Blattjagd in Masuren mit Jagdbüro G. Kahle
Von Christian Süß am 12. Dezember 2017

Alles begann im Juni 2013 als jemand auf Egun einen Gutschein für eine 3-tägige Jagdreise zur Blattzeit nach Masuren inklusive eines Bockabschuss ohne Stärkenbegrenzung sowie eines Überläufers bis 29,99 kg vom Jagdbüro G. Kahle anbot. Der Verkäufer hatte diesen Gutschein gewonnen, konnte jedoch die Reise nicht antreten. Nach langem überlegen habe ich mit geboten und bekam den Zuschlag. Die Umschreibung des Gutscheins auf meinen Namen erledigte der Verkäufer und es ging in Absprache mit dem Reisevermittler problemlos.

Nach wenigen Tagen kam ein großer Umschlag mit allen Reiseunterlagen, Polnischem Jagdschein und vielen weiteren tollen Infos per Post. Es wurde mir das Revier und Forsthaus "Taborz" in der Oberförsterei "Milomlyn" zugeteilt im Zeitraum vom 28. bis 31. Juli 2013.

Am späten Abend des 27. Juli fuhr ich endlich nach langem Warten und einer Gefühlsmischung aus Vorfreude und Aufregung los. Hatte anfangs ein ziemlich mulmiges Gefühl, da ich ganz alleine eine so lange Fahrt fahren werde in ein Land über das ich bis dato nicht sonderlich viel wusste und die Sprache nicht verstehe. 

Nach einer langen Fahrt aus dem Großraum Düsseldorf/Köln kam ich gegen 16:30 Uhr am Forsthaus an. Es war ein sehr schönes Gebäude mit Gehöft in einem kleinen abgelegenen Dörfchen Ich wurde direkt sehr herzlich vom pensionierten Förster und seiner Frau empfangen. Nach einem kalten Getränk sowie Kaffee und Kuchen, wurden die Formalien geregelt und bereits am ersten Abend ging es auf den ersten Pirschgang. Als Jagdführer wurde mir "Jurek", der Sohn des pensionierten Försters zugeteilt. 

Gegen 17 Uhr ging es dann zum ersten Mal ins Revier. Es ist eine wunderschöne Landschaft mit ausgeglichenem Wald /Feld-Verteilung. Die Felder sind sehr kleinbäuerlich und mit Feldgehölzen durchzogen, wie es in Deutschland seit über 50 Jahren nicht mehr gibt. Die Reviergröße betrug über 1500 Hektar. Kurz gesagt, ist es ein ideales Rehwildrevier! Neben Rehwild ist auch noch ein guter Bestand an tagaktivem Schwarzwild sowie Rotwild vorhanden. Die Jagd ist eine Kombination aus Pirsch und Ansitz, wobei meist zuerst gepirscht wird und gegen Einsetzen der Dunkelheit an Wiesen und Feldern angesessen wird. 

Wir pirschten eine Kahlschlagfläche an und hatten Glück, da bereits zwei Böcke auf der Fläche standen. Es war ein abnormer mittelalter Bock sowie einen Jährling der komischerweise zur Blattzeit noch im Bast war. Jurek gab mir den mittelalten Bock frei und ich konnte ihn auf 60 Meter vom Schießstock aus sauber erlegen. Nun stand ich vor meinem ersten Polen-Bock. :)

Wir brachen den Bock auf und schon gings weiter mit der Jagd... Wir bezogen eine Kanzel an einer riesigen Feuchtwiese. Auf mehrere hundert Meter sahen wir einen Bock stehen, konnten ihn auf diese Entfernung und im hohen Gras jedoch nicht ansprechen. Jurek fing an zu blatten und der Bock kam mit Verzögerungen immer näher und waren direkt von diesem starken Bock begeistert! Als er auf 80 Meter breit stand, schoss ich und er brach im Schuss zusammen. Es war ein richtig guter sechsjähriger Sechser-Bock.

Hier die Strecke vom ersten Abend:

Am nächsten Morgen konnte ich auf der Pirsch diesen Bock in einem Getreidefeld erlegen:

Am Abend beschlossen wir nochmals zur Kahlschlagfläche vom Vortag zu pirschen und zu versuchen den Jährling im Bast zu erlegen. Dies gelang mir:

 

Am nächsten Morgen erlebte ich wieder einen sehr spannenden Pirschgang. Wir saßen auf einer Kanzel an einer großen Wiese an und sahen auf 300 Meter einen Bock bei einer Ricke stehen. Da wir ihn nicht herangeblattet bekamen, beschlossen wir den Bock anzugehen. Wir kamen auf gut 60 Metern an die beiden Stücke ran, sahen sie jedoch nicht mehr, da sie sich in einer nassen Senke im hohen Binsengras nieder getan haben. Erneutes fiepen hatte wieder kein Erfolg. Nun stand ich über eine Stunde mit der Waffe im Anschlag, in der Hoffnung das der Bock aufsteht... dies tat er aber nicht. Jurek begann Steine in Richtung der Rehe zu werfen um diese aufzuschrecken, erwirkte jedoch keine Reaktion. Da mir jedoch die Arme so langsam vom halten der Waffe weh taten, haben wir alles auf eine Karte gesetzt und sind den Bock angegangen. Als wir 20 Metern an den Rehen dran waren, sprang plötzlich die Ricke auf und rannte weg. Der Bock stand auf, verhoffte kurz und ich schoss sofort. Mit einem guten Schuss sprang der Bock hoch und fiel rückwärts in ein Wassergraben. Die Anstrengung ist mir auf dem Bild immer noch ins Gesicht geschrieben. :)

Am Abend sollte es dann auf Sauen gehen! Wir beschlossen uns an einem Wühlacker mit Kirrung im Wald anzusitzen. Wir fuhren gegen 19 Uhr los und bereits beim angehen der Kanzel bemerkten wir, dass 3 Überläufer am helligsten Tag an der Kirrung standen. Wir pirschten vorsichtig zur Kanzel und legte auf der Leiter auf und konnte einen der drei Burschen auf 40 Meter erlegen. Der Überläuferkeiler lag  Es war ein einmaliges Erlebnis und einfach traumhaft! :)

Dies war der letzte Pirschgang meiner Reise und am nächsten Morgen wollte ich mich vor meiner Heimfahrt erstmal richtig ausschlafen. Nach einer solchen Jagd kommen immer Vorsteher der Jagdbehörde zum Forsthaus, welche die Strecke begutachten und die Trophäen bewerten. Ganz wichtig ist es dem Jagdführer ein angemessenes Trinkgeld zu geben! Die Unterkunft, Verpflegung und Gastfreundschaft war einmalig!

Abschließend kann ich sagen, dass es eine unglaubliche Reise war und habe bereits fürs nächstes Jahr zur Blattzeit das selbe Revier gebucht. Ich entschied mich für das Angebot vom Jagdbüro G. Kahles, 4 Tage Jagd mit Unterkunft, Verpflegung, Pirschführung und Trophäenbehandlung sowie inklusive 5 Böcke egal wie stark für insgesamt damals rund 1600€. Mal wieder war ich damals sehr erfolgreich mit 9 Böcken!

Wer also mal nach Herzenslust, wie in alten Zeiten jagen möchte, ist in Masuren genau richtig. Zwar sind die Trophäenstärken in Masuren generell schwächer als in anderen Gegenden Polens, aber das Jagderlebnis und die Landschaft sind umso spannender! :) Mit dem Service vom Jagdbüro G. Kahles bin ich sehr zufrieden und kann es nur weiter empfehlen! :)

Strecke von der 2014er Jagd:

Hier noch einige Bilder von Unterkunft:


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