Benelli Montefeltro
Von Luca Wirtz am 27. Mai 2018

Mit der Selbstladeflinte auf Taubenjagd am Sojafeld

Lange Zeit bin ich mit einer alten Sauer-Beretta Bockdoppelflinte auf Taubenjagd gegangen. Das hat eigentlich auch sehr gut funktioniert, nur eine Sache hat mich immer genervt. Durch die Auszieher war das Nachladen nicht gerade eine schnelle Angelegenheit, den ein oder anderen Anflug hab ich dadurch an guten Tagen verpasst.

Als die Flinte dann irgendwann das Doppeln anfing, war die Zeit reif, um sich davon zu verabschieden. Schließlich hatte sie ja auch schon ein paar Jahrzehnte auf dem Buckel.

Die Neue sollte ein Halbautomat werden. Vom dritten Schuss im Magazin habe ich mir sehr viel versprochen, wirklich etwas gebracht hat diese erhöhte Feuerkraft jedoch nicht. Ein paar Tauben mehr konnte ich damit zwar erlegen, meistens bietet sich jedoch nicht die Gelegenheit für den dritten Schuss. Trotzdem bin ich froh, nun eine Selbstladeflinte gekauft zu haben. Auf die weiteren Vorteile gehe ich später noch ein.

Geworden ist es schließlich eine Benelli Montefeltro in 12/76. Diese hat nun einige hundert Schuss durch und mich noch nicht im Stich gelassen. Wer eine edle Flinte für die Flugwildjagd sucht, der wird hier sicher fündig.

Die Montefeltro kommt in den Kalibern 12/76 und 20/76 und in den drei Lauflängen 66cm, 71cm und 76cm. Meine Standardvariante bringt 3,1kg auf die Waage und liegt damit im normalen Bereich einer SLF.

Das Schaftholz hat eine sehr schöne Maserung

Die Benelli besitzt ein schwarz anodisiertes System aus Aluminium. Zusammen mit dem wirklich schönen Holz und dem goldenen Anzug kann sich die Flinte wirklich sehen lassen und braucht sich auch auf Gesellschaftsjagden nicht zu verstecken. Die Fischhaut ist gelasert und greift sich auch bei Nässe sehr gut. Im Vorderschaft befindet sich natürlich hier auch das Magazin, welches vier Schuss fasst. Ein Metallstab zur Begrenzung auf zwei Schuss wird mitgeliefert. Da es sich bei der Benelli um einen Rückstoßlader handelt, bleibt der Vorderschaft schön schlank und lässt sich gut greifen.

Handhabung

Wie für eine Selbstladeflinte typisch sitzt die Sicherung der Montefeltro am Abzugsbügel. Durch die Position hinter dem Abzugszüngel kann man die Waffe entsichern, wenn man den Finger um den Abzug krümmt. Dies geht sehr schnell, dabei entsteht jedoch ein lautes Klicken. Bei der Taubenjagd stört das nicht, ein Fuchs bekommt es jedoch sicherlich beim winterlichen Ansitz mit. Deutlich leiser ist das Klicken, wenn man die Sicherung langsam drückt, fast lautlos lässt sie sich nur bedienen, wenn man von der anderen Seite mit dem Daumen gegenhält. Ein fast nicht hörbares Geräusch lässt sich jedoch nicht vermeiden. 

Geräusche lassen sich auch beim Schließen der Waffe nicht vermeiden. Wenn man den Verschluss sehr langsam kommen lässt, schließt sie nicht ganz, auch ein Nachdrücken funktioniert nicht. 

Gesichert-ein eckiger Knopf tritt aus dem Abzugsbügel heraus.  Dieser lässt sich auch im Dunkeln sicher ertasten
Im entsicherten Zustand ist der Knopf rund und rot gefärbt

Das Laden einer Selbstladeflinte geht im engen Tarnstand deutlich einfacher als das einer klassischen Flinte. Man kann die Mündung einfach nach oben gerichtet lassen und schiebt die Patronen durch das Ladefenster ins Magazin. Meine alte Flinte musste ich dazu immer knicken und blieb dadurch manchmal im Tarnnetz hängen. Sehr nervig, wenn bereits die nächsten Krähen aufs Lockbild zustehen. Mit etwas Übung und entsprechenden Patronenhaltern kann man auch zwei oder vier Schuss gleichzeitig  laden. Dies ist jedoch eher sportlich und weniger jagdlich interessant. Es macht jedoch viel Spaß so an seiner Ladetechnik zu üben.

Beim manuellen Repetieren lädt die Montefeltro keine Patronen aus dem Magazin nach. Aus diesem Grund stopft man erst einen Schuss ins Auswurffenster, schließt die Waffe und macht dann das Magazin voll. Diese Funktion hat den Vorteil, dass man die Waffe unterladen führen kann. Ein weiterer Vorteil ist, dass man schnell eine andere Ladung wie beispielsweise eine billige Trappatrone für einen Hebeschuss ins Patronenlager schieben kann ohne erst das komplette Magazin über den sich dort befindlichen Knopf entleeren zu müssen. 

Der Patronenfreigabehebel erlaubt das Nachladen einer unterladenen Waffe aus dem Magazin

Ladehemmungen

Beim normalen Jagdbetrieb hatte die Waffe keine einzige Störung. Dabei habe ich von 24g bis 52g alles verschossen. Auch die ganz leichten Trapladungen und Stahlschrotpatronen bereiteten keine Funktionsstörungen. 

Da ich so etwas jedoch gerne bis ans Limit teste, konnte ich doch auf zwei Arten wiederholt Störungen provozieren. Jagdlich spielt es jedoch garantiert keine Rolle. Die erste Störung tritt auf, wenn man die Waffe verkehrt herum schießt. Die leere Hülse verklemmt sich dabei im Auswurffenster und muss manuell rausrepetiert werden.

 
Leere Hülse klemmt, die frische Patrone wurde jedoch schon zugeführt

Die zweite Funktionsstörung lässt sich auslösen wenn man die Waffe mit 24g Ladungen aus der Hüfte schießt und sie dabei so locker wie möglich hält. Dabei bleibt der Verschluss schon sehr früh stehen und die verschossene Hülse bleibt halb im Lager. Aber auch das sollte auf der Jagd keine Rolle spielen.

 
Die Hülse bleibt stecken und muss wieder von Hand entfernt werden

Das Schuss- und Schwungverhalten ist sehr angenehm. Wenn man normal mit einer Bockflinte schießt, muss man sich erst einmal an die Verschlussbewegung gewöhnen. Diese nimmt man zuerst deutlich wahr, da das Hervorschnellen des Verschlusses nach dem Rückstoß wieder eine Art Impuls nach vorne gibt. Nach dem letzten Schuss bleibt der Verschluss offen. Die ausbleibende Bewegung merkt man dann auch. Das Umgewöhnen kann man mit dem von Doppel- auf Einabzug vergleichen. Es braucht ein bisschen, aber spätestens nach 30 Schuss hat man sich darauf eingestellt.

Als letzten Punkt des Handlings möchte ich noch etwas zum Auseinanderbauen schreiben, beziehungsweise "field stripping" wie man es besser nennen kann. Dies ist extrem einfach. Dazu wird die Endkappe vorne am Magazinrohr losgeschraubt. Dadurch lässt sich der Vorderschaft abnehmen. Nun liegt der Lauf frei, dieser lässt sich einfach nach vorne ohne jede Drehung entnehmen, lediglich der Verschluss muss dazu ein Stück nach hinten bewegt werden um ihn zu entriegeln. Fertig.

 Der Zusammenbau geht natürlich genauso einfach, nur in umgekehrter Reihenfolge.

Abschließend kann ich nur noch sagen, dass die Verarbeitungsqualität keine Wünsche offen lässt. Bei einer Benelli erwartet man natürlich auch  nichts anderes. Einziger Kritikpunkt meinerseits ist der Abzugsbügel. Dieser besteht aus Kunststoff. Auch, wenn man dadurch keine praktischen Nachteile hat, wär mir vom reinen Gefühl her ein Abzugsbügel aus Aluminium deutlich lieber gewesen. Davon abgesehen gibt es auch sonst nichts zu meckern. 

Die Benelli Montefeltro funktioniert sehr zuverlässig, ist einfach zu bedienen und sieht obendrein auch noch traumhaft aus. Preislich liegt sie bei 1881€ UVP. Sicher ist sie damit nicht ganz billig, aber dafür muss man bestimmt nicht zweimal kaufen. Ich habe keine Zweifel daran, dass diese Flinte mich mein ganzes Jägerleben begleiten kann.

 
Kurzer Abendansitz an den Schlafbäumen
Jagd mit Lockbild


Kommentare

hunting_philipp

Cooler Bericht. Viele Aspekte sind hier behandelt. Bei meiner nächsten Flinte wird es auch eine haltautomstische werden✌🏻. Dein Bericht hilft mir weiter.

Franz Baumann

Sehr guter Bericht. Die Benelli ist der Maßstab, die Benchmark, an der sich andere messen müssen. Wir haben das eindrucksvoll bei Taubenjagden im Ausland gesehen. Alle Benelli funktionierten erstklassig vom ersten bis zum letzten Tag. Egal, ob Patronen gemischt wurden oder nicht, ob gereinigt wurde oder nicht. Da gab`s Produkte anderer Hersteller, die leider nach zwei Tagen Ladehemmungen hatten.

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