Leicht, robust, präzise – Das Vortex Viper HS 2,5–10x44 Dead-Hold BDC im Praxistest

Wachtel345
13 Min. Lesezeit

Moin Geartester,

heute möchte ich über ein Zielfernrohr berichten, welches ich bereits seit 3 Jahren intensiv nutze. Ich hatte es gekauft, um mein Zeiss Diavari 2,5-10x50, Absehen 1 zu ersetzen. Ich wollte auch auf weitere Entfernungen (300 m) auf dem Schießstand üben und es eventuell für eine Bergjagd nutzen. Dafür war das Absehen 1 nicht optimal. Prämisse war, dass das ZF kompakt und leicht ist und über ein feines Absehen verfügt. Nach etwas Recherche bin ich auf das Vortex Viper HS 2,5-10x44 gestoßen. Mit gerade einmal um die 500 Gramm Gewicht und sehr kompakter Bauform ideal für meine Browning X-Bolt im Kaliber .308 Winchester. Montiert wurde das Glas mit Warne QD Ringen aus Stahl auf zweigeteilte Weaver-Basen, welche bei der X-Bolt im Lieferumfang enthalten sind. Für die Skeptiker, was Picatinny/Weaver-Montagen angeht, die Ringe sind wiederholgenau. Ich habe 5 Schussgruppen geschossen, bei denen ich nach jedem Schuss das Glas abgenommen habe und konnte keine wesentliche Treffpunktverlagerung feststellen.

Erster Eindruck

Das Viper HS 2,5–10x44 wirkt beim ersten Kontakt wie ein klassisches, konsequent jagdlich ausgelegtes Zielfernrohr. Kein überflüssiger taktischer Aufbau, keine auffälligen Türme, sondern ein schlankes, funktionales Design, das klar auf Praxistauglichkeit optimiert ist.

Auf einer führigen Repetierbüchse, wie der Browning X-Bolt, wirkt es sehr stimmig. Das geringe Gewicht von rund 500 g sorgt dafür, dass die Waffe gut ausbalanciert bleibt – besonders wichtig bei Pirsch oder Bergjagd. Die Verarbeitung der matten Oberfläche ist sauber und vermittelt direkt einen robusten Eindruck.

Haptik

In der Handhabung zeigt sich das Glas angenehm unaufgeregt und praxisorientiert.

Der Vergrößerungsring läuft, gleichmäßig gedämpft, gut griffig und ist auch mit Handschuhen sicher bedienbar. Die Bedienung ist einfach gehalten. Nichts wirkt verspielt oder unnötig kompliziert.

Der Augenabstand von etwa 10 cm ist in der Praxis sehr angenehm und sorgt für ein stressfreies Einblickverhalten. Gerade bei schnellen Schüssen oder ungewöhnlichen Positionen entsteht dadurch ein sehr gutmütiges Handling.

Die capped Türme sind solide ausgeführt und schützen die Verstelleinheiten zuverlässig. Alles wirkt auf Langlebigkeit ausgelegt.

Mechanik

Mechanisch präsentiert sich das Viper HS als zuverlässiges Jagdzielfernrohr mit sauberer, reproduzierbarer Verstellung. Die 1/4-MOA-Klicks sind klar spürbar, präzise rastend und zuverlässig wiederholbar. Insgesamt bin ich von den Verstelltürmen begeistert. Diese lassen sich werkzeuglos nullen, indem man sie einfach etwas anhebt und dann den Ring in die Null-Position bringt.

D

Optische Qualität

Die optische Leistung ist erstaunlich gut für ein Glas in dieser Preisklasse.

Das Bild ist klar, kontrastreich, farbneutral, mit guter Randschärfe.

Auch bei schwierigen Lichtverhältnissen liefert das Glas ein erstaunlich brauchbares Bild. Jedoch ist das Glas für die Nachtjagd durch das feine Absehen (ohne Vorsatzgerät) ungeeignet. Da es keinen Leuchtpunkt hat, ist auch die Jagd im letzten Büchsenlicht auf Rehwild etwas eingeschränkt. Hier muss man gut hinsehen, um das Absehen auf dem Wildkörper ausreichend gut zu erkennen.

Die Vergütung reduziert Reflexionen effektiv und sorgt für ein ruhiges, angenehmes Sehbild.

Absehen

Das verbaute Dead-Hold® BDC Absehen ist ein klassisches, jagdlich orientiertes Haltepunktabsehen.

Charakteristisch ist es durch ein feines, gut erkennbares Fadenkreuz, zusätzliche Haltemarken für Geschossabfall (BDC) und eine klare, unaufdringliche Struktur ohne Überladung.

Die BDC-Markierungen ermöglichen Haltepunkte auf mittlere bis größere Distanzen, sofern die Waffe entsprechend eingeschossen ist. In Kombination mit der App „Chairgun Elite“ kann man, wenn man die ballistischen Daten korrekt angibt, sich das Absehen mit den entsprechenden Haltepunkten anzeigen lassen. Das funktioniert bis 300 m sehr zuverlässig.

Insgesamt ist es ein sehr praxisorientiertes, funktionales Jagdabsehen ohne unnötige Komplexität.

Nutzung mit Wärmebildvorsatzgerät (Pulsar Krypton)

In Kombination mit einem Wärmebildvorsatzgerät wie dem Pulsar Krypton 2 FXG35 zeigt das Viper HS eine überraschend gute Alltagstauglichkeit.

Besonders positiv ist die stabile optische Achse, gutes Einblickverhalten, geringe Eyebox-Probleme und ein brauchbares Sehfeld im unteren Vergrößerungsbereich. Die 2,5-fache Grundvergrößerung ist nicht optimal. An der Kirrung wäre ein noch größeres Sehfeld im Sinne einer 2-fachen oder 1,5-fachen Grundvergrößerung besser. Allerdings erlaubt das feine Absehen, den Schuss sehr genau auf der Sau zu platzieren. Das Beste ist jedoch die kompakte Bauform. In Kombination mit dem Krypton und einem Rusan MAR Adapter entsteht ein sehr führiges Gesamtpaket. Die WBK lässt sich problemlos im Anschlag bedienen, ohne Verrenkungen. Mit dieser Kombination kann man fließend vom Ansitz in der Dämmerung zur Nachtjagd übergehen.

Anwendungsbereich

Eigentlich war das Viper HS 2,5–10x44 als leichtes Glas für die Bergjagd angedacht. Mittlerweile hat sich gezeigt, es ist ein echter Allrounder für die Jagdpraxis.

Besonders stark ist es in Situationen, in denen ein leichter, führiger Aufbau entscheidend ist. Für reine Drückjagden wäre ein niedrigerer Vergrößerungsbereich zwar im Vorteil, dennoch bleibt das Glas auch dort einsatzfähig. Im letzten Jahr hatte ich es auf mehreren Drückjagden dabei und hatte selbst auf Distanzen unter 10 m Waidmannsheil.

In Kombination mit einem Wärmebildvorsatzgerät erweitert sich der Einsatzbereich deutlich in Richtung Nachtjagd, wobei es für einen Vollmondansitz bei Schnee ohne Wärmebild bessere Gläser gibt.

Fazit

Das Vortex Viper HS 2,5–10x44 Dead-Hold BDC ist ein bewusst schlicht gehaltenes, aber sehr praxistaugliches Jagdzielfernrohr.

Seine Stärken liegen klar im geringen Gewicht, der robusten Mechanik und dem feinen Absehen. Das Absehen ist funktional, klar und jagdlich sinnvoll aufgebaut – ohne unnötige Komplexität, aber mit echtem Praxisnutzen.

In Verbindung mit einem Wärmebildvorsatzgerät wie dem Pulsar Krypton entsteht ein sehr flexibles System für moderne Jagdanwendungen.

Insgesamt ist es kein High-End-Spezialglas, sondern ein zuverlässiger, universell einsetzbarer „Arbeitspartner“ für die Jagdpraxis – und genau darin liegt seine Stärke, auch wenn mit dem neuen Vortex Viper HD 2-10x42 mittlerweile ein moderner Nachfolger mit verbesserter HD-Optik und zeitgemäßer Ausstattung erhältlich ist.

Technische Daten

Merkmal Daten
Vergrößerung 2,5–10x
Objektivdurchmesser 44 mm
Mittelrohrdurchmesser 30 mm
Absehen Dead-Hold® BDC (MOA)
Bildebene Second Focal Plane (SFP)
Klickverstellung 1/4 MOA
Höhenverstellung gesamt 86 MOA
Seitenverstellung gesamt 86 MOA
Verstellweg pro Umdrehung 12 MOA
Parallaxe fest auf 100 yd (91 m)
Sehfeld auf 100 yd 47 ft – 10,9 ft
Sehfeld auf 100 m ca. 15,6 m – 3,6 m
Austrittspupille 17,6 mm – 4,4 mm
Augenabstand 4,0" / 102 mm
Länge 12" / 305 mm
Gewicht ca. 499–522 g (je nach Quelle)
Türme capped / jagdliche Schutzkappen
Material einteiliges Flugzeugaluminium
Oberfläche hartanodisiert, matt
Stickstoff/Argonfüllung Argon
Wasserdicht ja
Beschlagfrei ja
Stoßfest ja
Vergütung XR™ Plus Fully Multi-Coated
Glas XD™ Low Dispersion
Außenschutz ArmorTek®
Beleuchtung nein
Sonnenblende 4" im Lieferumfang
Garantie lebenslange VIP Warranty

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