Mit der Wärmebildkamera gegen die ASP
Von Waidmann am 27. Februar 2018

Vorwort: Ich entschuldige mich schon jetzt! Der Text ist etwas länger geworden als ursprünglich geplant! Aber es lohnt sich und regt vielleicht zum Nachdenken an. Euer Waidmann …

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Hallo Zusammen,

wir finden uns wieder in turbulenten Zeiten. Die ASP (Afrikanische-Schweine-Pest) klopft an den Türen Deutschlands und wir sind weitestgehend ratlos. Ratlos darüber, welche Auswirkungen die ASP in Zukunft auf uns Jäger haben wird. Ein Thema, welches zumindest ich, aus Mangel an fundierter Fachkenntnis, nur schwer beurteilen kann. So stelle ich mir seit geraumer Zeit Fragen wie:

  • Kommt die ASP nach Deutschland und wenn ja, wann?
  • Hat die ASP Auswirkungen auf die Bezirke in denen ich jage?
  • Wie würde es mir ergehen, wenn sich der SW Bestand in meinen Bezirken um 50% reduzieren würde?

Diese Fragen könnte man wohl endlos so weiter führen und möglicherweise noch viel individualisierter betrachten. Jedoch bin ich bei der Beantwortung dieser Fragen relativ schnell zu dem Ergebnis gekommen:
Verdammt - ich mag „mein“ Schwarzwild!

Die Bejagung auf dieses äußerst intelligente Wildtier reizt mich extrem. Ich leide unter keinen unmittelbaren Problemen wie Wildschäden oder einem anderen finanziellen Risiko und daher sind mir 10 Sauen in einer Rotte lieber als 5.

Dabei ist mir aber auch klar, dass der Reviernachbar im Feld oder der Landwirt diese Ansicht nicht unbedingt teilt. Jedoch habe ich versucht, diese Fragen zunächst einmal für mich zu beantworten und mögliche Erkenntnisse abzuleiten.

Im Gesamten betrachtet glaube ich, dass es nur eine Frage der Zeit sein wird, bis die ASP in Deutschland nachgewiesen wird. Unter Betrachtung dieser Annahme kann ich zum Schutz des Schwarzwildes vor der ASP nur eines tun: Es reduzieren.

Und zwar so weit, wie nur eben möglich! Meiner Ansicht nach ist dies die einzige wirksame Schraube an der ich drehen kann. So liegt der Ursprung solch eines Virus doch meist in einer zu hohen Population.  

Nun spricht sich das Wort reduzieren einfacher aus als es in die Praxis umzusetzen ist. Stecken wir nicht schon jetzt viel Mühe, Zeit und vor allem Geld in die Bejagung von Schwarzwild? Ich glaube ja und ich glaube, dass sich eine Reduzierung im Rahmen der herkömmlichen Bejagungsstrategien nicht umsetzen lässt. 

Neue Wege, neue Strategien und neue Techniken müssen her. Wir müssen effektiver jagen, ohne die Waidgerechtigkeit aus den Augen zu verlieren. Doch wie soll das gehen?

Ich habe meine Lösung gefunden und habe damit gute Erfolge. Seit zwei Jahren jage ich jetzt mit der WBK (Wärmebildkamera) und bin der Meinung, dass die Verwendung solcher Geräte aktuell das Wirksamste (legale) Mittel für eine effektivere Schwarzwildbejagung ist. Voraussetzung dafür ist allerdings, sein Handwerk zu verstehen und ein gewisses Grundverständnis der Jagd mitzubringen. Denn alleine durch eine WBK in der Hand, erlegt man kein Stück Schwarzwild mehr!

Weizenstoppeln und Neumond: 2 Nächte , 2 Jäger , 2 WBK's 

Neben Gründen der früheren Identifizierung etc. sehe ich folgende Punkte als ausschlaggebend, warum man mit einer WBK effektiver jagt: 

Mehr Ruhe: Es lässt sich klar erkennen, wie sich das SW verhält. Zieht es, bricht es, verhofft es, sichert es. Das schafft Zeit und eine innere Ruhe. Das "Schattenraten", wo welches Stück gerade steht und wie große die Rotte eigentlich ist, gehört damit der Geschichte an.

Mehr Wissen: Man lernt die Rotten und einzelnen Stücke besser kennen, erkennt Muster, Wechsel, Wiederholungen. Das Wissen über Wild und deren Wechsel ist Gold wert. Mit diesem Wissen ist man oft ein Schritt voraus. Rotten lassen sich abfangen und Verhaltensmuster besser nachvollziehen.

Mehr Sicherheit: Man schießt nahezu zu 100% das richtige Stück aus der Rotte. Unabdingbar, wenn man die Bestände reduzieren will. Auch größere Stücke aus den Rotten lassen sich je nach Entfernung sicher ansprechen und erlegen. Fehlabschüsse reduzieren sich somit auf ein Minimum.

Mehr Freude: Dadurch, dass man mehr von seiner Umwelt wahrnimmt, nimmt die Freude zu. Mäuse, Ratten, Füchse, Marder und Rehe, die üblicherweise im dunkeln verborgen bleiben, beleben die Pirsch. Man erlangt ein Gespür über den Wild- und Tierbestand.

Mehr Strecke: Allein bei mir waren es im ersten Jahr mit WBK 42% und im zweiten Jahr 76% Stück Schwarzwild mehr. Befreundete Jäger berichten ähnliches.

Die kleine Rotte steht unmittelbar an der Straße bei mäßigem Licht. Nur mit einem Fernglas hätte man die Sauen wohl nie ausgemacht. Gleich bricht der Schuss auf die Überläuferbache (3 von links)

Dennoch, und das ist wie zu Beginn erwähnt besonders wichtig: Die WBK ist ein Werkzeug. Die Handhabung muss man erlernen. Das dauert etwas und kostet sicher auch die ein oder andere verpasste Chance. Aber bei jedem Einsatz wird man besser. Jedoch lassen sich ein paar Fehler von Beginn an vermeiden:

  •  Schau als Rechtsschütze ausschließlich mit dem linken Auge durch die  WBK. Du brauchst das rechte Auge für den Blick durch das Zielfernrohr.
  • Warum immer sitzen? Gehe zum Wild. Nutze die Wege und pirsche langsam unter gutem Wind durchs Revier. Überprüfe dabei den Wind regelmäßig!
  • Keine Meter mehr ohne Pirschstock!
  • Lass dein Fernglas im Auto! Du brauchst es nicht!
  • Häng dir die WBK wie ein Fernglas um den Hals und schau beim Laufen halbkreisförmig von links nach rechts. Such die Umgebung regelrecht ab. Hat deine WBK keine Trageriem, bau dir einen. Du wirst ihn brauchen! 
  • In der Ruhe liegt die Kraft. Pirschen setzt innere Ruhe voraus. Wer rennt, verliert.
  • Die Gewohnheit macht es, die Handgriffe müssen sitzen. Erprobe trocken wie du dich mit Waffe, Pirschstock und WBK arrangierst um schnell und leise in den Anschlag zu kommen.
  • Entfernungen lassen sich mit der WBK schwer einschätzen. Das muss trainiert werden.
  • Entdeckst du Schwarzwild, hast du im Regelfall alle Zeit der Welt. Beobachten steht an Stelle Nr.1. Wohin ziehen die Stücke, passen die Stücke überhaupt, wo kann ich sie evtl. abfangen, wo habe ich eine Chance. Schneisen, Wege oder Freiflächen bieten sich an. Versuche jedoch auf den Wegen/Wechseln zu bleiben. Nur hier bist du nahezu lautlos unterwegs. 
  • Halte genügend Abstand. Manchmal ist ein Schritt zurück, damit sich die Situation neu entwickeln kann, der entschiedene Faktor zum Erfolg.

Kommen wir noch zu den Geräten. Keine einfache Frage.

Ich möchte mich nicht mit endlosen Details aufhalten, diese wurden hier schon zu genüge vorgestellt. Ich halte aus der Praxis bezogen folgende Vorgehensweise für sinnvoll.

Die Flir Scout TK ist ein super Einsteigermodell und kostet rund 600€. Schon bei diesem Modell bekommt man ein Gefühl dafür, was eine WBK grundsätzlich leisten kann. Dazu muss man wissen, dass die Flir Scout TK Leistungstechnisch etwa 20% von dem bringt, was eine Pulsar in der mittleren Preisklasse (2300€) kann. Gefällt euch die WBK-Technik und ihr habt Erfolg damit, verkauft die Flir Scout TK einfach wieder und legt euch eine Pulsar zu. Hier spreche ich gerne die Pulsar Helion XQ38 als Empfehlung aus. Ein Allrounder der sowohl Wald- als auch Feldjäger glücklich macht.

Berichte über die Beiden mit genügend Infos gibt es hier:

Flir Scout TK: https://www.geartester.de/articles/2306
Pulsar Helion: https://www.geartester.de/articles/2938

Einsteiger zum kleinen Preis. Für den Eintritt in die WBK-Technik allemal ausreichend. 

Wenn wir uns über Maßnahmen zur Reduzierung von Schwarzwild Beständen unterhalten, ist einer der wichtigsten Punkte das Wild besser zu verstehen. Mit der Wärmebildtechnik bietet sich uns ein Werkzeug, um genau das zu tun!

Euer Waidmann 

Kommentare

HUNTINGROOM

Top Andreas 😃
Gefällt mir gut der Bericht.
Sehr viele wichtige facts genannt.

Danke und Waidmannsheil

Jagd und Leben

Toller Bericht, genau so bejagen auch wir das Schwarzwild. Die Abschussentwicklung ist enorm. Deine Entwicklung können wir also bestätigen 👍 Waidmannsheil 📯🐗

south-hunter

moinsen,

super bericht, vielleicht interessiert dich dieser bericht zur asp.
https://tu-dresden.de/bu/umwelt/forst/wb/wildoekologie/die-professur/news/sachverstaendigenanhoerung-vor-dem-saechsischen-landtag
waidmannsheil

Dreiviertelmond

Wunderbarer Bericht! Ich jage schon lange nachts auf Schwarzwild und bin erst kürzlich auf den Geschmack von Wärmebild-Optik gekommen. Ein Bekannter hat mir sein FLIR Scout ausgeliehen. Ich kann es nicht anders sagen: es erschließt sich eine völlig neue Dimension des Jagens!
Eine eigene WBK wird definitiv die nächste Anschaffung!

Waidmann

Danke Zusammen. Und pünktlich zum Bericht heute beschließt der DJV (oder war es der BJV ?!) ein 6 Punkte Programm zur effektiveren SW Bejagung. Was ein Zufall.

@Huntingroom: Solltest du mit „Andreas“ vermuten, dass @Dreispross der Verfassere dieses Artikels ist, muss ich dich leider enttäuschen. Ich fühle mich aber geschmeichelt ... ;-)

Ferdinand

Lieber Waidmann, Liebe Mitjägerinnen und Mitjäger!
Erst einmal Glückwunsch zu diesem gelungenen Bericht !
Jedoch habe ich nach wie vor ein großes Problem mit der Schwarzwildbejagung im Bezug auf die ASP und die damit verbundene Öffentlichkeitsarbeit. Lasst es mich kurz erläutern:
Schnell kommt das Gefühl des Retters vor Wildkrankheiten in einem hoch, welches wir uns auch immer auf die Fahne schreiben ! Und die ASP einfach ihren Lauf nehmen zu lassen ist für mich sicher auch keine Option. Aber denken wir doch einmal, wie Anfangs im Bericht erwähnt, um. Die ASP ist ein Hausgemachtes Problem der Landwirtschaft, die im Bezug auf uns Jäger, wie ich finde, überhaupt keine Rücksicht nimmt. Viele von uns wissen oder wissen es auch noch nicht wie viel Wildschaden sie am Ende diesen Jagdjahres, spricht in einem Monat wieder zahlen müssen. Schaut man sich in seinem Heimischen Revier um, merkt man schnell, dass sich auch in der Anlage der Felder wenig getan hat. Mais wird immer noch mindestens 2 Reihen im Bestand gepflanzt, und Schussschneisen sind nach wie vor eine Idee ! Doch wieder einmal sollen wir uns als die Schädlingsbekämpfer hinstellen und auch die Politik schwert sich nicht darum mal einen Begriff zu suchen, der unsere Arbeit mal in ein Licht rückt, der es gebürt. Viele unserer Probleme wären mit der ASP auf einmal gelöst! Wildschäden minimiert, neue Techniken wie WBK erstmal überflüssig, ein gesunder Wildbestand mit angemessener Größe würde, wie nach jeder Seuche über bleiben. Und doch denken wir doch nicht so, zum Wohl unserer Wildtiere, zum Glück für den Landwirt und der Politik und zur Freude für möchtegern Tierschutzrechtler wie PETA, welche sich über uns das Maul zerreißen können, was wir für gemeine Menschen sind, mit Kiegstechnik auf Schweinchen los zu gehen. Und das erreicht dann die Öffentlichkeit ! Somit lege ich jedem Jäger nur ans Herz, in der kommenden Jagdversammlung, in der bestimmt wieder gejammert wird, dass so viel Wildschaden da ist und so viele Schweine Tags rumlaufen, das Thema einfach mal anzusprechen und das hoffentlich gute Verhältnis zwischen Landwirt und Jäger zu stärken. Wir sollen Schweine bejagen, wir brauchen aber dazu Unterstützung, wie ich finde ! Denn mir strebt es bei Rehwild zu wieder, sowie auch bei Schwarzwild einen Schädlingsbekämpfer zu spielen!
Vielen Dank und allzeit
Waidmannsheil

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