Hornady ETX .30-06 Spr. 10,7g/165gr - Das bleifreie Wunder
Von Hunterfieber Kanal am 31. Januar 2018

Liebe Geartesterinnen und Geartester,

wie Ihr mit Sicherheit schon mitbekommen habt, haben Leon und ich nun seit knapp drei Monaten das Privileg ein neues Geschoss von Hornady testen zu dürfen. In diesem Bericht, möchten wir euch die Welt des bleifreien Schießens etwas näherbringen und mit den negativen Gedanken gegen diese Laborierung aufräumen. Auch wir waren anfangs sehr skeptisch gegenüber einer neuen Munition und einer neuen Marke, da damals die Geco Target unser ständiger Begleiter für die Jagd war und wir auch immer recht zufrieden mit ihr waren. Preis und Leistung waren immer sehr attraktiv, doch als das erste beschossene Stück Damwild bei den Hunter Brother (Gebrüdern Reilmann) mit gutem Schuss die Flucht ergriff, wurde es Zeit für etwas „Neues“.

Nämlich für die Hornady ETX im Kaliber .30-06 Spr. 10,7g/165gr.

Der erste Eindruck:

Für uns beide eine der größten Umstellung überhaupt. Die Wahl einer neuen Munition ist wahrscheinlich für jeden Jäger mit einer gewissen Skepsis verbunden. Welche Marke ist für meine Waffe die Beste, welche Munition kommt überhaupt in Frage und welche Laborierung hat das angemessenste Preis-Leistungsverhältnis. Jedoch ohne jeden Zweifel an dem neuen Produkt ging es noch am selben Tag auf den Schießstand, um sich mit dem neuen Geschoss und der damit verbundenen Wirkung und Präzision vertraut zu machen. Dort angekommen wurden wir direkt in ein Gespräch verwickelt. Ein alt eingesessener Jäger aus der Gegend schwärmte geradezu von der ETX, so als wäre es das absolute Wundermittel und das Non- Plus Ultra für die Bejagung der heimischen Wildtiere. Begriffe wie minimaler Ein- und Ausschuss und geringe Wildbretentwertung ließen unsere Mundwinkel immer höher steigen. Des Weiteren war die Rede von einer super Präzision und gut sichtbaren Pirschzeichen am Anschuss. Mit dieser geballten Euphorie ging es mit vollem Elan auf die 100 Meter Bahn, um dem ehemaligen bleihaltigen Geschoss Lebewohl zu sagen.

Zuerst war ich an der Reihe. Also schnell die Blaser R8 eingerichtet und das Zeiss V6 vorab mit der „Tiggesschen Methode“ grob eingestellt. (Den Link zum Video findet ihr ganz unten im Bericht). Anschließend wurde die Karte auf ihre 100 Meter weite Reise geschickt und die ersten zwei Kugeln verließen den Lauf. Nun waren wir gespannt auf die Treffpunktlage. Tatsächlich saßen die beiden Schüsse deutlich zu tief, was uns aber nicht störte, da wir schon mit einer starken Abweichung gerechnet hatten. Zehn Klicks hoch und zwei Klicks nach rechts und das Patronenlager wurde mit der nächsten ETX gefüttert. Weitere zwei Schussfolgen später wurde die Karte wieder an den Platz zurück geholt und die Veränderungen erneut überprüft. Es passte! So schnell hätten wir nicht damit gerechnet. Vier Zentimeter Hochschuss wurde uns vom Hersteller als GEE (Günstigste Einschießentfernung) angegeben. Aber um wirklich sicher zu gehen ließen wir die Waffe etwas erkalten, um eine dritte Schussfolge auf die Zielscheibe abzugeben. Die Zwischenzeit nutzen wir, um uns Leon’s Sauer 202 zu widmen. Auch er war sehr gespannt, wo seine ersten beiden Treffer wohl sitzen mögen. Nach seinen zwei Schüssen holte auch er seine Karte an unseren Platz zurück. Wir wollten unseren Augen kaum trauen! Mit einem Klick nach unten hatte sich bei ihm das Einschießen für diesen Tag erledigt. Diese Treffpunktlage für einen frischen Munitionswechsel war wirklich einmalig. Circa 15 Minuten später widmete ich mich wieder meiner Waffe, um die angekündigte dritte Schussfolge zu absolvieren. Wie erwartet waren beide Schüsse im Toleranzbereich und der Tag ging somit für uns ruhig und entspannt zu Ende. Über den Rückstoß wurden wir uns leider nicht so ganz einig, denn bei Leon war er etwas stärker und bei mir etwas schwächer. Ob es an der Waffe oder an der Technik liegt, darüber lässt sich nur mutmaßen. Auf der Rückfahrt reflektierten wir noch einmal die tollen Eindrücke des Tages und konnten es kaum erwarten, das erste Mal mit der ETX dem hessischen Schwarzwild nachzustellen.

In der Praxis:

Der nächste freie Samstag und Sonntag war natürlich nicht in weiter Ferne und so ging es schon am darauffolgenden Wochenende mit der ETX im Gepäck auf den Weg nach Hessen. Dort angekommen wurden wie immer die üblichen aber notwendigen Dinge durchgeführt. Die Kirrungen wurden neu bestückt, Wildkamerabilder ausgewertet und eine Absprache mit dem Kirrmeister über den aktuellen Stand der Dinge gehalten. Das Glück lag einmal wieder auf unserer Seite. Der Meister teilte uns mit, dass die Sauen am Abend zuvor an allen Kirrungen gewesen sind. Ich bekam schon wieder dieses Grinsen auf dem Gesicht, als ich das Gespräch über den Lautsprecher verfolgte. Gut gestärkt und mit vollem Elan ging es zum Abend hin auf den Ansitz.

Leon setze sich an diesem Abend an einer sehr vielversprechenden Kanzel in einem Talschlag ab. Ich fuhr anschließend zu meiner vorgesehenen Kanzel die an einem Berghang lag. Dort angekommen richtete ich meine Waffe ein, und ließ die Hornady ETX in das Patronenlager gleiten. Gespannt wartete ich auf den ersten Anblick. Gute 5 min später vibrierte mein Handy. Leon ruft an! Ich dachte mir: „Das kann doch jetzt nicht wirklich sein ernst sein“. Aber wie es der Zufall natürlich wollte, war es tatsächlich so. Er konnte auf 90 Meter seine erste Sau mit dem neuen Geschoss sauber mit einem Blattschuss an den Platz bannen. Eine gute Stunde später ging mein Handy erneut, wieder Leon. „Maxi, hol mich ab! Ich hab die zweite Sau liegen“ sagte er. Ich konnte es kaum glauben. Die neue ETX sprach nicht nur gut an, sie brachte auch noch unwahrscheinliches Glück. So sammelte ich Leon ein und wir machten uns auf den Rückweg, um die beiden Sauen in der Wildkammer zu versorgen. Gemeinsam entschlossen wir uns anschließend erneut loszuziehen um bei bestem Mondlicht noch eine Runde zu pirschen. Also die Rucksäcke aufgeschnallt, die Waffen geladen und mit unseren beiden Wärmebildgeräten machten wir uns auf die Suche nach der ersten passenden Rotte. Nach gut einem Kilometer sollte sich nun auch mir eine gute Chance für einen sicheren Schuss bieten. Der Schuss brach und nun lag auch mein erstes Schwein welches ich mit der neuen Munition erlegen konnte. Auch mein Stück lag im Feuer. Waidmannsheil!

Nun begann leider die stressige Uni-Phase für mich und ich musste die kommenden Wochenenden leider zu Hause an meinem Schreibtisch verbringen. Ein Vorteil für Leon, denn so blieben mehr Wildschweine für ihn und diese Prophezeiung des Strecke machens meinerseits setzte er am darauffolgenden Wochenende gleich einmal in die Tat um. Ich könnte euch in den nun folgenden Sätzen die komplette Nacherzählung der Jagdgeschichten wiedergeben, da dies aber leider den kompletten Rahmen sprengen würde, habe ich mich dazu entschieden euch eine kurze und knackige Zusammenfassung mit allen wichtigen Details zu liefern.

Bei noch angemessenem Mondlicht erlegte Leon an diesem Wochenende erneut zwei Sauen. Davon ein Überläuferkeiler dem auf circa 70 Meter und eine etwa 90 Kilogramm schwere Bache der auf circa 120 Meter die Kugel sauber angetragen werden konnten. Wiedererwartend lagen auch diese beiden Sauen mit gutem Schuss im Feuer. Zwei Wochenenden danach ging es bei sternenklarem Himmel und Mondschein erneut in die zweite Heimat Hessen. Dieses Mal wurde im Morgengrauen ein circa 50 Kilogramm schwerer Überläuferkeiler auf eine Distanz von circa 230 Meter beschossen. Aufgrund der Flugbahn des Geschosses saß der Schuss etwas zu tief. Jedoch konnten am Anschuss wie vom alten Herren auf dem Schießstand versprochen die astreinen Pirschzeichen ausgemacht und verfolgt werden und auch diese Sau lag nach nur knapp 50 Metern Flucht. Am drauf folgenden Wochenende ging es wieder auf den Ansitz und die Bedingungen hatten sich stark geändert. 10 Zentimeter Neuschnee so der Wetterbericht für das Bundesland Hessen und speziell in unserer Region! Zu Leons Gunsten kam am ersten Abend direkt der passende 90 Kilogramm schwere Keiler um 19 Uhr aus dem Unterholz auf die Freifläche gezogen. Mit gutem Schuss entschied sich dieser stärkere Schwarzkittel jedoch noch einmal eine kurze Flucht anzutreten. 10 Minuten nach dem Schuss wurde mit der Kopflampe und einer weiteren Lampe der Anschuss kontrolliert. Ganz eindeutigen Lungenschweiß konnte Leon auf dem frisch gefallenen Schnee ausmachen. So wurde vorsichtig die Spur verfolgt und nach nur 20 Metern lag auch dieser Keiler mit gutem Schuss. Er hatte eine 180 Grad Wendung gemacht und zog sich so in das Unterholz zurück.

Bis zum heutigen Tage wurden insgesamt 15 Sauen und zwei Stücke Rehwild mit der ETX zur Strecke gebracht. Davon sind 13 Wildschweine im Knall verendet und zwei Sauen haben noch eine Flucht von maximal 50 Metern zurückgelegt. Durch wirklich gute Pirschzeichen am Anschuss war die Verfolgung des Stückes aber überhaupt kein Problem. Die beiden Stücke Rehwild lagen im Feuer.

Das Fazit:

Bleifrei, das ist nix. Bleifrei, da kann man ja gleich das Nachsuchgespann anrufen. Diese Sprüche sind uns in der Vergangenheit wirklich zu Hauf auf einigen Gesellschaftsjagden immer wieder zu Ohren gekommen. Wir waren verwundert wieso diese Geschossart eigentlich so einen schlechten Ruf mit sich bringt. Nun können wir endlich mal ein eigenes Fazit ziehen und mit den negativen, unüberlegten und voreiligen Kommentaren mancher Jäger aufräumen. Frei nach dem Motto: „Was der Bauer nicht kennt, das frisst er nicht“ wurde hier mit Halbwissen und Negativschlagzeilen um sich geworfen. Ob es an eigenen Erfahrungen mit anderen Herstellern liegt bleibt fraglich.

Mit der Hornady ETX im Kaliber .30-06 10,7g/165gr haben wir für uns die absolut perfekte Munition für unsere beiden Waffen gefunden. Ein Streukreis von durchschnittlich 2,5 - 3cm liegt nach unserer Meinung im absoluten Toleranzbereich und übertrifft das ältere und unumstrittene GMX Geschoss noch einmal um Längen. Diese Veränderung liegt wahrscheinlich daran, dass das ETX Geschoss speziell für Waffen aus dem europäischen Raum produziert wurde und unter anderem mit Waffen der Marken Sauer, Blaser oder Merkel deutlich besser harmoniert. Es konnten von meiner Seite aus sogar noch bessere Schussbilder mit meinem neuen A-Tec Optima Schalldämpfer erzielt werden, da mit ihm deutlich ruhiger Geschossen wurde und in Zukunft auch hoffentlich geschossen wird. Mehr dazu aber in einem bald folgenden Bericht. Ein kreisrunder Einschuss der minimal größer war als das Geschoss selbst und ein Ausschuss der maximal so groß war wie eine zwei Euro Münze, sind zwei weitere Pluspunkte die einfach für diese tolle bleifreie Munition sprechen. Eine geringe Wildbretentwertung liegt uns nämlich besonders am Herzen, da wir das geschossene Stück Wild meist weiter vermarkten und komplett zerschossenes Wildbret beim Wildhändler meist nicht so gern gesehen ist. Für kurze bis mittlere Distanzen ist das Geschoss wirklich bestens geeignet, jedoch würden wir Jägern die jenseits der 200 Meter Marke schießen möchten ein anderes Geschoss der Marke Hornady empfehlen. Aber bei Distanzen unter 200 Meter weist die ETX wirklich eine atemberaubende Augenblickswirkung auf und das schnelle Ansprechen im Wildkörper sollte bei unserer neuen Munition bekanntlich im besonders Fokus stehen. Der Preis für eine Packung der Munition mit 20 Schuss liegt bei knapp 50 Euro.

Vom Fuchs bis hin zum Rotwild, wird von unserer Seite aus in Zukunft alles mit der Hornady ETX erlegt. Das bleifreie Hornady Geschoss hat einen durch die Bank weg positiven Eindruck bei uns hinterlassen. Wir versorgen euch natürlich über unsere Homepage, über unseren Facebook und unseren Instagram Account mit weiteren Informationen zu erlegten Wildart, der Treffpunktlage und ggf. auch den Fluchtstrecken und Pirschzeichen.

Bis dahin und Waidmannsheil

Hunterfieber





Kommentare

Phil_30.06

Danke euch für den ausführlichen Testbericht.
Ich muss noch nicht bleifrei schießen, aber wenn es Thema wird werde ich definitiv auch meine R8 mit der ETX beladen.

Hunterfieber Kanal

@Phil_30.06 Dann wünschen wir dir sobald es los geht viel Erfolg und Waidmannsheil!

Leonhardt

Ein Kupferverbundgeschoss, dass auf 230 Meter noch sauber anspricht? Kann ich eigentlich gar nicht glauben^^ Meine Erfahrungen mit Barnes Euroline 9,7g sowie die normale TTSX in 10,7g (.308) waren ab 120 Meter sehr schlecht. Die Geschosse hatten einfach nicht mehr genug Energie um aufzumachen. Was letztendlich der Grund war wieder auf Geco Tm umzusteigen. Sollte die ETX dieses Problem zuverlässig in den Griff bekommen wäre das ein Meilenstein für bleifreie Geschosse.

Hedi Schmidt

Viel geschrieben….aber viel drumherum….es fehlen wichtige Fakten….reine Werbung…ein Bild mit Jungjäger im Anschlag mit Webepäckchen, ein nogo. Wechsle deswegen nicht, bleibe meiner Muni treu.
An Lenohardt: Die Fox-Geschosse bringen auch auf 250m noch top Leistung