Garmin Xero L60i im Test

Waidwerker
13 Min. Lesezeit
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Premium-Entfernungsmesser mit GPS und Kartennavigation

Erster Eindruck

Mit dem Xero L60i bringt Garmin den ersten Laser-Entfernungsmesser mit integrierter kartenbasierter GPS-Navigation auf den Markt. Schon beim Auspacken macht das Gerät klar, in welcher Liga es spielen will: Das Gehäuse wirkt hochwertig und robust, und auch die mitgelieferte Tragetasche ist von entsprechender Qualität. Das Gerät ist nach IPX7 wasserdicht und lässt sich von Regen oder Nebel nicht beeindrucken.

Optik und Display

Die Optik ist die große Stärke des L60i. Das mehrfach beschichtete Glas liefert ein klares, gestochen scharfes Bild mit 7-facher Vergrößerung, auch bei schwierigen Lichtverhältnissen in der Dämmerung. Das eigentliche Highlight ist aber das Display-Overlay: Die hochauflösende, farbige Einblendung von Distanz, Karte und Navigationshinweisen direkt im Sichtfeld ist gestochen scharf und wirkt zu keinem Zeitpunkt störend. Ein Umgebungslichtsensor regelt die Helligkeit automatisch. Besonders gut gefallen hat mir, dass das Display bei Nacht auf Rot umschaltet und so die Nachtsicht schont. Solche Details zeigen, dass hier Praktiker mitgedacht haben.

Ein Hinweis zu den Fotos in diesem Review: Durch das Okular zu fotografieren ist extrem schwierig. Ich habe trotzdem versucht, die Funktionen abzubilden, die Aufnahmen werden der tatsächlichen Bild- und Displayqualität aber nicht gerecht.

Elch auf 273 Metern

Bedienung

Die Bedienung über die Tasten am Gehäuse funktioniert sehr gut, braucht aber etwas Zeit zur Eingewöhnung. Angesichts des Funktionsumfangs, der eher an ein GPS-Handgerät als an einen klassischen Entfernungsmesser erinnert, ist das nicht verwunderlich. Hat man die Menülogik einmal verinnerlicht, erreicht man alle wichtigen Funktionen schnell und ohne langes Suchen. Praktisch ist auch der Dioptrienausgleich am Okular (+/- 4 Dioptrien), mit dem sich das Display-Overlay auf die eigene Sehstärke scharf stellen lässt.

Funktionen in der Praxis

Die Funktionen sind durchdacht und greifen sinnvoll ineinander. Distanzen zu Tieren lassen sich bis etwa 2.775 Meter messen, zu Bäumen bis 3.600 Meter. Anvisierte Ziele kann man dank GPS und Kompass direkt als Wegpunkt speichern und sich per Laser Locate dorthin navigieren lassen. Durch langes Drücken der Ranging Raste wird der Sensor Locate Modus aktiviert. Damit lassen sich auch deutlich weiter entfernte Punkte markieren, die außerhalb der Laserreichweite liegen. Im Test funktionierte das bis zu einer Entfernung von 11 Kilometern. Richtig stark ist der visuelle Abruf (Visual Recall): Das Gerät führt einen über Richtungshinweise im Display (links, rechts, oben, unten) wieder exakt auf den gespeicherten Punkt. Das ist ideal, um das Gerät einem Begleiter in die Hand zu geben und ihn denselben Punkt finden zu lassen, etwa den Anschuss oder ein markiertes Stück. Praktisch sind auch die Messungen zwischen mehreren Punkten: So lässt sich zum Beispiel die Distanz vom Anschuss zum Auto berechnen, oder man misst zwischen einem beliebigen Punkt und dem Ziel, um den Weg zu einer besseren Schussposition zu finden. Über die integrierten TopoActive-Karten funktioniert die Navigation komplett auf dem Gerät, ohne dass man zum Smartphone greifen muss. Praktisch im Alltag: Die letzten 20 Messungen speichert das Gerät automatisch, auch ohne dass man sie aktiv als Wegpunkt ablegt. Beim Messen selbst gibt es neben der Einzelmessung einen Scan-Modus für kontinuierliches Messen, bei dem sich wählen lässt, ob das zuletzt, das am nächsten oder das am weitesten entfernte Ziel angezeigt wird. Mit dem Course Creator lassen sich zudem aus mehreren gemessenen Punkten ganze Routen erstellen und direkt abnavigieren. Über umschaltbare HUD-Profile passt sich die Anzeige dem Einsatzzweck an: ein allgemeines Profil mit Karte, ein Bogenschützen-Profil und ein Applied-Ballistics-Profil mit kompletter Schusslösung im Sichtfeld.

Sensor Locate über 11km Entfernung
Visueller Abruf (Visual Recall) Feature im roten Nachtmodus

Richtig gut gelöst ist die Einbindung ins Garmin Ecosystem: Wegpunkte synchronisieren sich mit der Garmin Explore App, über die auch Software-Updates auf das Gerät kommen. Mit Garmin Share lassen sich gespeicherte Punkte und Routen direkt auf kompatible Handgeräte oder Smartwatches übertragen, und zwar von Gerät zu Gerät per Bluetooth, ganz ohne Smartphone oder WLAN dazwischen. Wer bereits Garmin-Geräte nutzt, bekommt hier ein nahtloses Zusammenspiel, bei dem markierte Ziele ohne Umwege auf allen Geräten verfügbar sind. Ein Detail am Rande: Das Gerät lässt sich per vierstelliger PIN gegen Fremdnutzung sichern, und der Betriebstemperaturbereich von -20 bis 60 Grad deckt alles ab, was einem in der Praxis begegnet.

Applied Ballistics Rechner

Für Long-Range-Schützen ist der integrierte Applied Ballistics Ultralight Solver eines der stärksten Argumente für den L60i. Auf Basis des hinterlegten Waffen- und Geschossprofils berechnet er eine komplette Schusslösung direkt im Sichtfeld: Höhenkorrektur, Seitenkorrektur für den Windversatz und Geschossflugzeit. Dabei greift er auf eigene Widerstandsmodelle (Custom Drag Models) für das jeweilige Geschoss zurück, was gerade auf weite Distanzen präzisere Ergebnisse liefert als ein einfacher G1- oder G7-Wert.

Der große Vorteil gegenüber einem separaten Ballistikrechner: Die Umgebungsdaten müssen nicht von Hand eingegeben werden. GPS, Temperatur-, Kompass- und Barometersensoren liefern Position, Luftdruck, Temperatur und Schussrichtung automatisch, sodass sogar der Coriolis-Effekt in die Berechnung einfließt. Lediglich der Wind muss manuell geschätzt und eingegeben werden. Clever gelöst: Es lassen sich zwei Windgeschwindigkeiten hinterlegen, woraus der Solver eine Korridor-Lösung mit hohem und niedrigem Wert berechnet, innerhalb derer die tatsächliche Korrektur liegen sollte.

Auch in der Tiefe lässt der Solver wenig Wünsche offen. Bis zu 26 Target Cards mit individuellen Bedingungen lassen sich anlegen, die Range Card zeigt Lösungen für verschiedene Distanzen mit frei anpassbaren Datenfeldern. Wer es genau nimmt, kalibriert Mündungsgeschwindigkeit und Drop Scale Factor anhand realer Trefferlagen und schaltet auf Wunsch Spin Drift und Aerodynamic Jump in die Berechnung dazu. Geschossdaten müssen dabei nicht mühsam eingetippt werden, sie lassen sich direkt aus der Applied Ballistics Geschossdatenbank übernehmen. Die Verwaltung der ballistischen Profile und das Anlegen von Target Cards erfolgt bequem über die AB Quantum App auf dem Smartphone, dort lässt sich der Solver bei Bedarf auch auf eine höhere Ausbaustufe upgraden.

Ein Wermutstropfen: In der amerikanischen Version ist offenbar der Elite Solver freigeschaltet, während man sich hierzulande mit dem Ultralight Solver begnügen muss. Warum Garmin hier bei identischem Preis unterscheidet, erschließt sich mir nicht, und das ist bei einem Gerät dieser Preisklasse schon etwas schade.

Auch an Bogenschützen wurde gedacht: Ein eigener Ballistikrechner für Pfeile liefert winkelkorrigierte Distanz, maximale Pfeilhöhe und den Auftreffwinkel am Ziel.

Der Bogenschützen Modus

Stromversorgung

Der L60i wird mit zwei AAA-Lithium-Batterien betrieben, die laut Garmin für rund 1.400 Messungen reichen. Batterien sind im Feld zwar schnell gewechselt, ganz zeitgemäß wirkt die Lösung aber nicht mehr. Wer heute draußen unterwegs ist, hat meist ohnehin eine Powerbank dabei. Ein wechselbarer Akku mit USB-C-Ladung wäre aus meiner Sicht die bessere Lösung gewesen: schnell getauscht wie eine Batterie, aber unterwegs einfach nachladbar.

Der Preis

Kommen wir zum größten Kritikpunkt: dem Preis von 2.499,99 Euro (UVP). Dafür bekommt man zweifellos ein technisch beeindruckendes Gerät, aber man muss sich ehrlich fragen, für wen sich das rechnet. Die meisten Long-Range-Schützen und Jäger besitzen ohnehin schon einen Entfernungsmesser, ein GPS-Gerät oder einen Ballistikrechner in irgendeiner Form. Wer die Komponenten einzeln kauft, kommt zum Teil günstiger weg und bleibt flexibler. Der L60i richtet sich damit vor allem an diejenigen, die die Integration all dieser Funktionen in einem einzigen Gerät zu schätzen wissen und bereit sind, den Preis zu zahlen.

Transparenzhinweis: Der Xero L60i wurde mir von Garmin leihweise für diesen Test zur Verfügung gestellt. Dies hat keinen Einfluss auf meine Bewertung.

Fazit

Der Garmin Xero L60i ist ein technisch herausragender Entfernungsmesser mit erstklassiger Optik, gestochen scharfem Display-Overlay und durchdachten Funktionen, die es in dieser Kombination sonst nirgends gibt. Der Applied Ballistics Solver bietet eine Tiefe, die man sonst nur von dedizierten Ballistikrechnern kennt, und die nahtlose Einbindung ins Garmin Ecosystem ist ein echtes Kaufargument für alle, die bereits Garmin-Geräte nutzen. Verarbeitung und Zubehör sind auf Premium-Niveau. Dem gegenüber stehen der sehr hohe Preis und die etwas altmodische Stromversorgung per AAA-Batterien. Wer ein kompromissloses Alles-in-einem-Gerät sucht und das nötige Budget hat, wird mit dem L60i sehr glücklich. Wer bereits gut ausgerüstet ist, fährt mit Einzelkomponenten zum Teil günstiger und flexibler.

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