Indoor-Schießanlage „Aimcenter“ in Irschenberg
Von Carl M. Lidl am 18. Juli 2018

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Am 13.07.2018 hatte ich das Glück von den Firmen Sedlmair (Generalimporteur für Strasser Deutschland) und Strasser zum Shootingday im Aimcenter Irschenberg eingeladen zu werden. Dort durfte ich zusammen mit den anderen geladenen Gästen einen ganzen Tag lang mit der Jagdbüchse RS14 Evolution von Strasser das neue Schießkino und den Schießsimulator ausprobieren.

Das Aimcenter in Irschenberg (Nähe Rosenheim) ist eine Indoor-Schießanlage, auf der sowohl Jäger und Sportschützen als auch behördliche Einsatzkräfte ihre Schießfertigkeiten trainieren und verbessern können. Die Anlage liegt direkt an der A8 (Autobahn München-Salzburg) und wurde erst letztes Jahr eröffnet und verfügt über eine topmoderne technische Ausstattung.

Zum einen gibt es da ein Schießkino, in dem man das bewegte Schießen auf einer Leinwand übt (mit scharfer Munition). Der Standleiter kann ganz nach den Wünschen des Schützen unterschiedliche Szenarien in Form von sich wiederholenden, mehr oder weniger langen Videofilmen auf die helle Leinwand projizieren. Das kann ein Videoclip sein, in dem ein Stück Schwarzwild hochflüchtig über einen engen, verschneiten Waldweg wechselt. Das kann aber auch alles mögliche andere sein, z.B. Hyänen oder Elefanten in der afrikanischen Steppe oder sogar Situationen speziell für Sicherheitsbehörden (die durften wir aber natürlich nicht ausprobieren – ich vermute mal, weil da nicht auf Tiere geschossen wird). Beim Schuss hält das Video für eine Sekunde an und ein Laser markiert die Einschussstelle. Dann läuft das Video weiter.

Hier muß es sehr schnell gehen.
Eine verletzte Hyäne ist ziemlich gefährlich.
ohne Worte
Strasser RS14 Evolution, im Vordergrund das Modell "Tahr" mit Schichtholzschaft


Zum anderen gibt es einen modernen Schießsimulator, bei dem man ebenfalls auf eine große Videoleinwand schießt – allerdings mit einem Laserzielgerät (nicht mit scharfer Munition), das vorne an eine Langwaffe montiert wird (Büchse oder Flinte). 

Große und helle Leinwand

Auch hier kann der Standleiter völlig unterschiedliche Szenarien erstellen. Beispielsweise eine große Wiese, wo von einer Seite ein Stück Wild anwechselt. Oder einfach eine Zielscheibe, die mitten auf der Wiese steht. 

Schwarzwild trollt von rechts nach links 
Übungsschuss am Anfang auf 50m
Kalibrierschuss

Im Hintergrund wird jeweils ein entsprechendes Landschaftsfoto eingeblendet, in/auf das der Schießsimulator zusätzliche Computergrafiken einfügt. Das können statische Objekte wie zusätzliche Büsche, Bäume usw. sein. Und natürlich auch animierte Objekte wie unterschiedliche Wildarten, die es zu bejagen gilt. Die Variationsmöglichkeiten scheinen dabei nahezu unbegrenzt zu sein. Anzahl der Bäume, Seitenwind, Entfernung und Geschwindigkeit des Wildes, Richtung aus der das Wild anwechselt usw. lassen sich ganz nach Wunsch verändern. Sogar das Kaliber der verwendeten Waffe wird berücksichtigt (was natürlich Einfluss auf den Vorhaltepunkt hat). 

Vom Schwung auf's Ziel gut, aber nach dem Schuss wurde die Waffe fallen gelassen, anstatt schön weiter mitzuschwingen. Da gibt's noch Verbesserungspotenzial.


Nach dem erfolgten Schuss öffnet sich eine Art ‚Auswertungsfenster‘ auf der Leinwand, auf dem man den erfolgten Schuss genau analysieren kann: das eigene Schwungverhalten lässt sich in Form einer Kurve (Ziel ist es jedoch eine waagrechte Linie hinzubekommen) begutachten. Wie habe ich die Waffe auf das Ziel zubewegt? Schön gerade von hinten nach vorne? Oder doch eher ruckartig aufs Ziel und dann einfach schnell abgedrückt? Habe ich während meiner Schwingbewegung plötzlich an Fahrt verloren? Habe ich nach dem Schuss schön weitergeschwungen oder die Waffe einfach runtergenommen? Wo und wann habe ich geschossen/wie bin ich abgekommen? Wie weit habe ich vorgehalten? Wo ist der Schuss – unter Berücksichtigung von Seitenwind, Geschwindigkeit des Wildes, Schusswinkel zum Wild, verwendetem Kaliber usw. - letztlich eingeschlagen? 

Das Analysefenster nach dem Schuss. Gut, dass dieser Schuss nur auf dem Simulator abgegeben wurde...
...etwas zu hoch abgekommen, aber vom Vorhaltepunkt gut.

Hätte ich das Stück damit tödlich getroffen oder nur verletzt? 

Ich will hier wirklich keine Werbung machen, aber dieser Simulator ist echt gut. Mir hat das Training an diesem Gerät insb. dabei geholfen, meine Art das Ziel aufzunehmen und mein Schwingverhalten zu verbessern sowie ein besseres Gefühl für den richtigen Vorhaltepunkt (auf unterschiedliche Distanzen und bei unterschiedlichen Geschwindigkeiten des Ziels) zu entwickeln. Hat echt Spaß gemacht. Das unmittelbare Feedback/die Analyse nach jedem Schuss, das Zuschauen bei den anderen Probanden und der Austausch, der sich zwangsweise mit den anderen ergibt, waren hilfreich. Ich empfehle daher zu zweit oder zu dritt in den Simulator zu gehen und sich dann abzuwechseln. Wie gesagt: auch beim Zuschauen lernt man dazu.

Natürlich ist immer ein Mitarbeiter vom Aimcenter mit dabei, der nicht nur die Technik bedient und auf die Sicherheit achtet, sondern der auch Tipps gibt bzgl. der Fehler, die man ggf. noch macht: eigener Stand, Halten der Waffe usw.

Max Sedlmair mit einem Blogger, der zufälligerweise auch Strasser heisst.

Das äußere Ambiente im Hauptbereich dieser Schießanlage würde ich mit „jagdlich modern“ beschreiben. Alles ist lichtdurchflutet, freundlich und sehr sauber (und eben auch noch alles ganz neu). Gefällt mir recht gut.

Es gibt auch ein kleines Cafe/Bar (Espresso €1,50), weitere Sitzgelegenheiten und einen Konferenzraum.

Noch zur Abrundung ein paar Hintergrundinfos:

Eingeladen zum Shootingday in den Aimcenter hat der Generalimporteur für Strasser Jagd- und Sportwaffen Deutschland, die Firma Sedlmair, zusammen mit der Aimcenter Irschenberg GmbH. Geschossen wurde entsprechend mit Jagdbüchsen vom Typ Strasser RS14 Evolution. Zur RS14 Evo wird es Ende 2018/Anfang 2019 einen ausführlichen Erfahrungsbericht hier auf Geartester geben.

Strasser RS14 Evolution - im Hintergrund die Nachsucheversion

Vorab sei schon einmal verraten, dass es sich dabei um eine moderne und technisch ausgefeilte Jagdbüchse aus Österreich handelt: Geradezugrepetierer (aber interessanterweise mit einer Sicherung, kein Handspanner), eingefräste Picatinny-Schiene auf dem Systemkasten (und damit stabil genug, um auch schwere Nachtsicht-/Wärmebildvorsatzgeräte sicher vorne am Zielfernrohr zu befestigen – das kann bei anderen Jagdbüchsen durchaus zu Problemen/Beschädigungen an der Zielfernrohrmontage führen, weil die nicht für so ein massives Zusatzgewicht konzipiert sind), ausgefeiltes Sicherheits- & Verriegelungssystem, Mündungsgewinde ab Werk vorhanden, Magazin aus Metall, leichter Kaliberwechsel (ganz ähnlich wie bei den anderen bekannten Jagdbüchsen aus Isny) usw.

Abgerundet wurde der „Shootingday“ von zwei interessanten Vorträgen zu den Themen Waffentechnik (insb. Funktionsweise der einzelnen Komponenten einer vertrauenswürdigen Sicherung, sichere Verriegelung des Systems usw.), Bewegtes Schießen (eigener Stand, richtiges Halten der Waffe, Mitschwingen usw.) und Schalldämpfer (rechtliche Aspekte, Funktionsweise, Vorteile vs. technisch-physikalische Limitierungen, Pflege usw.).

Der Chef Ing. Mathias Strasser war auch mit dabei.
Strasser RS14 und Hausken Schalldämpfer

Außerdem wurde im Schießkino an der von einem der ca. 45 Teilnehmer mitgebrachten Büchse mit superkurzem Lauf die neue RWS Short Rifle Munition vorgeführt/ausprobiert (und die V0 an der Mündung gemessen), die RWS speziell für Jagdbüchsen mit besonders kurzen Läufen entwickelt hat (u.a. schneller abbrennendes Pulver, dadurch Erhöhung der maximalen Schussdistanz, auf die man waidgerecht schießen kann). Solche Büchsen mit extrem kurzen Läufen sind ja gerade sehr angesagt, nicht zuletzt wegen der zunehmenden Verwendung von (langen) Schalldämpfern.

Mir hat insb. das Training am Schießsimulator Spaß gemacht. Ich glaube, ich darf da für alle Teilnehmer sprechen, wenn ich sage: mit wenigen Ausnahmen haben sich beim Schießen auf bewegte Ziele nur die wenigsten von uns mit Ruhm bekleckert (um es mal milde auszudrücken). Ein Glück, dass wir nur auf dem Simulator und nicht mit scharfer Munition im Wald geschossen haben. Wir haben unzählige digitale Wildsauen um ihre Familienplanung gebracht, vorne und hinten um Gebrech und Bürzel verkürzt und hätten unzählige Nachsuchen verursacht. Garnicht zu sprechen von den zahllosen Beinprothesen, die unsere elektronischen Sparringpartner jetzt benötigen. Und dabei waren alle Teilnehmer erfahrene Jäger/-innen. Aber mal Spaß beiseite: viele von uns sind v.a. Ansitzjäger/-innen mit wenig Erfahrung auf bewegten Jagden. Wir alle sollten mal wieder üben wie das ist, auf bewegte Ziele zu schießen. Auch ohne Zwang durch den Gesetzgeber. Ich finde, das sind wir unserem Wild einfach schuldig. 

 

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Kommentare

Lars Markgraf

Hallo Herr Lidl,

freut uns sehr, dass es Ihnen gefallen hat.

Danke nochmals für Ihren Besuch bei uns im Aimcenter und hoffentlich bis bald.....

Beste Grüße

Lars Markgraf

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