Jagd mit AR10 / AR15 ?
Von Susi am 21. September 2018


Mein Schrank steht voll. Voll mit Jagdgewehren. Voll mit Jagdgewehren mit schönen Holzschäften, die ihre eigenen Geschichten schreiben. Und dann, dann steht da ein taktisch aussehendes Gewehr. Schwarz, schlicht, Schalldämpfer, Picatinny Schiene. Ein Kriegsgewehr wie aus einem Kinofilm. Ein Gewehr welches von Soldaten im Häuserkampf zu sehen ist. Ein Gewehr, welches sicher aus Spielen wie Call of Duty bekannt ist. Nun, ich jage damit schon seit etwa 1,5 Jahren und zeige dies auch offen auf Instagram. Anfeindungen, Unverständnis, böse Sprüche seitens deutscher Jäger. Ja, all das ist Alltag. Doch ich frage euch: worin besteht der Unterschied zum Jagdgewehr mit Holzschaft (oder auch Plastikschaft)? Ob ich nun das Kaliber .308 Win aus der Sauer 80 schieße oder genau die gleiche Munition aus der AR10 von DPMS, ist dem Wild egal. Das Hauptproblem ist, dass die AR einfach ein anderes "Kleid" trägt. Und das ist nichts anderes als Mode. Mode ist stets im Wandel - ob Jagdbekleidung (Loden vs. Tarn mit Gore-Tex Membran), Zielstock (der alte Haselnussstecken vs. Primos Trigger Stick), Optik ( 8x56er Glas vs. Zeiss Victory V8 4.8-35x60 mit ASV+), Entfernungsmesser, Schalldämpfer, Autos, Quads, .... ihr merkt selbst, die Liste wird nicht kürzer. Es ist einfach nur die Verpackung dieses Gewehrs anders und wurde für die heutigen Bedürfnisse angepasst. Und dieser Wandel, diese Weiterentwicklung wird es immer geben.

Ich schieße unheimlich gerne und sehr präzise mit dieser Art von Halbautomaten. Und ich kann sehr schnell zwischen Zielfernrohr, Aimpoint und Kimme/Korn wechseln durch die praktische Picatinny-Schiene. Diese wird übrigens immer öfters auf "normalen" Jagdgewehren verbaut. Ich fühl mich wohl mit dieser Waffe und dieses Wohlbefinden wirkt sich auf meine Schüsse und Treffer aus.

Das Aussehen einer AR mag Geschmackssache sein, aber das trifft auf alles zu. Und das Argument "das sieht nach Krieg aus" und "das ist eine Kriegswaffe und hat nichts mit Jagd zu tun" zählt für mich einfach nicht. Denn meist besitzen all diese Nörgler einen alten 98er welcher sowas von "eine Kriegswaffe" ist. Und ich kann mit Sicherheit sagen, mindenstens einer meiner 98er war im Krieg - meine ARs nie!

Als Jäger haben wir uns immer an der Modernisierung und Entwicklung von Gewehren, Munition, Optiken, Kleidung, Zubehör aus dem Militärbereich bedient und das wird mit ziemlicher Sicherheit auch so bleiben.

Und zum Thema "das ist nicht waidmännisch" kann ich nur sagen:

Waidmännisch ist für mich:

- das korrekte Ansprechen von Wild

- der korrekte Schuss, um dem Stück keine unnötigen Qualen zu bereiten

- das korrekte Aufbrechen und Versorgen

- richtiger Umgang mit dem Wildbret (Hygiene)

- und vieles mehr

Und das entscheidet nicht das Aussehen einer Waffe, sondern das Können des Schützen.

Erstaunlicherweise änderte sich das Ansehen dieser Waffen abrupt Anfang des Jahres 2018. Denn da wurde nicht nur auf der IWA, sondern auch auf der Jagdmesse in Dortmund einiges an ARs vorgestellt. Und plötzlich, auch durch positive Äußerungen seitens einiger bekannter Youtuber/Instagramer hat die AR einen Platz in der deutschen Jägerschaft gefunden. Ich bin gespannt wohin die Reise gehen wird!

Zum Abschluss möchte ich noch anmerken, dass ich auch die Beizjagd ausübe. Eine uralte Form der Jagd mit Greifvögeln, die eine innige Beziehung zwischen Mensch, Tier und Natur fordert. Dafür braucht man viel Wissen über unsere Flora und Fauna und jede Menge Geduld. Ich benutze also den Halbautomaten nicht, um sinnlos "rumzuballern", viel Strecke zu machen oder anderen Quark. Ich übe die Jagd mit Verstand aus und bin mit meinem ganzen Herzen bei der Sache.

Ich wünsche viel Waidmannsheil,

Susi


August 2017


Susi
Greenhorn

Kommentare

FlitzerTom .

Sehr schöner Bericht. Vor wenigen Wochen kam ich in den Genuss mit einer AR ein wenig auf die Rennsau zu schiessen. Sollte ich mir jemals eine reine Drückjagdwaffe kaufen, dann eine AR oder ähnlich. Liegt gut in der Hand, Schaft kann auf den Schützen eingestellt werden und eine wirklich gute Gewichtsverteilung

Constantin_W

Vollkommen richtig. Bei mir steht auch eine AR im Schrank. Die nutze ich zwar aktuell nicht zur Jagd, aber sehe darin auch kein Problem. Hauptsache, man kann mit dem Werkzeug umgehen. Aber Du bist natürlich für manch alten Jäger die Krönung des Unfassbaren. Weiblich und eine AR...

Christian Süß

Richtig toller Bericht! Weiter so! :) Und lass dich von den vielen sinnlosen Anfeindungen nicht unterkriegen! Weiterhin viel Waidmanns Heil mit der Waffe! :)

Andreas Hunter

Schöner Bericht.... ach ja ich muss zugeben ich liebäugle auch schon nach einer ar15 und denke das bald eine in meinem schrank stehen wird 😊
Danke für deine Öffenheit!

Waidmannsheil

campfire

entscheidend ist nicht das "Womit", sondern das "Wie" !

Finn Förster

Spannender Bericht. Danke!

Kannst du etwas mehr zum Modell sagen. Kaliber, Lauflänge, Magazinkapazität ...
Noch besser, schreib doch direkt einen Bericht darüber ... ?!

Axel Zw

Diese Anfeindungen erlebe ich schon mit schalldämpfer und Kunststoffschaft und stosse bei mir auf tauben Ohren. Meistens sind das die alten Jäger!!

Bleib deiner Linie treu.

Nicht "womit" sondern "wie" wie campfire vor mir geschrieben hat

Hans Forstmann

Ich like hiermit ganz offiziell und nachdrücklich den BERICHT und JEDEN KOMMENTAR!!!!

Susi

Danke !! Ich bin echt baff über die Kommentare. Mein erster Bericht und dann noch so ein Thema. Dachte eher, ich werde in der Luft zerfetzt. :-o vllt kommt es ja noch 8-)
Neue Berichte könnten Folgen zum Thema Holosun, Schalldämpfer und evtl Vorstellung der Waffen. Aber erst nach meinen Uni Klausuren !

Tobias Weller

Coole Sache. Waidgerechte Jagd ist primär keine Frage der Waffe.

XXX YYY

Erlebt man leider zu oft das bei Drückjagden die sogenannten Vollernter verpönt oder nicht erwünscht sind.
Deshalb bleibt meine Sauer 303 leider zu oft im Schrank.
Toller Bericht und vor allem nachvollziehbare Argumente, Daumen hoch!!!!!

Wuidera

Schön auf den Punkt gebracht! Grundsätzlich muss jeder selbst entscheiden, welche Waffe er nutzen möchte. Für viele ist ein Kunststoffschaft schon grenzwertig, ganz zu schweigen vom bösen Schalldämpfer und dann auch noch Tarnklamotten.
Wer sich mit einer militärisch aussehenden Waffe auf die Jagd begibt, darf sich allerdings auch nicht wundern, wenn er dafür negative Reaktionen erntet. Ich denke, das war dir auch von Anfang an klar. Schade finde ich, dass du nicht mehr zur Waffe sagst. So ist das ja leider nur eine Rechtfertigung (die du nicht nötig hast) und kein Produkttest. Bitte schreib doch noch was zur Waffe, interessiert hier sicher noch einige mehr.

Hans Forstmann

Hier wird man eher nicht in der Luft zerrissen @Susi! Das ist hier eben Geartester und nicht das Wild und Hund Forum. So lange man hier ehrlich und sachlich ist, freut sich hier jeder über einen Bericht. Alles gute bei den Klausuren...

Jan V.

Hallo Susi, vorerst mal ein Kompliment für den sachlich argumentativ abgefassten Bericht.

Ich persönlich stimme dir in nahezu allen Punkten zu. Ich bilde hauptberuflich in einer Landesbehörde Schießausbilder aus und habe permanent mit sogenannten Kriegswaffen zu tun.

Das über die Treffsicherheit und damit auch die Waidgerechtigkeit eines Schützen immer die Waffe und wie gut der jeweilige Jäger damit umgehen kann entscheidet ist klar.

Ich denke der einzige Unterschied und das sollte man als Jäger der immer wieder mal, ob gewollt oder ungewollt auch im eigenen Revier in der Öffentlichkeit steht nicht außer Acht lassen, ist der Aspekt dass das öffentliche Tragen einer solchen Waffe bei den meisten Menschen grundlegend die Assoziation einer Kriegswaffe und dementsprechend auch alle damit verbundenen negativen Aspekte gleichgesetzt weckt.

Die Akzeptanz gegenüber Waffen besitzen sein ist nun Sportschützen Sammler oder Jäger ist in weiten Teilen der Bevölkerung alles andere als hoch. Auch wenn das unter technischen Gesichtspunkten noch so absurd ist fühlen sich normale Menschen durch ein Gewehr in einer AR Optik wesentlich mehr bedroht wie von einem 98er Karabiner eben aus genau den Gründen die du genannt hast das nämlich jeder solche Waffen aus Kriegsfilmen Kriegsberichterstattung oder Computerspielen als genau solche kennt.

Die Wahrheit im öffentlichkeitswirksamen Tragen oder Nutzen einer solchen Waffe bzw auch deren Zurschaustellung im Internet denke ich liegt zwischen beiden Lagern und sollte sehr sensibel und feinfühlig gehandhabt werden.

Es gibt eine Aussage die ich durchaus problematisch sehe allerdings eher in der Kommentierung hier das quasi auf Nörgler und alte Jäger abgestellt wird die das ja ohnehin ablehnen würden.

Gerade diese Menschen sind es auf deren Unterstützung wir bauen müssen wenn positive Veränderung in die Zukunft getragen werden sollen und nicht am Übereifer und der vielleicht etwas zu kurz geratenen Argumentationen mancher super moderner Waidgenossen scheitert.

Gruß Jan

Dreiviertelmond

Sehr interessantes Thema!

Ich bin bekennender Liebhaber klassischer Jagdwaffen und mein Drilling ist quasi im Dauereinsatz. Dennoch hatte ich bereits einige Male Gelegenheit, AR15 Systeme auf dem Schießstand zu schießen und war echt erstaunt: sie schossen zuverlässig, überraschend präzise und durchaus angenehm. Einzig die höheren Abzugswiderstände waren anfangs etwas ungewohnt.

Was für mich immer undenkbar war, ist nun eingetreten: ich spiele mit dem Gedanken, einen solchen Halbautomaten anzuschaffen. Hauptsächlich zum sportlichen Schießen, aber ich wette, es wird nicht lange dauern und ich werde ihn jagdlich testen :-)

Daher auch meine Bitte @Susi: hast du ein paar mehr Infos für uns zu deiner Waffe?!?!

Susi

@Jan

Ja, kann deine Gedanken nachvollziehen und habe mich natürlich auch mit der "anderen Seite der Münze" beschäftigt und tue es zwangsläufig jeden Tag aufs Neue. Das offene Tragen in der realen Öffentlichkeit ist etwas pikant, da habe ich zum Beispiel die Waffe in einem Lodenfuteral, um einfach keinen unnötigen Ärger zu fabrizieren, da mich das Zeit und Nerven kosten würde. Jedoch muss ich mich eigentlich nicht verstecken, da sich alles im rechtlichen Rahmen befindet. Einige Nichtjäger, die mich danach fragen, verstehen idR auch am Ende, dass die gleiche Munition aus dieser Waffe geschossen wird, wie aus einer "normalen" und finden das dann nicht mehr schlimm. Das gefährliche sind die Nichtjäger, die einen nicht fragen und gleich ein Problem daraus machen.
Es ist ein sensibles Thema, welches feinfühlig erklärt und sogar rechtfertigt werden muss.
Die Nörgler habe ich in keine Altersklasse eingeteilt. Die Anfeindungen kommen erstaunlicherweise gar nicht so häufig aus den älteren Reihen.

Liebe Grüße!

Rolf Bennewitz

Hallo Susi,

vielen Dank für Deinen Denkanstoß, mit dem Du sicherlich vollkommen Recht hast, dennoch bevorzuge ich wenn auch moderne Waffen aber gerne auch mit Gravur und Holzschaft, auch wenn man dann immer bauchschmerzen bei jedem Kratzer hat :-), aber ich finde sie halt einfach ästhetisch schöner und habe Freude daran auch wenn sie auch nicht anders schiessen als eine AR 10/15, zumindest bei der Ansitzjagd.

Gruß
Rolf

Stefan Burkhart

Liebe Susi, toller Text und spannender Standpunkt. Ich finde im genannten Fall die Weiterentwicklung nur konsequent und logisch. Ich habe ein ähnlich kontroverses Thema, das ich gerne noch während meiner Lebenszeit politisch und auf Verbands-/Bundesebene gerne ausdiskutiert hätte: Und zwar würde ich mir wünschen, das deutsche Jagdrecht auch für waidgerechte und zertifizierte Bogenjagd mit Jagdcompound auf kurze Distanzen zu erweitern. Dass die kinetische Energie eines Jagdpfeils entsprechend mehr als ausreichend für einen waidgerechten und präzisen/sicheren Abschuß ist, brauche ich an dieser Stelle nicht zu erwähnen - und auch in Europa machen es andere Länder, wie Dänemark, Ungarn, Spanien und Frankreich ja bereits erfolgreich vor. Ich bin grundsätzlich für einen progressiven Diskurs und offeneren Dialog in Bezug auf das Thema Jagd/bzw. Gerät und finde eine Veränderung in der Sichtweise und jagdlichen Traditionen in der heutigen Zeit besonders auch aufgrund des technologischen Fortschritts mehr als angemessen.
Gruß, Stefan

MartyMcWaller

Mein Lieblingssatz ist: Denn meist besitzen all diese Nörgler einen alten 98er welcher sowas von "eine Kriegswaffe" ist.

Cooler Bericht!

.300 Weatherby Magnum

Erstmal ein sehr schöner Bericht! Jeder soll mit der Waffe jagen mit der er oder sie gut schießt. Allerdings muss ich sagen das ich generell kein freund von Automaten bin weil ich sehr schlechte Erfahrungen mit Leuten gemacht habe die solche führen.
Zu deiner AR muss ich ganz ehrlich sagen das geht für mich garnicht! Wir müssen heutzutage das Bild der Jagd nach außen versuchen zu wahren. Solche Gewehre zu führen und dann noch im Internet damit zu posen, führt vor allem in der nicht jagenden Bevölkerung zu Irritationen. Die Jagd wird in der städtischen Bevölkerung immer kritischer gesehen und mit solchen Bildern werden wir es auf Dauer nicht einfacher haben. Es sieht für mein Befinden auch nicht nach Jagd aus mehr nach reinem töten und so können wir uns als Jägerschaft nicht vor der Bevölkerung rechtfertigen.

Constantin_W

Sorry, aber diese Aussage, noch dazu von einem Jäger, ist doch absolut substanzlos. Was hat die Wahl der Waffe damit zu tun, wie man zur Jagd eingestellt ist? Natürlich garnichts. Es ist unsere Aufgabe, der nichtjagenden Bevölkerung klar zu machen, dass es sich hierbei um ganz normale Gewehre handelt und dass es unsere Pflicht ist, die Vorzüge der modernen Technik ebenfalls zu nutzen, um unserem Auftrag nachzugehen. Ich gehe doch nicht mit dem Steinschlossgewehr los, nur um einer vollkommen ahnungslosen Gruppe ein schönes, verträumten Bild zu bieten. Das zeugt von Duckmäusertum und dem mangelnden Willen, sich mit ebenfalls substanzlosen Meinungen auseinanderzusetzen.

Patrik

It´s because I´m black, isn´t it? ;-) Naja, nach meiner Erfahrung müssen die holden, grünen Damen in der Realität, sich nicht allzu sehr mit Anfeindungen herumschlagen. Da werden gerne und oft 2 Augen zugedrückt und auf der Gegenseite dann behauptet, man müsse sich mindestens 2x so doll anstrengen, wie die Herren der Schöpfung. Im Internet mag das wieder etwas anders sein, aber das Internet ist, wie es ist und das kennt man ja.
@Marty
Dir ist schon klar, daß nicht jedes System 98 auch ein K98k ist, der Dir hier offensichtlich als "Kriegswaffe" vorschwebt?
@Constantin
Du glaubst ernsthaft, daß die Jägerschaft die Möglichkeit hätte, das AR15 in den Augen der Restbevölkerung als eine ganze normale Waffe zu etablieren? Eine AR15, die eben genauso aussieht wie eine M4, die man in den Nachrichten ständig in den Krisengebieten dieser Welt sieht, in jedem US Spielfilm zum Thema Irak und Afg.? Nicht Dein Ernst, oder? Das mit dem Steinschloßgewehr ist im übrigen reine Rabulistik. Als ob es zwischen dem und dem AR15 nichts anderes geben würde. Sei doch einfach ehrlich und sag, daß es Dir egal ist, welches Außenbild Du als Jäger abgibst.

Braxl

Die "Daumen hoch" Kommentare sind arm im Geist und nicht diskussionswürdig. Es gibt bundesweit zig verschiedene Jagdgesetze + Ausführungen, da steht u.a. drin, wieviel Schuss in einem Halbautomaten geladen werden dürfen. Wenn Behörden solch eine Kriegswaffe ohne Voreintrag genehmigen, mag diese dann zwar legal sein. Aber für die Heimatverteidigung ist es ja schon mal eine Empfehlung, wenn eine Polizei solche Berichte liest. Und nicht vergessen, die Horden der Jagdgegner/innen dürften schnell zum handy greifen, wenn Frau so im Wald/Feld herumläuft. Und dabei handelt es sich um keine Anscheinswaffe, denn ein SEK macht auf Zuruf gerne Hatzeinsätze.