Drilling Krieghoff Optima
Von Trigger Diary am 1. Februar 2018

Nachdem ich die Waffe nun knapp neun Monate führe, finde ich, es ist Zeit für eine Bestandsaufnahme.

Vorweg möchte ich betonen, dass ich keine Büchsenmacherin bin und auch nicht über besonders viel Erfahrung mit vielen unterschiedlichen Waffen verfüge. Es ist ein reiner Erfahrungsbericht darüber, wie es mir persönlich mit der Waffe ergangen ist.

Ich führe den Drilling im Kugelkaliber 7x65R und Schrotkaliber 20/76. Im linken Schrotlauf ist ein mündungslanger, verstellbarer Einstecklauf KS (Keller + Simmann) im Kaliber 5,6x 52R eingebaut worden. Diese Kombination hatte ich mir ausdrücklich so gewünscht, damit ich einen echten Allrounder hätte. Das Laufbündel ist thermostabil, sodass ich mit einem neutralen Warmschussverhalten rechnen konnte. Zwar wird bei thermostabilen Läufen die Waffe insgesamt etwas schwerer, aber Thermostabilität bzw. unveränderte Treffpunktlage auch bei mehreren Schüssen war mir an dieser Stelle wichtiger. Außerdem sind die Läufe mit einer Laufblende versehen.


Die Waffe hat eine Stahlbasküle und verfügt über eine Kombi-Handspannung mit Universalabzugssystem. Als Jungjägerin steht Sicherheit bei mir nach wie vor ganz oben, sodass mir keine Waffe ohne Handspannung ins Haus kommt. Und in den Wald oder aufs Feld schon gar nicht. Schiebt man den Handspanner nach oben, um die Waffe zu spannen, werden beide Schlosse gespannt. Wenn der Umschalthebel nach vorne gestellt ist, also auf Kugel steht, löst sich durch die Betätigung des vorderen Abzugs die Kugel im unteren Lauf. Bei Betätigung des hinteren Abzugs, die kleine Kugel im Einstecklauf. Will ich Schrot schiessen, schalte ich um, also den Umschalthebel nach hinten und kann mit dem vorderen Abzug den Schrotlauf bedienen.

Über die Standardversion hinaus, verfügt mein Drilling über einen zweiten Rückstecher im hinteren Abzug (im vorderen ist ohnehin ein Rückstecher). Außerdem liegt eine Entstechautomatik vor, sodass beim Entspannen der Waffe auch gleichzeitig entstochen wird.

Das Zielfernroh ist von Schmidt & Bender (2,5-10 x 50 Polar T96) mit Leuchtpunkt im Absehen D7.

Genau wie bei allen anderen Waffen auch, habe ich auf dem Hinterschaft eine mobile Schafterhöhung angebracht. Bei der Sako und der Semprio habe ich den Bearproof precision drauf, beim Drilling eine Schafterhöhnung mit Klettverschluss, um so immer sofort passend in den Anschlag zu kommen.


Ich nutze die RWS 7x65 R Evolution Green, ein bleifreier Teilzerleger mit 8,2g und die Norma 5,6x52 R, 4,6 g, ein Teilmantel Halbspitzgeschoss. Die Schrotpatrone ist die von Rottweil (20/76, 33 g, Magnum).

Rückblickend kann ich sagen, alles was ich erwartet habe, ist genauso eingetreten.

Ich konnte mit dieser Waffe Schwarz-, Rot-, Dam-, Reh- und Raubwild bejagen und sauber erlegen. Es gab keine einzige Nachsuche damit. Ich war immer zufrieden mit dem Ausschuss und dem Zustand des Wildbrets (alles aber bitte mit Zurückhaltung genießen, ich habe damit bisher noch keine 50 Stück Schalenwild erlegt). Hier nur ein paar Eindrücke:

Zu Beginn war es für mich, die bis dahin ausschließlich einen Repetierer (Sako MA05) geführt hatte, schon eine Umstellung. Ich hatte beispielsweise Sorge, nach dem ersten Schuss auf ein Stück Wild "nicht genügend Munition" zu haben, falls nochmal nachgeschossen werden müsste. Trotz dieser Sorge, habe ich die Waffe auch zur Jagd auf Schwarzwild - Ansitz und Pirsch - eingesetzt. Ich habe mir jedes Mal Patronen zum Nachladen so "zurechtgelegt", dass es schnell gehen würde. Nachdem die Sauen alle nach dem ersten Schuss sauber am Platz lagen, legte sich auch meine Sorge sehr schnell. Auch auf Reh-, Rot- und Damwild klappte jede Jagd mit dem Drilling einwandfrei. Leider bekam ich bis dato noch nicht viel Raubwild auf Schrotentfernung vor. Die kleine Kugel ist ja aber auch noch verfügbar und damit hat es bisher auch jedes Mal perfekt geklappt.

Am Anfang war ich auch noch unsicher, ob die Waffe für mich als Frau auf der Pirsch nicht vielleicht doch etwas (zu) schwer werden könnte. Deshalb führte ich die Waffe mit einem Rucksack-Gewehrgurt. Ehrlich gesagt, kann ich mich kaum an eine Situation erinnern, bei der ich beide Riemen im Sinne der Rucksackfunktion genutzt hätte. Fast immer habe ich mir die Waffe über eine Schulter gehängt, und nie den Eindruck gehabt, sie wäre mir zu schwer. Da geht’s mir mit meinem übervollen Rucksack ganz anders, aber das ist ein anderes Thema.

Eine Sache sticht für mich aber im Zusammenhang mit dem Gewicht ganz maßgeblich hervor: Im Schuss bleibt die Waffe liegen und ich kann sehen, wo der Treffer ist, ob und wie das Stück zeichnet. Ich war es bis dahin gewohnt, dass die Waffe im Schuss "springt" und ich das Stück erstmal wieder im Glas suchen muss. Ob es gezeichnet hat, habe ich nie sehen können und wo der Treffer liegt schon gar nicht. Das ist der Hauptgrund, warum ich meist den Drilling, statt die Sako aus dem Schrank hole.

Etwas unglücklich ist die Tatsache, dass ich mit meinen kleinen Frauen-Händen etwas zu kurze Finger habe, um perfekt an den vorderen Abzug zu kommen. Dies hat mich zu Beginn gestört. Inzwischen ist mir der Abstand aber mit "in Fleisch und Blut" übergegangen und ich muss beim Anlegen meine Hand nicht mehr nach vorne korrigieren, weil ich sie automatisch ein Stückchen weiter vorne hinlege. Meine anfängliche Sorge, aus diesem Grund weniger präzise zu schießen oder gar zu verreißen hat sich nie bestätigt. Im Gegenteil.

Als ich die Waffe bekommen habe, waren die Rückstecher sehr sehr fein eingestellt (etwa 300g) . Mir jedenfalls war das Abzugsgewicht deutlich zu gering, das war aber kein Problem. Mein Büchsenmacher hat das Gewicht etwas schwerer eingestellt und nun passt es für mich bei etwa 900g perfekt.

Der Grund, warum ich ihn ursprünglich führen wollte, war die Vielseitigkeit (großes und kleines Kaliber, sowie Schrot). Zwar haben sich bisher ja wie gesagt wenige Füchse, Dachse, Waschbären etc. auf Schrotentfernung heranlocken lassen, da kann die Waffe ja aber nix für. Mit Führigkeit, Präzision, Wirkung der Waffe mit der Munition bin ich aber super zufrieden. Das Führen des Drillings ist inzwischen Vertrauenssache geworden.

Ich würde zwar zur Drückjagd und Erntejagd nach wie vor einen Repetierer bevorzugen, aber für alles andere liebe ich den Drilling.

https://www.krieghoff.de/jagdwaffen/krieghoff-optima/


Trigger Diary
Offizielles Profil

Kommentare

Simon Schmidt

Super Bericht, tolle Waffe was will man mehr 😉

Saufaenger

Sehr toll geschrieben!😊 Habe auch nimmer meine Bedenken beim Drilling, aber vielleicht probiere ich es mal aus! Danke für den Bericht 👍

Rolf Schneider

Hallo,

sehr guter Bericht mit super Bildern unterlegt.
So ein Drilling ist eine Universalwaffe und wird wohl immer seine Daseinsberechtigung behalten.
Warum der Drilling allerdings nur in Deutschland so beliebt ist, wird mir immer ein Rätzel bleibenm.

Gruß und Waidmannsheil
Rolf

Cookies helfen uns bei der Bereitstellung unserer Dienste. Durch die Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Mehr erfahren