Delta Optical Titanium HD 2,5-15x50 SF
Von malsehen am 31. Januar 2020

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Moin moin,

nach diversen Irrungen,Wirrungen und Planänderungen stand mein Jagdarbeitstier, eine Remington 700 in 30-06 plötzlich ohne Zielfernrohr dar. Nun war guter Rat (und vermutlich auch das Zielfernrohr) teuer. Gesucht war ein klassischer Allrounder für Ansitz, Pirsch und Bewegungsjagd auch bei schlechtem Licht, eben passend zu einer 30-06. Das Budget war begrenzt, ein Z4i zwar Maßstab aber nicht zu einem vernünftigen Preis zu bekommen und so schaute ich mich im unter 1000 € Segment etwas um. Nachdem ich schon ein Delta Optical 5-20x50 und ein Minox ZE 5i 2-10x50 sowie ein Schmidt und Bender Zenith 2,5-10x56 mein Eigen nannte, suchte ich aufgrund der Erfahrungen in diesem Bereich und wurde bei dem Delta Optical Titanium HD 2,5-15x50 fündig.

1. Delta Optical

Ich will nicht groß wiederholen, was andere schon oft geschrieben haben. Delta Optical ist eine polnische Firma, die in Japan produzieren lässt (Zielfernrohre u.a. von DDOptics oder Vixen sind zumindest äußerlich verblüffend ähnlich). Die Zielfernrohre von Delta Optical sind jenseits der Oder weit verbreitet und auch hierzulande erfreuen sie sich wachsender Beliebtheit. Grob gesagt verfügen die Zielfernrohre über ein recht gutes Preisleistungsverhältnis und auch der Kundenservice ist nach eigener Erfahrung in Ordnung.

2. Das Zielfernrohr

Das Zielfernrohr in dem Vergrößerungsbereich gibt es sowohl als 50iger als auch 56iger Version, wobei Letzteres sogar noch etwas kürzer ist. Da ich aber meine alte Montage weiter nutzen wollte, wurde es das 50iger, ansonsten hätte ich das 56iger genommen.

3. Die Eigenschaften (auf dem Papier):

Nachfolgend habe ich zur einfachen Orientierung einmal die Eigenschaften des Glases aufgelistet. Ich habe dies nicht nachgemessen, aber auch keine Indizien gegen diese Behauptungen gefunden.

Vergrößerung: 2.5 – 15x

Objektiv, mm: 50

Absehen: 4 A

Leuchtabsehen: Ja

Sehfeld auf 100 m (Grad): 8.22 – 1.42

Sehfeld auf 100 m (m): 14.4 – 2.5

Austrittspupillendurchmesser, mm: 11.6 – 3.4

Augenabstand, inch: 3.90 – 3.86

Augenabstand, mm: 99 – 98

Wasserdichtigkeit: 0.3kg/cm2

Gewicht, g: 780

Länge, mm: 370

Verstellung pro Klick: 0.25MOA

Größte interne Einstellung: 50 MOA

Tubus: 1 Stück

Stoßfestigkeit: 1000G/6500J

Funktionstemperatur °C: +71°C | –20°C

Gasfüllung: Stickstoff

Punktgröße @ 100 m: 10x = 11.4mm

Garantie: 10 Jahre

4. Die eigenen Erfahrungen:

Ein Unboxing-Video/Foto habe ich nicht. Der Sinn dessen erschließt sich mir nicht, da ein Erfahrungsbericht ja von Erfahrungen lebt, die man ja erst einmal sammeln muss. Ebenso ist die Verpackung für den Jagdalltag irrelevant. Also in aller Kürze: Das Zielfernrohr kommt in einer stabilen Kartonverpackung mit einem Reinigungstuch, einer mehrsprachigen Bedienungsanleitung sowie einem Okular/Objektivschutz.

Die Verarbeitung des Zielfernrohrs wirkt insgesamt wertig. Alles ist sauber verarbeitet, es sind keine Verarbeitungsspuren oder Unregelmäßigkeiten zu erkennen. Das verwendete Material wirkt ebenfalls nicht billig. Die Linsen wirken klar und fehlerfrei.

Das Zielfernrohr ist allerdings recht lang für ein 50iger. Auch aus ästhetischer Sicht gibt es Schönere. Aber: Zumindest auf meiner Waffe stört es eigentlich nicht wirklich. Overbarrel-SD und Vorsatzgerät dürften trotzdem passen. Das Gewicht ist Durchschnitt; subjektiv kein Unterschied zum Leupold davor.

Die Vergrößerungsverstellung ist etwas schwergängig, aber sie funktioniert zuverlässig mit ca. einer halben Umdrehung.

An der rechten Seite sind sowohl die Einstellung für das Leuchtabsehen sowie die Parallaxeverstellung. Beides funktioniert, soweit ersichtlich, einwandfrei. Lediglich mit dicken Handschuhen könnte es manchmal etwas schwierig sein, beides (vor allem getrennt voneinander) zu bedienen. Die Parallaxeverstellung funktioniert von 15m bis unendlich. Dies ist insbesondere hilfreich, wenn man plant, ein Nachsatzgerät a la Pard zu verwenden. Das Leuchtabsehen lässt sich an jede Lichtsituation anpassen, wobei es in den „Zwischenstufen“ abgeschaltet ist. Damit hat man die Möglichkeit, sich eine bestimmte Einstellung zu „sichern“.

Das Absehen selbst ist ein „feines 4er Absehen“. Dieses sieht dem von Swarovski sehr ähnlich. Es ist relativ fein. Der Abstand zwischen den nicht wirklich dicken horizontalen Balken ist recht groß. Die dünnen Fäden verdecken sehr wenig vom Ziel. Das Absehen ist in der 2. Bildebene, vergrößert sich daher nicht mit. Für mich als Feldjäger ist das ideal. In Kombination mit großen Vergrößerungen erlaubt das Absehen, auch kleine Ziele sicher anzuvisieren. Der Leuchtpunkt ist sehr fein und passt sowohl für den Tag als auch für den Nachteinsatz. Tagsüber ist der Leuchtpunkt hell genug und bei schlechtem Licht lässt er sich so stark dimmen, dass er nicht überstrahlt. Da das Absehen recht fein ist, braucht man den Leuchtpunkt aber in bestimmten Situationen. In Bewegungssituationen oder bei schlechtem Licht, ist es manchmal gar nicht so einfach, das Absehen rechtzeitig zu erfassen. Dort hilft dann aber der Leuchtpunkt. Die Batterie sollte also immer geladen sein.

Die Absehenverstellung funktioniert ebenfalls präzise und ohne Probleme, das Einschießen war mit wenigen Schuss erledigt. Das Zielfernrohr ist schussfest und hat sich auch im Einsatz bisher nicht verstellt.

Jetzt zu dem eigentlich spannenden Thema: Die Optik. Hier scheiden sich ja die Geister. Um es vorweg zu sagen: Die Meinung, dass ein Zielfernrohr deutlich mehr kosten müsse als die Waffe und dass man unter 1500€ nichts Vernünftiges bekommt, ist in meinen Augen längst überholt. Betrachte ich den Restwert meiner Waffe, träfe der erste Punkt zwar noch zu (das Zielfernrohr ist in Deutschland zu Preisen zwischen 700 und 800 € zu haben), aber mehr muss man für ein voll brauchbares ZF wirklich nicht ausgeben. Ich habe jetzt keine Lichttransmissionsmessungen o.ä. vorgenommen, sondern kann nur auf mein subjektives Empfinden verweisen, aber in meinen Augen liefert das Delta, vor allem in seiner Preisklasse, ein sehr gutes Bild. Das Bild ist hell und kontrastreich, es hat eine große Austrittspupille und ein recht großes Sehfeld. Auch bei schlechten Lichtverhältnissen liefert es ein verhältnismäßig gutes Bild. Subjektiv ist das Zielfernrohr im Vergleich zu meinem übrigen Fuhrpark das Beste. Es ist deutlich besser als das alte Delta und das Minox und geringfügig besser als das Zenith. Sicherlich sind Zielfernrohre der teuren Serien von Zeiss, Leica etc. besser, es stellt sich aber zumindest für mich die Frage, ob das den teilweise vierstelligen Preisunterschied rechtfertigt, zumal in Kürze durch Änderungen an WaffG und diversen Jagdgesetzen durch den Einsatz von Vorsatzgeräten die Karten ohnehin neu gemischt werden.

Ich habe das Zielfernrohr jetzt ein Jahr lang erfolgreich und gerne geführt (auf den Fotos sieht man auch, dass es benutzt wurde). Es hat mich nicht im Stich gelassen. Auch bei schlechten Sichtverhältnissen waren weite und vor allem sichere Schüsse problemlos möglich.

(Der Schalldämpfer kommt nach der Gesetzesänderung)


5. Fazit

Würde ich das Delta einem Jungjäger für seine erste und einzige Waffe empfehlen? Sicherlich (vllt mit der Tendenz, das 56 zu nehmen). Als Nachteile kann man zwar die Tatsache aufführen, dass es ein „Ofenrohr“ ist und dass die Verstellungen etwas schwergängig sind, aber in meinen Augen überwiegen klar die Vorteile. Praxisgerechter Vergrößerungsbereich, sehr gutes Leuchtabsehen, Parallaxeverstellung und eine in dieser Preisklasse sehr gute und völlig ausreichende optische Leistung in Kombination mit einem sehr guten Preis. Ebenso gibt es einen guten deutschsprachigen Kundenservice (den ich für dieses Zielfernrohr bisher aber nicht brauchte). Ich werde das Zielfernrohr daher auch weiterhin gerne einsetzen.

Disclaimer: Dieser Erfahrungsbericht spiegelt meine persönliche Meinung wider. Ich bin mit dem Hersteller weder persönlich noch geschäftlich verbunden und habe das getestete Zielfernrohr ganz normal über den Handel gekauft. Ich erhalte für diesen Bericht keinerlei Vorteile. Die Fotos zeigen den Zustand des Zielfernrohres nach einem Jahr intensiver Benutzung.

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Kommentare

Franz Baumann

Sehr guter und informativer Bericht!

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