Fernglas ZEISS Victory SF 10x42
Von Carl M. Lidl am 29. Januar 2018

"Ich brauche kein Fernglas. Ich spreche durch mein Zielfernrohr an." So oder so ähnlich lautete stets meine Antwort, wenn ich gefragt wurde, was ich denn für ein Fernglas für die Jagd verwenden würde. Hinter meiner Antwort steckte schlicht und ergreifend die Tatsache, dass ich nach dem Bestehen meiner Jägerprüfung mein ganzes Geld in eine hochwertige Büchse und ein sehr gutes Zielfernrohr investiert habe. Für ein gutes Fernglas war schlicht und ergreifend kein Geld mehr übrig. Und über die Jahre habe ich mir dann eben angewöhnt, durch mein Zielfernrohr anzusprechen. Das vergrößert bis zu 20x.

Eine Zeit lang habe ich auch ein ca. 30 Jahre altes Steiner Commander III (7x50) verwendet, das ich von meinem Schwiegervater geerbt habe. Eigentlich ein tolles Teil. Allerdings handelt es sich dabei um ein nautisches Fernglas - und daher ist es rundum ganz wunderbar blau. Für die Jagd eher nicht die richtige Farbe. Eine Zeit lang habe ich es mit grünem Camotape umwickelt. Aber irgendwann habe ich dann dennoch aufgehört, es mit auf die Jagd zu nehmen. Denn mit 1195g und seiner Größe ist es ein deutlich spürbarer Klotz im Rucksack - um den Hals auf Dauer ziemlich ungemütlich. Was allerdings ein Vorteil an diesem Fernglas ist: es hat einen eingebauten Kompass und wenn man durchschaut sieht man unten im Bild die Peilung in Grad angezeigt. Ganz hilfreich für das Wiederfinden des Anschusses. Wenn noch ein Laserentfernungsmesser eingebaut wäre, dann hätte man alles beisammen, was man dafür braucht (dies mit einem lieben Gruß an die Produktentwicklungsabteilung der Jagdfernglashersteller dieser Welt... falls Ihr Ideen braucht, was Ihr als Nächstes bauen wollt...). Aber das nur nebenbei.

Zu Weihnachten hat mir dann das Christkind ein funkelnagelneues Fernglas unter den Christbaum gelegt. Und zwar ein ZEISS Victory SF in 10x42.

 
Links mein altes nautisches Fernglas Steiner Commander III, rechts mein neues ZEISS Victory SF.

Schon am ersten Weihnachtsfeiertag gab es den ersten Einsatz: am nahegelegenen Starnberger See bot der LBV (Landesbund für Vogelschutz in Bayern e. V.) eine Entenbeobachtung an. Trotz Schneefalls zeigte mein Fernglas ein wunderbar knackiges Bild. Anders kann ich es nicht beschreiben. Mit der 10-fachen Vergrößerung und der brillanten Optik ist das Bild einfach umwerfend und explodiert geradezu vor Details. Schnell entfachte sich ein munteres Fernglas-Untereinander-Austauschen mit den übrigen anwesenden Besuchern - meist Hobbyornithologen. Einer hatte ein ebenfalls sehr hochwertiges 10x42 Fernglas von Swarowski dabei. Nach einer Weile waren sich alle einig, dass lediglich dieses Glas - wenn überhaupt - an die Bildqualität meines Weihnachtsgeschenkes herankommt. Bei allen anderen Gläsern war ein deutlicher Qualitätsunterschied sichtbar, insbesondere sichtbar bei der Helligkeit des Bildes und bei der empfundenen Detailschärfe.

Seitdem habe ich mein neues Fernglas mehrfach bei der Jagd mit dabeigehabt. Auch hier freue ich mich jedes Mal über das einfach umwerfende Bild mit brillanten Farben und einer unglaublichen Detailtreue. Zwar hat es nicht diesen schon sehr praktischen Auto-Focus meines guten alten Steiner Commander III - aber mit dem Drehrädchen kann man am ZEISS SF blitzschnell scharfstellen von weit entfernten auf nahegelegene Objekte.

Lediglich in fortgeschrittener Dämmerung kommt mein ZEISS SF irgendwann an seine technischen Grenzen. Aber sobald auch nur ein bisschen Licht zur Verfügung steht, ist es eine wahre Freude. Und mit 793g und seiner schlanken Bauweise ist es jetzt ein willkommener Begleiter, den ich immer gerne auf die Jagd mitnehme. Ich spreche jetzt nicht mehr durch mein Zielfernrohr an und verrenke mir dabei den Hals, bis mein rechtes Auge tränt. Mit meinem SF kann ich bequem und aufrecht sehen und alles zum Greifen nah heranholen. Das ist schon eine tolle Erfahrung, die ich künftig nicht mehr missen werde.

Die Verarbeitung ist, wie kaum anders zu erwarten, makellos.

 

Für einen ausführlichen und etwas ‚technischeren' Testbericht des ZEISS Victory SF verweise ich an dieser Stelle auf den Artikel von Stefen Hennecke: https://www.geartester.de/articles/3041

Ich kann alles unterschreiben, was er dort berichtet und hoffe, dass mein etwas subjektiverer Bericht das Bild abrundet.

Zum Preis: ZEISS verlangt auf seiner Website €2595. Im Internet findet man Angebote ab €1699. Ein bisschen Internetrecherche lohnt sich also auf jeden Fall.

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