gegenüber den sonst flachen UHR-Kalibern) spielt die moderne Patrone ihre Vorteile gegenüber den „alten“ ab einer Schussentfernung von 100 m deutlich aus. Auch die Geschossgeschwindigkeiten sind denen anderer UHR-Kaliber deutlich überlegen, was mehr Reichweite und ein geringeres Vorhaltemaß auf Drückjagden bedeutet. Zudem hat die .338 Marlin Express eine deutlich flachere Flugbahn als ihre „dicken UHR-Brüder“.
Mit der .338 Marlin Express schufen Hornady und Marlin Firearms eine moderne Hochleistungspatrone für Unterhebelrepetierer, die ausreichend Energie hat, um in Deutschland hochwildtauglich zu sein, mit einer gestreckten Flugbahn und einem schnellen Geschoss, welches für ein geringes Vorhaltemaß sorgt. Leider ereilte diese Patrone, genau wie die fast zeitgleich erschaffene .308 Marlin Express sowie die 338 MX(LR) und 308 MX(LR) Waffen, das Schicksal der Firmenpleite von Marlin und den anschließenden Verkauf an Remington – sie wurden eingestellt. Auch plant der aktuelle Besitzer von Marlin, die Firma Ruger, keine Neuauflage des sehr interessanten Kalibers.
Daten der Munition:
Die .338 Marlin Express wird teilweise auch als 8,6x48 bezeichnet.
Die Hülse hat eine Länge von 47,9 mm und ist an der Basis 12,8 mm dick.
Die Gesamtpatronenlänge beträgt 65,6 mm.
Die Geschosse haben einen Durchmesser von .338“ bzw. 8,6 mm.
Die Munition ist für Dralllängen von 1:12“ (300 mm) ausgelegt.
Fabrikmunition:
Ich beziehe mich im Folgenden auf die Werksangaben von Hornady zu deren LeverEvolution Munition:
Geschossgewicht (g/grs) 13,0/200
Geschossart FTX
Fluggeschwindigkeit V0 (m/s) 781,0
Fluggeschwindigkeit V100 (m/s) 715,0
Fluggeschwindigkeit V200 (m/s) 651,0
Fluggeschwindigkeit V300 (m/s) 591,0
Geschossenergie E0 (Joule) 3961,0
Geschossenergie E100 (Joule) 3314,0
Geschossenergie E200 (Joule) 2751,0
Geschossenergie E300 (Joule) 2263,0
Treffpunktlage 50m -0,31
Treffpunktlage 100m 0,0
Treffpunktlage 150m -4,49
GEE (m) 163,0
Treffpunktlage Zielfernrohr 50m 1,7
Treffpunktlage Zielfernrohr 100m 4,0
Treffpunktlage Zielfernrohr 150m 1,5
Treffpunktlage Zielfernrohr 200m -6,3
Treffpunktlage Zielfernrohr 300m -39,8
Aktuell hat der Deutschland/Europa-Importeur von Hornady-Produkten einen größeren Posten der Fabrikmunition lagernd. Auch bieten aktuell viele Händler Fabrikmunition in .338 Marlin Express zu einem akzeptablen Preis an. Ich persönlich habe mich, in Anbetracht der Tatsache, dass aktuell keine neuen Hülsen in diesem Kaliber käuflich zu erwerben sind, vor einigen Wochen mit einem größeren Posten der Munition eingedeckt und wage zu behaupten, dass ich damit die nächsten Jahre (mit der fertigen Munition und danach mit den Hülsen als Wiederladekomponente) auskommen werde.
Wiederladen der .338 Marlin Express:
Eigentlich lade ich meine Munition in .338 Marlin Express ja selbst – eigentlich deshalb, weil ich aktuell zur Hülsengewinnung mehrere hundert Schuss Fabrikmunition von Hornady erworben habe. Des Weiteren hatte ich das Glück, fast 200 fabrikneue Hülsen von einem ehemaligen Marlin 338 MX-Besitzer abkaufen zu können.
Leider ist es zurzeit nicht einmal in den USA möglich, fabrikneue Hülsen in .338 Marlin Express zu bekommen. Hornady verkauft aktuell keine, sondern verlädt die Hülsen selbst und verkauft diese als Fabrikmunition. Auch ein bekannter deutscher Hülsenhersteller müsste solch hohe Mengen fertigen, dass das Ganze bei den wenigen Waffen in diesem Kaliber unrentabel wird.
Die speziellen Hornady FTX-Geschosse hingegen sind problemlos im Handel erhältlich. Diese Geschosse sind jedoch nicht bleifrei und scheiden in einigen Bundesländern leider aus. Hier wären als gute Alternativen noch die Peregrine VRG3 und Hornady ECX Geschosse zu erwähnen. Beide liefern ordentliche Streukreise und sind durch die flache Geschosskonstruktion voll und ganz röhrenmagazintauglich.
Als Pulver verwende ich Reload Swiss RS52 und Zündhütchen von RWS.
Matrizen sind von diversen Herstellern (Hornady, Redding, Triebel, …) erhältlich.
Das Kaliber an sich stellt keine große Hürde beim Wiederladen dar. Meine Waffe schießt sich mit allen oben erwähnten Geschossen und unterschiedlichsten Ladungen sehr präzise. Ich habe mir für meinen gekürzten Lauf eine CIP-konforme Ladung erarbeitet (und von der DEVA prüfen lassen) und bin damit in Sachen Energie und Präzision hervorragend zufrieden.
Wie geht es bei mir persönlich mit der .338 Marlin Express weiter?
Auch wenn ich mit der Wirkung der bleihaltigen FTX-Geschosse von Hornady zufrieden bin, möchte ich meinen 338 MX doch in nächster Zeit auf bleifreie Geschosse umstellen. Hierzu werde ich die bleihaltige Fabrikmunition bei meinen nächsten Schießkinobesuchen „heiß delaborieren“ und danach Hornady ECX verladen. Sollte sich die politische Lage ändern und Hornady-Geschosse in Deutschland nur noch schwer erhältlich sein, wechsle ich zu Peregrine VRG3.
Fazit:
Für mich stellt die .338 Marlin Express eine sehr interessante Patrone dar. Als großer Fan von Unterhebelrepetierern, gerade bei Drückjagden oder zur Pirsch, ist das Kaliber .338 Marlin Express für mich ein echter „Gamechanger“. Ich nutze die Patrone sehr gerne zur Jagd und bin von ihrer Leistung überzeugt.
Durch die aktuelle Situation in Bezug auf Fabrikmunition und Wiederladekomponenten (außer Hülsen) ist der Fortbestand der Munition in Anbetracht der wenigen auf dem Markt befindlichen Waffen in diesem Kaliber gesichert.
Manchmal, wenn mir langweilig ist, stelle ich mir jedoch die Frage, warum kein Hersteller von Kipplaufwaffen bisher auf den Gedanken kam, dieses interessante Kaliber in seine Waffen zu verbauen. Klar ist, dass die aktuelle Situation in Bezug auf Munition und Wiederladekomponenten sehr übersichtlich ist. Dies sollte jedoch durch Hornady problemlos und zeitnah zu ändern sein, wenn wieder Neuwaffen in diesem genialen Kaliber gefertigt werden. Oder vielleicht „erbarmt“ sich ja auch Ruger und fertigt endlich wieder Marlin-Waffen im Kaliber 8,6x48 – ich würde mich jedenfalls sehr darüber freuen.
Weitere Bilder und Infos zu meiner Ausrüstung gibt es entweder hier bei Geartester oder auf meinem Instagram-Account:
Zum Schluss noch eine kleine Anmerkung: Ich werde weder von Marlin, Hornady, RCBS, Peregrine Bullets noch von sonst einer Firma, Person oder dergleichen finanziert. Ich habe keinen finanziellen oder sonstigen Vorteil durch dieses Kaliberportrait auf dieser Seite.