Remington 700 - Von der SPS Varmint zur Eigenkreation
Von Mojan Heinrich am 13. Juni 2015

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Moin moin Geartester!

Ich dachte mir nach all den interessanten Berichten, die ich hier gelesen habe, verfasse ich auch mal einen kleinen Beitrag über meine zur Zeit liebste Gebrauchs- und Allroundwaffe: Meine Remington 700 in .308 Winchester.

Als ich die Waffe 2009 als meinen ersten selbst gekauften Repetierer erwarb, handelte es sich noch um eine standardmäßige "SPS Varmint" ohne irgendwelche Modifikationen. Dass sich dies seither geändert hat, ist auf den Bildern unschwer zu erkennen. Dazu später mehr.
Die SPS Varmint ist eine günstige (je nach Bezugsquelle ca. 800-900€), robuste und äußerst einfache "Einsteigerwaffe". Sie gehört in der enormen Produktpalette, die Remington allein für das mittlerweile legendäre Modell 700 anbietet, klar zu den günstigeren Vertretern. Im Gegensatz zu den "Premiumvarianten" wie z.B. der 700 Police verzichtet man zugunsten des Preises auf einige Vorzüge der teuren Ausführungen.
Vor allem beim Schaft wurde deutlich gespart: Die SPS Varmint kommt mit einem sehr einfachen Hartplastikschaft, der zwar eine gute Festigkeit aufweist, jedoch auf präzisionsfördernde Merkmale wie eine solide Systembettung mit Alublock oder -pillars, sowie auf einen freischwingenden Lauf und verstellbaren Abzug etc. verzichtet. Da es schon zwei Testberichte über die m.E. ähnlichen Remington SPS und VTR hier auf Geartester gibt, möchte ich Euch hier nicht weiter mit Wiederholungen langweilen, sondern nun auf die Modifikationen eingehen, die meine Lieblingswaffe im Laufe der letzten Jahre nach und nach durchgemacht hat.

Hiermit sind wir auch gleich bei einem Punkt, der meiner Meinung nach einen wesentlichen Spaßfaktor an der 700er Reihe im Vergleich zu vielen anderen Gewehren ausmacht: Es gibt unendlich viele Möglichkeiten, sich durch das Anbauen oder Austauschen von Teilen seine ganz individuelle Waffe selbst zusammenzustellen und immer weiter zu optimieren! Durch die enorme Verbreitung des Modells 700 vor allem in den USA aber auch in den restlichen Teilen der Welt gibt es eine schier unendliche Bandbreite an Bauteilen, sowie etliche Büchsenmacher, die "Präzisions-Tunings" oder "Custommade" Pakete auf Basis des 700er Systems anbieten.
Auch hinsichtlich des Preises sind dem Fan dieser Waffe hier keine Grenzen gesetzt, wobei die Möglichkeiten von kleinen aber Effektiven Änderungen, wie z.B. einer Vergrößerung des Kammergriffs bis hin zu umfassenden Umbauten für mehrere tausend Euro reichen.
Zusammenfassend lässt sich also sagen: Wer eine Waffe möchte, die bereits "out of the box" mehr oder weniger perfekt abgestimmt ist und in den nächsten 50 Jahren genau so bleiben soll, der ist bei diversen deutschen/österreichischen/etc. Premiumherstellern sicher besser aufgehoben. Hat man allerdings Spaß daran, eine zunächst günstige Waffe immer weiter zu verfeinern und Stück für Stück seinen eigenen Bedürfnissen anzupassen, dann ist man bei Remington goldrichtig!

Bei mir fing das Ganze mit dem serienmäßig doch recht klein geratenen Kammergriff an: Gerade im Winter mit dicken Handschuhen war ein sicheres und schnelles Repetieren nicht ganz einfach. Auf dem Einzelansitz oft nicht von Belang, auf der Bewegungsjagd jedoch durchaus ärgerlich! Nach langer Recherche und einigem hin- und her Überlegen habe ich mich dann für einen Kunststoffgriff der Firma KRG entschieden. Das "Bolt Lift" genannte Teil ist ein einfacher Plastikgriff aus zwei Hälften, welche über die Kugel des Kammerstängels gelegt und mit einer Schraube festgezogen werden. Das Ergebnis ist eine etwas klobige, aber erstaunlich stabile Erweiterung des Kammergriffs, die das Repetieren deutlich schneller und durch den besseren Hebel auch leichter macht. Allein den Preis von über 40€ fand ich etwas dreist.
Wem das Ganze dennoch nicht solide genug ist, der sollte eine permanente Modifikation, zum Beispiel durch ein auf den Griff geschnittenes Gewinde zur Befestigung einer größeren Kugel in Betracht ziehen.

Als nächstes war der Schaft an der Reihe: Durch den billigen und leichten Plastikschaft in kombination mit dem schweren Matchlauf war die Waffe sehr kopflastig und mangels anständiger Systembettung war hinsichtlich der Schussleistung auch noch etwas Luft nach oben. Auch hier gibt es im Internet bei diversen Anbietern Schäfte verschiedenster Art und Qualität, die vom eher weichen Hogue-Schaft mit Pillarbettung über Schichtholz- und Lochschaft Varianten bis hin zu hochwertigsten schweren Schäften mit Alublockbettung wie etwa von McMillan oder HS-Precision reichen.
Letztendlich ist es in meinem Fall ein älteres Modell von McMillan mit komplett freiliegendem Lauf geworden, dessen Gewicht sich gerade noch in jagdlich vertretbaren Grenzen hält. Die Schäfte dieses amerikanischen Herstellers gehören hinsichtlich Qualität und Präzision sicher zu den besten, die es für die 700er Modelle gibt, was sich allerdings im Gewicht und leider auch im Kaufpreis niederschlägt.
Umso größer war die Freude, als ich meinen Schaft für knapp über 200€ bei eGun abstauben konnte. Trotz einiger Gebrauchsspuren gehen vergleichbare Teile bei eGun gern auch mal für mehr als das Doppelte bis Dreifache weg.

Zusätzlich zum neuen Schaft wurde auch eine neue Bodenplatte eingebaut, die ein entnehmbares Magazin enthält. Das Umrüsten erfolgte durch die Firma Kühn und kostete insgesamt 350€. Ein stolzer Preis, jedoch gefiel mir die Option, Stahlmagazine der Firma Accuracy International nutzen zu können, die robust, vielerorts zu beziehen und in 5- und 10-Schuss Ausführungen vorhanden sind. Nun hatte endlich das ständige Rein- und Rausrepetieren der Patronen ein Ende. Außerdem gab es bei dem Serienmäßigen Zickzackmagazin mit Klappdeckel gelegentlich Probleme mit der Munitionszufuhr: Waren die Patronen nicht hundertprozentig exakt im Magazin angeordnet, kam es gelegentlich vor, dass beim Repetieren eine Patrone leicht klemmte, nicht nach oben rutschte und der Verschluss so über die Patrone hinweggleiten konnte. Das Ergebnis war eine unfreiwillig unterladene Waffe und schlimmstenfalls eine verpasste zweite Chance. Diese Macke war mit dem Umbau auf ein Reihenmagazin behoben.

Kommen wir zur nächsten "Baustelle": Dem Abzug. Der serienmäßige "Xmark-Pro" an der Waffe war (für den Laien) nicht verstellbar und aufgrund der strengen US-Produkthaftungsbedingungen ab Werk so hart eingestellt, dass man, Zitat Büchsenmacher "ein Maultier dran aufhängen kann". Zunächst vom Büchsenmacher nachjustiert wurde er schlussendlich durch einen für meine jagdlichen Belange mehr als ausreichend fein einstellbaren Timney Abzug ersetzt. Dieser hat ein angenehm breites Züngel und bricht wirklich trocken und sauber.

Nachdem auch noch der Lauf von für eine .308 wirklich unnötigen 66cm um satte 12cm gekürzt wurde, war in Verbindung mit dem schweren Schaft eine ziemlich gut ausbalancierte wenn auch mit 5,1 kg (inklusive 56er ZF) recht schwere Waffe das Ergebnis.
Mag das hohe Gewicht auch bei der Pirsch manchmal ein wenig lästig sein, so spielt eine schwere Waffe doch in puncto Präzision und Schießkomfort ihre Vorteile voll aus: Die Waffe liegt fast wie von allein ruhig im Anschlag und schießt sich in Kombination mit der ohnehin zahmen .308 Winchester butterweich. Der breite und flache Vorderschaft mag optisch nicht jedermanns Sache sein, stabilisiert die Waffe jedoch beim aufgelegten Schießen hervorragend. Der ballige und steile Pistolengriff ermöglicht eine entspannte Handhaltung fast wie bei einem Lochschaft.
Als robuste Gebrauchswaffe für alle Gelegenheiten mit super Präzisionspotenzial (Einschüsse liegen je nach Munition und Tagesform des Schützen meist Loch an Loch) möchte ich meine Remington nicht mehr missen, auch wenn sie ästhetisch sicher nicht mit einer eleganten Kipplaufbüchse mit Wurzelschaftholz mithalten kann.

Ich hoffe der Bericht hat Euch gefallen, vielleicht schieße ich demnächst nochmal ein paar etwas schönere Bilder von dem Arbeitstier in seinem Element: Dem Revier.

Horrido & Waidmannsheil!

Eubicht







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Kommentare

Ober Jäger

Hammer, was bei der 700er alles möglich ist! Schöner Beitrag Eubicht und willkommen im Club...

Waidmann

Mit der 700 liebäugel ich auch noch.

Mir ist mal zu Ohren gekommen, dass die Remington sehr anfällig für Flugrost sei? Ist da was dran?

Gruß Waidmann

Mojan Heinrich

Ja das ist in der Tat so. Allerdings ist es meist mit einmal drüberwischen mit nem putztuch und etwas Öl zu bereinigen. Bleibende Schäden habe ich dadurch bisher nicht festgestellt, obwohl die Waffe schon ein bisschen was mitmachen musste.

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