Handfunkgeräte auf der Gesellschaftsjagd
Von Constantin_W am 15. Februar 2019

Eine Gesellschaftsjagd wirklich professionell auszurichten ist keine Kleinigkeit. Viele Herausforderungen, abhängig vom jeweiligen Revier und der Größe der Jagd, warten auf den Pächter und seine Begeher. Neben dem wichtigsten aller Regelungen, der Sicherheit, ist natürlich auch die Strecke mit entscheidend für die Stimmung und den Erfolg des Tages. Demzufolge kommt der Treiberwehr ganz besondere Bedeutung zu. Sie zu koordinieren ist für beide Faktoren, Sicherheit und Jagderfolg, bestimmend.

Je nach Revierverhältnis ist die Kommunikation nach dem Start ein Problem. Die ganze Zeit am Handy hängen und alle einzeln abzustimmen ist kaum zu handhaben und Telefonkonferenzen zur Abstimmung etwas übertrieben. Zuletzt ist häufig genug auch in den ländlichen Gebieten das Netz schwach und im Wald ganz erloschen.

Ein Lösungsansatz für dieses Problem ist die gute alte Funktechnik. Bereits tot gesagt gibt es viele gute Gründe, weshalb sich Funk im professionellen Bereich bei Feuerwehr, Krankenwagen, Militär und Polizei bis heute hält. Besonders wenn es darum geht größere Gruppen zu koordinieren ist bis dato Weniges besser geeignet als Funk. Und so ist es auch eine hervorragende Lösung, um bei Gesellschaftsjagden Kontakt untereinander zu halten.

In Deutschland ist der Funkverkehr klar geregelt und wer ohne Funklizenz funken möchte und lange Strecken überbrücken will, muss auf freie Frequenzen ausweichen. Für längere Distanzen haben sich Kanäle im 2/4m Bereich bewährt. Damit lässt sich zB auf den freien PMR Frequenzbereich ausweichen (446.xyz MHz). Viele günstige Funkgeräte haben hierbei auch schon ein paar Kanäle voreingestellt, durch die man nur mit wenigen Nummern durchwechseln kann. Die Nummern entsprechen in den meisten Fällen den Kanälen:

1: 446.00625

2: 446.04375

3: 446.08125

Diese kleinen Handgeräte haben eine (in D anmeldefreie) Leistung bis 0,5 Watt. Das reicht, um im Wald dennoch auf erstaunliche Distanzen zwischen 300 und 800m zu kommen und ist somit bereits für eine Treiberwehr tauglich.

Etwas luxuriöser, wenngleich eigentlich nur mit Funklizenz zu nutzen sind die (semi)professionellen Handgeräte mit einstellbarer Frequenz und höherer Funkleistung. Sie decken deutlich größere Frequenzbereiche ab, leisten einstellbare Rauschunterdrückung, können zwei Kanälen gleichzeitig lauschen, sind programmierbar und bieten deutlich mehr Sendeleistung und somit Distanz als die Hobbymodelle.

Beispielhaft für diese Geräteklasse möchte ich das Woxoun KG UV6D für etwas über 100 EUR vorstellen. Das Modell bietet bis zu 5W Sendeleistung und somit mehr als im deutschen Markt eigentlich zulässig. Auf Wunsch reduziert der Händler die Leistung aber natürlich... Auch ist der Betrieb des Geräts wie bereits geschrieben aufgrund des deutlich breiteren Sendespektrums eigentlich dem Funklizenzinhaber vorenthalten. Der Besitz des Gerätes ist jedoch in Deutschland frei. Durch die signifikante Abnahme des Funkverkehrs durch Smartphones und Handyflatrates Anfang der 2000er Jahre ist es still geworden auf den Frequenzen und dadurch auch bei der Bundesnetzagentur, die den Schutz der Frequenzen inne hat. Ich möchte selbstverständlich niemanden zu einer Ordnungswidrigkeit auffordern, sondern darauf hinweisen, dass die gelegentliche Nutzung stärkerer Handfunkgeräte im suburbanen oder ländlichen Raum aktuell keine Verfolgung nach sich zieht, solange sie keine militärischen oder sicherheitsrelevanten (Feuerwehr, Flugsicherung,...) Kanäle stört. Wer sich auf den PMR Frequenzen aufhält ist somit im Rahmen der selten stattfindenden Drückjagden sicher unterwegs und kann auch im dichten Wald mehrere Kilometer überbrücken. Auch viele Landwirte greifen auf diese Funktechnik zurück und sind bei Jagden als Ausleiher für Handgeräte zur Stelle. Die Leistung beim Kauf zu reduzieren und auch die Kanäle auf die zulässigen, freien Frequenzen einzuschränken ist aber beim Fachhändler möglich und aus rechtlicher Sicht empfehlenswert! Noch viel besser ist natürlich der Erwerb einer Funklizenz, die es häufig auch bei Feuerwehr, DLRG, etc. zur Ausbildung dazu gibt.

Das ist auch hinsichtlich der Funkdisziplin empfehlenswert. Der größte Nachteil des Funkens liegt nämlich darin, dass nur eine Person gleichzeitig senden kann und damit den Kanal blockiert. Für lange, ausschweifende Monologe ist Funk daher nicht geeignet. Daher gilt hierbei der Grundsatz "denken, drücken, sprechen" umso mehr. Auch wenn es anfangs lächerlich wirkt, sind der militärisch knappe Ton und die übliche An- und Abmeldung eines Funkspruchs hilfreich. Hierzu gibt es an vielen Stellen im Netz Anleitungen (Schwerpunktmäßig aus der Milsim und Gamer Szene), die man sich mal durchlesen sollte. Vor der Jagd die Regeln kurz durchgehen, um alle auf einen einheitlichen Stand zu bringen ist besonders bei vielen Funkteilnehmern zu empfehlen.

Mithilfe der gegen Regen geschützten Geräte lässt sich in den Pausen zur Unterhaltung auch Radio empfangen. Als Zubehör gibt es neben einem praktischen Handmikrofon auch die takticoolen, von Türstehern bekannten, Knöpfe im Ohr (die sich jedoch zumindest in Kombination mit dem Gehörschutz als nicht optimal herausgestellt haben) zu erwerben. Außerdem gibt es neben Ersatzakkus auch eine Batteriehalterung, in die 4 AA Batterien eingesetzt werden können. Diese Halterung lässt sich jedoch, auch mit Akkus bestückt, nicht in der mitgelieferten Ladestation aufladen.

Neben dem normalen Stecker für die Steckdose am Ladegerät gibt es auch einen 9V Stecker für den Zigarettenanzünder im Auto.

Insgesamt haben Handfunken die Professionalität bei unseren Drückjagden deutlich gesteigert. Mit 3-5 Geräten verteilt bei der Treiberwehr lassen sich auch über Kilometer gestreckte oder in mehrere Gruppen eingeteilte Treiberketten gut steuern und instruieren. Die direkte Verbindung zum Jagdleiter bietet darüber hinaus zusätzliche Sicherheit im unwegsamen Gelände und erlaubt, unkompliziert und spontan auf die Situation zu reagieren, ohne jedesmal erst zu sammeln um neue Marschrichtungen auszugeben. Für 20-100€ pro Gerät eine mehr als lohnende Investition.

Kommentare

Rogalla

Moin, haben wir wirklich erfolgreich jahrelang so gehandhabt. Aber im nicht ganz so kupierten Gelände in M.-V. und unter den Umständen einer guten Netzabdeckung der Mobilfunkanbieter, ist es nur noch ab und an für uns Rüdemänner notwendig die Funktechnik mitzuschleppen. Danke für deinen Artikel! WMH

Der Sebi

Ein sehr interessanter Beitrag 👍

XXX YYY

So etwas haben wir früher mit Jagdhörnern gemacht.

Ist aber aus der Mode gekommen.....

Sven Wagner

Prima Sache. Insbesondere die Geräte von Baofeng UV-B6R mit doppeltem VFO, will heissen, das Gerät hat 2 Sende- und Empfangseinheiten. Das Gerät empfängt und sendet auf 2 getrennt einstellbaren Frequenzen. Bei PMR sind es derzeit 16. Sehr praktisch also. Auf der einen Frequenz finder allg. Sprechfunkverkehr statt, auf der anderen kann man die Treiberwehr öä dirigieren, ohne dass es Chaos gibt. Die Geräte sind super günstig zu haben. Der Betrieb in DL leider nur lizenzierten Funkamateuren gestattet, da die Sendeleistung zu hoch ist und der Frequenzbereich riesig ist. Da kommt man schon mal mit den Funkamateuren ins Gehege. Ansonsten ne coole Sache. Reichweite je nach Geländebeschaffenheit 2-8km.
(Mein Lieblingsgerät ist das TYT8200 mit 10 Watt Sendeleistung)

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