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My „Latest & Greatest“ - die ultimative Leichtbauausführung der Blaser R8 in Carbon

Wenn es im Gebirge auf einen schnellen Zweit- oder auch Drittschuss ankommt, ist meine Blaser K95 manchmal überfordert. Darum reifte bei mir seit langem der Gedanke, mir eine R8 in Leichtbauweise zusammen zu stellen, die sowohl im Gebirge, auf Pirsch, Ansitz und im Ausland nutzbar ist. Wichtigste Kriterien waren Gewicht, Handlichkeit und Präzision. Nach vielen Recherchen bin ich bei der folgenden Kombination gelandet:

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1. Blaser R8 Wechsellauf, Standard (17 mm), .308 Win., gekürzt auf 48 cm, kanneliert, ohne Visierung,
M15x1Gewinde mit Abdeckkappe.
2. R8 Carbonschaft von Christensen SA inkl. Carbonmagazin, Ausführung Luxus für Semiweight-Laufprofil.
3. A-TEC Carbon03 Schalldämpfer ≤ .30, Overbarrel, M15x1
4. ZEISS Victory V8 1,8-14x50 mit ASV Longrange, LA 60 und Zeiss Innenschiene
5. Blaser Sattelmontage für Zeiss Innenschiene
6. RWS .308 Win. EVO 11,9 g

Der Schaft:
Die Firma Christensen S.A. (http://www.christenseneurope.com/) aus der Schweiz hat die Exklusivlizenz, eine R8 komplett in Carbon zu fertigen. Man erhält dort sowohl den Schaft in Carbon als auch Läufe in Carbonumhüllung. Ich habe dort allerdings nur den Schaft genommen, einen R8 Carbon Luxus. Eine Ausführung in Semiweight (für 19 mm Laufprofil), da man noch etwas mehr Gewicht spart und ich so meine zahlreichen Wechselläufe nutzen kann. Das Extreme: Der Schaft wiegt ohne die Gummischaftkappe nur 340 g (!!!) und mit 490 g. Man glaubt es nicht, wenn man ihn in der Hand hält! Wer jetzt denkt, die Waffe „kickt“, den kann ich beruhigen. Das Carbon ist so flexibel, das es einen großen Teil des Rückstoßes absorbiert. Es ist sehr stabil und von -80c°bis +80c° nutzbar bzw. formstabil. Nach Herstellerangaben im Vergleich zur Standard R8: 600 g leichter und 30% weniger Rückstoß. Der Listenpreis ist allerdings nicht ganz ohne: zwischen 2.700 – 3.200 € UVP, je nach Ausführung / Komplettierung. Wer wie in der Abbildung gezeigt die gesamte Waffe inkl. Carbonlauf erwerben will, liegt bei der Blaser R8 zwischen 4.600 – 5.100 € und als R93 Ausführung bei 3.600 – 4.100 € UVP.

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Das Kaliber:
Ich habe mich für die .308 Win. entschieden. Das Kaliber ist weit verbreitet, durch seinen militärischen Hintergrund sehr ausgereift, hat ein breites Geschossangebot, ist im Ausland überall verfügbar, schießt sich sehr angenehm und vor allem sehr präzise. Mein Favorit ist das RWS EVO (http://rws-munition.de/) mit 11,9 g. Es ist extrem präzise und bietet für mich den optimalen Kompromiss aus Schockwirkung und Wildbrettentwertung. Zudem habe ich auch auf weite Entfernungen ein sicheres Ansprechverhalten. Und es verzeiht einem auch mal „kleinere Hindernisse“ wie Gräser oder Blätter in der Flugbahn. Preis pro Packung mit 20 Schuss ca. 70 € UVP. Wenn ich Bleifrei schießen muss: RWS EVO Green 8,8 g. Schießt sich noch weicher, hat eine absolut sichere Stoppwirkung (!) und ist für mich eines der präzisesten Geschosse am Markt. Die Wildbrettentwertung ist allerdings höher und ab 300 m wird es eng mit dem Ansprechverhalten. Preis pro Packung mit 20 Schuss ca. 75 € UVP.

Der Lauf:
Das Kaliber .308 Win. hat einen weiteren großen Vorteil: Der Brennschluss liegt bei ca. 48 cm, d.h. Läufe können ohne große Verluste in Bezug auf Geschwindigkeit und Energie bis auf diese Länge gekürzt werden. Und zudem gilt: ein kurzer Lauf und grundsätzlich präziser ist als ein langer. Ich wählte hier den Blaser R8 Wechsellauf (http://www.blaser.de/) in Standardausführung (17 mm Durchmesser) und für minimales Gewicht und besseres Wärmeverhalten die nicht ganz preiswerte Kannelierung (spart nochmal ca. 120 g). Dazu das Laufgewinde M15x1 mit Abdeckkappe und das Ganze ohne Visierung – spart Gewicht und ermöglicht die Montage von Schalldämpfern mit Overbarrel Anschluss. Die Kosten liegen aufgrund der Kannelierung bei ca. 1.400 € UVP. Dazu kommt noch der Verschluss (Ausführung Standardkaliber ST) mit ca. 500 € UVP und die Blaser R8 Sattelmontage für ZEISS Innenschiene mit ca. 400 €.

Und nun das wichtigste: Um die maximale Präzision zu erreichen ist das richtige Einschießen des Laufes extrem wichtig! Der Lauf sollte dabei „jungfräulich“ sein. Es mag aufwendig klingen, aber Benchrest-Schützen machen es immer so – und das Ergebnis rechtfertigt den Aufwand. Ich hatte das Glück, von vorne herein einen wirklich präzisen Lauf zu erhalten. Die erste Schussgruppe sollte aus 1-3 Schüssen bestehen. Danach den Lauf chemisch reinigen: (1) flüssigen Laufreiniger (z. B. Robla Solo Force) mit Kunststoffbürste auftragen und 4-5 min. einwirken lassen; dann hochwertige Bronzebürste (z. B. von Raetz) durchziehen und mit Fils trockenziehen; (2) jetzt Fils mit zähem Laufreiniger (z. B. Robla Solo Mil) durchziehen und wieder 4-5 min. einwirken lassen; Bronzebürste durch und dann mit Fils solange trockenziehen bis dieser weiß rauskommt; (3) dann mit Ölfils (z. B. Brunox) konservieren. Ganz wichtig dabei: immer vom Patronenlager zur Laufmündung arbeiten. Nun eine 5er Gruppe schießen und kompletten Reinigungsvorgang wiederholen. Die Faustregel besagt, dass man nach 2 Packungen (40 Schuss) fertig ist! Nicht ganz günstig und sehr zeitaufwendig – aber im Ergebnis absolut überzeugend! Was passiert dabei: Durch diesen Prozess werden alle Unreinheiten aus der Lauffertigung entfernt und - speziell bei gehämmerten Läufen - die Zug-Feld-Übergange deutlich scharfkantiger und damit präziser. Wenn der Lauf dann immer noch nicht schießt, kann man ihn honen – das ist aber nicht ohne und kann ihn komplett zerstören (darum eher etwas für gute Büchsenmacher). Grob zusammenfasst wickelt man Glaswolle auf eine Bürste und steckte diese in den Lauf – mit Blei (gibt es bei E-Gun) ausgegossen gibt es einen „Kolben“ mit Zug-Feld-Abdruck. Diesen dann mit Schleifpasten durch den Lauf ziehen und diesen so polieren, von Grobkörnung 800 bis Feinkörnung 4.000.

Bei meinem Lauf war das nicht nötig: Aus der Benchrestauflage auf 100 m entsteht ein großes, leicht ausgefranstes Loch. Auf 300m lag die beste 5er Gruppe bei 2,7 cm. Und auf 400 m eine 7er Gruppe, geschossen von mir und einem ZEISS Mitarbeiter, bei knapp 4 cm (!).

Die Optik:
Ohne gute Optik geht gar nichts. Als ZEISS Fan ist für mich das neue Victory V8 ein Muss (http://www.zeiss.de/sports-optics/de_de/jagd/zielfernrohre/victory-zielfernrohre/victory-v8-zielfernrohre.html). Maximale Leistung bei extremer Kompaktheit. Dazu top Leistungswerte in Bezug auf Zoom-Bereich, Sehfeld, Präzision / Mechanik, feinster Leuchtpunkt der Welt, Transmission (92%) und für Weitschüsse maximaler Verstellweg. Ich nenne ein 1,8 – 14x50 mit LA 60 und ZEISS Innenschiene für leichte Selbstmontage mein eigen (Verstellweg 3,1 m, 343 mm lang und nur 700 g schwer):

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Dazu die neue ASV-Longrange mit einen auf meine Laborierung gerechneten Customized Ring für das (theoretische!) Fleck halten bis 600 m:

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Die ca. 2.700 € UVP sind gut investiert. Und wer lernen möchte, damit richtig umzugehen, der sollte die ZEISS Weitschuss-Seminare in Ulfborg (DK) bis 600m oder Stetten (D) bis 1,2 km besuchen (http://www.zeiss.de/sports-optics/de_de/jagd/erleben/academy.html). Werden sicherlich wieder Sommer 2015 angeboten.

Der Schalldämpfer:
Wer das Glück hat, sowohl die waffenrechtliche Besitzerlaubnis nach WaffG, wie auch die jagdliche Anwendungserlaubnis nach dem jeweiligen Landesjagdgesetz (LJG) zu haben, dem empfehle ich den Carbon03 Schalldämpfer des norwegischen Herstellers A-TEC (http://www.a-tec.no/).

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Er sieht nicht nur verdammt gut aus und hat die gleiche Carbon-Struktur wie der Schaft, er ist auch noch extrem leicht (ca. 350 g) und hat mit die beste Dämpfungsleistung (selbst gemessen mit knapp 30 dB (C)). Und ich habe mit zwei Kollegen alle in D erhältlichen Modelle ausgiebig getestet – in Summe 84 verschiedene Modelle in 5 Kalibergruppen. Dazu wird es demnächst übrigens einen eigenen Beileger in einem großen Fachmagazin in D geben – er klärt umfassend zum Thema Schalldämpferjagd in Deutschland auf. Und der Carbon03 war in der .30 Gruppe einer der Gewinner. Zu beziehen in D über die Helmut Hofmann GmbH (http://www.helmuthofmann.de/index.php/programm/neuheitenspecials-programm/9-unkategorisiert/350-schalldaempfer-special). Der Preis liegt bei etwa 650 € UVP. Meiner ist ein Overbarrel (baut am wenigsten auf) mit M15x1 Gewinde im Kaliber ≤ .30.

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In Summe für mich die perfekte Waffe. Meine wiegt wie abgebildet mit SD knapp 4 kg und hat eine Gesamtlänge von nur 110 cm (ohne SD 93 cm). Zum Vergleich: Ich habe noch eine Blaser R8 Success Prof. in .308 Win. mit Semiweight Kurzlauf und Kickstoppp (schieße hier auch eine 416 Rem. Mag. als WL) die mit dem Alu-Titan SD von A-TEC (Maxim Titan ≤ .30) fast exakt 2 kg mehr wiegt!

Und alles zum Gesamtpreis von 7.800 € Liste – im Handel kann man sicherlich gut verhandelt nochmal 1.200 € sparen. Eine Anschaffung fürs Leben eben ...

Testbericht folgen
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von Jan Hüffmeier

Sehr geiles Ausstattungspaket! Fehlt nur noch das HARRIS Zweibein und der Hecksporn um es zu komplettieren! ;-)

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von NiBo

Super! Danke Dir!

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von Schneehase

Und das mit dem Einschießen mit der Laufreinigungstechnick und ca 40 Schuss funktioniert ?

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von Stalker

Ja, sehr gut sogar. Allerdings kann man sich die Arbeit sparen, wenn der Lauf von Anfang an gut schießt. Gerade aber bei Bleifrei kann dieses Vorgehen die Präzision deutlich steigern, wenn es am Anfang nicht gleich stimmt, weil der Lauf regelrecht "geschmiert" wird.

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von CarlosSparyhawk

Super Teil :-)

Hab ne Frage. Warum kein SemiWeigt Lauf ? Kanneliert ? Wegen Gewicht? Bin auch am überlege in mein Success Lauf nen 52cm Kanneliert mit Gewinde für die Zukunft mir anzuschaffen

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von Stalker

Die Waffe ist komplett auf Gewicht maximiert. Der Semi Weight Lauf ist in meiner Lauflänge ca. 200 - 250 g schwerer als der Standardlauf. Ein Thema mit dem Rückstoß habe ich wegen des Schalldämpfers nicht. Aber Achtung: Ich habe die Geschwindigkeit gemessen und muss eine Aussage korrigieren: der kürzere Lauf kostest Dich etwa 30 m/s Geschwindigkeit in der .308 und somit etwa 250 Joule. Ist aber für einen sicheren Schützen kein Thema und ich jage damit Rotwiild, Rehwild und Gams im Gebirge auf sehr weite Entfernungen.

picture verfasst
von MichaRichie

Schöne Büchse und toll geschriebener Bericht.

Aber: Glattschießen wie von dir beschrieben bringt bei kaltgehämmerten Läufen (wie dem der R8) nichts. Die Prozedur lohnt sich nur bei handgeläppten Läufen, bei denen man so den Übergang zwischen Feldern und Zügen und die dort vorhandenen minimalen Riefen beseitigt.

Bevor jetzt jemand in gewohnter Online-Foren-Marnier über mich herzieht: Ich war erst kürzlich bei Keppeler in der Werkstatt und habe genau dieses Thema mit Hr. Peter besprochen. Ich gehe mal davon aus, dass er weiß, von was er redet. Unabhängig davon auch nochmal hier nachlesbar: menke-rifle.de/downloads/g...

Das Zeiss V8 habe ich mir dort auch angeschaut. Ich fand insgesamt die optische Leistung nicht so herausragend, gerade bei niedrigen Vergrößerungen hat das ZF wirklich starke Randverzerrung aufgewiesen (bei dem großen Zoombereich auch kein Wunder...). Bin ansonsten selbst auch von Zeiss überzeugt und führe ein Victory HT 2,5-10x50.

picture verfasst
von BushcraftBear

Hej,
mich wundert die geringe Dämpfleistung des Carbon 03. 30 dB sind nicht sonderlich hoch.
Der Hausken JD224 schafft es bei geringere Länge auf 31+ (laut Hersteller), 31,7 (laut Caliber test)
Der Hausken JD 224 XTRM schafft (laut ruag ammotec) nochmal 3-7 dB mehr. Immernoch bei geringerer Länge und nur 10g höherem Gewicht.

War das bei dir eine Einzelmessung ? Oder ist der Dämpfer einfach nicht auf die kleine .308 ausgelegt.
Auf der A-tec Site wurde die Dämpfleistung mir .300 WinMag ermittelt und schafft es da schon auf 25 dB.
Hätte mir da für die .308 Win mehr erhofft.

Würde mich freuen wenn du deine Erfahrungen teilen könntest, v.a. da du die anderen auch im Test hattest.
Bei mir steht momentan die Entscheidung an welcher es wird..
lg, Max (BCB)

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von Stalker

Zum Thema Dämpfungsleistung: Katalogangaben bezeichnen nie, wo gemessen wird (Mündung, Ohr, etc.) und nie welche Geräte und Meßfilter verwendet werden. Zudem werden die Lauflängen und Kaliber nicht angegeben. Daher sind die Werte nie 100% ig vergleichbar. Ich selbst habe hunderte von Dämpfern gemessen (siehe bspw. Visier Spezial 78 zu Schalldämpfern: vsmedien-shop.de/visier-sp...). Generell gilt, das die Dämpfungswerte der Hersteller einen Trend zeigen, vergleicht daher nie die Werte auf 1 dB genau. Aber generell gilt auch, das alles von Hausken & A-TEC eine sehr gute Qualität hat. Mit keinem von deren Modellen macht man etwas falsch, mit allen unterschreitet man die kritischen 137 dB (gemessen am linken Ohr), die als Grenze für Impulslärm unter dem Aspekt des Gesundheitsschutzes im Gesetz definiert sind. Auch ASE-Utra ist nicht schlecht, günstiger kompakter aber deutlich schwerer. Warum mein Carbon 03 "nur" knapp 30 dB bringt: Ich habe einen extrem kurzen Lauf (daher viel mehr Mündungsgasdruck im Schalldämpfer) und an der Mündung nach NATO-Standard gemessen - daher sind die Werte sehr gut. Es gilt allgemein als Faustregel: Je kürzer der Lauf und je größer das Pulverraumvolumen / Gasdruck, um so geringer die Dämpfungsleistung.

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von Stalker

Zum Thema Glattschiessen der Läufe / R8: Es geht auch hier. Eine Maßnahme die der Hersteller sogar selbst nutzt. Aber: man macht einen guten Lauf damit auch sehr schnell kaputt, also am besten lässt man es gleich vom Profi machen.

picture verfasst
von MichaRichie

Zum Thema Glattschießen: ich habe bei Blaser nachgefragt. Glattschießen ist bei kaltgehämmerten Läufen nicht notwendig, siehe E-Mail anbei.

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von Stalker

Richtig, nötig ist es nicht - die Läufe schießen ab Werk i.d.R. sehr gut. Es kann aber auch nicht schaden, vor allem nicht, wenn ein Lauf mal nicht ganz perfekt schießt.

picture verfasst
von Marquardt

Habe diesen Bericht als einen der ersten gelesen, als ich mich für das Thema Carbon und eine maximal auf Leichtigkeit abgestimmte Waffe interessiert habe. Jetzt, nach halbwegs gründlicher Recherche, weiss ich, wie stümperhaft hier berichtet wurde. Unter Schaft wird geschrieben:
"Das Extreme: Der Schaft wiegt ohne die Gummischaftkappe nur 340 g (!!!) und mit 490 g. Man glaubt es nicht, wenn man ihn in der Hand hält! "

Der erste Satz ist von der Herstellerseite übernommen und komplett falsch. Umso erstaunlicher, dass dies bei einem angeblichen Tester nicht auffällt, dieser sogar noch schreibt: "Man glaubt es nicht...!" Ja, in der Tat, glaubt es bitte nicht. Christensen unterschlägt bei dieser Aussage mal eben den kompletten Systemkasten (ohne die Abzugseinheit). Der Systemkasten wiegt 490g und die Abzugseinheit noch einmal 130g. Ich habe all das persönlich gewogen.

Der nackte Schaft, also noch ohne Verschluss und natürlich ohne Lauf, wiegt damit schon 1.110 Kilogramm. Das ist immer noch leicht, natürlich, aber es sind beileibe keine 340 g.

Der Verschluss der R8 wiegt 466 g und ein Standard-Lauf (17 mm) kanneliert in der Version 52cm ebenfalls 1100g. Alles in allem landet man bei 2,7 kg und liegt damit in der normalen Range der neueren Carbon-Waffen. Die Sako carbonlight wiegt 2,4 kg, die Sauer 404 Carbon 2,79.

Für das Zielfernrohr wird die Blaser-Sattelmontage benötigt, die weitere 200g in der heute im Handel erhältlichen Form auf die Waage bringt. Die älteren Versionen wiegen in der Ringform 148g.

Die weiteren Angaben scheinen ebenfalls gesponsert, zum Beispiel von Zeiss. Denn wenn man die Waffe explizit auf Gewicht trimmt, ist das ausgewählte Zeiss V8 sicherlich nicht erste Wahl (Herstellerangabe 710g ohne Schiene, gewogen rund 20g mehr). Das March 2,5-25 x42 mit beleuchteten Absehen wiegt z.B. 150g weniger, was in diesem Fall viel ist (bei deutlich höherer Vergrößerung). Kann man auf Vergrößerung und Leuchtpunkt verzichten, wählt man das Swarovski 3-9x42, dass wiegt nur sagenhafte 340g.

Und jetzt das gravierendste von allem: Wer von sich behauptet und dies auch noch öffentlich macht, mit einer 308 Win mit einem 52cm-Lauf auf "sehr große Entfernungen" auf Rotwild zu schiessen, dem sollte eindeutig die Zuverlässigkeit aberkannt werden und damit der Jagdschein.

Jeder halbwegs versierte Schütze weiss, dass die 308 - bei aller Zustimmung zur Präzision - Ihre Stärken in der kleineren bis mittleren Schussentfernung hat, noch dazu mit einem sehr kurzen Lauf. Diese Patrone bringt auf "sehr große" Entfernungen einfach nicht genug Energie auf, um das jeweilige Geschoss zu seiner gewünschten Wirkung zu bringen. Die Folge: das Geschoss macht nicht auf und wirkt wie ein Vollmantelgeschoss.

Dazu gilt als Faustregel eine Restenergie von 2000 Joule, die im Ziel für eine gute Wildwirkung des jeweiligen Geschosses nötig ist. Wenn man sich die ballistischen Daten der 308 mit einem 52cm-Lauf anschaut, merkt man schnellt, dass hier Rotwild auf sehr große Entfernungen keinesfalls zu bejagen ist, auch nicht mit handgeladener Munition. Soviel Pulver passt in die Hülse gar nicht rein.

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