Die Jagd mit dem Flintenlaufgeschoss
Von hunt.and.smoke am 18. Februar 2018

Horrido Geartestergemeinde,

Auf diesem Weg möchte ich mich bei euch vorstellen.

Ich bin Philipp aus Hessen. Auf Instagram kennt man mich unter dem Namen hunt.and.smoke.

➢ Grundsätzliches:

Wie kommt man auf die Idee mit dem Flintenlaufgeschoss zu jagen? Diese Frage scheint berechtigt wenn man sich die Vielzahl an verschiedenen Büchsenkalibern und die diversen Geschosse, die auf dem Markt verfügbar sind, betrachtet. Dennoch haben mich die „dicken Brummer“ schon immer fasziniert. Man fühlt sich an eine Doppelbüchse aus Afrika erinnert wenn man mit der Querflinte und 2 Flintenlaufgeschossen auf Jagd geht. Dieser Gedanke liegt auch gar nicht so fern wenn man sich vor Augen hält das Wilhelm Brenneke Flintenlaufgeschosse mit Stahlspitze für die Großwildjagd in Afrika konstruiert hat und diese erfolgreich eingesetzt wurden.

Das erste Brenneke Flintenlaufgeschoss

So kam es das ich mir eines Tages gedacht habe: Das probierst du einfach mal aus. Also ab zum Büchsenmacher und einige Packungen „Brenneke“ gekauft und damit auf den Stand gefahren. Als Ziel habe ich mir 3 Schuhkartons auf jeweils 30, 40 und 50 Meter aufgestellt. Somit konnte ich das Zielen mit der Flinte über das Perlkorn üben und gleichzeitig schauen wie sich die Läufe zueinander verhalten. Ich übe regelmäßig das schießen mit Flintenlaufgeschossen aus meinen Flinten um ein Gefühl für die Waffen und die Geschosse zu bekommen. Ohne Übung ist diese Jagd nicht waidgerecht zu praktizieren und mangelnde Übung und die Einstellung „Naja das wird schon passen“ haben dem Flintenlaufgeschoss wohl den Ruf eingebracht den es heute hat. Dass es aber auch anders geht werde ich euch im Folgenden zeigen.

➢ Typen von FLG:

Grundsätzlich gibt es 3 verschiedene gängige Formen von Flintenlaufgeschossen. Es gibt die klassischen Flintenlaufgeschosse die sich in den „Brenneke Typ“ und die amerikanischen „Foster Typ“ Flintenlaufgeschosse einteilen lassen. Als dritte Variante gibt es noch „Sabot Typ“ Flintenlaufgeschosse die für gezogene Flintenläufe und gezielte Schüsse an die 100-120 Meter mit Zielfernrohr konstruiert wurden. In diesem Bericht geht es allerdings um die ersten beiden Typen (Brenneke und Foster) die man aus jeder Flinte egal ob mit oder ohne Choke verschießen kann. Es gilt aber zu erwähnen das konstruktionsbedingt die „Foster Slugs“ eine geringere Penetration  aufweisen, da sie sich wesentlich leichter zerlegen als die klassischen Brenneke und daher von mir jagdlich eigentlich nicht mehr genutzt werden. Zu den „Sabot Typ“ Geschossen kommt noch ein gesonderter Bericht falls daran Interesse besteht. Ebenfalls geht es nicht um bleifreie Flintenlaufgeschosse. Aber auch hier wird ein Bericht folgen, sobald das neue Brenneke im Kaliber 16/70, welches aktuell noch in der Testphase steckt, auf dem Markt erhältlich ist.

Brenneke und Foster Flitenlaufgeschoss
Sabot Flintenlaufgeschosse







➢ Ballistik:

Da ich ein Freund der Praxis und weniger des Papiers bin wird man bei meinen Berichten vergeblich nach Statistiken, langen Tests und Messergebnissen suchen. Was für mich zählt ist was am Ende in der Praxis geleistet wird.

Wichtig zu erwähnen ist, dass die Energievorgaben für Büchsengeschosse bei Flintenlaufgeschossen nicht zählen und von daher muss man sich damit nicht unnötig aufhalten. Ich denke auch, dass jedem klar ist, welche Wirkung ein Flintenlaufgeschoss unabhängig vom Kaliber entfalten kann. Eins steht fest: Wild kommt mit einem Flintenlaufgeschoss sauber zur Strecke. Im Gliederungspunkt Jagd werde ich auf die Wirkung noch genauer eingehen. Generell lässt sich sagen das Flintenlaufgeschosse zwar „langsam“, aber dafür schwer und groß sind. Hier sind die Masse und der Geschossdurchmesser die entscheidenden Kriterien. Aber nicht immer, wie man beim Kaliber .410 sehen wird.

12er Flintenlaufgeschoss unbenutzt
16er Flintenlaufgeschoss, geborgen aus dem Boden nachdem damit ein 60kg Keiler erlegt wurde
.410er Flintenlaufgeschoss, geborgen aus dem Boden nachdem damit ein Stück Rehwild erlegt wurde


➢ Jagd:

In der Jagdpraxis nutze ich die Kaliber 12, 16 und .410 um mit Flintenlaufgeschossen zu jagen.

Ich jage am und im Mais, Weizen und Schilf auf kurze Distanz auf Schwarzwild mit diesen Kalibern. Mit der .410 auch auf Rehwild wenn sich die Gelegenheit ergibt.

Kurze Distanz bedeutet für mich alle Entfernungen im Bereich von 0 bis maximal 50 Meter. Bei der .410 auch mal auf eine Distanz bis 60Meter aber das liegt daran, dass ich auf dieser Waffe Kimme und Korn sowie ein Reflex-Visier montiert habe. Die Jagd mit Flintenlaufgeschossen lässt sich am besten im Sommer wenn es lange hell ist durchführen oder auf Drückjagden bzw. Erntejagden, da ohne Optik Tageslicht zum vernünftigen Zielen nötig ist. Mit Optik auf der Flinte kann man wie mit jeder anderen Büchse auch nachts zur Jagd gehen. Aber gerade das pirschen im letzten Licht macht diese Jagd sehr interessant für mich.

Es gibt für mich nichts besseres als an einem warmen Sommerabend Schwarzwild im Weizen anzugehen und so nah wie möglich ran ans Wild zu kommen. Diese Jagd ist sehr intensiv und für mich eine willkommene Abwechslung zum klassischen Ansitz oder Pirsch mit der Büchse.

Das erlegte Wild für die jeweiligen Kaliber innerhalb der letzten 2 Jagdjahre sowie deren Fluchtstrecken können der folgenden Grafik entnommen werden. Diese Grafik ist aufgrund der noch relativ geringen Stückzahl von erlegtem Wild wenig aussagekräftig, lässt aber eine gewisse Tendenz erkennen.

➢ Fazit:

Zusammenfassend lässt sich für mich sagen, dass Flintenlaufgeschosse keineswegs Relikte aus der Vergangenheit sind. Sie sind bei regelmäßiger Übung und Disziplin in Bezug auf die Schussentfernung durchaus eine alternative und können den Jagdalltag bereichern. Diese zwar langsamen aber schweren und breiten „Brecher“ stoppen selbst den dicksten Keiler und auch wenn mir die Erfahrung auf Großwild fehlt denke ich, dass man ohne Probleme auch den dicksten Büffel oder Bären damit erlegen kann. Zu letzteren findet man zumindest auf YouTube reichlich Videomaterial welche diese Vermutung bestätigen. Durch die Entwicklung von bleifreien Flintenlaufgeschossen von diversen Herstellern bleibt auch für die Zukunft in den Bundesländern in denen bleihaltige Munition verboten wurde die Möglichkeit auf die „dicken Brummer“ zurückzugreifen und sich von deren Wirkung selbst zu überzeugen erhalten.

Ich hoffe das euch dieser Beitrag gefallen und weitergeholfen hat und der/die ein oder andere auch mal auf den Stand geht und wie ich, die Flintenlaufgeschosse und diese Form der Jagd für sich entdeckt.

In diesem Sinne Waidmannsheil,

Philipp von hunt.and.smoke

hunt.and.smoke
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Kommentare

Eichsfeldjäger

Ich jage beim durchgehen auch sehr gern mit einer 16er Doppelflinte und Bleibatzen😉
Das funktioniert super.

Saufaenger

Top geschrieben mein Lieber. Ich werde mir wohl dann vielleicht doch eine Doppelflinte zulegen😍

hunt.and.smoke

@Eichfeldjäger ja die stoppen gut👌
@Saufänger das solltest du tun, ist auf jedenfall kein verschenktes Geld 👍🏻

XXX YYY

Hast Du diese mal probiert?

https://www.ddupleks.com/hexolit-32

Bleifrei und wirken Brutal.

hunt.and.smoke

@xxx yyy nein bisher nicht. Kenne Sie aber. Wo beziehst du sie?

Constantin_W

Mir ist bei dem Bericht nicht klar geworden wo der Vorteil gegenüber einer Büchsenpatrone liegt. Man muss näher ran und hat aus meiner Sicht beim bewegten Schuß durch die weiten Vorhaltemaße deutlich höhere Risiken zu fehlen oder schlechte Schüsse zu produzieren. Für mich war und ist das FLG eher ein Notnagel für Personen ohne Büchse als eine wirkliche Alternative.

hunt.and.smoke

@Constantin_W es gibt keinen klaren Vorteil, aber auch keinen klaren Nachteil. Büchse und Flinte spielen in 2 verschiedenen Bereichen. Es ist eine komplett andere Art zu jagen und ein Vergleich wäre wie ein Vergleich mit Äpfeln und Birnen. Das man näher ran ans Wild muss finde ich persönlich sehr reizvoll, da es nicht so leicht ist, wie auf 200 Meter den Sniper zu spielen und meinen Jagdalltag facettenreicher gestaltet.

hunt.and.smoke

Disziplin und Übung beim Schießen und die selbe Disziplin beim NICHT Schießen sind hier nicht weniger wichtig als bei der Büchse. Zum Thema schlechte Schüsse kann ich nur sagen das ich auf Drückjagden oft schlechte Schüsse sehe, aber von Büchsen. Wenn man sich daran hält wie mit der Büchse zu üben, halte ich die Chance von schlechten Schüssen mit dem FLG für maximal genauso wahrscheinlich wie mit der Büchse aber nicht für wahrscheinlicher.

hunt.and.smoke

Gerade mit modernen SLF mit Rotpunkt oder Reflexvisir und Übung sind sehr präzise Schüsse möglich und das vorhalten ist Gewöhnungssache. Ein Bonus den die FLG auf die Distanz bis 50 Meter auch haben ist das Gras oder Äste dieses Geschoss kaum/gar nicht ableiten was bei Büchsengeschossen problematisch ist.

Christian Süß

Hammer Bericht! :) Diese Art zu jagen fasziniert mich auch schon mein ganzes Jägerleben! Leider hab ich es mir bis jetzt noch nicht zugetraut... Jedoch gibt mir dieser Bericht die Motivation mir meine Flinte zu schnappen und auf dem Schießstand mit den FLG zu üben. :) aus was für einer Waffe verschießt du die 410er? Gibt es bei diesem Kaliber bei Sauen Ausschuss?

hunt.and.smoke

@Christian Süß. Das Freut mich das war das Ziel dieses Beitrags. Ich verschieße meine .410 aus einer BBF(Atlas Savage und Co hatten die mal im Angebot gibt auf Egun immer mal welche). Ich werde mir aber noch eine Querflinte in .410 zulegen aber auch um damit mit Schrot zu jagen.
Mit der .410 hat man bei kleinen Sauen Ausschuss ab 50kg i.d.r Nein aber die ganze Energie bleibt im Wild. Fluchtstatistik siehst du ja im Beriçht👌 ich hoffe das Hilft dir.
Waidmannsheil und viel Erfolg beim Üben

Christian Süß

Vielen Dank :) Würde mich sehr freuen wenn du irgendwann auch noch den Bericht über die Sabot Geschosse machst! :)

Waidmanns Heil! :)

hunt.and.smoke

Der Test steht für den Sommer an. 👍🏻 muss erst bisschen damit Jagen und warm werden.

Christian Süß

Okay :)

Venator Germanicus

Interessanter Bericht. FLG werden bei uns eigentlich nur von Hundeführern zum Fangschuss eingesetzt, da sie in der Regel ab mittleren Stücken Schwarzwild keinen Ausschuss machen.
Für meine Jagdmöglichkeiten nicht einsetzbar und nicht praktikabel, aber interessant zu lesen.