Naturwerk Klettersitz KS17
Von nordic_stonewood am 28. Oktober 2019

In den USA gehört ein Klettersitz zur Standardausrüstung eines jeden Jägers. Insbesondere für alle Bogenjäger ist der Klettersitz ein Muss. In Deutschland fristet diese Art der Ansitzteinrichtung bislang noch ein Schatten Dasein und wir wollten wissen was es damit auf sich hat.

Warum braucht man einen Klettersitz? Diese Frage werden sich wohl viele stellen die das erste Mal mit der Thematik in Berührung kommen. Ein Klettersitz bietet den Vorteil, dass er an jeder beliebigen Stelle im Revier mit einem passenden Baum genutzt werden kann. Ein passender Baum ist ein solcher, der möglichst grade, Ast frei ist und zudem noch eine grobe Rinde aufweist. Prädestiniert sind hier Bäume wie Kiefern oder Fichten. Eichen können sich bei entsprechend grader Wuchsform ebenfalls gut eignen. Buchen sind aufgrund ihrer glatten Rinde nicht zu empfehlen. Die meist sehr dünne Rinde wird durch den Sitz verletzt eröffnet Parasiten den Weg in den Baum. Ebenfalls birgt die glatte Rinde die Gefahr das der Sitzt leichter abrutschen kann. Der Baum sollte einen Durchmesser von 20 cm bis 50 cm besitzen. Ist ein solcher Baum vorhanden kann der Klettersitz an diesem montiert werden. Die Vorteile eines solchen Sitzes liegen klar auf der Hand. Er ist an vielen Stellen im Revier schnell und ohne viel Aufwand einsetzbar. Die Sitzhöhe ist variable und kann auf die örtlichen Begebenheiten angepasst werden. Besonders an Freiflächen mit bereits aufkommender Verjüngung bietet eine Sitzhöhe von 4-10 Meter Einblicke, die sonst nicht möglich wären. Besonders auf Drückjagden kann man sich dieses zu Nutze machen, da das Wild an dieser Stelle keinen Sitz kenn und in der dichten Verjüngung meist vertraut an wechselt und verhofft, um sich zu orientieren.

In schwer zugänglichen Ecken kann der Klettersitz leicht mittransportiert werden, um ggf. neue Stellen auszuprobieren oder einem heimlichen Bock nachzustellen. Kurz gesagt ist der Klettersitz sehr flexible und es kann bei jedem Ansitz die Position und Höhe auf die Situation angepasst werden. Dies trifft zum Beispiel zu, wenn der Wind aus einer Richtung kommt, für welchen die meisten Hochsitze im Revier ungeeignet sind. Mit dem Klettersitz lässt sich hier schnell reagieren und ein passender Baum ist immer schnell gefunden.

Neben vielen amerikanischen Klettersitzen, welche auch Treestands genannt werden, bietet das deutsche Unternehmen Naturwerk aus Bielefeld seit 2016 den Naturwerk Klettersitz KS17 an. Dieser wurde im Jahr 2016 für den KFW Innovationspreis nominiert und mit dem KFW-Testzeichen „Sicher & Funktional“ ausgezeichnet. Diesen Klettersitz haben wir einige Monate im Revier ausprobiert.

Zunächst möchte ich noch einmal neben den oben genannten Einsatzsituationen das Grundprinzip des Klettersitzes erläutern. Ein Klettersitz besteht aus einem Fußteil und einem Sitzteil, welche mit Drahtseil an dem Stamm befestigt werden. Über die Belastung, die man selbst auf beide Segmente bringt, verkeilen diese sich unter dem Druck mit dem Seil und den Zähnen, welche sich an der unteren Kante des Sitzes befinden. Durch das anheben des Fußteils löst sich dieses und kann mit den Füßen hochgezogen werden. Wird dieses nun wieder belastet kann das Sitzteil hochgedrückt werden. In dieser „Raupenbewegeung“ klettert man nun an dem Stamm empor bis die gewünschte Höhe erreicht ist. Oben angekommen empfiehlt es sich beide Teile mit einem Spanngurt zu sichern, so das keinerlei Gefahr mehr besteht das diese abrutschen. Wichtig ist das das Sitzteil sowie das Fußteil mit am besten Zwei dünnen Seilen verbunden ist. Rutscht einem das Fußteil nach unten weg, kann man sich dieses leicht wieder hochziehen. Andernfalls ist man auf dem Baum gefangen.

Natürlich bedarf es, wie bei jeder Art des Kletterns einer Sicherung. Hierzu wird ein Bodyharnes verwendet, in welchem das Sicherungsseil und ein Abseilgerät verbunden ist. Naturwerk stellt hier verschiedene Auffanggurte zur Verfügung. Als Sicherungsseil wird ein Dynamisches Kernmantelseil verwendet, welches mit einem Abseilgerät verbunden ist. Das Abseilgerat ist hinten am Auffanggurt befestigt und ermöglicht einem ein leichtes und einhändiges Abseilen sollte man gestürzt sein und im Gurt hängen. Die Sicherung am Baum erfolgt über Rundbandschlingen mittels Ankerstich, also eine Schlaufe, die sich bei Belastung zuzieht. Naturwerk stellt hier drei verschiedene Größen zur Verfügung, die um jeden Baum passe, an welchem der Sitz befestigt werden kann.

Nach dem Man auf die gewünschte Höhe geklettert ist, wird die Waffe und weite Ausrüstung mittels eines Seiles hochgezogen. Die Waffe verbleibt wären des Kletterns am Boden. Ich verwende hier einen kleinen Rucksack, der ein integriertes Futteral besitzt und habe so alles beisammen. Auf der rechten Seite des Sitzes ist ein Haken angebracht, an dem der Rucksack aufgehängt werden kann und so nicht im Weg ist. Weiter besitzt der Klettersitz noch eine Gewehrauflage, die in der Höhe über zwei Rändelschrauben links und rechts verstellbar ist.

Für den Transport werden beide Teile in einander geschoben und mit einem kleinen Spanngurt verzurrt. Der Sitz kann nun per Hand oder mit den mitgelieferten Rucksackriemen transportiert werden. Ich bevorzuge es den Sitz mit der Hand zu transportieren da ich den Rucksack mit der Waffe und der übrigen Ausrüstung auf dem Rücken trage. Mit 9,5 kg ist der Sitz sehr gut auch über längere Strecken zu tragen. Der Rahmen des Klettersitzes KS17 besteht aus stabilem Aluminium und ist bis 135 kg belastbar.

Der Klettersitz ist sehr gut verarbeitet und macht einen wirklich stabilen Eindruck, der sich beim Klettern bestätigt hat. Der Aufbau geht auch für ungeübte Personen schnell und einfach von der Hand und das Klettern ist nicht nur für den Sportler. Jeder der einigermaßen fit ist kann schnell und einfach mit dem Sitz klettern. Mit etwas Übung und bei guter Vorbereitung ist man in ca. min auf eingerichtet und in Position. Es empfiehlt sich den sich vor der Jagd schon einen Baum auszusuchen und diesen gegebenenfalls mit einer kleinen Astungssäge zu entasten, sollte sich an diesem noch störende Äste befinden. Das Klettern kann mit etwas Übung durchaus leise erfolgen und das Wild stört sich in der Regel nicht daran. Dennoch bin ich immer etwas früher mit dem Klettersitz als gewöhnlich unterwegs um wieder etwas Ruhe einkehren zu lassen. Besonders gut finde ich den schnellen und unkomplizierten Aufbau. Jeder hat Stellen im Revier an denen man gerne einen Sitz hätte dieses sich jedoch nur temporäre lohnen würde oder es logistisch einfach nicht möglich ist. Diese Stellen sind ideal für den Klettersitz und man entdeckt neue Stellen, die man vorher nie bejagt hat oder nie bejagen konnte. Zudem kommt das Wild meist sehr nah und vertraut da es an solchen Stellen keine Ansitzeinrichtungen kennt. Alles in allem ist der Klettersitz mehr als ein Spielzeug und findet seinen Einsatz natürlich vorwiegend im Waldrevier. Die vielseitigen Einsatzmöglichkeiten bieten einem die Möglichkeit auf unterschiedlichste Gegebenheiten schnell zu reagieren und somit auch für das Wild nicht kalkulierbar. Im Gegensatz zu einem Drückjagdbock oder einer Aluleiter lässt sich der Klettersitz deutlich einfacher bewegen und transportieren. Der Preis für den Klettersitz KS17 von Naturwerk liegt momentan bei 399,- €, das Kletterzubehör (Auffanggurt, Abseilgerät, dynamisches Kernmantelseil und Rundbandschlinge) kann als Zubehör erworben werden und ist unbedingt zu empfehlen.

Ich bin sehr beeindruckt von der Vielseitigkeit des Klettersitzes auch wenn es mich zunächst Überwindung gekostet hat über die 6 Meter Marke zu klettern. Oftmals ist eine Höhe von 2-3 Meter jedoch völlig ausreichend. Wie schon erwähnt ist die schnelle Einsatzmöglichkeit überaus genial und es macht einfach Spaß von diesem selbsterarbeiteten Sitz aus Beute zu machen.


Kommentare

Waid Genosse

Grüße!

Danke für den ausführlichen Bericht, ich glaube ich leg mir auch bald so einen zu.

Eine Frage hätte ich aber noch.

Hält man es auch länger auf den Sitz aus, oder wird es mit der Zeit ungemütlich? Ich Sitz gerne auch mal die ganze Nacht durch. Ach und lässt es sich auch im stand schießen?

Gruß und Wmh

nordic_stonewood

Moin moin,

man kann durchaus auch eine längere Zeit in dem Sitz aushalten, je nach eigenem befinden.

Ich nutze den sitz auch auf Drückjagden, bei denen ich die ganze zeit stehe. Hier empfiehlt es sich das Sitzteil etwas höher anzubringen und dieses quasi als Geländer zu nutzen.

Viele Grüße

Waid Genosse

Super vielen Dank und Waidmannsheil

Gruß

Wuidara Hias

Servus,
Danke für den Bericht. Ich habe mir den Sitz schon oft angesehen, auch ein paar Videos auf Youtube. Ich hatte immer das Gefühl das es etwas “ein Geficke“ ist bis man da oben ist, vorallem wieder unten? Die Frage ist wie oft hat man ihn im Einsatz, bis man keine Lust mehr hat und dann doch wieder woanders Ansitz. Schöner Bericht. Danke

nordic_stonewood

Moin,
ich kann sagen am Anfang ist es wie bei allen anderen Sachen auch, dass man etwas langsam ist und es die ersten Male nicht so geschmeidig aussieht wie man es sich vorstellt. Mit jedem Mal wird man jedoch schneller und nach einer kurzen Zeit ist es wie Fahrrad fahren. Ich sehe es genau umgekehrt und denke man wird den Sitz immer öfter Einsätzen wenn man die Vorzüge kennengelernt hat und das Klettern leicht von der Hand geht.

Vielen Dank und viele Grüße

schlendeike

Hallo,

gut geschriebener Bericht. Ich experementiere seit Mitte diesen Jahres ebenfalls mit einem KS17 der Firma Naturwerk.

Mein Antrieb war, dass ich hoch flexibel auf sich permanent verändernde Wildschadensstellen reagieren kann, ohne dass ich mir immer eine zweite Person für das Umstellen von Reviereinrichtungen zur Hilfe holen muss.

Ich wohne mitten im Revier und den wirklich leichten KS17 transportiere ich einfach über die Schulter hängend zu Fuß zum seinem Einsatzort - über die andere Schulter hänge ich dann meine Waffe.

In der Anfangszeit habe ich, um mich mit der Ausrüstung vertraut zu machen und wegen der noch fehlenden Sicherungsausrüstung, den Klettersitz nur in Bodennähe benutzt. Dabei konnte ich sofort feststellen, dass die rd. 400,00 € Investitionskosten gut angelegtes Geld sind.

Ich habe bisher noch nie ein Tarnnetz für den KS verwendet und trage nur ganz normale Bundeswehr-Flecktarnkleidung beim Ansitz. Trotzdem kommt das Wild sehr dicht an mich heran und ich habe kürzlich innerlich mit mir gezetert, weil ich vergessen hatte, dass Zielfernrohr vorm Ansitz runter zu stellen.

Das einzige, was ich bislang noch vermisse, ist ein gut geschriebenes, deutschsprachiges Buch über Klettersitze und deren Einsatzmöglichkeiten. Alle von mir erdachten Strategien und Taktiken, die ich bislang ausprobiert haben, sind mit Sicherheit noch nicht das Optimum, aber ich bin recht zuversichtlich, dass mir noch mehr zum rumprobieren einfällt.

Einen klugen Tipp gebe ich hier aber schon einmal : Nehmt vorm Ansitz mit dem Klettersitz die Geldbörse aus der Gesäßtasche - mir ist beim ersten Ansitz mit dem Teil der A..... eingeschlafen, weil ich dass nicht tat.

Viele Grüße aus dem Wendland

/KS

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