„Low-Budget“-Wärmebildgeräte
Von valertgb am 5. Oktober 2017

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Hallo Geartester,
ich freue mich, dass ich euch heute meinen Geartest zum Thema „Low-Budget“-Wärmebildgeräte vorstellen darf.
Auch wenn der Markt für Wärmebildgeräte und Kameras stetig wächst und die Anzahl an angebotenen Geräten ständig steigt, gibt es doch wenige Geräte im unteren Preissegment.
Als Student fällt es mir daher schwer, ein Gerät für 2000€ und mehr anzuschaffen. Also musste ich mir ein passendes Wärmebildgerät suchen, welches für meinen schmalen Geldbeutel geeignet ist.
Dabei sind mir zwei Geräte aufgefallen. Das FLIR Scout TK (Testbericht) UVP. 666,40€ und der Leupold LTO Tracker (Testbericht) UVP. 999€.

Eckdaten laut Hersteller:

Daten Leupold LTO Tracker
FLIR Scout TK






# Preis
999€ 666,40€
Sensorauflösung 206x156 160x120
Wiederholfrequenz 30 Hz 9 Hz
Display Auflösung 240 x 204 Pixel 640 x 480 Pixel
Arbeitstemperatur -40 °C bis 300 °C -20 °C bis 40 °C
Energieversorgung CR123 Batterie Integrierter Li-Ion-Akku
Erfassungsreichweite 550 Meter 90 Meter
Lieferumfang CR123 Batterie Blendenverschluss, Tragegurt, USB-Kabel
Sonstiges 6x Digitalzoom, Zuschaltbares Fadenkreuz, 6 Farboptionen Foto- und Videoaufnahmen, Helligkeitsstufen regulierbar, 8 Farboptionen
Beide Geräte wurden von mir zwei Wochenlang mit ins Revier genommen und unter gleichen Bedingungen getestet. Leider gibt es weniger Aufnahmen von Leupold. Das ist der fehlenden Aufnahmefunktion geschuldet.


Das Leupold LTO Tracker

Das Leupold ist aufgrund der geringen Abmessung schnell in der Tasche verstaut und braucht entsprechen wenig Platz. Es ist tatsächlich ein Gerät im „Taschenlampenformat“. Die Haptik ist sehr hochwertig, da das Leupold komplett aus Aluminium gefertigt ist. Es liegt gut in der Hand und die Bedienelemente sind auch mit Handschuhen gut zu bedienen. Das Leupold ist benutzerfreundlich da es kein Menü gibt. Alles wird über die drei Tasten erledigt. Das Leupold ist nach dem Drücken der An/Aus Taste schnell betriebsbereit. Jedoch ist das Gerät ab und zu mal hängen geblieben. Das Bild des Leupold ist angenehm scharf und überhaupt nicht „matschig“ oder „verwaschen“. Die Umgebung ist gut zu erkennen. Bäume und Äste werden gut abgebildet. Das macht es möglich sich in der Umgebung zu orientieren und verhindert, dass man minutenlang auf einen Baum starrt, da dieser nicht als solcher zu erkennen ist. Sollte mal etwas nicht zu erkennen sein, wechselt man einfach in einen Farbmodus der etwas mehr Kontrast hergibt. Die Bildqualität des Leupold ist einfach eine wahre Freude. Hier liegt auch definitiv die Stärke des LTO Tracker.


Der LTO Tracker hat aber auch Schattenseiten. Diese wiegen meines Erachtens nach so schwer, dass der Tracker jagdpraktisch wenig nutzen hat. Das Display ist schlichtweg zu hell. Was am Tag sehr angenehm ist, wird in der Nacht zur Qual. Die einzige Farboption welche in der Nacht verwendbar ist, ist „red-hot“. Doch selbst diese Farbvariante blendet dermaßen, dass das Auge einige Zeit braucht um sich wieder an die Dunkelheit zu gewöhnen. Diese Zeit entscheidet oft über den Erfolg, vor allem für Waldjäger bei denen sowieso alles etwas schneller gehen muss. Ist in der Farbpalette etwa „white-hot“ ausgewählt, wird die komplette Kanzel erleuchtet und man fühlt sich wie beim Gruselgeschichten erzählen am Lagerfeuer. Der LTO- Tracker ist also durchaus als Taschenlampe verwendbar.
Sollte dem Leupold mal der Saft ausgehen ist es von Vorteil eine Ersatzbatterie griffbereit zu haben. Durch aufschrauben am Mittelring kann das Oberteil vom Unterteil getrennt werden und die Batterie kommt zum Vorschein.
In geschlossenem Zustand wird alles durch einen Dichtring abgedichtet. Somit ist der LTO-Tracker vor Spritzwasser und groben Partikeln geschützt.

Das FLIR Scout TK

Das Scout TK liegt ebenfalls gut in der Hand. Die Abmessungen sind nicht so kompakt wie die des LTO Tracker. Das Scout TK kann aber in einer Einschubtasche gut verstaut werden. Das verstauen in einer Jacken- bzw. Hosentasche ist jedoch für die Jagd obsolet. Durch den mitgelieferten Trageriemen kann das FLIR um den Hals getragen werden und baumelt, bei mir zumindest, neben dem Fernglas. Das FLIR besteht komplett aus Kunststoff mit einer „Soft-touch“ Oberfläche. Diese Oberfläche gibt einen guten Griff und vermeidet laute Geräusche falls man es mal wo dagegen baumeln lässt. Die großen Tasten lassen sich gut mit Handschuhen bedienen. Durch das Menü ist das FLIR etwas aufwändiger zu bedienen. Wenn es dunkel ist landet man ab und an in einem Menüpunkt oder einer Einstellung die man eigentlich nicht haben wollte. Das hochfahren des Scout TK bedarf etwas längerer Zeit als das des LTO Tracker. Die Abbildungsqualität des FLIR ist der des Leupolds unterlegen. Die Umgebung wird nicht genau dargestellt und ein Baum kann schon mal mit der Umgebung verschmelzen und nicht als solcher wahrgenommen werden. Durch dieses „verwaschene“ Bild stechen Wärmesignaturen aber glasklar heraus. Man muss aber doch oft die Farbpalette durchschalten um das beste Bild für die entsprechende Situation zu finden. Das Display des Scout TK kann gedimmt werden. Auf der niedrigsten Stufe ist der Blendeffekt sehr gering, was das Beobachten sehr angenehm gestaltet. Das Scout TK wird direkt auf das beobachtende Auge gedrückt. Die weiche Gummimuschel schirmt das Auge vor jeglichen äußeren Einflüssen ab. Nur ein Auge muss sich erneut an die Dunkelheit gewöhnen. Dabei halt ich es so, dass ich mit dem nicht- zielenden Auge durch das Scout TK schaue damit mein zielendes Auge weiterhin an die Dunkelheit gewohnt bleibt und sofort einsatzbereit ist.


Rehwild in Naturverjüngung


Der Lithium- Ionen- Akku ist fest im Scout TK verbaut und kann über ein USB- Kabel geladen werden. Der Hersteller gibt die Laufzeit mit 5 Stunden an, realistischer sind aber zwischen drei und vier Stunden. Daher ist es empfehlenswert, bei längeren Ansitzen, eine Powerbank dabei zu haben. Die Detektionsreichweite des Scout TK ist ebenfalls stärker beschränkt als die des LTO Trackers. Ich habe die Erfahrung gemacht das aber mehr als 90 Meter möglich sind.


Waschbär ca. 100m
Fuchs ca. 40m

Das FLIR Scout TK hat eine Sturzfestigkeit bis 2m Fallhöhe und ist IP-67 klassifiziert.

Fazit

Beide Wärmebildgeräte haben ihre Stärken und Schwächen. Ansprechen ist mit beiden Geräten nicht möglich. Nachsuchen auch nicht. Die schlechte Abbildungsqualität des Scout TK stört mich wenig, eine Wärmesignatur ist gut erkennbar und das Zählt für mich. Das Leupold blendet zu sehr und der Zoom des Leupolds macht nur bis 3x sinn. Das Laden des Scout TK mit einer Powerbank finde ich ein tolles Feature da ich sowieso immer eine zur Jagd mitnehme. Auf dem Ansitz habe ich das Scout TK um den Hals. Durch das geringe Gewicht von 170g fällt das überhaupt nicht auf. Die Möglichkeit sich das Leupold umzuhängen fehlt komplett. Daher stand es immer auf der Kante des Fensters oder auf dem Sitz. Beide Positionen sind bei Dunkelheit eher ungünstig. Nach der zweiwöchigen Testphase habe ich mich für das Scout TK entschieden. Das Preis- Leistungsverhältnis ist in meinen Augen einfach unschlagbar. Klar ist es kein 2000€ Gerät aber trotzdem ein nützlicher Helfer im Revier.
Der Leupold LTO Tracker wurde zurückgeschickt, da ich mir eigentlich ein nutzerorientierteres Gerät versprochen habe. Sollte Leupold aber noch ein Gerät herausbringen mit den Stärken des FLIR und der Abbildungsqualität des LTO Tracker, werde ich diesen Geartest nochmals überdenken.
Ich hoffe mein erster Geartest hat euch gefallen.
Beste Grüße und Weidmannsheil

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valertgb
Greenhorn

Kommentare

Eifeljäger

Warum sollen Nachsuchen mit den beiden Geräten nicht möglich sein?

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