Legenden – PUMA white hunter
Von PUMA am 8. September 2018


1956 – Ostafrika. PUMA steht in Verhandlungen mit der EAPHA – der East African Professional Hunters Association. Einige Mitglieder dieser Vereinigung waren selbst so etwas wie Legenden. So wie Philip Percival. Bekannt geworden als Großwildjäger im kolonialen Kenia und als Jagdführer von Theodore Roosevelt und Ernest Hemingway.

Wie aber kommt eine deutsche Messermanufaktur in den Kontakt mit der ostafrikanischen Jagdvereinigung? Die treibende Kraft war der damalige Leiter des PUMA Werks Oswald von Frankenberg und Ludwigsdorf. Er war es, der nach dem zweiten Weltkrieg die Produktion auf Jagdmesser umstellte und der auch den Kontakt nach Ostafrika knüpfte. Tragischerweise wurde jeglicher Schriftverkehr aus dieser Zeit durch einen großen Brand der Messerfabrik 1979 vollkommen vernichtet. Unbestritten ist jedoch, dass die Kooperation der großen Jäger Ostafrikas mit PUMA etwas Großartiges hervorbrachte. Gemeinsam erdachten die Männer ein Messer, das einen neuen Standard als Jagd- und Outdoormesser setzen sollte und das für alle erdenklichen Aufgaben in der Wildnis geeignet sein sollte. Angeleitet durch diese Ideen und Anforderungen entwarf der damalige technische Leiter der PUMA Produktion Hermann Heck, eine zu dieser Zeit völlig neuartige Klingenform. Sie war genauestens durchdacht und erfüllte die umfangreichen Anforderungen der Jäger vollkommen.

Die grobe Spitze des white hunter ist robust genug um Dosen zu öffnen oder Kronkorken aufzuhebeln. Durch den Schwerpunkt der Klinge an der Spitze entwickelt das Messer eine enorme Schlagwucht und ist damit auch perfekt zur Verteidigung geeignet.

Nahe der Spitze hat der Klingenrücken den breitesten Punkt. Dieser ist soweit verbreitert, dass er sogar geeignet ist Nägel oder Zelthaken einzuschlagen.

Mittig auf dem Klingenrücken ist die Klinge zu einer langen Beilschneide geschliffen, die für grobe Arbeiten konzipiert wurde, bei der die eigentliche Schneide zu sehr abstumpfen würde. Mit der Beilschneide lässt sich Reisig schlagen, Feuerholz spalten oder sogar Knochen zerkleinern. Sie kann auch ähnlich einer Machete verwendet werden um sich durch dichtes Unterholz zu schlagen. Direkt vor dem Griff befindet sich die geriffelte Daumenraste in der Klinge und unterseits eine ausgeprägte Parierstange. Beides sorgt dafür, dass das Messer sicher zu halten und kraftvoll zu führen ist.

Die untere Schneide ist ebenfalls auf zweierlei Arten geschliffen. Die vorderen zwei Drittel der Klinge wurden als normale Schneide gestaltet. Die bauchige Form ermöglicht kraftvolle, lange Schnitte und hat eine hervorragende Schnitthaltigkeit. Das hintere Drittel der Klinge ist als Säge konzipiert und dient dazu grüne Äste, Fischhaut oder ähnliches Material durch- oder anzuschneiden. Der weitere Schnitt kann dann oft mit der glatten Schneide beendet werden.

Der Griff des white hunter ist aus Rothirschhorn gefertigt. Dieses Naturmaterial ist äußerst widerstandsfähig und bedarf keinerlei Pflege. Durch die natürlicherweise raue, unebene Oberfläche hat man auch bei Kälte und Nässe einen rutschfesten Griff. Im hinteren Teil des Griffs findet sich ein Loch, in das ein separates Sicherungsband angebracht werden kann. Zudem dient es als Aufnahme für das Sicherungsband der Lederscheide, welches das Messer vor dem Herausfallen aus der Scheide schützt.

Die Lederscheide des white hunter ist aus strapazierfähigem Sattelleder gefertigt und mehrfach vernietet. Oben ist sie mit einer Gürtelschlaufe versehen, am unteren Ende ist ein Lederband angebracht. Dieses kann man beim Tragen des Messers am Gürtel, um den Oberschenkel legen und somit noch sicherer fixieren. Auf diese Art bleibt das Messer auch beim Kriechen auf allen Vieren, beim Reiten oder anderen bewegungsintensiven Einsätzen stabil am Körper fixiert.

Durch all diese Attribute war also ein innovatives Messer geschaffen, das seinesgleichen suchte.

Der Name hingegen war alles andere als neu, war white hunter doch die gängige Bezeichnung für ebenjene britische und amerikanische Großwildjäger im kolonialen Afrika.

Im Jahr 1956 wurde das Messer in den USA erstmals auf den Markt gebracht. Von dort aus begann es seinen Siegeszug weit über die USA und auch Deutschland hinaus. Es setze einen Standard unter den Jagd- und Outdoormessern der jahrzehntelang unerreichbar blieb.

Eine weitere Berühmtheit sorgte schließlich dafür, dass nicht mehr nur Großwildjäger und Abenteurer auf dieses Messer schworen.
Auch kleine Jungs vor dem Fernseher wollten plötzlich so ein Messer haben. Denn sie sahen, dass Lex Barker in der Rolle des Old Shatterhand das PUMA white hunter an seinem breiten Gürtel trug und damit all die Abenteuer bestritt um den Schatz im Silbersee zu finden. Unser PUMA white hunter flimmerte somit durch Millionen von TV-Geräten und gelangte gemeinsam mit dem Film Weltruhm. Daraufhin folgten nochmals rekordverdächtige Absatzzahlen. Allein in den USA wurden jährlich bis zu 20.000 Messer verkauft, womit das PUMA white hunter noch immer an der Spitze der Solinger Exportschlager steht.

Und die Geschichte dieses Messers ist damit noch lange nicht zu Ende. Im Laufe der Jahre folgten viele Nachfolgermodelle mit kleineren und größeren Abwandlungen.

Die erste Modifikation des white hunter war die Änderung des Klingenstahls. Der ursprünglich nicht rostfreie Stahl wurde verchromt um die Klinge vor Korrosion zu schützen. Ab dem Jahr 1979 wurde dann rostfreier Stahl verwendet, der das Verchromen der Klinge überflüssig machte.

Direkter Nachfolger des white hunter war Anfang der 60er Jahre das PUMA automesser. Nachdem die Jäger mit dem white hunter bestens versorgt waren, sollte auch der Rest der Bevölkerung die Vorteile dieses einmaligen Messers kennenlernen, das mitnichten nur im afrikanischen Busch zu überzeugen weiß.

Wie der Name vermuten lässt, sollte das Messer nun zum täglichen Begleiter im Auto werden. Der einzige Unterschied zum white hunter waren die Griffschalen die für das automesser aus Holz gefertigt worden sind. Schnell war auch eine passende Scheide entwickelt, die sich im Auto neben Fahrer oder Beifahrer an der Karosserie befestigen ließ.

An Einsatzzwecken für diesen Alleskönner unter den Messern mangelte es nicht.
Selbstverteidigung, Schneiden und Zerteilen der Lebensmittel für das Picknick und die Ausfahrt ins Grüne, oder aber als Lebensretter zum Einschlagen der Scheiben oder das Durchtrennen des Sicherheitsgurtes in einer Notsituation. Etwas komödiantisch muten heutzutage die weiteren Vorschläge zum Einsatz des Messers an. Beispielsweise das Schlagen von Zweigen, um Auto und sonnenempfindliche Reifen damit vor intensiver Sonneneinstrahlung zu schützen. Der Tipp des Ausstechens von Grassoden um sie unter die Reifen des festgefahrenen Autos zu schieben, ist hingegen mit Sicherheit noch aktuell.

Schließlich entdeckte auch die Bundeswehr das white hunter für sich. Sie stattete vor allem Piloten mit diesem Messer aus denen es als Überlebensmesser dienen sollte. Eine ganz besondere Anforderung stellten die fliegenden Soldaten an die Scheide des Messers. Dieser Anspruch resultierte daraus, dass die Piloten das Messer fixiert am Oberschenkel trugen. Die Scheide musste mit bis zu 15 zusätzlichen Nieten zusammengehalten werden, damit die Messerklinge sich bei der Betätigung des Schleudersitzes im Flugzeug nicht durch das Leder bohrt und den Soldaten verletzt. Leider hatte sich ein solcher Vorfall vor der Verstärkung der Lederscheide tatsächlich ereignet.

Eine weitere Modifikation durch die Bundeswehr betraf schließlich die Klinge des white hunter. Für die Feuerwehr des Bundes wurde die Klinge des white hunter um einen Haken an der Oberseite erweitert, der unter anderem zum Durchtrennen von Sicherheitsgurten diente.

Aber damit waren die Einsatzgebiete dieser einmaligen Klinge noch immer nicht erschöpft.

1979 wurde das white hunter auch für Wassersportler interessant. Denn es erhielt einen Kunststoffgriff, der im und über Wasser für den nötigen rutschfesten Halt sorgte und unempfindlich gegenüber Seewasser war. In dieser Form trug das Messer den Namen Capri.

Auch eine Miniversion, die das genaue Abbild des ursprünglichen white hunters ist, gibt es mittlerweile auf dem Markt.

Selbst das PUMA waidblatt kann seine ‚Verwandtschaft‘ zum white hunter nicht verbergen. Zumal der an dessen Entstehung beteiligte Walter Frevert auch schon bei der Entwicklung des white hunter zugegen gewesen sein soll.

Zum 240-jährigen PUMA Firmenjubiläum, wurde das white hunter noch einmal von PUMA selbst überarbeitet und als PUMA white hunter 240 vorgestellt. Es weicht in den Maßen und der Klingenform ein klein wenig vom ursprünglichen Modell ab und wurde ergonomisch optimiert.

Die Liste der Abwandlungen dieses außergewöhnlichen Messers könnte noch weiter fortgeführt werden und zeigt mit wieviel Sachverstand diese Klinge entwickelt worden ist.

Zum Abschluss sind hier noch einmal die Daten des originalen PUMA white hunter zusammengefasst:

- Klingenlänge: 155 mm

- Klingenstärke: 5 mm

- Gesamtlänge: 270 mm

- Messergewicht: 240 g

- Beschalung: Hirschhorn

- Knebel: Aluminium

- Stahl / Härte: 1.4116 / 55-57 HRC

- Scheide: Sattelleder

- Design: PUMA

- Made in Germany 



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