Flir Scout TK - Viel Leistung zum attraktiven Preis
Von Waidmann , 28. September 2016

Horrido Zusammen,

heute möchte ich Euch die Wärmebildkamera Flir Scout TK vorstellen. Ein Einsteigermodell im Taschenformat mit abgespeckter Leistung zum sehr attraktiven Preis.



Produktinformationen:

Die Flir Scout TK ist das hochpreisigste Modell unter den günstigen Modellen, welches man in der Produktgruppe von Flir findet. Mit diesem Modell findet auch der Übergang von Gadget zu wirklich gutem Wärmebildkamera-Jagd-Level statt. Denn für knapp 600 Euro kann sich die Flir Scout TK wirklich sehen lassen. Die anderen Modelle im Programm von Flir sind im Vergleich zu der Scout TK wesentlich teurer. Dieses Modell bietet jedoch sehr viel für diesen Preis.

  • Auflösung: 160 × 120 VOx-Mikrobolometer
  • Sichtfeld: 20 Grad x 16 Grad
  • Display: 640 x 480 Pixel / LCD-Qualität
  • Fotos und Videos aufzeichenbar
  • Abmessungen: 10,16 x 3,81 x 3,81 cm (L × B × H)
  • Gewicht: 170 Gramm
  • Akkulaufzeit: bis zu 5 Stunden
Zur besseren Darstellungen, wie bei vielen Wärmebildkameras üblich, lässt sich das Bild in BH/WH/InstAlert™/Rainbow, Iron, Lava, Arctic und Grades Fire darstellen. Wobei sich für Jagd eigentlich nur die White/Black Hot Farbpalette eignet, da die anderen Darstellungen oft blendend wirken.
Mit der benutzerfreundliche Vier-Tasten-Steuerung und der einfachen Bedienoberfläche ist die Menüsteuerung sehr simple. Für die Nacht lässt sich die Helligkeit ganz nach Wunsch anpassen. Videos und Fotos werden per Knopfdruck auf dem Gerät gespeichert und eine Übertragung der Dateien auf den PC ist per USB problemlos möglich. Weiterhin ist die Flir Scout TK sehr handlich gebaut und passt in jede Jackentasche. Ein großer Pluspunkt!




In der Praxis:


Ich verwende die Flir Scout TK seit gut einem halben Jahr und decke damit meinen Anwendungsbereich vollkommen ab. Vor dem Kauf einer Wärmebildkamera sollte aber der eigentliche Anwendungszweck definiert werden.

Für mich spielt die Flir in folgenden Anwendungsbereichen ihre Stärken voll aus:

  1. Pirsch in unübersichtlichem Gelände:
    Egal ob bei Mond, in der Dämmerung oder am Tage. Egal ob Feldflur oder Bestand. Durch das geringe Gewicht und das gute Handling kann man sich schnell einen Überblick verschaffen und vertritt kein Wild, welches in der näheren Umgebung steht. Die 1 x Vergrößerung sorgt dabei für einen ausreichend großen Bildausschnitt.
  2. Der Weg zur Kanzel:
    Besonders in der Morgendämmerung hilft die Flir Scout TK dabei, kein Wild in unmittelbarer Nähe meiner Kanzel zu vertreten. Ein riesen Vorteil, wie ich finde. Lieber lass ich etwas Zeit verstreichen, bis das Wild weiter gezogen ist oder suche mir einen Alternativweg zur Ansatzeinrichtung.
  3. Dämmerungsjagd:
    Ihr kennt diese berüchtigten 15 Minuten in der Dämmerung, wo aus jedem Wurzelteller eine Sau wird. Langes zusammenkneifen der Augen am Doppelglas sind vorbei. Ein kurzer Blick durch das Flir hilft beim Ansprechen und verrät jede Sau.
  4. Kirrungsjagd:
    Um schnell den Überblick einer anwechselnden Rotte zu gewinnen, hilft ein kurzer Blick durch die WK um die Lage zu sondieren.
  5. Suchen von verendetem Wild:
    Im Dunkeln ein großer Vorteil, wenn es noch zu Fluchten kam und man vermutet, dass das Stück in nähere Umgebung verwendet ist. Der Wildkörper bleibt je nach Außentemperatur 30min - 6 Stunden warm und somit auffindbar.
  6. Suchen und Finden:
    Abblasen von Flächen bis max. 300m nach Wild. (Bei diesem Modell)

Allerdings kommt das Flir Scout TK auch schnell an seine Grenzen und kann in gewissen Punkten mit den Profigeräten nicht mithalten:

  1. Ansprechen ob Sau oder Reh auf mehr als 200m ist nicht möglich. Sicherlich lässt sich anhand der Größe, Anzahl und Erfahrung eine Vermutung abgeben, doch 100% ansprechen ist auf diese Entfernung nicht mehr drin. Hier fehlt einfach die Auflösung des kleinen Flir's.
  2. Schweißspuren/Anschuss finden. Hat bei mir nie funktioniert. Entweder war ich zu spät am Anschuss und der Schweiß war schon abgekühlt oder hatte einfach Tomaten auf den Augen. Hier vertraue ich lieber auf den guten Schuss und ausreichend wirkende Munition.
  3. Das Flir Scout TK ist kein Gerät, um große Flächen nach Wild abzusuchen. Bei 300m ist definitiv Schluss. Egal ob Reh oder Sau.
  4. Auch mit der Flir Scout TK kann man nicht durch Streucher, Blätter oder Maishalme schauen. Das kann kein Gerät. Simples Beispiel dafür: Mit der Wärmebildkamera kann man nicht durch eine Glasscheibe schauen. Weder mit einem Profigerät noch mit einer billigen Variante. Bei der Gummipirsch also immer schön die Fenster runter ... ;-)

Tip:

Ich habe mir direkt angewöhnt, mit dem linken Auge durch das Flir zu schauen, da selbst die geringste Helligkeitsstufe für mein rechtes Schießauge zu hell ist. Das ist zu Beginn etwas unangenehm, man gewöhnt sich aber schnell daran. Außerdem habe ich mir einen kleinen Gurt gebastelt, um das Flir wie ein Fernglas um den Hals tragen zu können. Leider ist das nicht vorgesehen, daher meine Empfehlung an Flir: Nachbessern und Tragmöglichkeit anbringen.

Fazit:

Einzig und allein der Anwendungszweck entscheidet darüber, für welches Modell man sich entscheiden sollte. Da ich aktuell keine großen Flächen nach Sauen absuchen muss, und mir es bei der Revierfahrt relativ egal ist, ob auf 800m ein Stück Rehwild an der Feldkante steht, kann ich auf die übermäßige Reichweite der Geräte für mehr als 2000€ gerne verzichten.

Das Flir Scout TK ist der Golf unter den Wärmebildkamers und man bekommt für wenig Geld viel geboten. Ein echtes Allroundgerät und ein super Einstieg in die Welt der Wärmebildkameras.

Ich glaube, dass die Flir Scout TK der passende Kompromiss für den aktiven Jäger ist, der auf Entfernungen bis 300m die Übersicht behalten möchte. Ich würde mir das Gerät immer wieder kaufen.
Bei "Nichtgefallen" ist ein Wiederverkauf sicherlich problemlos auf den üblichen Kanälen möglich.

Zu kaufen gibt es das Flir TK für etwa 590€ hier:
https://www.amazon.de/gp/product/B01CMWKHDS/ref=as...
Alle weiteren Infos hier:
http://www.flir.de/scouttk/

Videos zur Flir seht ihr unten. (Die Videos haben wegen der geringen Auflösung teilweise eine miserable Qualität , bitte bedenken)
Eigene Fotos folgen die Tage. Habe die Flir in der Jagdhütte liegen und reiche die Bilder nach ;-) ...

Bis dahin,
Euer Waidmann

Optik

Kommentare

Patrick Braun
Sehr schöner Bericht! Ich musste teilweise schmunzeln, da ich mich in teilen selbst wieder erkannt habe. (Durchsehen mit dem linken Auge, um das "Schießauge" nicht zu blenden) - Kann schon einiges für dieses Geld und dafür dass es das Einsteigermodell ist. Beeindruckend finde ich vor allem die Farbpaletten. So viele hat meine Scout II nicht. Bin gespannt auf deine eigenen Bilder/Vodeos.
Ober Jäger
Top Bericht, habe ich schon lange drauf gewartet, hier mal was vom FLIR zu lesen. Kommt für mich auch in Frage. Mal Kassensturz machen und die Frau "vorbereiten"...
Waidmann
Bild1: Erlegtes Stück Damwild auf 5m Bild2: Erlegte Sau auf einer Kuppe auf 80m Bild3: Teilweise verdeckter Rothirsch im Bestand auf 150m Bild4: Erlegtes Stück Damwild auf 20m Ich muss allerdings sagen, dass die Bilder deutlich schlechter aussehen, als sie eigentlich sind.
Hellbert
Schöner Bericht! Soweit ich weiß, hat das Gerät nur eine Bildwiederholrate von 9 Hz. Stört dich das nicht? Was für mich noch ein klares Manko wäre ist die Tatsache, dass wohl der Akku fest verbaut ist. Wie " schlimm' das wirklich ist, kann wohl nur ein Langzeittest zeigen. Ich hoffe, du hälst uns auf dem laufenden.
Jagd-Team Nordschleswig
Super Bericht!! Vielen Dank
Hellbert
Man sollte die 50 Hertz Bildwiederholrate des Guide-Modells im Vergleich zu den 9 Hertz der Flir nicht vergessen. Das dürfte das Beobachten etwas angenehmer machen. Ich hätte aber offensichtliche Unterschiede zwischen einem Gerät für 600 und 2000 Euro erwartet...
Waidmann
@Hellbert Nein, eigentlich nicht. Zwar caliebrit es des Öfteren, finde ich aber nicht sonderlich störend. Auch aus dem fahrenden Auto heraus kein Problem. @INT806 Die grüne Lampe leuchtet dauerhaft. Finde ich aber nicht wirklich störend. Die Preisleistung stimmt aufjedenfall.
Waidmann
Hallo @Johannes, bitte entschuldige die verspätete antwort. Ich habe dine Frage übersehen. Ich stimme dir bei den Erfahrungen mit der Seek zu. Bis 100m sieht man sein Reh, danach ist Schluss. Mit der Flir Scout TK kann ich keinen Unterschied mehr zwischen Reh und Sau auf 200m erkennen. Auch die "Nasenspitze" wirst du auf 50 am Dickungsrand nicht sehen. Bei diesen Ansprüchen wirst du um ein Profigerät, wie z.b. das Pular nicht herum kommen. Gruß Waidmann
Patrick Braun
Du siehst halt mit einem Wärmebildgerät alles entsprechend früh. Sollte sich etwas aus dem Schatten nähern, siehst du das um einiges früher als anders. Zum Ansprechen taugt es halt nur bedingt. Man erkennt schon noch ob Sau, Reh, Hirsch, Hase, Fuchs etc., aber ob männlich/weiblich usw. geht meines Erachtens schon nicht mehr.
Johannes Kraut
Deerstalker bringt es auf den Punkt. Du siehst viel früher Wild anwechseln, besonders wenn man wie ich im Wald jagd. Das Gerät nimmt aber auch meiner Meinung nach etwas die "Jagdromantik", wenn man einfach mit der Wärmebild statt mit dem Glas ableuchtet. Das ist ja fast schon idiotensicher. Das Flir halte ich nach wie vor aber für ein schlechtes Gerät, weil ich im Mai auf einer warmen Wiese auf 120m einen breit stehenden Bock nicht gezeigt bekomme. Geld schießt Tore, auch bei der Technik.