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Knapp zwei Monate am Feldrand, Rehwild, Fasanen und ein Marder bei Nacht: Die BlazeVideo A106W löst zuverlässig aus, liefert für unter 90 Euro erstaunlich saubere Bilder und kostet laufend nichts. Sie hat aber einen Haken, den man vor dem Kauf kennen muss: Bilder gibt es nur, wenn du neben der Kamera stehst.
Kaufgrund
Ich brauche an einer Kirrung eine Kamera, die nachts nicht leuchtet und die ich am Handy auslesen kann, ohne jedes Mal die Karte zu ziehen. Funk über SIM will ich dort nicht, weil das Revier kein vernünftiges Netz hat und ich keine Lust auf ein weiteres Abo habe. Damit landet man schnell bei den WLAN-Kameras, und dort landet man schnell bei Anbietern, die man vorher nicht kannte.
Die BlazeVideo A106W ist so ein Fall. 85,99 Euro, 4K, 64 Megapixel, 940 Nanometer No-Glow, drei Bewegungssensoren, App-Anbindung. Auf dem Papier ist das für den Preis viel.
Der Weg zu diesem Bericht war ungewöhnlich, und das gehört an den Anfang. Diese Kamera ist seit Mai 2025 auf dem europäischen Markt. In dieser Zeit hat sie weltweit 26 Amazon-Bewertungen gesammelt, drei YouTube-Videos und keinen einzigen Fachpressetest. Der einzige deutschsprachige Beitrag, der bei Google zu ihr auf Platz eins steht, beschreibt sie als Low-Glow, obwohl 940 Nanometer verbaut sind, und beruft sich auf einen angeblichen FAZ-Testsieg ohne Quelle. Ein deutscher Käufer schreibt dazu auf Amazon: "Hab mich leider durch irgendwelche Testergebnisse täuschen lassen."
Genau deshalb steht dieser Bericht hier. Gehangen hat die Kamera knapp zwei Monate an einer Stelle am Feldrand, zwischen Maisfeld und Wildkräuterstreifen, mit einem großen Sandsteinblock im Vordergrund, der als Ansitzpunkt für alles dient, was Federn hat. Die Aufnahmen, die ich hier zeige, liegen zwischen dem 08.09. und dem 27.09.2026 bei 9 bis 27 Grad. Ein Vergleichsgerät hing nicht daneben, das sage ich vorweg, und ich sage weiter unten, wo mir das fehlt.
Transparenz
Die Kamera wurde mir von BlazeVideo als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt und bleibt in meinem Bestand. Keine gesponserte Vorstellung, keine bezahlte Produktplatzierung und keine vom Hersteller vorgegebene Bewertung. BlazeVideo hat diesen Bericht vor Veröffentlichung nicht gesehen.
Fremde Tests, Videos und Käuferstimmen sind in diesem Bericht ausdrücklich als solche gekennzeichnet und mit Quelle genannt. Sie ersetzen keine eigene Messung, und ich gebe sie nicht als eigene Erfahrung aus. Was ich selbst nicht gemessen habe, steht als nicht gemessen, nicht als Zahl.
Technische Daten
Alle Werte sind Herstellerangaben, Stand 26.08.2026. Wo sich der Hersteller selbst widerspricht, steht es dabei.
| Position | Herstellerangabe |
|---|---|
| Foto | bis 64 MP, Stufen von 2 MP bis 64 MP |
| Video | 4K, 2,7K, 1080p, 720p, 30 fps |
| Videoformat | H.265 laut Datenblatt, H.264 laut deutschem Shop |
| Videolänge | 5 s bis 3 Minuten laut Datenblatt, bis 10 Minuten laut Amazon, bis 1 Minute laut deutschem Shop |
| Objektiv | F1.6, Bildwinkel 70 Grad, automatische IR-Sperre |
| PIR-Sensoren | 3 Stück, gesamt 120 Grad (Mitte 60, je Seite 30) |
| PIR-Reichweite | bis 30 m, ausdrücklich nur unter 25 Grad C |
| Auslösezeit | 0,1 bis 0,5 s, 0,2 s mit zugeschalteten Seitensensoren |
| IR-Blitz | 940 nm No-Glow, 36 LEDs laut deutschem Shop, 45 laut US-Listing, Reichweite 30 m |
| Display | 2,31 Zoll Farbdisplay, 6 Tasten plus Ein-Aus |
| Speicher | microSD, max. 128 GB laut Datenblatt, 256 GB an anderer Stelle derselben Seite |
| Strom | 8x AA 1,5 V oder 12 V extern, beides nicht im Lieferumfang |
| Standby | bis 8 Monate |
| Funk | lokales WLAN 2,4 GHz plus Bluetooth, App TrailCam GO |
| Diebstahlschutz | Herstellerhinweis wörtlich: Kabelschloss nicht direkt nutzbar, Schutzgehäuse erforderlich |
| Schutzart | IP66, minus 20 bis plus 60 Grad C |
| Maße | 134 x 102 x 84 mm |
| Preis | 85,99 Euro, Streichpreis 119,90 Euro, blazevideos.de, 26.08.2026 |
Drei Werte muss ich sofort einordnen.
Erstens die 120 Grad. Das ist der Erfassungswinkel der drei Bewegungssensoren, nicht der Bildwinkel. Das Objektiv sieht 70 Grad.
Zweitens die 64 Megapixel. Die native Sensorauflösung gibt BlazeVideo nirgends an. Interpolation, also das Hochrechnen eines kleinen Sensorbildes auf eine große Pixelzahl, ist in dieser Klasse Standard und bringt keine zusätzlichen Details, kostet aber Speicher und Batterie. Dörr weist bei der SnapShot Mini 5.0 Pro offen 5 MP beworben zu 3 MP Sensor aus, Braun bei der Scouting Cam Black1300 48 MP zu 13 MP. Bei der A106W steht nichts.
Drittens die Auslösezeit. Beworben wird die Kamera überall mit 0,1 Sekunden. Im eigenen technischen Datenblatt auf blazevideo.ltd steht wörtlich: ungefähr 0,1 bis 0,5 Sekunden, 0,2 Sekunden bei aktivierten Seitensensoren. Der Hersteller widerspricht seiner eigenen Werbung um den Faktor zwei bis fünf.
Erste Eindrücke
Dem Preis entsprechend ein normaler, solider Eindruck. Alle Fenster sind ab Werk mit Schutzfolie beklebt, die muss vor dem Aufhängen ab, sonst leidet das Bild. Das Menü ist auf Deutsch, die Führung intuitiv, alle Grundeinstellungen lassen sich direkt an der Kamera setzen: Foto und Video zusammen, Fotoauflösung, Empfindlichkeit, Bilder je Auslösung. Die App TrailCam GO hat die Kamera beim ersten Versuch über Bluetooth erkannt, ein Klick auf Weiter, fertig. Kein Konto, keine Registrierung.

Die erste Hürde lag nicht in der Technik, sondern eine Stufe davor: Es passt nur eine microSD-Karte. Ich hatte für meine bisherigen Kameras immer normale SD-Karten im Haus und musste erst losfahren. Wer die Kamera Freitagabend auspackt und Samstag früh in den Wald will, steht ohne Karte da. Sobald die Karte drin war, war die Kamera in Minuten eingerichtet.

Der Karton enthält Kamera, USB-Kabel, Gurt und gedrucktes Handbuch. Keine Batterien, keine Speicherkarte. Wer die Kamera kauft, rechnet realistisch acht AA-Zellen und eine microSD dazu, also je nach Marke 25 bis 40 Euro obendrauf. Zwei deutsche Käufer melden auf Amazon fehlende Teile, einer schreibt: "Wurde leider ohne Anleitung und Antenne geliefert." Prüf beim Auspacken, ob alles da ist. Bei mir war alles dabei, Antenne eingeschlossen.

Positiv fällt der USB-C-Anschluss auf. Die WLAN-lose Schwester A106 hat noch Mini-USB.

Sensorik und Auslösung
Die A106W arbeitet mit drei Bewegungssensoren: einem mittleren mit 60 Grad und zwei seitlichen mit je 30 Grad. Die seitlichen Sensoren sind im Menü zuschaltbar. Sie wecken die Kamera, bevor das Stück im Bildfeld ist. Daher kommt die schnelle Angabe: Es ist der Wert einer bereits vorgeweckten Kamera, nicht der Wert aus dem Tiefschlaf.
Ein PIR, der breiter erfasst als das Objektiv abbildet, ist bei diesem Bauprinzip gewollt. Der Nebeneffekt sind Leerbilder von Auslösern, die seitlich vorbeiziehen und nie ins Bild kommen. Ich halte die Auslegung trotzdem für die richtige. Der umgekehrte Fall ist der ärgerlichere: Das Stück steht im Bild und hat nie ausgelöst. Genau das kritisiert waldfoto.de an der deutlich teureren GardePro X20, die 110 Grad abbildet, aber nur 70 Grad erfasst. Die A106W macht es andersherum.
Was ich dazu aus dem Feldtest sagen kann, und was nicht. Die Auslösezeit habe ich nicht mit Stoppuhr gemessen, die Erfassungsreichweite auch nicht. Was ich beurteilen kann, ist das Ergebnis: Auf den Aufnahmen stehen Ricke und Kitz, Bock, Fasanenhahn, Hennen und ein Marder sauber im Bild, keiner nur halb am Rand. Auslösezuverlässigkeit ist der Punkt, der mich am meisten überzeugt hat, und das bei einem Standort, der dafür denkbar ungünstig ist: Links im Bild steht ein Maisfeld, das bei Wind permanent in Bewegung ist. Trotzdem hatte ich nur wenige Leerbilder durch wackelnde Blätter oder Gräser. Ob die Kamera jedes Stück erwischt hat, das vorbeigezogen ist, kann ich nicht sagen, ich war nicht dabei.

Ein praktischer Hinweis, der bei den Seitensensoren gern untergeht: Sie kosten Batterie, und der Hersteller schreibt im Handbuch eines Schwestermodells ausdrücklich, dass man sie zum Batteriesparen abschalten kann. Wer sie abschaltet, verliert allerdings genau die Vorwecke, für die man diese Kamera kauft.
Nachtsicht
36 oder 45 LEDs mit 940 Nanometern, ausgewiesen als No-Glow. No-Glow heißt: Der Infrarotblitz liegt außerhalb des sichtbaren Bereichs, es gibt kein rotes Glimmen am Gehäuse. Wild lernt sichtbare Blitze, und Menschen finden sie im Dunkeln von weitem.
Eine Sache muss ich geraderücken, weil ich es selbst falsch erwartet hatte: No-Glow ist in dieser Preisklasse kein Alleinstellungsmerkmal, sondern der Normalfall. A323, A280W, W600, GardePro A3S, Dörr SnapShot Mini 5.0 Pro, alle fahren 940 Nanometer. Wer für No-Glow allein einen Aufpreis zahlt, zahlt in diesem Band zu viel.
Eine Kaufwarnung im eigenen Haus: Die 8 Euro günstigere A106 ohne W hat 850 Nanometer Low-Glow, also sichtbares Rotleuchten. Wer die A106 kauft, weil er sie für dieselbe Kamera ohne WLAN hält, holt sich sichtbares Glimmen ins Revier.
Der Preis für No-Glow ist physikalisch immer derselbe: 940 nm liefert weniger Lichtausbeute als 850 nm, das Nachtbild wird bei gleicher Reichweite dunkler. Genau da setzen die Fremdstimmen an, dazu unten. Mein eigener Befund fällt anders aus, mit einer Einschränkung.

Das Tier ist ansprechbar, die Konturen sind weich, nicht matschig. Der helle Sandstein im Vordergrund wirft den Infrarotblitz zurück und ist überstrahlt, das ist mein Standort, nicht die Kamera. Mais und Distelflur dahinter sind sauber ausgeleuchtet. Mein Eindruck über die Nachtaufnahmen der zwei Monate: Bis 10 bis 15 Meter leuchtet die Kamera wirklich sauber und gut aus, dahinter wird es schwarz. Ich finde die Bilder auch nach hinten heraus gut ausgeleuchtet.
Die Einschränkung: Ausleuchtung auf 10, 20 und 30 Meter habe ich nicht gemessen, der Standort gibt die Entfernung nicht her, und ein Vergleichsgerät hing nicht in derselben Nacht daneben. Was ich sagen kann: Bis 10 bis 15 Meter liefert die A106W nach meinem Eindruck saubere Nachtbilder. Was sie auf 30 Meter macht, weiß ich nicht.
Zwei Einschränkungen räumt BlazeVideo selbst ein: Nachts sind maximal 30 Sekunden Video pro Auslösung möglich. Und die Nachtsicht fällt bereits bei 9,4 Volt Batteriespannung aus, obwohl die Kamera bis 8 Volt weiterläuft. Es gibt also ein Zeitfenster, in dem die Kamera tagsüber noch Bilder macht und nachts schon blind ist, ohne das anzuzeigen.
Bildversand und Fernsteuerung
Das ist der Abschnitt, an dem sich entscheidet, ob diese Kamera zu dir passt. Bei Wildkameras meint das Wort Funk zwei völlig verschiedene Dinge, und im Handel werden sie regelmäßig durcheinandergeworfen. Ein Schweizer Händler verkauft die A106W sogar unter dem Titel "Wildkamera mit Handyübertragung", obwohl sie kein Mobilfunkmodul hat.
Die kurze Antwort: Die A106W verschickt keine Bilder. Kein Mobilfunkmodul, kein SIM-Steckplatz. Du musst hinfahren.
Was sie stattdessen macht
Die A106W spannt vor Ort ein eigenes WLAN auf. Das Handy koppelt zuerst über Bluetooth, weckt die Kamera damit aus dem Standby und verbindet sich dann über 2,4-GHz-WLAN. Danach siehst du ein Livebild, gehst die Galerie durch, lädst Aufnahmen aufs Handy und änderst Einstellungen, ohne das Gehäuse zu öffnen und ohne die Karte zu ziehen.
In meinem Test hat genau das jedes Mal funktioniert: hinfahren, App auf, die Kamera meldet sich, Galerie durchsehen, Bilder laden. Die App läuft sauber. Ich muss dafür neben der Kamera stehen, und das ist der ganze Punkt. Wer regelmäßig am Standort vorbeikommt, bekommt den Komfort einer Funkkamera ohne deren Kosten. Wer das Revier mehrere hundert Kilometer entfernt hat, bekommt gar nichts, bis er hinfährt.
Was das kostet
Nichts. Kein Abo, kein Guthaben, keine Credits, keine SIM. Die App ist kostenlos. Laufende Kosten sind Batterien und Karte.
Die App
Die A106W nutzt die App TrailCam GO, nicht TrailCam Mobile, die zu den älteren Modellen A280W und W600 gehört. Wer Erfahrungsberichte zu TrailCam Mobile liest, liest über eine andere App. TrailCam GO steht im Google Play Store bei 4,6 Sternen aus rund 15.100 Bewertungen, im deutschen App Store bei 4,0 Sternen aus 1.346 Bewertungen. Deutsche Rezensionen der letzten Monate kritisieren Verbindungsaufbau, ruckelndes Livebild und Reichweite. Bei mir trat davon nichts auf, ich habe die Verbindungsversuche aber nicht gezählt.
Reichweite, der strittigste Wert der ganzen Kamera
| Quelle | Angabe | Art |
|---|---|---|
| BlazeVideo Werbetext | bis 70 m | Herstellerangabe |
| BlazeVideo Handbuch der Schwestermodelle | 15 m ohne Hindernisse empfohlen | Herstellerangabe |
| Käufer amazon.de, 06.08.2026 | 5 bis 7 m | Nutzerangabe |
| Käufer amazon.com, 31.03.2026 | rund 7,5 m | Nutzerangabe |
| Käufer amazon.com, 15.04.2026 | rund 15 m | Nutzerangabe |
| Käufer amazon.com, 25.03.2026 | über 20 m, durch Betonwände | Nutzerangabe |
| Unabhängiger Test der A280W | 10 m | shotkit.com |
| Eigener Test | rund 1 m, ich musste direkt neben der Kamera stehen | Beobachtung |
Die Streuung von 5 auf über 20 Meter ist selbst der Befund. 70 Meter hat bislang niemand bestätigt. Bei mir war es ein Meter. Ich musste wirklich neben der Kamera stehen, mit dem Handy in der Hand. Für den Zweck, Bilder vor Ort zu laden, reicht das, und mehr sollte man von diesem Modul nicht erwarten.
Der Haken, den man kennen muss
Solange die App verbunden ist, überwacht die Kamera nicht. Das steht wörtlich im Handbuch des Schwestermodells: Bei bestehender WLAN-Verbindung wird die Bewegungserkennung deaktiviert und erst wieder aktiv, wenn die Verbindung getrennt oder die App 90 Sekunden geschlossen ist. Ob das für die A106W genauso gilt, habe ich nicht geprüft. Zwei Vorbedingungen außerdem: Der Netzschalter muss auf ON stehen, und der Menüpunkt WIFI muss auf On stehen. Wer WLAN zum Batteriesparen abschaltet, kommt ohne Öffnen des Gehäuses nicht mehr an die Kamera.
Wenn du wirklich Bilder aufs Handy willst
Dann brauchst du eine Kamera mit SIM, und dann wird es laufend kostenpflichtig. ZEISS Secacam verlangt 2,99 Euro im Monat für 100 Fotos, 9,99 Euro für 750 Fotos und 25 Videos, 14,99 Euro für unbegrenzt. Seissiger SUPERSIM rechnet je Aufnahme ab, 2 Cent für ein Bild bis 100 kB. Dörr verkauft die SnapShot Cloud simlockfrei, im 9,90-Euro-Tarif kostet das Vollbild rund 0,7 Cent. Alles Herstellerangaben, Stand 26.08.2026.
Zwei Punkte, die dabei fast immer untergehen. Erstens: Übertragen wird in aller Regel ein Vorschaubild, nicht das Original. Zweitens: Die Netzwahl entscheidet mehr als die Bildqualität, weil Kameras genau dort hängen, wo maximal ein Netz trägt. BlazeVideo selbst hat mit Stand 26.08.2026 keine einzige Funkkamera mehr im Katalog.
Stromversorgung und Speicher
Acht AA-Zellen, alternativ 12 Volt extern. Angegeben sind bis zu 8 Monate Standby. Standby ist nicht Betrieb, und der Hersteller weist in den eigenen FAQ darauf hin, dass Nachtbetrieb die Laufzeit deutlich verkürzt. Zur Einordnung rechnet waldfoto.de für eine Kamera mit 60 Sekunden Videolänge, acht Auslösungen am Tag und Batteriewechsel alle vier Wochen mit rund 135 Euro Batteriekosten im Jahr.
Im Feldtest lief die Kamera mit acht klassischen Alkali-Zellen zu 1,5 Volt, Varta Longlife Power, keine Lithium, keine Akkus. Nach knapp zwei Monaten zeigt das Batteriesymbol auf jeder Aufnahme noch vier volle Balken, die Kamera hat nahezu keine Batterien verbraucht. Das hängt mit meinem Fotointervall zusammen und mit dem geringen Nachtanteil. Spannung gemessen habe ich nicht. Was ich sagen kann: Bei Fotobetrieb mit wenigen Auslösungen am Tag ist der Batterieverbrauch kein Thema. Wer die Kamera auf 60 Sekunden Video stellt, rechnet anders.

Ein Punkt, den ich mir anders gewünscht hätte: Es gibt keinen Akku, nur AA. Bei einer Kamera, die man alle paar Wochen ohnehin besucht, ist das verschmerzbar, aber ein Wechselakku zum Laden am Netz wäre mir lieber. Ein herstellereigenes Solarpanel gibt es nicht.
microSD, laut Datenblatt maximal 128 GB. Das ist der Punkt, an dem die Kamera mit sich selbst in Konflikt gerät: Sie hat die datenhungrigste Videofunktion im ganzen Preisband und gleichzeitig die kleinste Karte. Die A323 und die A280W nehmen 512 GB, und die filmen nur in 1296p.
Im jagdlichen Einsatz
Der Standort war bewusst keine Kirrung, sondern ein Feldrand: links Mais, rechts ein Streifen aus Disteln und Wildkräutern, davor ein Sandsteinblock, dahinter Hecke. Ein Platz, an dem viel Bewegung ist, von Wild und von Wind. Die Kamera hing knapp zwei Monate an derselben Stelle, ohne Umbau, ohne Batteriewechsel. Modus Foto plus Video, 24 Megapixel eingestellt, Empfindlichkeit mittel.
Rehwild
Am 08.09. um 19:03 Uhr bei 27 Grad eine Ricke mit Kitz, die Ricke zwei Meter vor der Kamera, das Kitz sechs Meter dahinter am Mais. Zwei Minuten später dasselbe Paar, die Ricke jetzt rechts hinter dem Stein, beide sichern zur Kamera.

Am 23.09. morgens um 08:37 Uhr bei 11 Grad ein Bock, der rechts neben dem Stein steht und zur Kamera äugt. Eine halbe Stunde später derselbe Bock mit dem Kopf frontal über dem Stein, anderthalb Meter vor dem Objektiv. Augen, Nasenspiegel und Gehörn sind klar.


Am 26.09. um 14:11 Uhr bei 24 Grad ein Reh, das in fünf Metern vor dem Mais nach links zieht, an den Läufen leicht bewegungsunscharf, sonst sauber.

Fasanen
Der Stein ist offenbar der Hausplatz. Am 23.09. um 08:05 Uhr bei 9 Grad zwei Hennen auf und hinter dem Stein, ein Hahn links unten im Schatten. Am 24.09. um 09:55 Uhr eine Henne auf dem Stein, am 26.09. um 10:28 Uhr ein Hahn, bei dem jede Feder zu zählen ist und das Rot der Gesichtsmaske kräftig steht.



Was sich daraus für die Praxis ergibt
Erstens: Die Kamera löst zuverlässig aus, und zwar auf Stücke, die am Rand des Bildfelds auftauchen, nicht nur mittig. Zweitens: Bei Sonne und tiefstehendem Licht, wie am 23.09. morgens, bleiben die Tiere im Vordergrund sauber belichtet, der Hintergrund läuft ins Gegenlicht. Drittens: Die Farben am Tag sind kräftig. Das Maisgrün ist grün, das Braunrot des Hahns ist braunrot. Den Einwand aus den Fremdquellen, der IR-Sperrfilter nehme zu viel Rot weg, kann ich an meinem Material nicht nachvollziehen. Ohne Referenzgerät daneben bleibt das mein Eindruck. Viertens, und das muss ich klar sagen: Alle gezeigten Aufnahmen spielen im Nahbereich bis sechs Meter. Über Reichweite sagen sie nichts.
Die Videos liefen im selben Modus mit, und auch dort war ich mit der Qualität zufrieden. Zahlen zu Auflösung, Bildrate und Tonpegel habe ich an den Dateien nicht geprüft.
Was andere berichten
Dieser Abschnitt ist keine eigene Erfahrung. Er fasst zusammen, was sich an unabhängigem Material zu dieser Kamera finden lässt, mit Quelle und Datum. Wo meine eigene Beobachtung davon abweicht oder sie bestätigt, steht es als Abgleich dabei.
Die Materiallage ist dünn: 26 Amazon-Bewertungen weltweit, drei Videos, kein Fachpressetest. Neun der 26 Bewertungen sind Amazon-Vine-Rezensionen, also kostenlos abgegebene Geräte. Auf amazon.de steht die Kamera bei 3,3 von 5 Sternen aus 15 Bewertungen.
Nachtaufnahmen
Der deutsche Kanal Miguelito mit Wildkamera, der in seinen Videobeschreibungen ausdrücklich auf Affiliate-Marketing verzichtet, hat die Kamera am 18.05.2025 vorgestellt. Eine seiner Kapitelüberschriften lautet wörtlich: "Nachtaufnahmen mit 940 nm IR-LEDs schlapp". Ein italienischer Käufer schreibt am 15.04.2026, die Nachtvideos seien verklumpt, wirklich miserabel. Ein US-Käufer berichtet am 31.03.2026 von reihenweise schwarzen Bildern, weil die Infrarotbeleuchtung nicht angesprungen sei. Dem stehen drei positive Stimmen gegenüber, zwei deutsche Käufer nennen die Nachtbilder "ok" und "Tiere gut zu erkennen".
Mein Abgleich: Meine Nachtaufnahme auf zwei Meter ist weich, aber ansprechbar und nicht matschig, der Hintergrund nach meinem Eindruck bis 10 bis 15 Meter sauber ausgeleuchtet. Schwarze Bilder hatte ich nicht. Mehr als Nahbereich kann ich nicht beurteilen.
Tagaufnahmen
Hier ist das Bild einheitlich positiv. Vier Käufer loben Schärfe und Klarheit. Ein erfahrener Wildkamera-Praktiker kritisiert unter dem deutschen Video die Farbwiedergabe: "bei den Tagaufnahmen fehlt mir etwas Farbe, das ist grün auch grün und nicht blaßgrün". Derselbe Kommentator schätzt den Sensor auf rund 2 Megapixel.
Mein Abgleich: Schärfe und Klarheit kann ich bestätigen. Die Farbkritik teile ich an meinem Material nicht, Grün und Braunrot stehen kräftig.
Auslösezeit
Es gibt weltweit genau eine unabhängige Auslösezeitmessung zu dieser Kamera, von Miguelito mit Wildkamera am 29.12.2025, sechs Kameras im Videomodus gegeneinander. Ein italienischer Tester schätzt rund eine halbe Sekunde. Damit stehen drei Zahlen nebeneinander: 0,1 Sekunden im Marketing, 0,2 Sekunden im eigenen Datenblatt des Herstellers, rund 0,5 Sekunden in der Praxisbeobachtung.
Mein Abgleich: nicht gemessen. Im Ergebnis standen alle Stücke ganz im Bild.
Zuverlässigkeit über die Zeit
Zwei dokumentierte Totalausfälle. Ein deutscher Käufer berichtet am 25.07.2026, die Kamera sei nach etwa drei Wochen unzuverlässig geworden, Wackelkontakte hätten das Datum zurückgesetzt, danach sei sie ausgefallen. Am 10.08.2026 trägt er nach, BlazeVideo habe eine Ersatzkamera geliefert, sie arbeite einwandfrei. Ein italienischer Käufer schreibt am 15.04.2026, nach fünf Monaten sei die Kamera tot gewesen. Bei zwei Ausfällen in 26 Bewertungen kann man keine Ausfallrate rechnen. Es ist ein Hinweis, kein Beleg.
Mein Abgleich: knapp zwei Monate ohne Aussetzer, ohne Uhrzeitverlust. Wie lange sie Wind und Wetter wirklich aushält, muss ich abwarten.
Fehlauslöser
Ein deutscher Käufer rät, darauf zu achten, dass im Sichtfeld keine im Wind wackelnden Pflanzen stehen. Ein US-Käufer beschreibt das Gegenteil, die Kamera habe Bewegungen direkt vor der Linse verpasst.
Mein Abgleich: Bei mir stand ein ganzes Maisfeld im Bild, und trotzdem gab es nur wenige Leerbilder. Verpasste Stücke kann ich nicht ausschließen, weil ich nicht daneben saß.
Was bei den Schwestermodellen belegt ist
Zwei unabhängige Tests der A280W beschreiben, dass Tiere näher als ein Meter unscharf werden, weil das Objektiv einen Festfokus hat. Die A106W hat ebenfalls ein F1.6-Festfokusobjektiv. Mein Bock auf anderthalb Meter ist scharf, näher als das war kein Tier. Ein Gegenbeispiel, das Mut macht: waldfoto.de hat die BlazeVideo A323 seit über drei Jahren im Dauereinsatz und beschreibt sie als "funktioniert wie am ersten Tag". Die Marke kann also langlebige Geräte bauen.
Kritikpunkte
Der größte Kritikpunkt
Für die A106W gibt es kein passendes Schutzgehäuse, und ohne Schutzgehäuse lässt sie sich nicht abschließen. Das steht wörtlich im technischen Datenblatt des Herstellers: Ein Kabelschloss kann nicht direkt verwendet werden, es wird ein Schutzgehäuse benötigt. BlazeVideo führt Schutzgehäuse für zwei andere Baureihen zu je 35,99 Euro. Für die A106-Reihe nicht.
Für eine Kamera am Haus ist das egal. Für eine Kamera an einer Kirrung, an der jeder vorbeikommt, ist es das Ausschlusskriterium. Wer die teuerste Kamera des Sortiments kauft, bekommt eine Gurtschlaufe.
Kein Handbuch zum Herunterladen
Es gibt für die A106W kein veröffentlichtes Benutzerhandbuch. BlazeVideo pflegt eine Handbuchseite mit fünfzehn PDFs, das WLAN-4K-Modell fehlt dort, im deutschen Shop liefert die Handbuchseite einen 404. Ein gedrucktes Heft liegt bei, aber wer eine Einstellung nachschlagen will, steht ohne da.
Widersprüchliche Datenblätter
Auslösezeit 0,1 oder 0,2 Sekunden, Videolänge 1, 3 oder 10 Minuten, Kartengröße 128 oder 256 GB auf derselben Seite, Videoformat H.264 oder H.265, 36 oder 45 IR-LEDs. Für dich als Käufer heißt das: Verlass dich bei diesem Gerät auf nichts, was nicht jemand gemessen hat.
128 GB bei 4K
Konstruktiv inkonsequent, und es trifft genau die Funktion, mit der die Kamera beworben wird.
Kein deutscher Ansprechpartner
Im Impressum von blazevideos.de steht BLAZEVIDEO CO., LIMITED mit Sitz in Hongkong. Die zweijährige gesetzliche Gewährleistung gegenüber dem Verkäufer bleibt davon unberührt. Der praktische Unterschied liegt in der Abwicklung: Reparatur, Ersatzteile und ein Ansprechpartner am Telefon existieren bei Dörr und Braun, hier nicht.
Aus der eigenen Praxis
Zwei Punkte, beide klein, beide am Aufhängetag spürbar: microSD statt SD, und nur AA-Batterien statt Akku. Beides ist kein Mangel am Gerät, aber beides steht nicht groß auf dem Karton. Was mir an der Kamera selbst im Betrieb nicht aufgefallen ist: Fehlfunktionen, Uhrzeitverlust, Verbindungsprobleme. Alles hat sauber funktioniert.
Preis und Wettbewerb
85,99 Euro bei blazevideos.de am 26.08.2026, ausgewiesener Streichpreis 119,90 Euro. Praktisch jeder Artikel im BlazeVideo-Sortiment ist dauerhaft reduziert dargestellt, als Referenz taugt der Streichpreis nicht. Auf der Angebotsseite stehen 85,99 Euro und 167,99 Euro nebeneinander, das sind nicht zwei Modelle: 167,99 Euro ist der Doppelpack derselben Kamera.
Was du für dasselbe Geld sonst bekommst, alles Herstellerangaben, Stand 26.08.2026:
| BlazeVideo A106W | BlazeVideo A323 | BlazeVideo A280W | Dörr Mini 5.0 Pro | Braun Black1300 | |
|---|---|---|---|---|---|
| Preis | 85,99 EUR | 75,99 EUR | 79,99 EUR | 89,90 EUR | 99,99 EUR |
| Video | 4K 30 fps | 1080p | 1296p 20 fps | 1080p | 4K nur 10 fps |
| Foto beworben | 64 MP | 24 MP | 32 MP | 5 MP | 48 MP |
| Sensor real | nicht genannt | Sony Starvis | nicht genannt | 3 MP | 13 MP |
| IR | 940 nm, 30 m | 850 nm, 30 m | 940 nm, 27 m | 940 nm, 20 m | 850 nm, 20 m |
| PIR | 120 Grad, 30 m | 120 Grad, 27 m | 120 Grad, 27 m | 60 Grad, 20 m | 120 Grad |
| WLAN | ja | nein | ja | nein | nein |
| Karte max. | 128 GB | 512 GB | 512 GB | 128 GB | 128 GB |
| Schutzgehäuse | nein | ja, 35,99 EUR | ja, 35,99 EUR | ja, 29,90 EUR | nicht gelistet |
| Deutscher Service | nein | nein | nein | ja, Neu-Ulm | ja |
Die A106W ist die einzige Kamera in diesem Band, die echtes 4K mit 30 Bildern je Sekunde und 940 Nanometer No-Glow kombiniert. Die Braun hat nominell auch 4K, aber nur mit 10 Bildern je Sekunde. Das ist das belastbare Alleinstellungsmerkmal, nicht das No-Glow. Verlieren tut sie beim Drumherum: Diebstahlsicherung, Kartengröße, Handbuch, Sensortransparenz, Ansprechpartner.
Es gibt in diesem Preisband auch echte Funkkameras. Die GardePro X20 4G LTE liegt je nach Quelle zwischen 66 und 100 Euro, laufende Kosten ab 4,99 Euro im Monat. waldfoto.de hat gemessen, dass sie nicht auslöst, solange sie eine Aufnahme hochlädt. Funk unter 100 Euro gibt es also, er kostet nur an anderer Stelle. Aktuelle Preise vergleichst du am besten selbst, für Jagdzubehör lohnt der Blick auf Gunfinder.
Mein Fazit
Ich sage es so, wie ich es nach knapp zwei Monaten empfinde: Von Bildqualität, Auslösezuverlässigkeit und Video bin ich für den Preis begeistert. Das ist nicht die hochwertigste Wildkamera, die ich in der Hand hatte, aber sie tut, was sie soll, und sie hat es sieben Wochen am Feldrand ohne einen einzigen Aussetzer getan. Einrichtung und App liefen sauber, die Batterien sind nach knapp zwei Monaten Fotobetrieb praktisch unberührt, und laufende Kosten gibt es keine.
Die Nachtleistung, der Punkt, an dem die Fremdstimmen am lautesten waren, fällt bei mir im Nahbereich besser aus als erwartet. Was sie auf 20 oder 30 Meter kann, habe ich nicht gemessen, und das bleibt die größte Lücke dieses Berichts. Die Schwächen, die bestehen bleiben, liegen nicht in der Aufnahme: keine Diebstahlsicherung, nur AA statt Akku, microSD statt SD, kein Handbuch zum Herunterladen, kein deutscher Ansprechpartner und Datenblätter, die sich widersprechen. Wie lange das Gehäuse Wind und Wetter aushält, muss ich abwarten. Die Kamera bleibt hängen, und im nächsten Jahr gibt es ein kurzes Update.
Wer einfach wissen will, was sich im Revier, am Haus oder auf dem Hof bewegt, regelmäßig an der Kamera vorbeikommt und keine laufenden Kosten will, bekommt hier für unter 90 Euro sehr viel Kamera. Wer sein Revier mehrere hundert Kilometer entfernt hat und die Bilder aufs Handy braucht, ohne hinzufahren, ist bei dieser Kamera falsch und braucht ein Modell mit SIM und laufendem Tarif.