Mit der neuen Mauser M98 auf dem Schießstand – ein Kurztest
Von Carl M. Lidl am 20. November 2018

Mauser M98 Expert - 2018 Modell


Wieso eigentlich „neue“ Mauser M98?

Lange Zeit hat der Jagdwaffenhersteller Mauser aus Isny im Allgäu seine 98er-Jagdbüchsen nur in Magnum-Kalibern angeboten. Wer einen neuen 98er in einem normalen Jagdkaliber wie .308, .30-06, 8x57 IS etc. haben wollte, der musste sich bei anderen Anbietern umsehen. 

Vor ca. zwei Jahren hat sich Mauser dazu entschieden, diese Lücke zu schließen und 98er auch wieder in normalen Jagdkalibern herzustellen. Diese Büchsen meine ich, wenn ich von der „neuen Mauser M98“ spreche.

Mauser M98 im Standard-Kaliber .30-06

Mauser bietet zwei M98-Modelle an, die sich lediglich in der Holzqualität (Nussbaum) unterscheiden, ansonsten jedoch identisch sind:

- Das Modell „Expert“ hat einen Holzschaft der Klasse 5 (ab ca. €6000,-)

- Das Modell „Diplomat“ kommt mit Holzschaft der Klasse 7 (ab ca. €7000,-)


Testwaffe

Mein lokaler Jagdwaffenhändler Stefan Besmehn, Inhaber der Firma Waffenstube Thalkirchen in München, hat mich angesprochen und mir netterweise einen Leihschein für eine fast neue „M98 Expert“ in .30-06 für diesen Kurztest ausgestellt. Da so ein Leihschein bekanntlich nur vier Wochen lang gültig ist, kann ich hier keinen ausführlichen Dauertest anbieten. Aber ich war mit der M98 mehrfach auf dem Schießstand und im November 2018 auf zwei Drückjagden in Oberbayern. Ich kann also wagen, hier zumindest meinen halbwegs fundierten ‚Ersten Eindruck‘ widerzugeben.

Testwaffe: Mauser M98 Expert in .30-06



Technische Daten

Die neuen M98er gibt es in den Kalibern 7x57, 9,3x62, .308, .30-06 und selbstverständlich in 8x57 IS.

Das System besteht aus Spezialstahl und ist aus dem Vollen gefräst.

Die schwarzen Oberflächen – also beispielsweise der kaltgehämmerte 17mm-Lauf mit offener Visierung und die Hülse - sind plasmanitriert.

Die Gesamtlänge liegt bei 111cm, die Lauflänge davon beträgt 56cm.

Das Gewicht liegt bei 3,7kg.

Die Magazinkapazität bei den oben genannten Kalibern beträgt 4+1.

Der Flinten-/Direktabzug steht trocken.

Soweit die Serien-Ausstattung.



Kimme
Korn


Optionen/Extras

Eine Ausführung für Linkshänder, ein Mündungsgewinde, einen Loch- oder gar Kunststoffschaft gibt es für die neue Mauser M98 nicht.

Die einzige Option besteht - wie oben bereits erwähnt – in der Auswahl der Holzklasse (5 bei Modell Expert, 7 bei Modell Diplomat) wählen. Das war’s.


Positionierung nahe am Original

Mauser möchte sich bewusst ganz nah an das Original halten - daran herumgebastelt wird nicht.

Stattdessen legt man bei der M98 lieber besonderen Wert auf ausgezeichnete Material- und Fertigungsqualität sowie eine hervorragende Präzision.

Dieser Ansatz ist durchaus verständlich, denn am 98er System gibt es kaum noch etwas zu verbessern. Es gilt nicht nur als nahezu unverwüstlich, sondern zugleich auch als eines der sichersten Systeme überhaupt. Schätzungsweise 100 Millionen 98er wurden bis dato weltweit hergestellt. Tendenz noch immer steigend.

Die hohe Qualität der neuen Mauser M98 zeigt sich in allen Aspekten dieser Waffe, nicht nur in dem tollen Schlossgang. Siehe Fotos.

Fischhaut ordentlich verarbeitet
Vorderschaft


Auf dem Schießstand

Ausgerüstet mit Munition in .30-06 von RWS (Modell „Doppelkern“) und GECO (Modell „Teilmantel“) bin ich also auf den Schießstand.

Geladen wird von oben, indem man die Kammer öffnet und die Patronen von oben in den Magazinschacht hinunterdrückt. Dann schließt man die Kammer und die Waffe ist geladen, gespannt – und entsichert.


Sicherung

Aufgrund der heute üblichen niedrigen Zielfernrohrmontagen wurde die ursprüngliche, traditionelle 3-Stellungs-Flügelsicherung durch eine moderne, flache 3-Stellungs-Horizontalsicherung ersetzt. Diese wirkt direkt die Schlagbolzenmutter (und sichert damit den Schlagbolzen).


M98 entspannt
M98 gespannt
Gespannt und gesichert
Gespannt und gesichert - andere Seite
Gespannt und entsichert (feuerbereit)


Leider lässt sich die M98 nur im gespannten Zustand sichern. Mir persönlich ist es lieber, wenn ich eine Waffe in jedem Zustand sichern kann. Ich habe mir daher angewöhnt, nach dem Laden der Waffe und dem Schließen der Kammer immer als Erstes die Sicherung auf „S“ zu stellen.

Mein erster Eindruck auf dem Schießstand: die M98 liegt super im Anschlag. Der trockenstehende Direktabzug ist klasse, das Abzugsgewicht ist sehr gut ausgewogen – nicht zu leicht und nicht zu schwer. Der Schlossgang ist erwartungsgemäß samtweich und satt. Das System wirkt stabil und macht einen hervorragend verarbeiteten Eindruck.

Meine Testwaffe kam mit einem Zeiss-Zielfernrohr und war bereits grob eingeschossen. Das erste Schussbild:

Mein erstes Schussbild mit der M98 auf dem Schießstand. Distanz 100m.

Nachdem ich etwas mehr Zeit mit der Test-Jagdbüchse verbracht hatte, ergaben sich noch bessere Schussbilder wie dieses hier:

Schussbild Mauser M98 Expert, Distanz 100m, Kal. .30-06


...nochmal aus der Nähe


Fazit/Mein persönlicher erster Eindruck

Auch wenn ich die Testwaffe leider nicht so lange führen konnte, wie ich gerne gewollt hätte, so kann ich doch folgendes sagen: Die neue Mauser M98 ist ein tolles Jagdgewehr. Meine Testwaffe funktionierte stets zuverlässig, schoss präzise und vermittelte mir sofort Vertrauen. 

Das Design ist zeitlos schön. Die Materialien, das System und die ganze Verarbeitung sind top. Es machte mir einfach Spaß, mit der M98 im Revier unterwegs zu sein. 

Auf dem Schießstand und bei den Drückjagden zieht die M98 zudem so manchen Blick auf sich und man kommt schnell ins Gespräch mit Mitjägern. 

Leider ist auch der Preis top. Und so wird die neue M98 für die meisten von uns wohl ein unerschwinglicher Traum bleiben. 

Wer sich diesen Traum jedoch erfüllen kann, dem kann ich nur empfehlen, die M98 auch wirklich jagdlich zu nutzen und sie nicht im sicheren Waffenschrank verstauben zu lassen. Oder wie mein Kumpel Philipp zu mir sagte: „If you own a Harley, ride it as if it was stolen“. 




Zum Thema Transparenz
Die Testwaffe mitsamt der Munition von RWS ("Doppelkern") wurde mir kostenlos von der Firma Waffenstube Thalkirchen zur Verfügung gestellt. Die Munition von GECO ("Teilmantel") kommt aus meinem Bestand (i.e. die habe ich selbst bezahlt). Die Testwaffe geht Ende November 2018 mit sämtlichem Zubehör an die Waffenstube Thalkirchen zurück. Dieser Testbericht spiegelt unbeeinflusst von Dritten meine persönliche Meinung und meine Erfahrungen mit der neuen Mauser M98 Expert sowie der verwendeten Munition wider.

Kommentare

XXX YYY

Gibt es mittlerweile ein herausnehmbares Magazin oder muss jede Patrone beim entladen herausrepetiert werden?

Carl M. Lidl

Ganz klassisch: jede Patrone einzeln wieder herausrepetieren.

XXX YYY

Danke für deine Antwort und den Bericht!!!

FlitzerTom .

Schöner Bericht. Eigentlich sollte so eine Waffe in einem der ersten in Deutschland durchgesetzen Kaliber 7x64 erhältlich sein.
Ansonsten eine schöne stilvolle Waffe

Christian Barthel

Danke für den interessanten Bericht. Ich bin Linksschütze und von daher fällt diese Waffe unabhängig von dem überzogenen Preis für mich prinzipiell aus. Auch ansonsten finde ich es nicht mehr zeitgemäss, eine Jagdwaffe auf den hart umkämpften Markt zu bringen, die kein Wechselmagazin hat und nur gespannt zu sichern ist. Und dann der Preis. Jeder klassische "alte" 98er ist für einen Bruchteil dieses Preises zu kriegen und ggf. sogar mit DWM System. Wo bitte ist da der Vorteil der Neuwaffe? Wenn man schon den legendären 98er jagdlich führen möchte, dann auch bitte ein Original und nicht diese auf Tradition getrimmten Nachbauten aus Isny. Dann lieber eine vielseitig veränderbare und modular aufgebaute, wirklich moderne Blaser-Jagdwaffe. Die sind zwar aus Plastik aber eben wirklich innovativ und sie gibt es auch für Linksschützen. In der Schussleistung und der Robustheit stehen sie der neuen Mauser in nichts nach. Kommen eben alle aus dem gleichen Stall.

Carl M. Lidl

@Christian Barthel: Danke für Dein Lob & Deinen Kommentar! Ich verstehe, was Du meinst. Ich will Dir da auch garnicht widersprechen.

Als Antwort - und/oder als Gedankenanstoss - möchte ich kurz aus einem (ganz guten, wie ich finde) Bericht von einem Herrn Felix Höltmann zitieren, über den ich während der Recherchen für meinen eigenen Bericht hier auf GT im Internet gestolpert bin:

"(...) Unter Kennern gilt die am 5. April 1898 vom deutschen Kabinett als Gewehr 98 eingeführte Waffe als weltweit bester Militär-Repetierer. Die daraus resultierende Verwendung bei Jagdwaffen war nur logisch – auf der ganzen Welt schätzen Jäger besonders seine Zuverlässigkeit und Robustheit.

Während Repetier militärisch heute kaum noch eine Rolle spielen, konnten sich 98er als Jagdwaffe behaupten. Bis heute werden Repetierer aus alten Militär­karabinern gefertigt und auch neue Systeme hergestellt, meist von kleineren Manufak­turen (Jung, Johannsen, Hartmann & Weiss, Prechtl).

Doch auch Mauser selbst baut wieder 98er. Den Anfang machte das lange System für Großwildbüchsen – nur logisch, denn diese nur zivil genutzten Systeme sind rar und selbst Alte sehr teuer.

Jetzt entstehen in Isny auch wieder kurze Systeme und mit der M 98 Standard eine komplett neu gefertigte Jagdbüchse. Ob es sinnvoll ist, die nur mit großem Aufwand zu fertigenden 98er-Systeme neu herzustellen, wenn noch genügend alte Militärsysteme zu haben sind, hängt davon ab, welche Ansprüche man an Jagdrepetierer hat.

(...)

Militärische 98er, besonders aus den Jahren nach 1938, haben relativ große Toleranzen. Einerseits mussten sie noch im Schlamm funktionieren, andererseits wollte man auch Hersteller beteiligen, die nie zuvor Waffen hergestellt hatten. Enge Toleranzen konnte man sich da kaum leisten. Entsprechend ist der Schlossgang solcher „Kriegsware“ – da schlackerts ordentlich hin und her, wenn man die Kammer vollständig zurückzieht.

Auch die Stahlqualität konnte natürlich heutigen Möglichkeiten nicht entsprechen. Ein guter Büchsenmacher kann beim Bau von Custom-Repetierern aus alten 98ern einiges verbessern, aber die Güte eines mit heutigen Möglichkeiten auf modernen CNC-Maschinen gebauten Systems lässt sich nicht erreichen, und der hohe Anteil an Handarbeit muss bezahlt werden. Daher verwendet man für wirklich teure Custom-Repetierer ausschließlich neu gebaute Systeme.

Wenn es wirklich gut sein soll, scheiden alte Militärsysteme also aus. Das treibt den Preis natürlich in die Höhe, denn selbst mit modernen Mitteln sind eine Menge Arbeitsschritte erforderlich, auch wenn nicht mehr ein so immenser Fertigungsaufwand wie zu Paul Mausers Zeiten besteht. Dazu kommt die extreme Präzision moderner CNC-Zentren. Ausschlag­gebend für den Preis sind produzierte Stückzahlen – Kleinserien sind teuer.

Mauser nutzt den Vorteil, dass man neue 98er Systeme auch für die ebenfalls zur Lüke-Gruppe gehörende Firma Rigby benötigt – produziert bei Mauser im Allgäu. Da lag es nahe, auch wieder eine eigene Büchse anzubieten. Knapp 7 000 € dafür erscheinen auf den ersten Blick viel, doch wirkliche Alternativen, also Custom-Repetierer mit neuem 98er-­System fangen bei 10 000 € gerade mal an … (...)"
(Quelle: https://jagdpraxis.de/produkttests/waffen-munition/test-mauser-m98-standard)

Dem hinzufügen würde ich noch, dass die 'neuen' M98er von Mauser m.E. eine andere Zielgruppe ansprechen sollen, als Erstkäufer/Erstkäuferin (insb. Jungjäger/Jungjägerinnen). Ich denke, diese Waffen sind viel mehr für (vermutlich erfahrene, ggf. auch ältere, traditionsbewusste und wohlbetuchte) Jäger/Jägerinnen gedacht, die bereits ein 'Arbeitstier' für die Jagd haben (ggf. mit Kunststoffschaft und/oder Lochschaft, Mündungsgewinde für Schalldämpfer usw.) und denen der Sinn jetzt nach einer edlen Jagdbüchse steht - aus welchen Gründen auch immer. Beispielsweise für besondere Anlässe, um die eigene Sammlung zu ergänzen, als Geschenk (für andere oder als 'Belohnung' für einen selbst) usw.

Ich führe beispielsweise seit vielen Jahren eine Blaser R8 Prof. Success (mit Mündungsgewinde für meinen Schalldämpfer). Die würde ich auch um nichts in der Welt hergeben. Trotzdem kann ich nicht ganz leugnen, dass ich die Mauser M98 interessant finde und die auf mich eine gewisse Anziehung ausübt. Und wenn ich die Kohle hätte, dann würde ich mir vermutlich auch eine zulegen. Das Ding ist - salopp gesagt - einfach geil, haha :-)

Terrier__97

Super Bericht!
Für mich ein Klassiker der nicht nur vom Stil her sondern auch vom technischen her zeitlos ist und bleibt. Klar kann er nicht mit den Innovationen und modernen Materialien einer R8 oder ähnlichem aufwarten, aber was Sicherheit und Stabilität angeht, mit Sicherheit nicht überholt. Die Sauer 100 oder Rem. 700 haben in der Hinsicht weniger zu bieten und denen wirft keiner vor nicht zeitgemäß zu sein ;)
Allerdings würde ich mir für 6000€ keinen 98er bei Mauser kaufen. Da gibt es zu viele Alternativen in moderateren Preislagen.
Nichtsdestotrotz eine wunderschöne Waffe und ein gelungener Bericht

campfire

Zweifellos eine schöne Waffe ! Allerdings kann ich anhand der Bilder keine erheblich bessere Verarbeitung erkennen, die diesen exorbitanten Preis rechtfertigen würde .... jede Ruger M77 MarkII oder Winchester M70 sind mit etwas ggf. Nacharbeit genausogut. Und tlw. für unter 1k€ zu haben ... am Ende ist das nur "Blaser-Marketing", dass uns weiß machen will hier etwas besonderes zu haben ...

Franz Baumann

Carl M-Punkt, ein super Bericht! Top Fotos, kurz und knapp alles Wichtige aufgeführt und vor allem die Schussleistung gut dargestellt. Ob die Waffe nun 3.000 oder 8.000 kostet - das wird immer der Käufer nach der Frage entscheiden müssen, was sie IHM wert ist. Jedes Produkt unterliegt dem Marketing. Und dieses, M98 aus dem Hause Mauser, wird sehr gut vermarktet, galubwürdig, Person zum Namen passend.

Mir wäre sie den Preis wert, ist sie doch, auch unter Isny-Label, vom Namen her immer noch "der Inbegriff deutscher Waffenkunst", geschichtsträchtig, ein Synonym für Zuverlässigkeit und Sicherheit. Mit dem Kauf unterstützt man den Erhalt deutscher Arbeitsplätze, und die Firma bietet top Service...wenn man ihn braucht. Persönlich kann ich mit dem Namen Mauser und seiner Geschichte mehr, und zwar deutlich mehr, als mit Rigby oder Sauer anfangen. Danke für Deinen Bericht!