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Ferngläser gehören seit jeher zur Standardausrüstung eines jeden Jägers. In den letzten Jahren rückten sie aber doch immer weiter in den Hintergrund. Wärmebildhandgeräte machten das spotten von Wild deutlich einfacher und ein (ruhiges) Ansprechen ist auch durch moderne Zieloptiken meist problemlos möglich. So ging ich persönlich, und viele die ich kenne, nur noch mit der Wärmebildkamera und der Waffe zur Jagd, da das Fernglas keinen nennenswerten Vorteil mehr lieferte. Warum mich das Steady wieder in alte Verhaltensmuster zurückwarf und es das erste war, was ich für einen Jagdasuflug einpackte, erfährst du in diesem Bericht.
Die Firma Alpen Optics hat mir alle drei Modelle für einen monatelangen Test zur Verfügung gestellt und ich habe sie ausgiebig geführt - sei es in den heimischen Revieren oder in den Alpen.
Da sich dieser Bericht auf alle drei Steady-Modelle richtet, wird davon abgesehen, die technischen Daten zu jedem einzelnen Gerät aufzulisten, diese sind äußerst ausführlich der Website von Alpen Optics zu entnehmen.

Lieferumfang
Egal, welches der drei Modelle des Steadys man wählt, der Lieferumfang ist immer der gleiche und lässt meiner Meinung nach keine Wünsche offen. Er umfasst folgendes:
- Alpen Optics Steady 14x42, 16x30 oder 20x42
- 2 passende Batterien
- Riemen für das Ferngals selbst
- praktische Tragetasche ebenfalls inkl. Riemen
- Okularschutz
- Microfaser Putztuch in einer kleinen Tasche, die am Riemen befestigt werden kann
- Benutzerhandbuch
Mein persönliches Highlight war tatsächlich die Tragetasche, in der ich das Ferngals in den allermeisten Fällen transportierte. Es ist besonders angenehm, die Tasche vor sich auf der Brust zu haben und das Ferngals, wenn man es benutzt, frei in der Hand zu halten. Außerdem ist die Tasche hervorragend verarbeitet und verfügt über einen Magnetverschluss und einen komplett umlegbaren Deckel, der den schnellen Zugriff ermöglicht. Besonders sympathisch finde ich die Möglichkeit, schon aus dem Lieferumfang heraus wählen zu können, welche Tragemöglichkeit ich bevorzuge.


Erster Eindruck und Haptik
Die Verarbeitung ist, wie von Alpen Optics gewohnt, tadellos und die Bedienung, bessergesagt die Anordnung der Bedienelemente ist durchdacht. Der Einschalthebel des Bildstabilisators ist so platziert, dass er bei normaler Handlage mit dem Zeigefinger, ohne umzugreifen, bedient werden kann - gleichzeitig kann ich mit dem Ringfinger oder dem kleinen Finger das Fokussierrädchen manipulieren. Zugegeben, es ist im ersten Moment etwas gewöhnungbedürftig, dass besagtes Rädchen nicht eher auf Höher von Mittel- oder Zeigefinger angebracht ist, doch die Handhabung geht nach wenigem Benutzen in Fleisch und Blut über. Ebenfalls gefällt mir, dass das Batteriefach durch einen ausklappbaren Flügel sehr einfach und zuverlässig zu öffnen ist, dadurch aber ebenso sicher geschlossen bleibt, wenn es das soll.
Wenn wir über das Batteriefach reden, kommen wir zu einem Punkt, den ich als erwähnenswert betrachte, ob dieser negativ ist oder nicht, muss jeder für sich entscheiden: Es gibt bauartbeding einen deutlichen Größenunterschied zwischen dem 30er und den 42er Modellen. Dieser bedingt, wie ich nach Rücksprache mit dem Hersteller erfahren habe, eine leicht unterschiedliche Positionierung des Batteriefachs. Bei den 42er Modellen halte ich das Batteriefach bei normaler Handhaltung mit und muss es mit dem Daumen umschließen, beim 30er ist es tiefer angesetzt und ich kann den Daumen darüber positionieren. Mir persönlich gefällt die Handlage des 30er besser, aber ich weiß nicht, ob es mir überhaupt negativ aufgefallen wäre, wenn ich nur eins der 42er gehabt hätte.

Einsatzbereiche der verschieden Modelle
Egal ob 14-, 16- oder 20-fach, die Vergößerungen der Steadymodelle sind definitiv im oberen Bereich der Vergrößerungen normaler jagdlicher Ferngläser angesiedelt. Dadurch und durch ihre unterschiedlichen Größen ergeben sich meines Erachtens nach unterschiedliche Einsatzzwecke.
14x42: Dieses Glas bietet die kleinste Vergrößerung bei einem 42er Objedktivdurchmesser und macht es daher für mich zum idealen Fernglas für einen Jäger, der sowohl im Feld als auch im Hochwald jagt. Die Vergrößerung ist so gewählt, dass sie für mich einen guten Kompromiss aus Sehfeld und Vergrößerung schafft. Dieses Glas würde ich also dem „Allround-Jäger“ empfehlen.
16x30: Für mich ist dies der optimale tägliche Begleiter. Bauartbedingt ist das 16x30 wie gesagt deutlich kleiner als seine beiden Geschwister und passt wirklich in jede Jackentasche oder ins Handschuhfach des Revierfahrzeugs. Es ist für mich ein Glas, wessen Einsatzzweck ich besonders beim Erkunden sehe. Ohne Zweifel schlägt es sich auch gut auf der Jagd, dort würde ich wegen der minimal besseren Dännerungsleistung jedoch ein 42er bevorzugen. Das 16x30 ist sicher auch das Modell welches ich unter anderem wegen seiner Handlichkeit jedem Nichtjäger, wie beispielsweise einem Ornitologen empfehlen würde.
20x42: Kommen wir zum Flaggschiff und meinem persönlichen Liebling der Steadyreihe! Dieses Glas bietet für mich den entscheidenden Mehrwert, der mich dazu bewegt hat, es immer wieder einzupacken. Eine 20-fache Vergrößerung geht in der Regel deutlich über die Vergrößerung des durchschnittlichen Zielfernrohrs hinaus und ermöglicht es in Verbindung mit dem Bildstabilisator, Wild wie beispielsweise Rehböcke oder Hirsche auf beeindruckende Distanzen sicher ansprechen zu können. Gerade auf Bockjagd im Feldrevier oder beim vorherigen Bestätigen von Böcken im April und Mai habe ich das Glas immer dabei gehabt und es hat mir und jedem, dem ich es in die Hand gedrückt habe das ein oder ander „Boah!“ entlockt. Wer ein normales Fernglas im Bereich um die 20fache Vergößerung hat weiß, dass das wirklich eine wackelige Angelegenheit sein kann. Wir kennen es alle vom Zielfernrohr - je größer die Vergrößerung umso stärker erscheint visuell das Wackeln, welches hier jedoch durch den Bildstabilisator komplett egalisiert wird. Dieses Glas empfehle ich jedem Feld- oder Gebirgsjäger der Wild auch auf größere Distanzen sauber ansprechen möchte.
Erfahrungen aus der Praxis
Der Bildstabilistaor ist ein absoluter Gamechanger. Für mich macht er den Unterschied zwischen „Ich nehme das Ferngals mit“ und „Ach, brauch ich eigentlich nicht.“, denn er erleichtert das Ansprechen und Beobachten von Wild einfach extrem. Ebenso ist die Dämmerungsleistung, gerade bei den 42er Gläsern, jagdlich absolut brauchbar und ich konnte mit den Ferngläsern genaso lange ansprechen, wie ich mit dem Zielfernrohr hätte schießen können (dies habe ich mehrfach getestet). Die einzige Ausstattung, die man bei den Gläsern der Steadyreihe vergebs sucht ist ein Entfernungsmesser. Ich persönlich vermisse diesen nicht so sehr, da ich ein sehr kleines separates Handgerät mit mir führe, doch ich weiß, dass er manchen Jägern extrem wichtig ist und möglicherweise sogar gegen den Kauf spricht. Das muss an dieser Stelle jeder für sich selbst entscheiden. Ich weiß nicht, ob Bildstabilistaor und Entfernungsmesser technisch vereinbar sind, aber in diesen Gläsern findet man sie leider nicht zusammen.
Die Abbildungsleistung ist meiner Meinung nach herausragend - kontrastreich und gestochen scharf bis zum Rand. Es ist z.B. mit dem 20x42 problemlos möglich, Böcke auf 300m+ anzusprechen. Das und die intuitive Bedienbarkeit machen die Gläser für mich zu einer absoluten Bereicherung der Jagdausrüstung. Aufnahmen aus dem Revier durch das Glas hindurch sowie ein Unboxing der Geräte sind im dazugehörigen Video auf meinem gleichnamigen Youtubekanal zu finden.