Bavarian Tactical Systems AR-15 in 6.5 Grendel im Jagdeinsatz

precisionhunterschool
9 Min. Lesezeit

Moin GearTester,

hier mal wieder ein Waffenreview – diesmal zu einem preisgünstigen, aber keineswegs billigen AR-15, das sich bereits in zahlreichen Tests bewährt hat. In diesem Fall kommt die Waffe im in Deutschland noch eher seltenen Kaliber 6.5 Grendel, das jedoch jagdlich deutlich mehr kann, als viele vermuten. Die Besonderheit: Je nach Laborierung erreicht die 6.5 Grendel über 2.000 Joule auf 100 m und ist damit hochwildtauglich. Das macht sie besonders interessant für Jäger, die ein leichtes, führiges AR-System mit echter jagdlicher Leistungsfähigkeit suchen.

Jagdliche Praxis: Pirsch auf Rehwild

Ich habe die Waffe überwiegend auf der Pirschjagd auf Reh- und Raubwild eingesetzt. Hier konnte sie vor allem mit geringem Gewicht, kompakter Bauweise und guter Führigkeit überzeugen. Auch wenn ein 24"-Lauf das letzte Quäntchen Leistung herausholt – am Ende trägt und manövriert sich eine 16"-Waffe deutlich angenehmer, gerade im Revier.

Fairerweise muss man sagen: Die 6.5 Grendel kratzt – je nach Lauflänge und Laborierung – an der 2.000-Joule-Marke. Ich möchte hier keine Energiedebatte führen, denn aus der Praxis wissen wir: Entscheidend ist nicht nur die Energie, sondern wie sie umgesetzt wird – und vor allem wo sie auftrifft. Stichwort: Treffersitz.

Präzision schlägt Kalibergröße

Als Ausbilder bei der Precision Hunter School sehe ich in Präzisionskursen immer wieder ein klares Muster: Je größer das Kaliber, desto größer häufig auch der Streukreis. Während Teilnehmer/innen mit einer .22lr Loch in Loch schießen, wächst der Streukreis oft proportional zur Pulvermenge. Gleichzeitig nehmen Schießfehler wie Mucken oder mangelhafte Rückstoßaufnahme zu.

Hier können kleinere, gutmütige Patronen echte Vorteile bringen. Moderne Geschosse arbeiten äußerst effizient – vorausgesetzt, sie werden sauber platziert.

Die 6.5 Grendel zeigt sich in diesem Kontext als sehr sanfte, präzise Patrone. Der Rückstoß ist gering und leicht zu kontrollieren, das Durchblicken durchs Feuer nach dem Schuss – gerade auf der Jagd – sehr einfach. Der hier eingesetzte und vor kurzem auch hier auf Geartester vorgestellte WHMG MK40 Schalldämpfer tut sein Übriges und reduziert den ohnehin geringen Rückstoß nochmals spürbar.

Schnelle, sichere Treffer auf 100 bis 300 m sind absolut problemlos möglich. Interessant: Trotz deutlich geringerer Pulvermenge hat die Grendel – aus dem schnellen BTS-Lauf – nahezu die gleichen Korrekturwerte wie meine 6.5 Creedmoor aus einem sehr präzisen, aber langsameren Tikka-Lauf.

Mit Hornady ELD-Match 123 grain lag die Präzision konstant bei sub-MOA, also unter 3 cm auf 100 m – jagdlich wie auch für ein Budget-AR-15 absolut top. Die besten Gruppen lagen bei 20 mm. Die ELD-VT aus dem gleichen Haus flogen nicht ganz so präzise - ähnliches habe ich mit diesen Projektilen aber auch schon aus meiner Tikka in 6.5CM erlebt. Die SST von Hornady flogen ähnlich wie die ELDM - ca. 3 cm Streukreis. Getestet wurde hier immer mit Zweibein vorne und Schießsack hinten.

Verarbeitungsqualität

Die Verarbeitungsqualität liegt insgesamt auf einem soliden, zufriedenstellenden Niveau. Die Waffe lief während des gesamten Tests störungsfrei.

Gibt es Spiel zwischen Upper und Lower?
Ja – es ist eben keine Gucci-Gun. Dafür kostet sie aber auch nur etwa die Hälfte dessen, was andere Hersteller aufrufen. Diese bieten dann zwar engere Toleranzen und hochwertigere Anbauteile, präziser schießen sie jedoch auch nicht. Das gesparte Geld investiert man besser in Munition und Training. Können kann man bekanntlich nicht kaufen.

Systembedingte Eigenheiten

Das AR-15-System bringt bauartbedingt eine Besonderheit mit sich: Durch die Trennung von Upper und Lower kann – je nach Fertigungstoleranzen – Spiel im System entstehen. Im normalen Schießbetrieb, wenn der Rückstoß linear in die Schulter läuft, ist das unproblematisch. Anders sieht es aus, wenn die Waffe über eine ARCA-Schiene im Tripod eingespannt oder über ein Zweibein stark belastet wird. Durch die Spannung im System verläuft der Rückstoß nicht mehr ganz linear, was zu Treffpunktabweichungen führen kann – auf größere Distanzen entsprechend stärker.

Der einfache Fix:
System nicht belasten.

Kein Bipod-Loading, also die Waffe nicht aktiv nach vorne drücken. Stattdessen sauber in die Schulter ziehen. Beim Tripod lässt sich ein gewisser Druck nicht ganz vermeiden – hier hilft nur Ausprobieren und Verstehen des Offsets. In meinem Fall waren es reproduzierbare 3 cm Tiefschuss auf 100 m, die sich problemlos in die Ballistik einkalkulieren lassen.

Terminalperformance

Die 6.5 Grendel wurde in den letzten Monaten vor allem auf Rehwild auf Distanzen von 50 bis 200 m eingesetzt. Die Ergebnisse waren durchweg überzeugend:

  • Fluchten maximal ca. 10 m
  • sehr einfache Rückstoßkontrolle
  • hohe Sicherheit durch Präzision

Gerade auf Kalamitätsflächen ein echter Vorteil, wenn man genau sieht, wohin das Stück (wenn es zu einer Flucht kam) nach dem Schuss abgesprungen ist.

Anbauteile & Tuning

Die BTS kommt ready to shoot aus der Box.
Der eigentliche Reiz des AR-15-Systems liegt jedoch in seiner Modularität – Lego für Erwachsene.

Im Laufe des Reviews habe ich folgende Teile getauscht:

  • Griff: Magpul K2+
  • Schaft: MFT / Magpul
  • Charging Handle: aus meiner Schmeisser übernommen
  • Abzug: TriggerTech Diamond

Gerade der Abzug war ein Gamechanger. Der Mil-Spec-Abzug mit ca. 2 kg ist für präzises Schießen schlicht zu hart. Mit dem TriggerTech bei 650 g Abzugsgewicht stand der Präzision nichts mehr im Weg. Tiefer sollte man ihn allerdings nicht einstellen, sonst kommt es zu ungewollten Doppelschüssen wegen der nicht mehr greifenden Sperrklinke.

Fazit

Die BTS AR-15 ist für den Preis eine absolut empfehlenswerte Waffe. Sie lässt sich günstig anpassen, ergonomisch optimieren und präzise schießen. Das Kaliber 6.5 Grendel ist leistungsfähig, gutmütig und jagdlich absolut tauglich – auch auf weitere Entfernungen.

Wer ein AR-15 für die Jagd sucht und sich mit dem System anfreunden kann, sollte sich diese Kombination definitiv genauer ansehen.

Find' ich gut!

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