Vorsatzgeräte für die Schwarzwildjagd?
Von Huntingmen am 29. März 2018

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Durch einen Bekannten, der bei einem Hersteller für Nachtsichtgeräte beschäftigt ist, wurde ich zu einer Vorführung von Nachtsichtgeräten eingeladen. Ich nenne hier absichtlich keine Namen von Firmen bzw. Personen - es soll alles neutral bleiben.

Das Treffen fand auf einem 200m Schießstand statt. Ich saß mit weiteren 15 Leuten im Schulungsraum und wartete gespannt was nun kommt.

Ein Mann, in Uniform, stellte sich als Ausbilder bei der Armee vor und begann auch gleich mit seinem Vortrag, der mit Bildern eindrucksvoll untermalt wurde.

Hier nun die wichtigste Aussage zu Vorsatzgeräten, die bei der Jagd auf Zielfernrohre mittel eines Adapters montiert werden können, wie es seit geraumer Zeit aufgrund der ASP auf Antrag genehmigt wird.

Das Vorsatzgerät wurde vom Militär vor vielen Jahren entwickelt. Es wurde ursprünglich mittels einer Halterung auf einer Weaverschiene vor das ZF montiert. Beide Geräte, ZF und Vorsatzgerät berührten sich nicht. Der Grund dafür ist, dass Vorsatzgeräte relativ schwer sind (500g-800g). 

Der Uniformierte warf die Frage in den Raum, ob es sinnvoll ist, dieses Gewicht mittels eines Adapters, der ca. 3-4cm über ein ZF geschoben wird, zu befestigen...und ob dieser Adapter dieses Gewicht tragen kann?

Bei einem Vorsatzgerät zielt man auf ein Bild, das die Röhre liefert. Das Absehen zielt also auf ein Bild. Ist das Vorsatzgerät nicht 100%tig in der Flucht mit dem ZF trifft man nicht zuverlässig. (Ähnlich als würde man die Waffe bei der Schussabgabe verkannten)

Durch die minimale Befestigung am ZF - 3-4 cm - wird das Vorsatzgerät, spätestens bei der Schussabgabe, einer starken Belastung ausgesetzt. Und durch den Hochschlag der Waffe enorm belastet und evtl. leicht versetzt. Zudem wird das Gewicht des Vorsatzgerätes bei dem Hochschlag auf das ZF wirken bzw. übertragen.

Er hat anschließend ein ZF eines bekannten Herstellers durch die Reihe gehen lassen, das durch ein Vorsatzgerät nach ca. 30 Schussabgaben beschädigt wurde. Rein äußerlich war es unversehrt, aber wenn man durch sah, entdeckte man feine Glaspartikel auf der Linse. Das waren die Absplitterungen an der vorderen Linse, wo das Vorsatzgerät mittels Adapter befestigt war. Er meinte dazu, dass die Idee von findigen Herstellern ein Vorsatzgerät mittels Adapter an einer Optik zu befestigen sehr gut ist aber an einem ZF um damit zu schießen Pfusch sei... seine Frage dazu: Wenn das so gut funktionieren würde, warum legen sie beim Testschießen ihrer Waffe nicht immer einen 600g Sandsack vorne auf ihre Optik?  

Mit einem Nachtsichtgerät, das hinter einem ZF montiert ist, trifft man auch bei Nacht, wohin das Absehen zielt. Man sieht wie gewohnt durch das Zielfernrohr, eben nur mit der Verstärkung eines Nachtsichtgerätes.

Der Nachteil von Geräten, die hinter das ZF montiert werden ist, dass das ZF relativ viel Licht schluckt und man fast immer einen IR-Strahler dazu braucht.

Soweit die Theorie...

Anschließend ging es auf die 200m Bahn. Die Waffe war ein Repetierer mit sehr langer Weaverschiene in Kaliber .308.

Zuerst hat der Vortragende jeweils eine 5-er Gruppe mit Vorsatzgerät und dann mit dem Gerät hinter dem ZF auf 100m geschossen. Der Unterschied war deutlich. Bei dem Vorsatzgerät lagen die Treffer ca. 8-9cm auseinander.

Bei dem Nachsatzgerät war die Gruppe im Abstand von 1-2 cm.

Selber Versuch auf 200m ergab, dass bei dem Vorsatzgerät nur noch 3 Treffer der 5-er Grupe auf der Scheibe waren und bei dem Gerät hinter dem ZF alle 5 im Abstand von ca. 2-3 cm auf der Scheibe.

Jeder von uns der wollte, durfte anschließen selbst eine 3er Gruppe mit beiden Varianten schießen um selbst die Erfahrung machen zu können. Das Ergebnis war das selbe - eher etwas schlechter als vom Profi vorgemacht...

Natürlich frage ich mich jetzt, warum explizit nur Vorsatzgeräte auf Antrag genehmigt werden? Hat sich schon mal jemand in diesen Behörden ernsthaft mit diesem Thema auseinandergesetzt? Oder wird hier schnell etwas genehmigt, damit einfach etwas getan wurde und alle wieder beruhigt sind....

Waidmannsheil 

 

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Kommentare

Christian Pusch

Danke für das Teilen deiner Erfahrung. Ich hatte schon immer meine Zweifel, ob man ein Vorsatzgerät wiederholgenau und zuverlässig am ZF befestigen kann. Doch, dass dieses Vorsatzgerät/Adapter sogar das ZF beschädigen kann, hätte ich nie gedacht.

Saufaenger

Danke für den Beitrag! Mehrere befreundete Jäger haben eine solche Genehmigung und es schießen alle Waffen mit den Geräten fast Loch in Loch und den Zielfernrohren sieht man auch keine Beschädigungen an. Welche Geräte vertreibt denn die Firma die Ausrichter des Abends war?
Gruß Saufaenger

Carl M. Lidl

Ich finde diesen Erfahrungsbericht ebenfalls sehr interessant. Aber ich finde auch, dass Du das mit Quelle, Fotos etc. unterfüttern solltest.

Easthunting97

Sehr guter Beitrag! Hut ab für diesen Realtalk! Einfach super geschrieben.

Huntingmen

Besten Dank für eure freundlichen Kommentare!

Ich möchte keine Markennamen hier nennen damit der Bericht neutral bleibt. Wenn man Markennamen ins Spiel bringt, wird nur eine heiße, emotionale Diskussion ausgelöst.
Jedenfalls stellt die Firma sowohl Vorsatzgeräte als auch Nachsatzgeräte her. Was mir an der Vorführung persönlich gut gefallen hat war, dass man auch die eigenen Geräte kritisch betrachtet und die Vor-Nachteile speziell für unser Hobby aufgezeigt hat.
Ich glaube, dass die Botschaft lauten sollte, dass beide Geräte für die Jagd sehr gut geeignet sind aber in der Praxis ein erheblicher Unterschied besteht.

Willi Winzig

@Huntingmen: Kenne mich mit Nachsatzgeräten nicht so aus aber haste da nicht das gleiche Problem, dass die am ZF befestigt werden müssen oder reden wir hier von Lösungen bei denen man so ne Art Alienbrille (mit dem NSG) trägt und damit versucht irgendwie durchs ZF zu gucken? Danke für die Aufklärung!

XXX YYY

Du hast die Montagen der Zielfernrohre ausser Acht gelassen,Blaser zum Beispiel hat Probleme mit der Sattelmontage wenn ein Vorsatzgerät montiert wird.
Die Einheit Zielfernrohr und Vorsatzgerät sind einfach zu schwer für diese Montage und das weiß Blaser auch,lehnt Garantieansprüche defekter Montagen die dadurch verursacht werden ab.

Huntingmen

@ Willi & XXX

Aus dem Gedächtnisprotokoll heraus....
Die vordere ZF Montage fängt etwa 90% der Kräfte ab, die bei der Schussabgabe entstehen. Bei einem Kaliber .308 lasten etwa 3400 N (ca. 340 kg) durch den Rückschlag der Waffe auf die Montage und das ZF. Laut dem Vortragendem ist es z.B. an einer Schwenkmontage gut zu erkennen. Der vordere Hebel an der Montage ist sehr massiv, hinten rastet die Montage eigentlich nur ein. Wenn jetzt nochmals ca. 600g an Gewicht auf die vorderen 3 cm des ZF´s gepackt werden ist das eine gewaltige Hebelwirkung auf das ZF und die Montage.
Damit ist es eigentlich nicht verwunderlich wenn hier ein Schaden entsteht.
Wie XXX schon erläutert hat, ist Blaser bei defekten Montagen schon hellhörig geworden.

@ Willi
Das Nachtsichtgerät wurde hinter dem ZF mittels einer Montage auf das ZF montiert. Da hier nur ca 10% der Kräfte wirken, war es offensichtlich kein Problem. Selbst mit einer einfachen Montage aus Gummi blieb das Gerät am ZF ( Eine Gummihülse, die man für den korrekten Augenabstand zum ZF benutzt) Dabei ist es hinten egal, ob das Nachtsichtgerät gerade sitzt oder nicht...es dient ja nur als "Aufheller" für das was man durch das ZF sieht. Trifft man mit seinem Absehen ohne Nachtsichtgerät, dann natürlich auch mit Nachtsicht.... Beim Vorsatz zielt man auf ein Bild, dass das Vorsatzgerät erzeugt. Das Absehen zielt also auf ein Bild.

HuntingChris

Wenn der Herr in Uniform nicht seid 30 Jahren bereits Geräte verkaufen würde und zwar seine eigenen würde ich ja fast sagen der Herr ist neutral ist er aber leider nicht und du hast dir leider auch keine richtige eigene Meinung gebildet sondern eine aufschwätzen lassen sehr sehr schade bevor du etwas in frage stellst.... stell doch deinen eigenen Bericht mal in Frage

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