Pohlforce Alpha Two
Von WHC am 25. Januar 2018

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Waidmannsheil in die Runde!

Da dies auf Geartester das erste Review des WHC ist, sei kurz bemerkt: WHC steht für eine Gemeinschaft ursprünglich familiären Ursprungs von Jägern, die weitgehend gleiche Mentalità im Leben „draußen“ und natürlich im Waidwerken teilen, was sich auch in gleichen oder ähnlichen Ausrüstungskonzepten wiederspiegelt. Im Laufe der Zeit wurden bei der Anschaffung von Gear neben etablierten Jagdausrüstern auch solche Hersteller erwogen, die ein eher militärisch/taktisches Klientel bedienen. Zwar denken wir keineswegs, dass das, was militärisch genutzt wird, gleichbedeutend auch für die Jagd einen Mehrwert bietet, doch stellen manche Utensilien im Jagdalltag eine Bereicherung dar. Daneben kann zuweilen die Qualität/Kosten-Ratio besser sein, weshalb es sich auch aus diesem Aspekt heraus lohnt, mal unvoreingenommen „über den Tellerrand“ zu schauen. Da diese Dinge oft nicht direkt im Fokus der allgemeinen Jägerschaft stehen, möchten wir gerne einige hier nach und nach vorstellen.

Das erste Review behandelt das Alpha Two von Pohlforce. Das Messer ist mir nun schon länger ein treuer Begleiter im Revier.

Der Hammergriff. Auch mit Handschuhen ist der Folder gut zu handhaben.

Zunächst etwas über die Geschichte des Alpha Two:

Die Firma Pohlforce wurde von Dietmar Pohl mit dem Fokus gegründet, taktische EDC- („Every Day Carry“) Messer für Militär und Polizei zu schaffen. Dietmar Pohl entwickelt seine Messer in Gesprächen und Kooperation mit Personen aus dem militärischen und polizeilichen Umfeld. Dies garantiert, dass der Anwender ein Messer erhält, welches auf praktische Bedürfnisse ausgelegt ist und nicht nur einfach „tacticool“ aussieht. Eigentlich ist die Alpha Two Serie in der 2. Generation ausgelaufen. Erhältlich war es mit oder ohne Wellenschliff und zudem in verschiedene Farbvarianten. Mittlerweile wurde der Folder in der Produktpalette durch das Alpha Four ersetzt. Der Hauptunterschied zwischen den beiden Messern besteht in der Verriegelung. Das Alpha Four ist nun mit einer Liner-Lock-Verriegelung ausgestattet, was ich persönlich aber als Rückschritt empfinde. Doch aufgrund der großen Beliebtheit (nicht zu Unrecht) wurde das Alpha Two zum Firmenjubiläum noch einmal aufgelegt. Ein Grund mehr, dieses Review zu schreiben.

Der Kürze und Vollständigkeit halber zitiere ich die technischen Spezifikationen direkt von der Website von Pohlforce:

• Gesamtlänge: 260 mm

• Klingenlänge: 113 mm

• Klingenstärke: 5 mm

• Gewicht: 280 g

• Klingenstahl: 440 C

• Klingenoberfläche: PVD-beschichtet

• Griffmaterial: 4 mm starke Griffschalen aus glasfaserverstärktem Zytel®-Kunststoff

• Verriegelung: Lock-Back

• Klipp: Stahl

(Quelle: www.pohlforce.de/produkte/messer/alpha-two-x)

Der Reversegriff. Die Jimpings bieten dem Daumen genügend Halt und der Stahlklipp lässt sich beidseitig versetzen. 

Der Folder wurde in einer kleinen Sammlertasche geliefert. Mit dabei waren Pohlforce Patches, etwas Paracord (neudeutsch auch als Lanyard bezeichnet), ein abnehmbarer Daumenpin zur Einhandöffnung, eine Bedienungsanleitung und ein Zertifikat. Die Schärfe ab Werk konnte durchaus überzeugen. Dem ersten Eindruck zufolge hatte man ein sehr gut verarbeitetes, recht groß dimensioniertes, wuchtiges Klapp-Messer in der Hand.

Der hier verwendete 440C-Messerstahl galt lange als der Allrounder bei EDC- und Outdoor-Messern, da er im Spannungsfeld der Anforderungen - Schnitthaltigkeit, Nachschärfbarkeit und Robustheit - eben diese jeweils sehr zufriedenstellend miteinander vereint und dazu noch Rostträge ist. Als neuer Stern am Allrounder-Himmel etabliert sich aber nunmehr Niolox, auch bekannt als SB II.

In mittlerweile zwei Jahren ist das Alpha Two zu einem Begleiter geworden, den ich auf der Jagd nicht mehr missen möchte. Die Hauptaufgaben für das Pohlforce liegen hier im Aufbrechen von Wild; ggf. auch mal im Zerwirken und notfalls auch Kochen. Theoretisch können alle Arbeitsschritte ab der Nahrungsbeschaffung bis zum Verspeisen mit diesem Folder zufriedenstellend ausgeführt werden. Des Weiteren hat es mich aber bei keiner „Messertätigkeit“ im Revier enttäuscht. Sicherlich liegt das Hauptaugenmerk mit der 5 mm dicken Klinge und dem entsprechenden Gewicht eher auf gröbere Arbeiten, doch auch feinere Aufgaben wie Schnitzen oder Schälen sind passabel zu meistern. Das Alpha Two bietet formbedingt mehrere Griffoptionen und liegt stets der Aufgabe entsprechend in der Hand. Die Griffschalen aus glasfaserverstärktem Zytel sind mit einem scharf ausgeprägten Profil versehen, und durch die vorgeformte Fingerhaltung und die Jimpings bietet der Griff stets genügend Halt (auch mit Handschuhen) und droht bei Nässe nicht aus der Hand zu rutschen. Diese extreme Griffhaltigkeit schätzt man besonders beim Aufbrechen.

 
Der Fechtgriff. Prädestiniert für feine Arbeiten, da genügend Druck auf die Klinge ausgeübt werden kann.

Auch wenn die Recurve-Form der Klinge zunächst etwas stutzig macht, so konnte ich in der Praxis keine Nachteile zu Drop-Point o. ä. feststellen. Lediglich das Nachschärfen bedurfte etwas Gewöhnung. Ohnehin muss man beim Schärfen das Messer schon einmal öfter über den Stein ziehen, der Stahlhärte geschuldet. Mit etwas Übung lassen sich aber auch die Koteletten stutzen. Die Schnitthaltigkeit des 440C-Stahls finde ich sehr zufriedenstellend. Das Messer wurde in zwei Jahren erst drei Mal nachgeschärft - und das bei regelmäßigen Gebrauch! Dabei wurden sowohl Rippenbögen, als auch Schlösser mit dem Messer aufgebrochen – mit der 5 mm Klinge kein Problem. Die Back-Lock-Verriegelung arbeitete immer zuverlässig und ist mir, neben dem Framelock, ohnehin eine der liebsten. Sie rastet mit einem satten Klick ein, dabei sitzt die Klinge fest und ohne Spiel. Mit etwas Geschick lässt sich das notfalls auf dem Ansitz deutlich gedämpfter ausführen - ganz ohne Geräusch geht es aber nicht. Diverse Torture-Tests auf einer großen Videoplattform bringen diese Verriegelung zwar an ihre Grenzen, inwiefern das aber für die Praxis aussagsagekräftig ist, darf an dieser Stelle jeder selbst entscheiden. Es gibt eben Dinge, die man mit einem Messer einfach nicht macht. Sollte die Verriegelung doch einmal beim Schloss- oder Kisten-Aufbrechen nachgeben, so wird beim normalen Hammergriff die Klinge mit dem Zeigefinger gestoppt. Ein klares Sicherheitsplus! Diese Kerbe erlaubt auch mit etwas Geschick das Messer mit einer Hand zu entriegeln und die Klinge einzuklappen.

Sollte die Verriegelung versagen, sichert der Zeigefinger die Hand, außerdem hilft dies beim einhändigen Entriegeln. (Die Kerbe ist normal nicht angeschliffen, dies war mein Übereifer.)

Das Pohlforce gibt sich mit sehr wenig Pflege zufrieden. So reicht es in der Regel aus, das Messer nach dem Aufbrechen unter fließendes Wasser zu halten und anschließend an der Luft trocknen zu lassen. Sollte es doch gröber verschmutzt sein, lässt sich das Alpha Two durch Schlitzschrauben an beiden Enden schnell, auch im Feld, vollständig zerlegen. Der Stahl ist bis jetzt nicht angerostet. Lediglich die Schrauben sind etwas angelaufen, was aber zumindest mich nicht weiter stört. Die Klinge ist mit einer schwarzen PVD-Beschichtung versehen, welche quasi bei der Vollmondpirsch verräterische Lichtreflektionen verhindert ... Die Beschichtung hält auch nach zwei Jahren noch ohne nennenswerten Abrieb durch. Der mitgelieferte Stahlklipp lässt sich abnehmen und beidseitig versetzen. Ebenso kann der mitgelieferte Daumenpin abmontiert werden (Tribut an §42a), und ist zweiseitig bedienbar. Pohlforce bietet auch eine Kydex-Scheide im Shop an, falls man den Folder lieber als „feststehendes“ Messer führt. Praktisch sehe ich dafür jedoch keinen Grund.

Das Alpha Two ist für 179 Euro direkt bei Pohlforce zu erwerben. Da im WHC mehrfach in Besitz können wir nach nunmehr einigen „Mann-“Jahren Gebrauch eine klare Kaufempfehlung aussprechen. Als robuster Allrounder ist es ein echtes Arbeitspferd im Revier. Der Preis wirkt zwar etwas happig, aber dafür erhält der Käufer einen Folder, welcher wirklich durchdacht ist und einen lange begleiten wird. 

Mehr von WHC auf instagram.com/w_huntac.

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