Der lange Weg zum eigenen Jagdmesser – Teil II Der Praxistest
Von Deutscher Jagdblog am 26. Oktober 2018

In unserem letzten Bericht haben wir über unsere Erfahrungen mit der Konstruktion eines eigenen Jagmessers geschrieben und gezeigt, welchen Unwegsamkeiten man aus dem Weg gehen muss. Nun, da wir unser fertiges Messer in der Hand hielten, wollten wir es natürlich auch in der Praxis testen und hatten auf Grund von viel Waidmannsheil auch die Gelegenheit hierzu. Im folgenden Artikel möchten wir gerne zeigen, wie wir unser Messer auf Herz und Nieren geprüft haben und welche Schlussfolgerungen für eine Weiterentwicklung wir ziehen.

Der Ursprungsgedanke für unser Jagdmesser

Am Anfang stand die Idee, ein Jagdmesser zu konzipieren, welches geeignet ist, die Teil- und Vollversorgung am Wild durchzuführen und stark genug ist, einfache Outdoorarbeiten auszuführen. Zudem sollte es dem allgemeinen „ultra-light-hunting-trend“ folgen, um das Gepäck einer längeren Jagdreise nicht unnötig zu belasten. Da wir gerne eine Aufbrechklinge benutzen, war es auch eine Forderung, dass ein Aufbrechhaken oder eine extra Aufbrechklinge vorhanden ist. Die Aufbrechklinge sollte dabei nicht in der eigentlichen Klinge integriert sein. Zusätzlich sollte das Messer einige grundsätzliche Werkzeuge enthalten.

Das Ergebnis

Wir wollen das Ergebnis nicht vorwegnehmen, aber der Ursprungsgedanke unserer Überlegungen zu einem modernen Jagdmesser wurden durch den Prototyp erfüllt. Das Messer ist für die Teil- und Vollversorgung von starkem Wild geeignet und kann auch für einfache Outdoorarbeiten herangezogen werden. Der Skelettschnitt macht das Messer sehr leicht und dennoch ausreichend griffig zum Arbeiten am Wildbret. Aber nichtsdestotrotz hat unser Design auch einige Pferdefüßchen, die mit dem nächsten Entwurf entfernt werden müssen. Hierfür möchten wir Sie gerne um Ihre Unterstützung bitten. Uns haben viele Anfragen erreicht, ob man das Messer kaufen kann. Derzeit haben wir allerdings noch keine Möglichkeit eine größere Stückzahl der Messer produzieren zu lassen. Natürlich fänden wir es super, wenn das Messer in einer Kleinserie auf den Markt kommt, um dies jedoch zu realisieren brauchen wir Ihre Meinung. Wir haben einen Umfragebogen erstellt. Mit der Beantwortung der enthaltenen fünf Fragen können Sie uns helfen die Möglichkeit der Umsetzung des Projektes einzuschätzen. Vor Ihrer Teilnahme an der Umfrage, sollten Sie unsere Testergebnisse noch lesen. Deswegen möchten Ihnen gerne im Folgenden die Ergebnisse der einzelnen Bestandteile und Designelemente des Jagdmessers nacheinander vorstellen.

Der Stahl

Wir haben für den Prototyp einen pulvermetallurgischen Stahl verwendet, da überall die Vorteile dieses Stahls propagiert werden und Premiumhersteller gerne diesen Stahl als das Allheilmittel anpreisen. Der Stahl überzeugt natürlich durch seine Härte und die hervorragende Schnitthaltigkeit. Die Härte des Stahls ist aber auch gleichzeitig seine Schwäche. So lässt sich der Stahl nicht genauso gut schärfen wie ein einfacherer Stahl. Unserer Meinung nach muss man nicht das Geld für einen solchen Stahl in die Hand nehmen. Bei unserem Projekt war der Stahl das teuerste im ganzen Herstellungsprozess und lohnt sich aus diesem Grund nur bedingt. Ein guter 440c oder D2-Stahl ist unserer Meinung nach die bessere Wahl, da er gut zu schärfen ist und ebenfalls nicht rostet.

Die Cerakote-Beschichtung

Auf jeden Fall werden wir uns nie mehr ein Messer ohne Beschichtung holen. Die Beschichtung hält bombenfest und verleiht der Oberfläche des Messers hervorragende Eigenschaften. Wir hätten es selber nicht geglaubt, aber die Haptik des Messers ist sehr angenehm. Die Cerakote-Beschichtung schimmert seidenmatt und fühlt sich wie leicht aufgerauhte Keramik an, was das Messer sehr griffig macht. Zudem lässt sich das Messer durch die Beschichtung ganz einfach mit Wasser reinigen ohne dass Rückstände oder Gerüche zurückbleiben. Signalfarbe würden wir ebenfalls immer wieder wählen, so geht das Messer nicht verloren. Die Zeit wird zeigen, ob die Beschichtung den Dauereinsatz übersteht, aber bis jetzt ist die Cerakote-Schicht noch vollständig.

Der Aufbrechhaken

Wir waren uns anfangs nicht ganz sicher, ob der Aufbrechhaken an dieser ungewöhnlichen Stelle funktioniert bzw. zweckmäßig ist. Jetzt, nachdem wir das Messer getestet haben, wollen wir den Aufbrechhaken nicht mehr missen. Auf dem nebenstehenden Foto können Sie den Einsatz des Aufbrechhakens sehen. Er funktioniert so wie wir es uns vorgestellt haben und erleichtert das Aufbrechen ohne Verletzen der inneren Organe ungemein. Wir haben das Feedback bekommen, dass nicht jeder den runden Aufbrechhaken schleifen kann und es unter Umständen für Menschen mit sehr großen Händen unangenehm am Handballen sein kann. Vielleicht werden wir bei der nächsten Variante des Messers den Haken mit einer geraden Klinge (oder austauschbaren Klinge) versehen, um allen das Schleifen zu erleichtern. Weiterhin werden wir den Übergang des Aufbrechhakens etwas abrunden, um Menschen mit großen Händen das Arbeiten mit dem Messer so angenehm wie möglich zu machen. Wie auf dem Bild gezeigt benutzt Tino den Aufbrechhaken ohne aufgesetzte Scheide. Für geübte Jäger ist dies kein Problem, sollten Sie allerdings im Umgang mit Messern nicht geschult sein, so empfiehlt es ich beim Einsatz des Aufbrechhakens die Scheide auf zu ziehen.

Die Kydex-Scheide

Das Material Kydex ist für uns die erste Wahl für Scheidenmaterial. Man kann es einfach reinigen und es lässt sich leicht bearbeiten. Die Scheide müssen wir dennoch auf jeden Fall nocheinmal überarbeiten. Zum einen ist die Gürtelschlaufe viel zu kurz. Diese muss anders gestaltet werden, weil wir unsere Messer gerne auf Höhe des Oberschenkels tragen. Zum anderen muss an der Gürtelschlaufe eine Schutzlasche für den Aufbrechhaken angebracht werden. Gut ist der Spülkanal der Scheide, diesen werden wir auf jeden Fall beibehalten.

Die Klinge

Das Herzstück des Messers, die Klinge, ist unserer Meinung nach sehr gut gelungen. Sie sieht gut aus und erfüllt ihren Zweck. Da wir überwiegend starkes Wild aufbrechen, ist sie auch ausreichend groß. Aber da in Deutschland auch deutlich kleineres Wild in den Wäldern unterwegs ist, müssen wir die Klinge noch etwas überarbeiten. Um das Messer zu einem Universal-Jagdmesser zu machen, muss die Klinge etwas flacher und weniger bauchig gestaltet werden. Wie auf den Bildern gezeigt kann man Dam-, Muffel- und Schwarzwild problemlos mit diesem Messer ringeln und zerwirken. Bei Rehwild kommt das Messer allerdings an seine Grenzen. Entweder verwendet man eine sog. Ringelhilfe oder die Klinge muss kleiner werden.

Der Skelettschnitt

Die Ausfräsungen am Griff des Messers sind ebenfalls gut gelungen. Durch das fehlende Material und auf Grund der großen Klinge wirkt das Messer etwas kopflastig, was bei einem Jagdmesser allerdings nicht so sehr ins Gewicht fällt wie bei einem Kampfmesser. Weiterhin haben wir unser Ziel erreicht und durch das Einsparen von Material ein wirklich sehr leichtes Messer geschaffen. Wem der Skelettschnitt nicht gefällt, der hat die Möglichkeit den Griff mit einer Paracordwicklung zu versehen. Um die Paracordwicklung leichter mit dem Messer zu verbinden, werden wir noch Bohrungen anbringen.

Fazit

Der Prototyp unseres Jagdmessers hat bewiesen, wieso es Prototypen gibt, man muss erst herausfinden, ob ein Produkt geeignet ist bevor man weitere Schritte geht. Wir werden noch einige Anpassungen an dem Messer vornehmen bevor es für unser Empfinden perfekt ist. So müssen wir die angesprochenen Modifikationen an der Scheide sowie der Klinge vornehmen. Ob wir den Aufbrechhaken abändern müssen wir erst noch im Team besprechen, da er dem überwiegenden Teil so wie er ist, sehr gut gefällt. Was die nächste Version auf jeden Fall wieder haben wird, ist eine Beschichtung. Wir werden Sie auf dem Laufenden halten und hoffen Ihnen bald ein salonfähiges modernes Jagdmesser präsentieren zu können. Apropos: wir haben uns im Team auf einen Arbeitstitel bzw. Namen für das Messer geeinigt. Das Messer heißt JM-18. JM steht hierbei für Jagdmesser, wer hätte es gedacht, und 18 steht für das Entwicklungsjahr. Natürlich würden wir uns sehr über Ihre Teilnahme an der oben angesprochenen Umfrage freuen, hier nochmal der Link: einfach diesen Text anklicken und Sie gelangen zur Umfrage. Das Team Deutscher Jagdblog bedankt sich vielmals für Ihre Teilnahme an der Umfrage und Ihrer Beteiligung an der Schaffung eines modernen sowie praxisnahen Jagdmessers!


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