Langzeitbericht: Zeiss VICTORY V8 1.8–14x50
Von Huntavaria am 19. Februar 2018

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Servus geartester,

heute soll es mal keine klassischer Testbericht sein, sondern eher ein Langzeit-Erfahrungsbericht zu einem meiner Zielfernrohre. Das Glas ist keine Neuerscheinung und dürfte den meisten von Euch bereits bekannt sein: das Zeiss VICTORY V8 1.8–14x50. Zeiss ordnet es als den "ultimativen Generalisten" ein und ich kann nach gut dreijährigem Einsatz behaupten, es wird nicht zu viel versprochen. Die Entscheidung fiel seinerzeit auf dieses Glas zunächst einmal, weil es gerade neu auf den Markt gekommen war und in vielerlei Hinsicht schon - zumindest für mich - eine kleine Revolution war. Besonders die Möglichkeiten die Grenzen des Kalibers .308 Win. durch die ASV auszugleichen interessierten mich. Außerdem sollte eine "Eine für alles"-Büchse her und die Wahl erschien mir passend. Verheiratet sollte es mit einer Blaser R8 Professional Success werden, auf der ich es bis heute führe. Und auch wenn ich an der Waffe hier und da etwas verändert habe (Lauf gekürzt, Schalldämpfer, Schafttasche zur Wangenerhöhung, Kammergriff ausgetauscht etc...), das Glas ist immer geblieben.

1. Der erste Eindruck

Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, als ich das Glas zum ersten Mal in die Hand nehmen durfte. Das mit 36mm massive Mittelrohr schreit förmlich nach Distanz, da es entsprechende Verstellwege ermöglicht. Nicht unwichtig finde ich, dass auch die Proportionen des Glases wirklich stimmig sind und sich wunderbar mit der Waffe zu einem runden Gesamtbild fügen. Die Verarbeitung ist tadellos, wirkt massiv und wertig. Der Leuchtpunkt schließlich ist wunderbar umgesetzt, fein, sehr gut einstellbar. Das Verstellrad läuft weich und spielfrei, das schlägt das Gearhead-Herz natürlich höher.

2. Der Einsatz

Größtenteils kam das Glas bei mir in den heimischen Revieren bei der klassischen Ansitzjagd zum Einsatz. Walddistanzen bis 120m. Als jagdliche Standardsituation gabs es hier freilich keine großen Herausforderungen an die Optik. Sie war mir stets ein treuer Begleiter. Da ich bereits von Anfang an eigentlich immer mit Leuchtpunkt jage kam mir besonders entgegen, dass man den Punkt wirklich sehr fein gedimmt auf die Lichtverhältnisse auch am Tag abstimmen kann. Und auch in der Nacht gab es hier keinerlei Probleme. Als Allround-Glas mit einem Objektivdurchmesser von 50mm hatte ich ebenfalls beim nächtlichen Ansitz keine Probleme. Hier trennt sich ja oft die Spreu vom Weizen und man hat mit überstrahlenden Leuchtpunkten oder matschigem Bild zu kämpfen. Davon keine Spur. Und auch auf Drückjagden machte es immer eine gute Figur. Für mich vor allem von Interesse, da ich eine überschaubare Anzahl an Drückjagden besuche und dafür keine Extra-Optik anschaffen wollte. Auf 1.8 gedreht passt das wunderbar.

Eine weitere Besonderheit bei mir ist, dass ich aufgrund eines angeborenen Astigmatismus (Hornhautverkrümmung) an sich Brillenträger bin. Da ich aber keine wirklich starke Sehstärke in den Brillengläsern habe, bevorzuge ich bei der Jagd eigentlich die Brille weg zu lassen. Weniger Beschlag etc... Heißt aber, die Anforderungen an Optiken sind bei mir etwas höher. Eine gute Dioptrienverstellung ist das Eine, diese funktioniert tadellos. Was das Glas nicht ausgleichen kann ist der Zylinder, also die Korrektur meiner optischen Achse, weshalb ich auch die Brille trage. Dies macht sich insbesondere beim Leuchtpunkt bemerkbar. Kleine Drückjagdoptiken wie zB DocterSights etc. sind für mich deswegen sowieso keine Option, der Leuchtpunkt gleicht hier eher einem matschigen Klumpen in meinem Fall. Aber auch hier mit dem V8 keine großen Probleme. Ich bemerke zwar eine leichtes Ausfransen des LPs, aber auch eher unter konzentrierten "Laborbedingungen" zu Hause. Sobald ich ansitze und gar Wild vor habe, hab ich anderes zu tun, als nachzuschauen, ob der Leuchtpunkt minimal strahlt. Besonders die feine Verstellungen des Leuchtabsehens hilft hier wirklich sehr!

Was die Absehenschnellverstellung (ASV) angeht, die funktioniert ebenfalls tadellos. Die Berechnung des jeweils notwendigen Ringes mit passender Skalierung erfolgt über die Website in wenigen Minuten. Die Ladendaten für Fabriklaborierungen sind sehr umfangreich vorhanden und wurde in den letzten Jahren auch noch einmal überarbeitet. Alternativ kann man eigene Ladedaten eingeben. Alle von mir getesteten Laborierungen und die dazu empfohlenen Ringe passten hervorragend zusammen. Freilich sollte man das Ganze trocken testen, was ich mehrfach im MSZU in Ulm auf 300m Indoor erfolgreich und mit viel Spaß getan habe.

Ein Gedanke zur ASV aber dennoch. Man sollte sich bei allem Spaß an der Technik vielleicht etwas kritisch(er) überlegen, ob eine ASV wirklich Sinn macht bzw. benötigt wird. Viele jagdliche Situationen erfordern schnelles Handeln und hier und da wäre mir im Nachhinein eine einfach auf GEE eingeschossene Waffe etwas lieber gewesen. Da Wild tritt aus, man misst, man stellt ein, aus Unsicherheit misst man evtl. nochmal nach und vorbei isses mit der Chance. Allerdings ist das eine Entscheidung, die man einfach selbst treffen muss. Zeiss bietet einem hier alle Optionen, der Rest liegt bei einem selbst. Ich für meinen Teil führe das V8 zwar auf 100-Fleck eigeschossen, also passend zum ASV Ring, stelle es im "Regelbetrieb" aber meistens "4 Klicks hoch". Dann bin ich bei der GEE und muss im Zweifelsfall nicht an der ASV schrauben. Denn die Situationen, in der ich die ASV tatsächlich sinnvoll einsetzen kann sind bei mir doch seltener, als gedacht. Dennoch weiß ich, wenn es mal soweit ist kann ich mich drauf verlassen.

3. Stolpersteine

Wo Licht ist, ist auch Schatten. Wenngleich ich dazu sagen möchte, kein großer. Sofern das Glas seinen Dienst verrichtet hat wie es sollte, gab es keinerlei Probleme. Allerdings hatte ich in den drei Jahren zwei kleine Ausfälle. Hier hatte sich jeweils der Schalter des Leuchtpunktes verabschiedet. Dünne Folienschalter sind nunmal fragile Geschichten. Beim ersten Mal wurde das Glas kurzerhand an den Zeiss-Service eingeschickt und nach zwei Tagen war es repariert zurück. Ärgerlich freilich, zumal es bei einer Jagdeinladung in Brandenburg passierte, aber der top Service gleicht sowas schnell wieder aus. Beim zweiten Mal, ebenfalls auf einer Drückjagd in Mecklenburg, konnte ich den Leuchtpunkt mit einem kleinen Stück Plastikfolie unter den Schalter geklemmt vorübergehend wieder zum Leben erwecken, da er nicht mehr zurück federte. Nach Kontaktaufnahme mit Zeiss erfuhr ich dann, dass man das Problem zwischenzeitlich erkannt hatte und sich nun dazu entschlossen hatte, hier ein anderes Bauteil zu verwenden. Nach dem zweiten Ausfall tauschte Zeiss kurzerhand und herrlich unbürokratisch das ganze Glas gegen die überarbeitete Version. Was will man mehr? Man merkte den Unterschied zum alten Bauteil übrigens deutlich. Ein viel besserer Druckpunkt und -widerstand, als beim Schalter der erste Serie. Ich denke, damit ist das Kapitel Leuchtpunktschalter auch abgeschlossen. Bleibt insgesamt nur zu hoffen, dass der bisher hervorragende Service auch beibehalten werden kann, wenn bei Zeiss der zwischenzeitlich zu lesende Stellenabbau und Umzug abgeschlossen ist...

Worüber ich mich auch freuen würde sind mehr Optionen hinsichtlich der Objektivdeckel. Ich mag die üblichen Optik-BHs einfach nicht, weshalb ich alle Gläser mit Flipcovern ausstatte. Zeiss bietet für das V8 ein wertiges und massives FlipCover an, allerdings nur für das Objektiv, nicht auch für das Okular. Ich verschließe aber einfach gerne beide Seiten. Außerdem ist das Zeiss-Zubehör an der Stelle mit 120€ kein Schnapper. Klar, es ist aus Metall, fügt sich dank Gewinde gut ans Glas und wer so viel Geld für ein Glas ausgibt... Vielleicht wäre ich sogar schwach geworden, gäbe es wie gesagt etwas für "hinten". Ich bin nun bei den hier ebenfalls bereits vorgestellten Flip-Covern von Vortex hängen geblieben, die man schon für ein 6tel des Preises pro Stück finden kann und die um Welten besser sind, als das Butler-Creek-Gelöt... Erfüllen ihren Zweck für mich zu 100%, sind robust und klappen komplett flach um.

4. Fazit

Auch wenn sich mittlerweile die eine oder andere Waffe zu meinem Arbeitstier hinzugesellt hat und ich auch Gläser anderer Hersteller führe, auch aus deutlich geringeren Preisklassen, das V8 ist und bleibt für mich schon eine Bank. Ich hab jedenfalls noch keine jagdliche Situation vorgefunden, in der es mir nicht gute Dienste geleistet hat. Und wenns mal nicht geklappt hat, dann lags meistens an mir. Insofern liefert Zeiss hier absolut ab, was es verspricht: den ultimativen Generalisten. Da ich derzeit über eine Erweiterung meines Blaser-Setups um einen .300 WinMag-Wechsellauf nachdenke, schiele ich derzeit ein wenig Richtung Zeiss V6... Und es sollte jemals mal was sein, der Service ist wirklich hervorragend!

Waidmann's Heil

Ralf (Huntavaria)

(Instagram: @huntavaria, Youtube: huntavaria)

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Huntavaria
Enthusiast

Kommentare

Carlos Sparyhawk

Sauber ... ich hab das Ht als 50er und bin ebenso zufrieden... Kann man nur empfehlen..

Waidmann

Stimme dir in allen Punkten zu! Ein klasse Allrounder Glas! Bis Dato hatte ich mit dem LP noch keine Probleme ... Hoffentlich bleibt das auch so ;-)!

Timo Nachname

Bevor ich da ein V6 kaufen würde, wäre bei mir eine Wechselmontage von Dentler gekauft. Deutliche günstiger und man muss nicht auf Topperformance verzichten, wenn man sie im Schrank hat.

Huntavaria

Is ne Überlegung, aber in dem Fall wär ein anderer Einsatz der Grund für ein andere Glas. Für die angedachte Longrange-Waffe darf es ruhig ne größere Vergrößerung sein...

Timo Nachname

Gut.. Das war ja nicht erwähnt.;-)
Dann ist das eine Option.
Mein LR ist das V8 2.8-20x56.. Da darf der Bock auch mal etwas weiter stehen. :-D

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